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> : Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

W 65. Samstag, den 13. August 1904. 55. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hatte Donnerstag Vormittag eine Konferenz mit dem Reichskanzler, empfing Mittags die südweftäfrikanischen Ansiedler in Gegenwart des Reichs- Mzlers. Der Monarch reichte allen die Hand und nahm aus dem Munde Erdmanns, des Sprechers der Abordnung, die Wünsche der Farmer entgegen. Der Kaiser ging die Darlegungen des Sprechers Punkt für Punkt .durch. Aus der Entgegnung des Kaisers glaubten dw ! Herren die bestimmte Hoffnung schöpfen zu dürfen, daß ihre Wünsche beim Kaiser dieselbe sympatische Auf­nahmen finden, der sie in Regierungskreisen begegneten. Der Kaiser verabschiedete sich nach dem halbstündigen Empfange^ freundlich von der Abordnung und wünschte allen glückliche Heimfahrt. Der Kaiser ist heute nach­mittag 2 Uhr von Berlin abgefahren und wird gegen Ä Uhr in Wilhelmshöhe eintreffen.

. Umfangreiche Lieferungen von langen Stiefeln für die Truppen in Südwestafrika haben die Schuh- .Uyd Stiefelfabrikanten in Dahme erhalten. Der Zu­schnitt-der Stiefel wird ihnen bis auf das Fleckleder geliefert; Die Stiefel werden meist durch Heimarbeiter angefertigt.

*4;^ Russische Bestellungen sind in größerem Maß­stabe bei der Krupp'schen Fabrik gemacht worden, so,daß diese in der Abteilung für Waffenwesen sehr stark beschäftigt ist. Ebenso hat die russische Regierung bei einigen Fabriken größere eilige Bestellungen ge« Mächt, so u. a. auf mehrere hundert Waschmaschinen.

' -7- Aus Tokio wird gemeldet: Wie verlautet, ließ Kaiser Wilhelm nach dem Tode des Generals Vicomte Jamaguschi der hiesigen deutschen Gesandtschaft ein ^elegranuN zugehen, worin er seine Teilnahme an dem Hinscheiden des. Generals, besonders in Erinnerung en die von dem Verstorbenen während der Chinawirren dem General-Feldmarschall Grafen von Waldersee gegenüber erwiesene Kameradschaft ausdrückte und an- ordnete/ daß Oberstleutnant von Foerster an.der Beer­digung teilzunehmen, sowie dem Beileid des Kaisers Ausdruck zu geben habe._____________________________ - Ausland.

j. Aus Petersburg wird gemeldet, daß die. Armee Kuropatkins bis Ende August 400 000 Mann zählen wird, dies ist der Zeitpunkt, den Kuropatkin, als er 'Petersburg verließ, als denjenigen angab, wo seinem -Plane gemäß erst der eigentliche Feldzug beginnen sollte; In ungefähr zwei Wochen stoßen zu Kuropatkins jetzigem Bestände noch 150 000 Mann.

DerDaily Telegraph" meldet aus Tschifu: Der Kampf um Port Arthur tobt noch immer mit un­verminderter Heftigkeit. Heute liegen Nachrichten über neue schwere Gefechte vor. Zwei von Port Arthur in Tschifu eingetroffene Kuriere, welche die Stadt am 5. August abends verließen, berichten, die Japaner hätten

Glänzendes Elend.

Roman von Arthur Roehl.

Nachdruck verboten.

- (Fortsetzung.)

Du bist hier so sehr von allerhand anderen Leuten in Anspruch genommen", sagte er mit pikirt genug klingender Stimme.Je länger ich hier bin, desto mehr sehe ich ein, daß es nicht nötig gewesen wäre, mir zu schreiben, daß ich Herkommen soll. Ich bin hier überflüssig, Franziska. Du hast hier andere Gesellschaft genug".

Sie schwang sich auf ihrem Sitz weiter zu ihm herum.

Bist Du eifersüchtig, Arnold?"

Sie lachte.

'Das werde ich dem guten alten Baron von Schlick sagen. Er wird sich etwas darauf zu Gute tun, ich bersichere Dirs. Ein Kavallier ist der alte sechzig- jährige Herr jedenfalls. Manch Jüngerer könnte sich an ihm ein Beispiel nehmen. Haft Du ihn jemals ohne feinste Jonvins an den Händen, ohne eine Gar- dene im Knopfloch und ohne einen Madrigal auf den Lippen gesehen? Er weiß, was Frauen gefällt."

Aber der Husar auch?" sagte Stahl, als die junge Dame abbrach. Die Frage hatte einen scharfen, deut­lich zielbewußten Klang.

Du meinst Graf Rex?" sagte sie.

§Wen soll ich sonst meinen?"

am 4. August abends den Angriff auf die Hauptlinien der russischen Befestigungen, die sich über den linken Flügel der Russen erstrecken, begonnen; beide Flotten seien in Tätigkeit gewesen. Der Kampf dauerte bis zum frühen Morgen. Die Japaner hätten verschiedene Sturmangriffe gemacht, seien aber mehrfach mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. Ihre Verluste sollen die bei den Kämpfen um den Wolfshügel und den Grimhügel erlittenen noch übersteigen. Aus Seiten der Russen sollen über 1000 Mann in dem Kampfe gefallen sein, der als der bisher schwerste des Krieges bezeichnet wurde. Die russischen Truppen seien durch die Zivilbevölkerung Port Arthurs unterstützt worden. Ueber die Beschädigung der Flotten sei noch nichts bekannt. Japanische Offiziere dementieren die Meld­ungen über die großen Verluste der Japaner vor Port Arthur.

In dem Salonwagen des königlichen Zuges, welcher den König Alfons von Spanien nach Viktoria bringen sollte, entdeckte man 3 Dynamitpatronen. Die Untersuchung ergab, daß die Patronen durch die Be­wegungen des Zuges unfehlbar zur Explosion gebracht worden wären und den Zug vollständig zertrümmert hätten. Der König hat infolgedessen die Reise verschoben. Von der Zensur werden nur wenige Einzelheiten über diesen Vorfall durchgelassen.____________________________

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 12. August 1904.

* Wer die Staatssteuer pro Juli, August und September, außerdem in unserer Stadt die erste Hälfte der Kreissteuer für das laufende Jahr und das Schul­geld füffs zweite Vierteljahr noch nicht bezahlt hat, säume nicht länger mit der Einzahlung, da am 17. d. Monats zwangsweise Beitreibung eingeleitet wird. Werter machen wir daraus aufmerksam, daß das befristete Staats- loosholzgeld für dieses Jahr bis spätestens den 1. Sept. zu bezahlen ist und nach Ablauf dieser Frist ebenfalls zwangsweise Beitreibung der rückständigen Beträge erfolgt.

* DerAllgemeine Staatseisenbahnverein" Elm veranstaltet kommenden Sonntag sein diesjähriges Wald­fest, das sich sicherlich eines großen Zuspruchs erfreuen dürfte, da alle Vorbereitungen hierzu vorhanden, auch unser allgemein bekannter Festwirt Herr Fritz Denhard in umsichtiger Weise wie gewohnt seines Amtes dort walten wird.

* Die erledigte Stelle eines Stadtförsters zu Steinau soll am 15. November d. I. mit einem technisch qualifizierten Beamten neu besetzt werden.

* Wichtig für Radfahrer! Nach einer Ent­scheidung des Reichsgenchts macht sich jeder Radfahrer strafbar, wenn bei eintretender Dunkelheit sein Fahr­rad, auch wenn er dasselbe schiebt (?) nicht mit einer hellbrennenden Laterne versehen ist, da einZ Fahrrad

Großer Himmel", stieß sie vor. Laß den armen bedauernswerten Grafen, ich bitte Dich, aus dem Spiel. Ich sage Dir, es ist ein Labsal für Alle, daß er nach der Geierkogelau kam. Wir hätten sonst gar keine Unterhaltung gehabt. Aber so kam er und wir haben gelacht; doch Du weißt es selbst, Arnold, was er für ein unvergleichlicher Gesellschafter ist. Nur schade", fügte er hinzu,daß er, wie es heißt, hilflos herunter- gewirtschaftet ist, so daß er dicht vor seinem Ruin stehen soll."

Wovor ich an Deiner Stelle, wo Du es doch kannst, solch einen unvergleichlichen Menschen retten würde, Franziska."

Sie sah ihn statt jeder Entgegnung groß an. In ihrem Blick lag stumme Entrüstung. Sie hatte die boshafte Anspielung, die in seinen Worten lag, ver­standen. Es war klar, ihr Vetter trug sich mit Eifer­suchtsgedanken gegen den Husaren.

Der junge Mann übrigens Niemand anders als der Brauereibesitzer Herr Arnold Stahl aus Berlin war vor Kurzem erst in dem Tiroler Bergtal ein­getroffen, herbeigerufen von seiner Cousine, der Malerin in dem Hotel zur Geierkogelau, die ihm einen Tag wie den anderen verlockende Schilderungen von ihrer Sommer-Villegiatur nach seinem Brauhofe geschickt hatte.

Sie hatte ihm, wenn er kam, außerordentliche Ge­nüsse in Aussicht gestellt.

Vorerst natürlich die grandiose Natur, die Berge

einem Fuhrwerk gleichgeachtet wird. Viele Radfahrer glauben, wenn sie ihr Fahrrad schieben, brauchen sie keine Laterne, das ist aber unrichtig. Sollte das Reichsgericht wirklich in diesem Sinne entschieden haben, was wir aber nicht glauben können, dann, fragen wir, was soll der Radfahrer mit seinem Rade anfangen, wenn ihm z. B. die Laterne durch höhere Gewalt rc unbrauchbar gemacht wird. Red. (Han. Ztg.)

* Der 16. August ist der Tag von Mars-la- Tour, und die Erinnerung an jene denkwürdige und glorreiche Schlacht, in der 1870 Prinz Friedrich Karl, der kühne Feldherr, den französischen Marschall Bazaine schlug und dadurch dessen Abmarsch von Metz nach Verdun unmöglich machte, lebt von neuem in allen patriotischen Herzen auf. Von früh 7 Uhr bis abends gegen 8 Uhr hatte das kleine durch viele Märsche an­gestrengte Häuflein, anfangs das 3. Armeekorps allein, gegen einen überlegenen Feind gestritten, ihm den Rück­zug nach Paris abgeschnitten, und denselben später zur Kapitulation von Metz gezwungen. Schwer war der Kampf, groß war der Sieg, noch größer die Ehre, aber auch der Verlust. Der Verlust der Preußen betrug an diesem Tage 711 Offiziere, 9 Aerzte, 15079 Mann und 2736 Pferde, derjenige der Franzosen 879 Offiziere und 16128 Mann, einschließlich der Gefangenen. Wenige der Helden von Mars - la - Tour kehrten also in die Heimat zurück, und noch kleiner ist ihre Zahl in all den Jahren von damals bis heute geworden; den gefallenen und den noch lebenden aber bringt das dank­bare Volk Lob und Ehre heute noch ebenso warmen Herzens dar, wie vor 34 Jahren, als die Kunde von jenem heldenmütigen Kampfe und glorreichen Siege die Welt mit Staunen und Bewunderung erfüllte. Prinz Heinrich, der Bruder unseres Kaisers, vollendet am Sonntag sein 42. Lebensjahr. Das deutsche Volk nimmt denn auch freudigen Anteil an seinem Geburtstage und bringt dem ritterlichen Prinz-Admiral zu diesem seinen Freudentage die herzlichsten Glück- und Segenswünsche für's neue Lebensjahr und für die spätere Zukunft dar.

* Uneheliche Geburten. Auf die Gesamtzahl der Geburten in Deutschland im Jahre 1901 von 2 037 898 kamen 179 683 uneheliche Geburten, das sind 8,57 Proz. Im Gesamtdurchschnitt der Jahre 18911900 betrug sie 9,12 Proz., sie ist also zurückgegangen. In Hessen- Nassau kamen auf 44 731 Geburten 2553 uneheliche = 5,71 Proz., gegen 5,94 Proz. im Jahre 1900. Hessen-Nassau nimmt hinter Rheinland und Westfalen die drittbeste Stelle ein. Am Ungünstigsten steht Berlin Mit 13,94 Proz., sowie die Provinz Schlesien mit 10,18 Proz. und Sachsen mit 10,33 Proz. Die außer­ordentlich geringe Prozentziffer in Rheinland 3,56 Proz. und Westfalen 2,70 Proz. gibt indessen nicht ohne Weiteres das Recht, auf einen bedeutend höheren Stand der Sittlichkeit in diesen Provinzen zu schließen. Waldeck hat 7,00 Proz. und Schaumburg-Lippe 3,37 Proz. und Triften, die Seen, die Wasserstürze und die reine Höhenluft.

Aber dann auch die Gesellschaft, die sie gefunden hatte, ein belustigender Kreis vornehmer Originale.

Der Mittelpunkt dieses interessanten Zirkels wurde von einer freiherrlichen Familie Schlick gebildet, die ihr eigentlich schon von früher her nicht ganz un­bekannt war.

Eine Tochter des Hauses Schlick hatte sich eine Zeit lang in demselben Dresdener Pensionat befunden indem sich auch sie, Franziska, zu ihrer Ausbildung aufgehalten hatte. Die Schlicks lebten in Berlin. Sie hatte die ehemalige Pensionsgenossin dort auch mehr als einmal im Theater, im Zoologischen, auf den Pro­menaden wiedergesehen.

Wie das aber so kommt.

Sie gehörten zwei vollständig gesonderten Gesell­schaftsschichten an. Die eine war Freiin. Die andere Gerbermeisterstochter. Sie hatten sich übersehen und nicht wiedererkannt.

Aber auf den Bergen war das anders gewesen. Auf Reisen nimmt man" seinen Dünkel nicht mit. Und in der Geierkogelau war es die kleine Mira Schlick gewesen, die der ehemaligen Pensionatskamerädin um den Hals fiel und sie bat, ihre Studienbekanntschaft zu erneuern und sich ihr anzuschließen.

Arnold Stahl hatte nacheinander von ihnen alle pickelnde Schilderungen, wie Momentaufnahmen haar­scharf erhalten,