Einzelbild herunterladen
 

SchWernerMun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

X 61.

Samstag, den 30. Juli 1904.

55. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nl. 2692 K.'A. Dem bei dem Landwirt Fritz Weitzel in Dienst stehenden Dienstknecht Georg Schäfer zu Steinau ist für langjährige treue Dienstzeit eine erstmalige Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln be­willigt worden.

Schlüchtern, den 23. Juli 1904.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.

Deutscher Reich.

Der Kaiser setzte seine Nordlandsreise bei dem schönsten Wetter fort. Die von Rußland im Roten Meer herbeigeführten Zwischenfälle beschäftigen den Monarchen zurzeit in besonderem Grade. Die Akten und das Depeschenmaterial, das die Kuriere überbringen, ist infolgedessen auch ein ausnahmsweise großes.

Der Kaiser ist nach guter Fahrt am Dienstag vor Naes eingetroffen und hat das Frühstück in Roms- dal eingenommen. An Bord alles wohl.

Der Kaiser wird in Swinemünde voraussicht­lich am 3. August landen. Der neuernannte dienst- tuende Flügeladjurant Graf Soden erhielt Befehl, sich dort auf der Kaiserjacht zu melden.

Anläßlich des Besuches des Kaiserpaares in Altona, der Anfang September stattfinden wird, haben die dortigen städtischen Kollegien in geheimer Sitzung zur Ausschmückung des Hafens, der Feststraße und der öffentlichen Gebäude, sowie für die Illumination am Abend des 4. und 5. September die Summe von 40 000 M. bewilligt. Davon wurden 10 000 M. für die Beleuchtung bestimmt. Das Kaiserpaar wird, wie nunmehr feststeht, dein großen Zapfenstreiche von dem Altonaer Rathause aus beiwohnen.

Eine für Südwestafrika bestimmte Telegraph'n- kompagnie ist in Berlin zusammengetreten. Sie besteht aus 5 Offizieren, 1 Feldwebel, 22 Unteroffiziere und 133 Mann. Die Abreise von Hamburg erfolgt am 6. August.

In nächster Zeit wird derVoss. Ztg." zufolge eine offizielle Liste der Mitkämpfer im Hererofeldzuge herauskommen, die vom Kaiser durch Ordensverleihungen ausgezeichnet worden sind. Der durch den Entsatz von Okahandja und Windhuk und durch den Sturm auf Omaruru rühmlichst bekannt gewordene Hauptmann Franke hatte den Roten Adlerorden 3. Klasse mit Schleife und Krone erhalten.

Gouverneur Leutwein wird nach neueren Meld­ungen aus Südwestafrika nach Deutschland auf Urlaub reisen, von dem er voraussichtlich nicht mehr auf seinen Posten als Gouverneur zurückkehrt.

Bei der Firma Krupp in Essen liefen seitens Rußlands so große Bestellungen auf Kriegsmaterial ein, daß in den betreffenden Werkstätten fortgesetzt Ueberstunden gemacht werden müssen.

Getrennte Wege.

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Pah!" schrie Kurt von Dalldorf.Der Ring ist Einsatz, Los!"

Das darf ich nicht zulassen!" beharrte Baron von Schwertling.

Entweder oder!" fuhr der junge Dalldorf auf.

Hier kann kein Zwang geduldet werden!" sagte der Croupier und ließ von seiner Weigerung nicht ab.

Die Baronin versuchte, den leidenschaftlich erregten Dalldorf vom Spiele wegzubringen, was ihr aber nicht gelang.

Um diesen Zwischenfällen ein Ende zu machen, be- lieh der Bankhalter den Ring mit 500 Mark, damit er nicht wieder in andere Hände gelange. Auch mußte er befürchten, zu sehr Aufsehen zu erregen.

Das Spiel nahm wieder seinen Fortgang.

Während die Kugel rollte, herrschte banges, erwar­tendes Schweigen.

Immer wieder verlor Kurt von Dalldorf. Seine Leidenschaft steigerte sich bis zur völligen Besinnungs­losigkeit, die Treskow zu seinen Gunsten erwartete.

gab dem Richter zu verstehen, sich an die Person des Barons von Schwertling zu halten, während er sich Kurt von Dalldorf sichern wollte.

He erregter aber dieser wurde, um so ruhiger ver-

Ausland.

DerStandard" meldet aus Tientsin: Die Russen wurden am 24. Juli nahe bei Taschitschiao gänzlich geschlagen. Dasselbe Blatt erfährt aus Schanghai: Die Russen waren in dieser Schlacht 30 000 Mann stark und verteidigten sich hartnäckig; die Japaner seien aber erfolgreich geblieben. Wie dieDaily Mail" aus Niutschwang meldet, habe der Kampf 14 Stunden gedauert. Die japanische Feuerlinie war 24 Kilometer lang. Die Verluste auf beiden Seiten waren sehr groß. Die Russen wurden von den Höhen vertrieben.

Aus Mukden wird gemeldet: Nach hier einge­gangenen Meldungen nahmen an dem Artilleriekampf bei Taschitschiao auf russischer Seite gegen hundert Geschütze teil. Ihr Feuer war sehr erfolgreich, fügte dem Feinde ernste Verluste bei und zerstörte viele seiner Geschütze und Munitionswagen. Die russischen Verluste bezifferten sich nicht über 50 Mann.

DemReuterschen Bureau" wird aus General Kuroki's Hauptquartier über Fusan vom 26. ds. ge­meldet, daß allem Anscheine nach unter den Russen stark Fieber und Dysenterie herrscht.

Der russische Minister des Innern Plehwe ist auf der Fahrt zum Warschauer Bahnhof durch eine Sprengbombe getötet worden.

Der französische Botschafter übergab gestern dem hiesigen Roten Kreuz-Komite die Summe von 10 000 Franks, welche von der Stadt Paris gespendet wurden.

Die Leiche des ehemaligen Präsidenten der Transval-Republik, Krüger, ist am Dienstag in Haag eingetroffen. Auf dem Bahnhöfe überreichte im Auf­trage des Hofes ein königlicher Kammerherr der Familie Krüger einen Kranz, dessen Schleife die Initialen der Königin und des Prinz-Gemahls trug. Die Regierung war durch zwei Minister vertreten.___

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 29. Juli 1904.

* Wir möchten unsere geehrten Leser auf die im Kreisblatt enthaltenen Bestimmungen,Einquartierung" betreffend, ganz besonders aufmerksam machen.

* Wieder zur Schule! Die großen Ferien sind zu Ende und nächsten Dienstag gehts wieder zur Schule. Die schöne Zeit süßen Nichtstuns und ungebundener Freiheit ist dahin und nur in der Erinnerung lebt sie auf Wochen hinaus immer von neuem wieder auf in den Herzen der jungen Ferien-Rentiers a. D. Der Schulranzen, den Buben und Mädchen vor vier Wochen so frohen und leichten Herzens über Bord geworfen, er ist nun wieder gepackt, und der Schule altbekannte Räume beleben sich wieder mit Schaaren hoffnungs­voller Schüler und Schülerinnen. Möge ihr Einzug gesegnet sein und möchten alle neu gestärkt an Körper und Geist mit neuem Lerneifer zur Freude ihrer Lehrer den ersten Schulgang nach den Ferien antreten zu hielt sich der Baron. Dieser wußte, daß nur seine Besonnenheit der Leidenschaft Dalldorfs gegenüber etwas bewirken könne und richtete sich darnach ein.

Wiederum war Kurts letzter Einsatz verloren, da verkündete der Baron mit lauter Stimme:

Die Bank hat geschloffen!"

Bei diesem Rufe machte der Kommissar den Richter durch einen Wink darauf aufmerksam, daß jetzt jeden Augenblick der Zeitpunkt des Eingreifens gegeben sei.

Die Ankündigung des Croupiers war nicht nach dem Willen Kurt von Dalldorfs, dieser stieß mit einem heftigen Ruck den Stuhl zurück, sprang auf und schrie, daß alle Anwesenden aufmerksam wurden:

Die Bank hat betrogen!"

Ruhe!" donnerte jetzt die Stimme des Croupiers dazwischen; aber der erregte Dalldorf ließ sich nicht zum Schweigen bringen:

Ich behaupte es! Schwindler!"

Bei dieser Anschuldigung ballte sich anfänglich die Faust des Barons zum Schlage, aber sofort wieder hatte er die Herrschaft über sich gewonnen. Mit ruhiger Stimme, als ob nichts vorgefallen wäre, sagte er zu Kurt von Dalldorf:

Sie werden diese Stimmung bis morgen vergessen haben. Sollten Sie das Wort nicht zurücknehmen, so müßte ich ein noch bedeutungsvolleres aussprechen."

Hierbei sahen seine beweglichen Augen starr und fest auf Kurt von Dalldorf.

weiterem erfolgreichen Lernen fürs spätere ernste Leben. Daraufhin ein fröhlichesGlückauf!" zum bevor­stehenden Schulanfang.

* Eine totale Sonnenfinsternis haben wir in diesem Jahre am 9. September zu verzeichnen. Es sei beizeiten auf den Vorgang aufmerksam gemacht, weil Schaulustige erst eine längere Reise nötig haben, um ihre Neugier zu befriedigen. Die Plätze, von denen aus diesmal etwas von dem Schauspiel zu sehen ist, liegen nämlich im Großen Ozean und auf der westlichen Hälfte Südamerikas. Auf dem europäischen Kontinent wird von der Sonnenfinsternis nichts zu merken sein.

* Zur Erleichterung von Notschlachtungen auf dem Lande hat die preußische Regierung genehmigt, daß bei solchen Vorfällen nicht blos der zuständige Tierarzt, sondern auch andere Tierärzte, gegen deren Zulassung keine Bedenken vorliegen, zugelassen werden können.

* Ein für Kartenspieler bemerkenswertes Urteil fällte in der Berufungsinstanz das Landgericht zu Dortmund. Ein Spieler hatte eine Karte beiseite ge­schafft, um dadurch das Spiel des Gegners, einen Grand, nichtig zu machen. Die Sache kam zur Anzeige und das Gericht erkannte wegen Betrugs auf eine Woche Gefängnis. Da der Angeklagte jedoch nicht bestraft war, wurde nur auf eine Geldstrafe von 25 M. erkannt. Immerhin ein teurer Grand, zumal die Kosten des Prozesses etwa 150 Mark betragen.

* Herr Professor Diemar aus Marburg wird in unserer Stadt an sechs aufeinanderfolgenden Samstagen und zwar mit dem 6. August des Jahres beginnend, sechs wissenschaftliche Doppelvorlesungen für Lehrer überHessische Geschichte im Mittelalter" halten. An­meldungen nimmt Herr C. Freund in Schwarzenfels entgegen.

* Die 70. Jahresversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde tagte am Dienstag im Rittersaale in Marburg. Der Jahresbericht ver­zeichnete eine erfreuliche Zunahme an Mitgliedern. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Schlüchtern gewählt.

* Heftige Gewitter, die zum Teil mit Hagelschlag verbunden waren, den lechzenden Fluren aber auch den erquickenden Regen brachten, gingen am Montag Spät­nachmittag im ganzen Maingebiet, im Vogelbsberg, in der Rhön, im Fulda- und Werratal, sowie in Thüringen nieder. An verschiedenen Orten fiel Hagelschlag, besonders stark bei Ostheim (Rhön). Auch in der Provinz Rheinhessen richtete der Wirbelsturm an den Obstbäumen ganz erheblichen Schaden an.

* Ferienstrafkammer Hanau. Am 8. Dezember 1903 wurde Herr Kaufmann Keßler von Schlüchtern auf der Hrn. Joh. Zeber-Willingshof gehörigen Schafwiese mit einer Jagdflinte angetroffen. Herr Zeber führte

z Dieser wich vor diesem Blick zurück und sagte dann keuchend vor Erregung:

Ich lasse mich länger nicht mehr drücken! Sagen Sie ruhig das Wort, ich lade dennoch alle Schuld auf Sie. Nur Sie hatten alles soweit kommen lassen."

Da Baron von Schwertling Miene machte, sich spöttisch lächelnd zu entfernen, gab Treskow dem Richter das Zeichen einzugreifen.

Kommissar Treskow legte seine Hand auf die Schulter Dalldorfs und sagte:

Im Namen des Gesetzes erkläre ich Sie für ver­haftet! Sie haben sich selbst verraten."

Diese Worte übten eine solche Wirkung auf den jungen Dalldorf aus, daß er nur verständnislos in das Gesicht Treskows starrte.

Kaum hatte dieser die ersten Worte gesprochen, da griff die Hand des Richters nach dem Arme des Barons von Schwertling. Dieser aber hatte die Si­tuation sofort erfaßt und wollte sich losreißeu, doch die Hand des Richters hielt seinen Arm wie in einen Schraubstock umklammert.

Die Baronin aber war aufgesprungen und hatte das Licht ausgedreht.

Nun entstand eine vollständige Verwirrung. Der Kommissar sicherte sich die Person Dalldorfs, in dem er den Mörder vermutete. Dieser hatte nun auch ver­sucht, sich der Umklammerung Treskows zu erwehren. Dieser aber verfügte trotz seines Alters noch über un­geahnte Kräfte. Er drückte den jungen Dalldorf mit