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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 60.
Mittwoch, dm 27. Juli 1904.
55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Die Nordlandsfahrt des Kaisers. Aus Dront- Heim wird berichtet: Wie alljährlich stiftete Kaiser Wilhelm diesmal als Beihilfe zum Weiterbau des Drontheimer Domes 1000 Kronen. Zur Abendtafel waren Fräulein Dressel, Frau Compton, Kapitän Rose und Herr van Vorbis von der im hiesigen Hafen liegenden amerikanischen Jacht „Margarita", ferner der frühere Militärattache in Berlin, norwegischer Brigadekommandeur Rustad geladen. Die Kapelle der „Hohenzollern" verunstaltete in der Stadt ein sehr gut besuchtes Konzert zum Besten der Unterstützungskasse des Deutschen Vereins.
— Der Kaiser wird, wie die „Truth" meldet, wahrscheinlich die zweite Hälfte des Monats November in England zubringen und in diesem Falle der Gast des Königs und der Königin im Schlosse zu Windsor und von Lord und Lady Lonsdale in Lowther Castle sein. Das Gerücht, daß der Kaiser sich während der Regattawoche in Cowes einfinden werde, entbehrt derselben Quelle nach jeder Begründung.
— Das deutsche Geschwader ist Freitag in Ostende eingetroffen.
— Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Nach einem Telegramm des deutscher. Konsuls in Aden vom 21. Juli war der Vorgang bei der Beschlagnahme von Poststücken auf dem „Prinzen Heinrich" durch den „Smolensk" folgendermaßen: „Prinz Heinrich" wurde auf offener See auf der Höhe von Abu Aile angehalten. 2 Offiziere und 20 Mann von dem „Smolensk" kamen an Bord. Die gesamte Post wurde untersucht und die Poststücke für Japan mitgenommen. Nach einem Schreiben des Kapitäns des „Smolensk" an '.den Kapitän der „Persia", dem die einbehaltene Pvy zur Weiterbeförderung übergeben wurde, sind dieser Post zwei Pakete entnommen worden, die von einer deutschen Munitionsfabrik an eine japanische Adresse in Nagasaki aufgegeben waren.
Ausland.
— Die letzten amtlichen Kriegsberichte haben in Petersburg einen sehr niederschlagenden Eindruck gemacht. Allgemein wird befürchtet, daß die Wahrheit verschwiegen wurde und daß Kuropatkin sich bereits in höchst gefährdeter Lage befinde. Besonders will man nicht glauben, daß Kuropatktn allein über 1000 Mann opferte, nur um Erkundigungen über die feindlichen Stellungen einzuziehen.
— Dem Reuterschen Bureau wird aus General Kurokis Hauptquartier über Fusan vom 22. Juli gemeldet, daß das Resultat von Kurokis 5tägiger Tätigkeit darin bestanden habe, daß die Japaner sich bessere strategische Linien zum Vormarsch gesichert und daß die Russen ihre besten Verteidigungsstellungen auf beiden Straßen Liaojang-Mukden verloren hätten.
Getrennte Wege
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Unter den Zuschauern befanden sich Treskow und der Richter. Um aber von Kurt von Dalldorf, oder auch von anderen nicht erkannt zu werden, trugen sie Masken; das bedeutet, sie hatten das Haar gefärbt, Treskow sich mit einem Kneifer versehen, während der Richter ein Monokle eingeklemmt hatte. Sie hatten sich beide so stutzerhaft ausgerüstet, daß sie unmöglich erkannt werden konnten.
Schon gegen Abend hatten die beiden vor des Baron Schwertlings Wohnung das Erscheinen der drei ^wartet, waren diesen nachgefolgt und hierher gelangt. Da sie sofort die Gewandtheit besaßen, durch ihr Auf- treten als hier bekannte Gäste zu gelten, erregten sie “in Aufsehen. Treskow hatte fortwährend mit einer ^schreitenden Verhaftung gezögert, da er hoffte, hier vielleicht neue Ueberführungsgründe zu finden.
Trotzdem er an der Schuld dieser drei Personen mehr den geringsten Zweifel hegte, so wäre es M doch angenehmer gewesen, unwiderlegbare Momente herbeizuführen.
Dies erhoffte er hier.
„Rouge perd--"
He ^^ von^ Dalldorf hatte seinen letzten Einsatz an
— Aus Suez wird gemeldet: Der Dampfer Scandia der Hamburg-Amerika-Linie ist im Roten Meere von den Russen festgehalten worden und traf hier unter russischer Flagge, besetzt mit russischen Offizieren und Mannschaften, ein.
- Die sterblichen Reste des ehemaligen Transvaal- Präsidenten Krüger werden Dienstag Nachmittag aus Clarens im Haag ankommen, wo sie auf einige Monate in der Kapelle des Friedhofes Pud Eik En Duinep beigesetzt werden sollen. Dem Trauerzuge werden sich die Spitzen der Behörden anschließen. Später soll die Leiche an Bord eines holländischen Kreuzers nach Südafrika gehen.
Males und Provinzielles.
Schlüchtern, 26. Juli 1904.
—* Gestern Mittag zwischen 5 und 6 Uhr ging ein heftiges Gewitter über unsere Stadt und Umgegend nieder und brächte den dürstenden Fluren und Gefilden das erquickende Naß. Das ganze Firmament war mit einem blendenden Grau-Gelb-Rot überzogen, aus dem fortwährend leuchtende Blitze zuckten. Der niedergehende starke Gewitterregen mit heftigem Sturm dauerte etwa eine Stunde an und wirkte recht intensiv, denn das Erdreich war über einen Spatenstich tief von der Feuchtigkeit durchzogen. Ein solcher durchdringender Regen tat aber auch seit länger denn einer Woche dringend not. Der Sturm hat in einigen Gärten Bäumchen und Ziersträucher geknickt. Diese kleine Schäden wurden indes reichlich ausgewogen durch den Nutzen, den der Regen der Landwirtschaft brächte. — Wie man uns nachträglich mitteilt, soll der orkanartige Sturm einen großen Teil der Obstbäume an der Fuldaerstraße entleert haben und einige Getreidefelder durch die Wucht desselben niedergepeitscht worden sein, — Der höchste Thermometerstand der letzten Tage war: Samstag 29.9 Grad, Sonntag 32.7 Grad, Montag 30.4 Grad.
— Bei dem gestrigen Gewitter wurde in Weißenbach bei Brückenau eine Frau vom Blitze getötet. Dieselbe war mit Kornschneiden beschäftigt und suchte Schutz unter einem Baum. Wiederum eine Warnung, sich bei Gewittern unter Bäume zu stellen-
—* Die „Hundstage" beginnen am 23. Juli, und dauern bis zum 23. August. Sie führen den Namen von dem Hundsstern, dem im Süden hellstrahlenden Sirius, der, da er auch im südlichen Europa am 23. Juli erscheint, als der Bringer der wärmsten Tage angesehen wird. Der Aufgang des Hundssternes fällt mit dem Eintritt der Sonne in das Tierkreiszeichen des Löwen, des Beherrschers der Tierwelt der heißen Zone, zusammen. Die Landleute pflegen deshalb zu sagen: „Wenn die Sonne in den Löwen gehet, die große Hitze im Jahr anfähet."
—* Die Schützengesellschaft Elm beging am letzten Sonntag auf ihrem Schützenplatze oberhalb des
Mit zorngerötetem Gesicht sprang er empor, wobei sich seine Fäuste ballten, und knirschte in unterdrückter Wut:
„Die Bank betrügt!"
Das Gesicht des Croupiers verriet nicht die mindeste Aufregung. Während die übrigen Kurt von Dalldorf im Auge hielten, um ihn von eventuellen Tätlichkeiten zurückzuhalten, setzte Baron von Schwertling zu einem neuen Spiele ein.
„Rouge perd et noir perd, la banque gagne toujors," flüsterte Treskow seinem Begleiter zu, der verständig zunickte.
Auch Kurt von Dalldorf hatte sich wieder beruhigt und gesetzt. Sein Gesicht zeigte Leichenblässe, als er in die Tasche griff und eine Brillantbrosche als Einsatz auf den Tisch legte.
In demselben Augenblick sah Treskow in das Gesicht des Croupiers. Dieser stutzte, als Kurt von Dalldorf diesen Schmuck hervorbrachte, dann aber machte er zu der Baronin hin, eine bezeichnende Geberde. Daraufhin erhob sich diese und begab sich scheinbar unabsichtlich in die Nähe des jungen Dalldorf.
Das hatte Treskow betraten, daß dies eins der gestohlenen Wertgegenstände sein müsse. Als er nun auch die Broche selbst betrachtete, konnte er sich entsinnen einen solch beschriebenen Schmuck unter den geraubten Sachen gelesen zu haben.
Ein Wink der Zustimmung von feiten des Richters
Bahnhofs ihr diesjähriges Schützenfest verbunden mit Preisschießen. Dasselbe war von auswärts trotz der tropischen Hitze gut besucht, auch war ja nicht zu befürchten, daß das edle Naß nicht genügend angefahren war oder die Magenfrage nicht genügend ventiliert worden wäre. Die Arrangeure hatten alles bestens erwogen, um den fidelen Schützen einen recht angenehmen Mittag in Aussicht stellen zu können. Das gelang auch vollständig und jeder der Schützenbrüder wird die Schützengesellschaft Elm in gutem Andenken behalten. Die Preise bestanden in wertvollen Gegenständen und lassen nun die Resultate nachstehend folgen.
1. Preis: Iänisch, Lohr a. M. mit 32 Ringen
2. „ I. W. Knauf, Burgsinn „ 32 „
3. „ D a h m e r, Rineck „ 3o „
4. „ Doubert, Wächtersbach „ 30 „
5. „ Ko llmann, Elm „ 30 „
6. „ Werner, Fechenheim „ 29 „
7. „ Thaler, Schlüchtern „ 29 „
8. „ Komma, Wächtersbach „ 29 „
9. „ Schäfer, Fr., Schlüchtern „ 29 „
10. „ Singhoff, Elm „ 29 „
Die Ehrenscheibe schoß Herr A. Thaler von Schlüchtern und Herr Komma von Wächtersbach.
—* Der preußische Landwirtschaftsminister hat eine allgemeine Verfügung an die Landwirtschaftskammer erlassen, worin darauf hingewiesen wird, die Impfungen gegen Schweineseuchen zu verallgemeinern und in den besonders bedrohte,! Gegenden zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Die Impfungen sind von Tierärzten auszuführen.
—* Die Betriebsergebnisse der preußisch-Hessischen Staatsbahnen waren im Juni mit 125 881 000 M. um 4 620 000 M. größer als im Juni vorigen Js., oder auf den Kilometer mit 3801 M. um 101 M. Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr waren mit 39 723 000 M. um 15 000 M. geringer, die Einnahmen aus dem Güterverkehr mit 78 884 000 M. um 4 438 000 M. größer. In den ersten 3 Monaten dieses Etatsjahres waren die Einnahmen mit 377 597 000 Mark um 15196 000 M. größer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr waren in diesem Zeitraum mit 118 935 000 M. um 6 215 000 M., aus dem Güterverkehr mit 236 787 000 M. um 8 421OOO M. größer.
—* Für Wiederansiedlung von Birk- und Auerwild im Taunus ist in Wiesbaden eine Kommission, bestehend aus den Herren E. Andreae, Freyetsen, H. Hartmann-Frankfurt, Birkenauer-Usingen, v. Nathusius- Homburg, Staubesand-Königstein und Schneidewind- Wiesbaden. zusammengetreten. Sämtliche Jagdpächter im Taunus haben der Commission bindende Schonungszusage für das auszusetzende Wild erteilt. Auch hat der Landesverein Nasfau, sowie der Verein Hirsch- gab ihm zu verstehen, daß auch dieser das Manöver bemerkt hatte.
Die Baronin stand nun hinter Kurt von Dalldorfs Stuhl. Sie stützte sich auf dessen Lehne und sah anscheinend eifrig dem Spieler zu. Auch Treskow hatte sich genähert, um etwas hören zu können.
„Was fällt Ihnen ein? Sie verraten ja selbst alles!" zischte die Baronin zwischen den Zähnen hervor, doch nicht leise genug. Treskow hatte jedes Wort verstehen können.
Kurt von Dalldorf antwortete brutal:
„Das geht Sie des Teufels an."
Wieder ging sein Einsatz verloren. Ein anderer zog den Gewinn ein.
Der Bankhalter erbot sich sofort den Schmuck an- zukaufen, was Treskow bei der Gefährlichkeit des Objektes sehr begreiflich fand.
Für 500 Mark hatte er die Broche erstanden.
Wiederum setzte Kurt von Dalldorf einen Schmuck, diesmal war es ein Brillantring, den Treskow ebenfalls als geraubt erkannte.
„Wertsachen werden nicht angenommen!" kündete die Stimme des Croupiers.
Die Augen des leidenschaftlichen Spielers blickten tückisch auf den Bankhalter.
»Sie müssen!"
„Besinnen Sie sich doch!" flüsterte die Baronin wiederum. „Beherrschen Sie sich doch, sonst ist jq alles verloren." (Fortsetzung folgt.)