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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 23. Juli 1904
Deutsches Reich.
— Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist in Drontheim eingetroffen. Zur Begrüßung des Kaisers begaben sich der deutsche Konsul Jensfen und der Kommandant der Festung an Bord. Die Stavt und die im Hafen liegenden Schiffe tragen reichen Flaggenschmuck.
— Der Kaiser besuchte die Domkirche und begab sich dann nach dem Landsitz des Konsuls Jenssen, wo das Frühstück eingenommen wurde.
— Kaiser Wilhelm verblieb den Tag über auf der „Hohenzollern" und erledigte Regierungsgeschäfte.
— Der deutsche Kronprinz wird im Herbste eine Weltreise antreten, und zwar auf dem Kudettenschulschiff „Charlotte", das im Herbste eine neue Ausreise antritt.
— Das deutsche Geschwader hat Holland verlassen und durchquert jetzt den nordatlantischen Ozean, unter Vornahme kriegsmäßiger Uebungen.
— Wegen widerrechtlicher Beschlagnahme der deutschen Post durch den russischen Hilfskreuzer „Smolensk" hat die deutsche Regierung in Petersburg Beschwerde erhoben. Die Beschwerde richtet sich gegen die Wegnahme der japanischen Post von Bord eines regulären Postdampfers, die sich unter keinen Umständen rechtfertigen läßt, selbst wenn die Annahme gestattet erschiene, daß die Durchsuchung der Post nach Kriegs- kontrebande völkerrechtlich zulässig ist.
— Die Belästigung des deutschen Postdampfers „Prinz Heinrich" ist wenigstens zu einem Teile wieder gut gemacht worden: der russische Hilfskreuzer hat die so heldenhaft abgenommenen Postsäcke wieder ausgeliefert; allerdings nicht an ein deutsches Schiff, sondern an ein englisches; nämlich an den Dampfer < „Persia" der Peninsular and Oriental-Linie. T:- deutschen Beschwerden haben also Erfolg gehabt.
— Für einen weiteren Truppen- und Pferdetransport nach Deutsch-Südwestafrika hat die Regierung den Lloyddampfer „Wittekind" gechartert, der am 1. Aug. von Bremerhaven nach Hamburg in See gehen und am 6. August von dort die Ausreise nach Swakopmund antreten wird. „Wittekind" wird 500 Mann und 500 Pserde aufnehmen, die am 6. August von Münster in . Hannover abgehen.
— Das „Deutsche Kolonialblatt" gibt eine Uebersicht über die bis zum 19. Juni bekannt gewordenen Verluste in Deutsch-Südwestafrika. Danach waren entsandt worden 211 Offiziere, 51 Sanitätsoffiziere, 64 Militärbeamte, 5965 Unteroffiziere und Mann schaften, 32 Feldgeschütze, 12 Munitionswagen, 6 Maschinengewehre, 3320 Pferde aus Ostpreußen, Posen und Schlesien. Ferner wurden eingeführt aus der Kapkolonie 1310 Pferde und 420 Maultiere, aus Argentinen 547 Pferde und 25 Maultiere. Von der Schutztruppe für Kamerun wurden nach Südwestafrika abgegeben 4 Unteroffiziere, 1 Sanitäts-Unteroffizier,
Getrennte Wege.
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
„Sie sind also von dieser Anschauung geheilt?"
„Aber noch nicht zu Ihrer bekehrt!" fügte der Richter hinzu.
Treskow erwiderte nichts, sondern ging rasch dahin, vm bei dem Schriftexperten sich genaue Auskunft zu holen.
Der Experte, ein graues, dürres Männlein, schien sie erwartet zu haben, da das gesammte Material auf dem Tische bereit lag.
„Ein Resultat ist nun wohl gefunden?" war Tres- kvws erste Frage.
„Aber natürlich!" Der Alte rieb sich schmunzelnd die dürren, knochigen Hände.
„Und?"
In den Gesichtern der beiden Beamten war spannende Erwartung zu erkennen.
„Rahel von Dalldorf hat den Brief nicht geschrieben." _ „Das hatte ich mir wohl auch gedacht!" setzte der ------------ hinzu.
, o'rau Baron Schwertling
fit dieselbe wie die auf dem fraglichen Brief. Die Frau leidet. an Nervosität, daher die Verschiedenart der Schreibweise. Die Flüchtigkeit der Niederschrift des Miten Blattes mußte die so auffallenden Unterschiede
Kommissar dieser Behauptung
„Aber die Schrift von F
2 Feldgeschütze, 1 Maschinengewehr. Ferner wurden nach Südwestafrika entsandt 6 Feldgeschütze, 1 Maschinenkanone, 6 Maschinengewehre. Der Gesamtverlust bis zum 18. Juni betrug 428 Mann, darunter 32 Offiziere. Gefallen sind 129 Mann, darunter 14 Offiziere, an Wunden gestorben 9 Mann, darunter 3 Offiziere, an Krankheiten 48, darunter 1 Offizier. Vermißt und ermordet „etwa" 121. — Die neueste Verlustliste ergibt wieder 9 Tote, darunter 7 an Typhus Gestorbene.
Ausland.
-- Aus Petersburg wird gemeldet, daß wichtige Veränderungen im Oberkommando auf dem Kriegsschauplatze bevorstehen. Angeblich sollen zwei Armeen gebildet werden. Das Kommando der ersten werde Kuropatkin, der zweiten Alexejew übertragen werden.
— Kuropatkin berichtet folgendes Telegramm nach Petersburg : Am 17. Juli wurde der Vormarsch gegen die feindlichen Stellungen bei Lianschanguan angeordnet unter den Generalen Graf Keller und Kaschtalinski. Der Vormarsch begann von Thawuan aus gegen 10 Uhr abends. Gegen 5 Uhr morgens besetzten die Japaner den Ufanguanpaß und eröffneten ein äußerst starkes Artilleriefeuer. Der Versuch Kaschtalinski's, die Höhen südlich des Passes zu besetzen, mißlang. Gegen 8 Uhr morgens hielt Graf Keller es für notwendig, zu Kaschtalinski zu stoßen. Als er ins Vordertreffen gelangte, entschloß er sich, wegen der bedeutenden Streitkräfte des Gegners, um 10 Uhr die Truppen nach dem Janselinpaß zurückzuziehen und der Feind griff hierauf an. Um 3 Uhr nachmittags hörte der Kampf auf. Die Truppen kehrten nach Thawuan zurück. Der Verlust beträgt wahrscheinlich über 1000 Mann.
— Aus Teheran eingegangene Nachrichten besagen, daß die Cholera dort erschreckende Ausbreitung gewinnt. Die Europäer flüchten aus der Stadt ins Gebirge. Die Zahl der täglichen Sterbefälle soll bis zu 900 betragen und die Toten vielfach in den Straßen liegen bleiben. In Mandschill und Enseli ist eine fünftägige Quarantäne eingerichtet, es herrschen dort schlimme Zustände, denn es fehlt an Lebensmitteln und die dort festgehaltenen Personen nächtigen im Freien.
— Die Japaner benutzen im Artilleriekampf, wie von englischer Seite behauptet wird, einen eigenartigen Trick, der ihnen gleich von vornherein einen großen Vorteil über die Russen verschafft. Sie bringen nämlich eine Anzahl hölzerner Geschütznachahmungen in die Feuerlinie, die durch entsprechenden Anstrich täuschende
Ähnlichkeit mit wirklichen Geschützen erh, postieren sie so, daß sie die Russen leichi
mlten, und t bemerken
können. Diese eröffnen natürlich sofort das Feuer gegen die hölzernen Batterien und demaskieren ihre Stellungen, so daß die Japaner bald herausfinden, wohin sie ihr Feuer zu richten haben. Die kurze Zeit, die die japanische Artillerie dadurch im Feuergefecht vor
als selbstverständlich ergeben. Dabei hatte die Frau noch den bestimmten Willen, ihre Schrift zu verstellen."
„Ein Zweifel ist also nicht möglich?"
„Ausgeschlossen! Wäre ich meiner Sache doch stets so sicher wie in diesem Falle!"
„Hiermit wäre diese Sache also abgeschlossen?"
„Sie dürfen sich vollständig auf meine Sicherheit verlassen."
Nach dieser so wichtigen Unterredung entfernten sich die beiden Beamten wieder. Auf der Straße blieb der Richter stehen und sagte verwundert zu dem Kommissar:
„Was halten sie von der Geschichte nunmehr?"
„Daß ich sehr wahrscheinlich heute noch die ganze Gesellschaft, Herrn und Frau Baron, sowie Kurt von Dalldorf verhaften werde."
„Wie? So plötzlich!"
„Allerdings! Zur Sicherheit jetzt noch ein kleines Experiment."
Treskow sprang in einen vorüberfahrenden Omnibus, der Richter folgte ihm.
Wiederum ging es in der Richtung Westend.
Tauenzienstraße war das gemeinsame Ziel. Bald hatten sie die Nummer gefunden, in welchem Baron Schwertling wohnte. Nach vorheriger gemeinsamer Verabredung erkundigte sich vorher der Richter unter nichtigem Vorwande, ob die Herrschaften zu Hause seien. Als dies aber verneint wurde, hatte er sich wieder entfernt.
aus hat, genügt bei ihrer außerordentlichen Treffsicherheit oft, um entscheidende Erfolge zu erringen.____________
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 22. Juli 1904.
—* Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit vom August bis Oktober gewünscht wird, spätestens bis zuin 1. August bei der Fernsprechver- mittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.
—* Ein nasser Herbst, das ist das neueste, was unsere ländlichen Wetterpropheten zu verkünden wissen. Die Prophezeihung klingt um so unglaublicher, als gegenwärtig alles unter großer Dürre zu leiden hat. Aber alte erfahrene Landleute bleiben doch bei ihrer Behauptung und begründen sie damit, daß die Wespen in diesem Sommer ihre sämtlichen Nester nicht in der Erde, sondern auf Bäumen und in Gebäuden haben. Die Zeit wird's lehren, ob sie recht behalten oder nicht.
—* Ein reiches Hasenjahr erwartet man in Jägerkreisen. Der erste Satz, die sogenannten Märzhasen, haben infolge des zeitigen Frühjahrs sich außerordentlich gut entwickelt. Für die Erträgnisse der Hasenjagd ist dies sehr wichtig, da dieser erste Nachwuchs noch während des Sommers ansängt, selbst zu setzen. Auch der 2. Satz im Mai war vom Wetter außerordentlich begünstigt, so daß die Hoffnungen auf eine reiche Jagdbeute an Hasen sehr wohlberechtigte sind.
* In Orb wurden die zum „Frankfurter Hof" gehörenden, aber völlig isoliert stehenden Gebäude, nämlich eine Scheune und ein Schuppen, ein Raub der Flammen. Dank energischen Eingreifens konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden.
* Auf der Station Laufen wurde der Reisende JohannSeislechner aus Stockham, Bezirksgericht Obern - dorf, von dem ausfahrenden Lokalzug 34, den er während des Anfahrens verlassen wollte, überfahren und gelötet.
* Zwischen Stcinheim und Dillingen a. D. rannte ein Automobil an das Fuhrwerk des Oekonomen G. Wiedemann von Wittislingen. Die Pferde scheuten und gingen durch, der Wagen wurde zertrümmert, der Automobilfahrer suchte das Weite. Die Pferde und der Kutscher erlitten bedeutende Verletzungen.
* Eine reizende Gerichtsverhandlung spielte sich, so versichert man dem „Gießener Anzeiger", in einer Sitzung eines oberhessischen Schöffengerichts ab. Angeklagt war ein Bürger eines kleinen Dörfchens, weil er dem gestrengen Ortschef eine Karte mit folgendem, drastischen Inhalte geschickt hatte, „Bürgermeister, du seist e Rindvieh". Die Karte war mit dem vollen Namen des Absenders unterschrieben. Auf die Frage des Vorsitzenden leugnete der Angeklagte nicht, der Täter zu sein, und als er in strengem Tone
Bald nach ihm begab sich Treskow hinauf.
Nach dem Läuten öffnete das Küchenmädchen. Diese fragte den Kommissar nach seinem Verlangen.
„Ich bin der Schuster!" sagte er hierauf. „Von dem Baron von Dalldors, der jetzt auch hier wohnt, soll ich die Stiesel zur Reparatur mitnehmen."
„So!"
Das Küchenmädchen entfernte sich wieder und kehrte nach längerer Weile mit ein paar alten Schuhen zurück.
„Diese werden doch wohl gemeint sein?" fragte es Treskow.
„Sie sind doch von Herrn Baron von Dalldorf?"
„Na, was glauben Sie? Von wem sollten diese sonst sein? Mein Herr trägt keine solchen."
„Schon gut?" brummte Treskow und tapple mit den Stiefeln die Treppe hinunter.
Unten war er von dem Richter erwartet worden. Als dieser den Komm ssar kommen sah, in der Rechten die zerrissenen Stiefeln, da mußte er unwillkürlich lächeln und fragte dann erstaunt:
„Woher haben Sie denn die Stiefel?"
„Die gehören Kurt von Dalldorf! Ich will mal kontrollieren."
Er suchte die Maße der im Schnee vorgefundenen Fußspuren und verglich sie mit den Fußnummern der Stiefeln.
Es war dieselbe Größe.
Aufmerksam hatte der Richter bisher zugesehen. Erst