SchlüchternerMm g
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 58.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser kehrte am Samstag abend um 10 Uhr 30 Min. von Storlien zurück und hielt Sonntag früh Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab.
— Die „Hohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord und die Begleitschiffe sind um 12.25 Uhr in Molde eingetroffen. Die Stadt ist festlich geschmückt, die Schiffe im Hafen haben die Flaggen gehißt. Das Wetter ist prächtig.
— Unsere Schlachtflotte ist jetzt in dem holländischen Hafen Vlissingen eingetroffen und dort herzlich begrüßt worden. Königin Wilhelmina empfängt die deutschen Seeoffiziere.
— Das Gouvernement von Kamerun soll beschlossen haben, die Schutztruppe um zwei Kompagnien, von 8 auf 6, zu vermindern, ferner den „Stabsoffizier" als Kommandeur abzuschaffen, so daß ein Hauptmann genüge.
— Aus Okahandja wird unterm 13. Juli gemeldet: Assistenzarzt Max Boehme aus Dresden ist im Marinefeldlazarett zu Okahandja am 12. Juli am Darm- typhus, Gefreiter August Stille aus Westerhausen (Pr. Sachsen) am 13. Juli in Otjosondu am Typhus gestorben.
— Wie der „Lok.-Anz." erfährt, hat die deutsche Regierung den Burengeneral Maritz als Berater des Generals v. Trotha im Hererokriege gewonnen. Das Gouvernement von Deutsch-Südwestafrika habe mit Bewilligung des Kolonialamtes in Britisch-Südafrika eine große Menge von Pferden, Wagen und Ochsen bestellt, und es sollen in diesem Monat außer Wagen auch 1300 Ochsen im Schutzgebiet eintreffen. Der Transport geschieht durch Buren unter Maritzscher "Führung, die er wohl auch später beibehalten soll. /Eine Ansiedelung der lediglich die Wagen, Pferde inv; Ochsen begleitenden Buren ist nicht beabsichtigt, jedoch hat die Kolonialabteilung gestattet, daß als Transporteure der angekauften Tiere und Wagen auch solche im Kapland lebende deutsche Reichsangehörige benutzt werden, die noch wehrfähig und tauglich sind und beabsichtigen, in die Schutztruppe einzutreten.
Ausland.
— Der am 16. Juli in Aden eingetroffene deutsche Postdampfer „Prinz Heinrich" wurde am Freitag nachmittag 2 Uhr von dem russischen Hilfskreuzer „Smolensk" angehalten und gezwungen, 3 l Sacke Briefpost und 24 Säcke mit Kisten und Packeten zu übergeben, die für Japan bestimmt waren.
— Die englische Regierung hat es genehmigt, daß Krüger in Transvaal beerdigt wird.
— Die Nachricht, die in Europa verbreitet wird, daß während eines nächtlichen Angriffs am 11. Juli auf Port Arthur die Japaner mit einem Verlust von 30,000 Mann zurückgeschlagen seien, entbehrt jeder Begründung, da, abgesehen von kleinen Vorpostenge-
Getvennte Wege.
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Dort angekommen, blickte Treskow um sich. Nichts mehr erinnerte hier an die grauenhafte Tat. Alles lag nun wieder still und vornehm.
„Wenn die Wände erzählen könnten!" seufzte der Richter.
„Wir werden auch ohne dieses Wunder die Wahrheit erfahren.
Kommerzienrat von Dalldorf trat ein. Freundschaftlich drückte er Treskow die Hand und sagte:
„Sie wissen ja schon, daß ich nun wieder die Tochter gefunden habe."
„Ich gratuliere dazu, Herr Kommerzienrat," erwiderte Treskow darauf. .Es haben wir beide geirrt, als wir sie für schuldig gehalten haben. Doch hat sich jetzt ja alles aufgeklärt."
„Was wenigstens die Mitschuld meines Kindes betrifft!" ergänzte von Dalldorf. „Der Mord und der Raub selbst werden wohl noch für lange Zeit ungelöst bleiben."
. „Wer weiß!" antwortete Treskow darauf. „Hoffen tvir, die Tat in längstens Drei Tagen geklärt zu haben."
, „Alle Achtung vor Ihrer Tüchtigkeit, Herr Kom- Mtssar. Aber das dürfte doch zu viel behauptet sein!"
//Wir werden ja sehen," meinte hierauf Treskow.
Mittwoch, den 20. Juli 1904.
fechten, überhaupt kein ernstlicher Angriff auf die russischen Stellungen an jenem Tage gemacht worden ist.
— In Petersburg ist man nicht ohne Besorgnis, daß durch den Krieg die Cholera nach Europa eingeschleppt werden könnte. Der „Grashdanin" macht Darauf aufmerksam, daß die Gefahr von zwei Seiten drohe, aus dem fernen Osten und aus Persien, und durch den Nischni-Nowgoroder Jahrmarkt leicht über Moskau nach Petersburg verschleppt werden könnte. Die Petersburger Krankenhäuser befinden sich leider nicht in so gutem Zustand, daß sie dem gefährlichen Gast energischen Widerstand leisten könnten, und die übrigen sanitären Verhältnisse in Moskau sowohl wie an der Newa lassen ebenfalls recht viel zu wünschen übrig.
— Aus Petersburg wird gemeldet: Der Vizegouverneur des Gouvernements Jelifsawetpol, Andrejew, wurde Sonntag abend in Agdschakeni ermordet.
— Die englische Tibet-Expedition setzte den Vormarsch nach Lhassa fort, um dort von den tibetanischen Behörden Genugtuung zu fordern für die schmähliche Behandlung, die diese den Vertretern des Königs zuteil werden ließ. Der Kommandeur der Engländer drohte mit strenger Bestrafung, falls seine Truppen von der Bevölkerung angegriffen würden.
— Im Tompkins-Park fand eine eindrucksvolle Trauerfeier für die Opfer des untergegangenen Dampfers „General Slocum" statt. Es waren 30,000 Deutsche zugegen.
— Die ungünstigen Nachrichten vom Balkan mehren sich. Es scheint, als stehe Mazedonien schon wieder vor dem Anfang eines neuen Aufstandes. Daß die bulgarischen Aufwiegler jetzt noch rücksichtsloser auftreten werden, als in früheren Jahren, liegt auf der Hand; glauben sie doch, die russische Zuchtrute gegenwärtig nicht befürchten zu müssen. Daß die Unruhen nicht über den Balkan hinauswachsen, dafür sorgt aber auch Oesterreich-Ungarn allein; also ernstere Be- fürchtungen brauchen nicht gehegt zu werden._________
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 19. Juli 1904.
—* Am vergangenen Freitag fuhr Herr Bäckermeister I o st, Fuldaerstraße, mit seinem Gefährt einen Wagen voll Möbel nach dem Elmer Bahnhof. Die Rückfahrt nach Schlüchtern sollte dem jungen fleißigen Manne zum Verhängnis werden. An einer abschüssigen Stelle schob sich der Bretterbelag in die Hinterbeine des Pferdes, wodurch dasselbe scheute. Um die Sache wieder in Ordnung zu bringen, sprang Herr Jost vom Wagen und verwickelte sich dabei mit den Füßen in den Zügeln. Das Pferd nahm Reißaus und schleifte den Bedauernswerten eine ziemliche Strecke; die dabei erhaltenen Verletzungen erforderten sofortige ärztliche Hilfe und dürften einige Wochen zu seiner völligen Wiederherstellung erforderlich sein.
Inzwischen war Rahel von Dalldorf eingetreten.
Treskow merkte sofort, daß wieder gutes Einvernehmen zwischen Vater und Tochter herrschte, da sich des Alten Züge sofort erhellten, als er seine Tochter erblickte.
Auch Rahel von Dalldorf reichte den beiden Beamten die Hand und sagte:
„Was führt Sie denn jetzt zu uns? Es ist noch nicht lange her, daß wir uns getrennt haben."
„Wir haben versucht, wenigstens eine Spur von dem wirklichen Täter zu entdecken."
„Wirklich?"
Der Kommerzienrat und seine Tochter Rahel hatten es gleichzeitig ausgerufen.
„Nur meine Pflicht!" fügte Treskow bei.
„Und hatten Sie irgendwelchen Erfolg?" fragte Rahel von Dalldorf.
„Das ist zu viel verlangt!" erwiderte hierauf der Kommissar. «Ich vermute wenigstens auf der richtigen Spur zu sein. Ob die Annahme sich bewährt, wird die Zukunft zeigen."
„Hoffentlich!"
„Jetzt aber würde ich Sie bitten, mich ins Gartenzimmer zu führen."
„Sehr gerne!"
Der Kommerzienrat ging voran, ihm folgten die beiden Beamten und Rahel. Der Weg führte durch einen Korridor direkt zum Gartenzimmer.
Dortselbst widmete Treskow vorerst eine genaue
55. Jahrgang.
—* Gestern Abend gegen 7 Uhr hielt ein in Elm beschäftigt gewesener Arbeiter im Gasthof Bolender, Brückenauerstraße, Einkehr. Auf sein ungebührliches Benehmen von feiten des Hrn. Gastgebers aufmerksam gemacht, erteilte er ihm den Rat, das Lokal zu verlassen. Da derselbe aber trotzdem keine Miene machte, der Aufforderung nachzukommen, wurde er von zwei kräftigen Armen umschlungen und an die Luft gesetzt. Anstatt aber seine Wege zu gehen, demolierte der freche Kerl mit der Faust einige Fenster, wobei er sich so starke Blutungen zuzog, daß seine Unterbringung in das städtische Krankenhaus seitens der Polizeibehörde veranlaßt wurde. Der Fall hat vielleicht noch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge.
—* Am Montag Abend kurz nach 10 Uhr wurde von vorübergehenden Passanten flackernder Lichtschimmer in dem Bodenraum des Viehhändlers Herrn Sond- heinier entdeckt. Alle Bewohner lagen schon im tiefen Schlaf, als Nachbarn in das Haus eindrangen und den Raum öffneten; vom dicksten Qualm umhüllt fanden sie den Bewohner desselben, einen Dienstjungen, den Schlaf des Gerechten schlafend, vor. Höchstwahrscheinlich entstand der Brand durch das Herabbrennen eines Talglichtes, das auf dem Fensterbrett gestanden haben soll. Der Brand war alsbald gelöscht und der Schaden unbedeutend.
—* Unsere Nachbarstadt Fulda, in welcher bekanntlich die Gewerbeausstellung stattfindet, war vergangenen Freitag, Sonnabend und Sonntag aus diesseitigem Kreise sehr stark besucht. Freitag tagte dortselbst die Landwirtschaftskammer und Sonnabend fand die Bezirkstierschau statt und um diese zu sehen, waren Landwirte aus allen Gemeinden des Kreises nach Fulda geeilt. Da» Bild, was sich ihnen dort bot, war aber auch interessant genug, weil der Auftrieb aller hier bekannter Rinderrassen zur Schau und Prämiirung noch niemals in so großer Anzahl stattgefunden hatte wie dortselbst. Die Züchter des diesseitigen Kreises hatten ausgestellt: 4 Bullen, 20 Kühe, 14 Rinder. An Prämien wurden zuerkannt für S i m m e n t a l e r B u l l e n : 1. Staatspreis 150 M. Gemeinde Elm, 3. Staatspreis 50 M. v. Stumm'sche Verwaltung zu Vollmerz. Für Kühe: 3. Staatspreis 50 M. v. Stumm'sche Verwaltung zu Vollmerz. Ehrenpreismedaille — für Kuh mit drei Nachkommen — v. Stumm'sche Verwaltung zu Vollmerz.
Einen 2. Staatspreis mit 100 M. erhielt Bürgermeister Elm zu Schwarzenfels für eine Kuh, Siinmentaler Kreuzung; ferner erhielt derselbe den 1. Staatspreis mit 100 M. für ein Rind, Simmentaler Kreuzung. Wenn man bedenkt, daß über 800 Stück Rindvieh aufgetrieben waren und daß im ganzen nur 4000 M. Staatsprämien zur Verteilung kamen, so ist das Resultat für Schlüchtern bei 38 Stück aufgestellten Tieren kein ungünstiges. Im nächsten Jahre findet die Ausstellung in Frankenberg statt, es wird sehr fraglich Untersüchung den verschiedenen hohen Fensterflügeln. Einer derselben war nur angelehnt. Als dies der Kommerzienrat sah, schalt er unwillig Rahel:
„Was soll das? Ich habe doch jederzeit ausdrücklich befohlen, die Fensterflügel immer fest zu schließen. Warum geschieht das nicht?"
„Es ist dies wohl eine Leichtsinnigkeit von den Dienern!"
Treskow aber lächelte und sagte:
„Das mußte so sein! Hier herein kam auch der zweite Räuber und der Mörder. Wir haben die Spuren im Garten gefunden."
Diese Mitteilung wurde natürlich mit größtem Interesse ausgenommen.
Da also nur von diesem Gartenzimmer aus die Tat verübt werden konnte, widmete Treskow diesem eine genaue Untersuchung und bat gleichzeitig den Kommerzienrat von Dalldorf und desfen Tochter, ihn hierbei zu unterstützen und jeden Umstand, der ihnen auffällig erscheine, mitzuteilen.
„Woher kommt denn dieser Dolch?" fragte da plötzlich der Kommerzienrat.
An der Wandseite des Gartenzimmers waren als Schmucksachen die verschiedenen Waffen angebracht, und hatte der alte von Dalldorf dortselbst einen Dolch von schmaler aber fester Klinge weggenommen und ihn Rahel gezeigt.
„Der gehört doch Kurt!" sagte diese daraus.
„Der ist doch früher nicht hier gewesen."