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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

L 57.

Samstag, den 16. Juli 1904.

55. Jahrgang

Fortwährend

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finden in der Schlüchterner

Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schläch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

- Zu der gestrigen Abendtafel auf derHohen- zollern" waren der norwegische Komponist Grieg und Frau, der deutsche Konsul Mohr und Frau und einige andere angesehene Norweger geladen. Bei prachtvollem Wetter umgab die Bevölkerung der Stadt in Hunderten von Booten dieHohenzollern" und ergötzte sich an den Klängen der Schiffskapelle. Das Publikum brächte dem Kaiser wiederholt mit Hochrufen ihre Huldigung dar, so besonders, als mit einem Schlage dieHohenzollern", der KreuzerHamburg" und das TorpedobootSleipner" im Glänze elektrischer Illumination erstrahlten.

Die PachtHohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord ist heute Morgen von hier abgegangen.

Der deutsche Kaiser hat der Stadt Bergen durch den Stiftsamtmann seinen Dank für den ihm bereiteten schönen Empfang aussprechen lassen.

Der Kaiser gedenkt auch in diesem Jahre auf )em großen Sande bei Mainz eine größere Truppen- chau abzuhalten. Nach vorläufigen Dispositionen wird ich das militärische Schauspiel, dem auch der Groß- »erzog von Hessen beiwohnt, zu Anfang der zweiten Hälfte des Monats August abspielen. Es werden, dem Vernehmen nach, hierbei im ganzen etwa 15,000 Mann in Parade stehen.

Der deutsche Kaiser ist am Donnerstag Nach­mittag 2*/4 Uhr an Bord derHohenzollern" bei prächtigem Wetter in Aalesund eingetroffen und mit Salutschüssen empfangen worden. Mehrere Dampfer, auf deren einem sich ein Sängerchor befand, waren derHohenzollern" entgegengesahren.

Bei Ankunft des Kaisers Wilhelm auf Aalesund hielt Amtmann Alexander Kielland etwa folgende Ansprache:Mit gnädigster Erlaubnis Euer Majestät gestatte ich mir, namens der Gemeinde Aalesund der großen Freude ihrer Einwohner über die Anwesenheit Eurer Majestät Ausdruck zu geben. Eure Majestät haben mir und dem Gemeindevorstande gestattet, per­sönlich den Dank der Stadt für die Wohltaten darzu- bringen, welche Eure Majestät uns haben zufließen lassen anläßlich der letzten großen Feuersbrunst. Die schnelle Hilfe, welche Eure Majestät mit bewunderns­

Getrennte Wege.

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Treskow stand von seinem Stuhle auf, um dadurch verstehen zu geben, daß Rahel von Dalldorf sich ent­fernen dürfe. Auch diese hatte sich erhoben, um sich zu verabschieden.

Dann werden Sie Wohl noch keine Kenntnis da­von haben, daß auch Ihr Herr Bruder wieder zurück ist!" Rahel von Dalldorf erblaßte.

Kurt!"

Das ist Wohl keine besonders freudige Nachricht?"

Der arme Vater!"

Es wurden nur noch einige Höflichkeitsphrasen ge­wechselt, dann begleitete Treskow Rahel von Dalldorf zur Türe hinaus.

Lächelnd, mit der Miene der bewußten Ueberlegen- heit, kehrte er dann wieder zurück.

Nun?"

Der Richter promenierte mit langen Schritten im Bureau auf und nieder und gab auf die Frage Treskow keine Antwort.

Nun? Wer hat nun recht behalten?"

Noch gar nichts ist bewiesen!" entfuhr es dann den Lippen des Richters.Warum soll man gerade dieser Erzählung Glauben schenken ? Kann sie denn nicht I« Zeit ihres Fernseins dazu benutzt haben, sich diese

würdiger Entschloffenheit der unglücklichen Bevölkerung zuteil werden ließen, ist für die ganze Welt, von Japan bis zur Westküste Amerikas, ein Beweis dafür, daß die Menschheit an Mitgefühl und Solidaritätsgefühl große Fortschritte gemacht hat. Eurer Majestät wird von ganz Norwegen gehuldigt, und der Name Eurer Majestät wird im ganzen norwegischen Lande mit Liebe und Begeisterung genannt." Schließlich teilte der Amtmann mit, daß die Gemeinde beschlossen habe, eine der neuen Straßen der Stadt nach Kaiser Wilhelm zu nennen.

Ausland.

Aus Clarens (Canton Waadt) kommt die Nachricht, daß der frühere Präsident von Transvaal, Krüger, am 14. Juli nachts, gestorben ist. Fern von der Heimat, von der Welt und seinem Volke fast ver­gessen ist Paul Krüger am Genfer See gestorben. Wie groß auch sein Einfluß auf die Buren war, so ist doch sein Tod ohne Bedeutung für die weitere Entwicklung seines Volkes, denn die gegenwärtigen Führer desselben, wie Louis Botha, Dalarey und Dewet haben schon während des Krieges auf eigene Faust gehandelt und man kann Wohl sagen, daß der Friedensschluß gegen seinen Willen erfolgt ist. Stephanus Johannes Paulus Krüger war am 10. Oktober 1825 in Colesberg, Cap- kolonie, geboren. Die Familie stamnite aus Deutschland und zwar von Jakob Krüger, der 1713 mit andern zusammen von der Holländisch-Ostindischen Compagnie nach dem Cap gesandt worden war.

Der russiche Kaiser hielt eine Parade über die Truppen in Kolomna ab. Er kam morgens auf dem Bahnhöfe an und wurde von dem Gouverneur, dem Chef der Gendarmerie, dem Adelsmarschall, dem Bürger­meister, Vertretern der Gemeinde und von einer Arbeiter­deputation von dem Hüttenwerke am Orte, sowie von den Nonnen vom Kloster Uspensky empfangen. Nach der Parade richtete der Kaiser huldvolle Worte an die Offiziere und wünschte ihnen Glück zu der Ehre, nach dem Kriegsschauplatze gehen zu können. Er sprach die feste Erwartung aus, daß sie die Ehre der russischen Waffen aufrecht erhalten würden und gab ihnen seinen Segen und den der Kaiserin. Dann fuhr der Kaiser mit der Bahn nach Kazan weiter.

Gegenüber den in der russischen Presse erhobenen Anschuldigungen, daß die Japaner die Rote Kreuzfahne mißbrauchen, um in gefährlichen Lagen das russische Feuer zum Schweigen zu bringen, dann aber selbst feuern, teilt dieMandschurische Armeeztg." mit, daß im japanischen Heere der Gebrauch besteht, wonach jede Abteilung, besonders aber solche, die Umgehungen oder Flankenbewegungen ausführen, beim Eintritt in die Gefechtslinie dies durch Wehen mit einer Flagge anzeigt, um zu vermeiden, daß sie versehentlich von eigenen Truppen beschossen wird. Geweht wird aber

Geschichte in solch glaubwürdiger Form zu erfinden?"

Nein!" sagte Treskow darauf ebenso ruhig wie bestimmt,den größten Teil kannte ich ja schon."

Was aber sagt das?"

Ich denke doch viel!"

Der Mord selbst ist doch nicht geklärt."

Der steht doch als unmittelbare Folge des Raubes."

Und der Raub?" fuhr der Richter auf.

Ein Achselzucken Treskows war die Erwiderung.

Der Richter aber fuhr fort:

Gerade Rahel hat in Gemeinschaft von Kämmerer den Raub begangen, um dessen fortgesetzte Ansprüche befriedigen zu können. Da sie dann aber seine fort­währenden Drohungen befürchtete, hat sie ihn nieder­gestoßen. Das ist doch klar!"

Beweisen Sie durch solche Schlüsse das Gegenteil von Rahels Erzählung?" fragte der Kommisfar.

Das kann ich allerdings nicht, trotzdem es so ist. Wo wäre dann der Mörder? Wo die beiden Räuber?"

Einer von diesen wurde gesehen, als er das Entree betrat, in schwarzem Domino und rotem Barett."

Das war eben dieser von Kämmerer. Deshalb wurde ja der zweite nicht gesehen, weil der im Hause selbst war und in Rahel gesucht werden muß."

von Kämmerer aber wurde von einem zweiten Zeugen im Rauchzimmer im schwarzen Gesellschaftsan- zuge gesehen."

Da hatte er den Domino bereits abgelegt und

mit der japanischen Nationalflagge, die aus eine größere Entfernung freilich leicht mit der Roten Kreuzfahne zu verwechseln ist.

- General Oku berichtet, die japanischen Verluste bei der Einnahme Kaipings betrugen vom 5. bis 7. Juli 24 Mann, darunter 4 tot. Die Verluste am 8. und 9. Juli betrugen ungefähr 150 Mann.

Heftige Kämpfe bei Port Arthur scheinen in den letzten Tagen im Gange zu sein. Es liegen darüber eine Anzahl von Telegrammen vor, deren Fassung zwar mehr oder weniger unbestimmt ist, die aber darauf schließen lassen, daß um Port Arthur heftig gestritten wird. Nach einem neuerlichen Telegramm sollen die Japaner von den Russen unter ganz ungeheueren Ver­lusten zurückgeschlagen worden sein. Doch tut man gut, diesen Mitteilungen gegenüber höchst skeptisch zu bleiben. Denn es ist bekanntlich in diesem Kriege bereits soviel zusammengelogen worden, daß man sich, um nicht fortgesetzt dementiren zu müssen, fast scheut, das eingegangene Nachrichtenmaterial zu veröffentlichen.

Mal» und Provinzieller.

Schlüchtern, 15. Juli 1904.

* Die diesjährige Entlassungsprüfung in dem Königlichen Schullehrer-Seminar zu Schlüchtern ist auf den 23. August, an welchem Tage die schriftliche Prüfung beginnt und die folgenden Tage angesetzt. Die münd­liche Prüfung nimmt am 29. dess. Mts. ihren Anfang.

* Versetzt wurde der Revierförster Stein zu Kreuz­grund in der Oberförsterei Marjoß vom 1. Okt. 1904 ab auf die Revierförsterstelle Eichen, Oberförsterei Hanau.

* Dem Hegemeister Schnell zu Falkenbach in der Oberförsterei Niederaula ist vom 1. Okt. d. I. ab die Revierförsterstelle Kreuzgrund, Obersörsterei Marjoß, probeweise übertragen worden.

* Von Sachverständigen hört man, daß es in diesem Jahre viele Rebhühner gibt; es ist dies nicht allein für die Jagdpächter und Freunde des Jagd­sports, sondern auch für die Landwirte von großem Vorteil. Daß die Rebhühner dem Landwirt Nutzen bringen, dürfte nur wenigen bekannt sein und wird deshalb auch zu wenig gewürdigt. Untersucht man den Magen dieses Wildes, je nach der Zeit, wann es getötet wird, so findet man im Magen resp. Kröpf Würmer, Schnecken, Kohlraupen und Samenkörner von allerlei Unkraut. Eine Kette Rebhühner kann daher schon eine ziemlich große Fläche des Landes von diesen schädlichen Dingen frei machen. Sonst verzehren die Rebhühner nur die ausgefallenen oder bei der Saat zu Tage liegende Körner, aufrecht­stehende Aehren greifen sie nie an.

* Vor der Strafkammer stand heute der Zimmer­mann Sch. aus Eckardroth, derselbe soll in Gemeinschaft mit seiner Frau in der Nacht auf den 2. November

verborgen. Klären Sie doch auf, wo der zweite Täter und auch der Mörder hätte Herkommen können?"

Durch den Garten!"

Lächerlich! Glauben Sie das Märchen?"

Warum denn nicht? Man kann sich doch davon überzeugen."

Wollen Sie das versuchen?"

Sofort: Wollen Sie vielleicht dabei behilflich sein und mit mir kommen?".

Aber natürlich!"

Der Kommissar und der Untersuchungsrichter ver­ließen nunmehr das Bureau, begaben sich zuerst nach dem Zimmer des gerichtlichen Schriftexperten, um diesem den Brief der Frau Baron von Schwertling, den von Rahel bei Herrn von Kämmerer vorgefundenen und den bei der Leiche entdeckten vorzülegen. Dieser mußte vor allem zu beweisen suchen, ob der in Betracht kom­mende Brief von Rahel oder von der Baronin oder was ebenso möglich sein konnte von keiner der beiden herrührte.

Nachdem der Schreibsachverständige genau informiert worden war, begaben sich die beiden Beamten zu der nächsten Stadtbahnhaltestelle an der Börse und fuhren nach dem Zoologischen Garten.

9. Kapitel.

Auf der Spur.

Als der Kommissar und der Richter bei dem Bahn- hof,Zvologischer Garten den Zug verlassen hatten, gingen