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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Jo 56. Mittwoch, den 13. Juli 1904. 55. Jahrgang.

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Schlüchterner Zeitung

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finden in der Schlüchterner llloUlu Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schläch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat der Familie V- Bülow einen Sitz im preußischen Herrenhause verliehen. Die Aus­zeichnung ist wohlverdient, wenn man erwägt, eine wie große Zahl um den preußischen Staat hochver­dienter Generale und Staatsmänner aus dieser ur­sprünglich dem Mecklenburgischen Uradel ungehörigen Familie im Laufe der Zeit hervorgegangen ist. Gegen­wärtig stehen etwa 80 Mitglieds der Familie in der Armee und im Zivilstaatsdienst des eiches und Preußens.

Von der Nordlandsreisc J Kaisers wird ge­meldet: Die deutsche KaiseryachtHohenzollern", welche wegen ungünstigen Wetters gestern Abend bei Skagen vor Anker gegangen war, setzte heute vormittag halb 11 Uhr die Reise fort. Nach leicht bewegter Fahrt erfolgte gegen Abend die Ankunft in Christ'ansand. An Bord alles wohl.

DieHohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord, ist am Samstag bei schönem Wetter in Bergen eingetroffen und in Puddefjord vor Anker ge­gangen. Am Hafen war eine zahlreiche Menschen­menge versammelt. Stadt und Hafen tragen reichen Flaggenschmuck. Auf allen die Stadt umgebenden Höhen waren Bergfeuer angezündet.

Kaiser Wilhelm hat an den Kommandeur des Wyburgerregiments ein Telegramm gesandt, worin er dasselbe beglückwünscht, berufen zu sein, dem Feinde entgegenzugehen. Es heißt darin unter anderem: Ich bin stolz, daß das Regiment die Ehre haben wird, für seinen Kaiser, das Vaterland und den Ruhm der rus fischen Armee zu kämpfen. Das Telegramm schließt mit den Worten: Mein aufrichtigster Glückwunsch be­gleitet das Regiment, möge Gott seine Fahnen segnen.

Infolge des Aufrufs um Ueberlassung von Kriegshunden für das seinerzeit im Lager zu Münster in Hannover zusammengezogene 2. Feld-Regiment für Deutsch - Südwestafrika, welches sich gegenwärtig auf hoher See befindet, sind nach derStraßb. Post" mehr als 200 Hunde aller Rassen, insbesondere Airedale Terrier, dem Regiment unentgeltlich zugegangen, da­runter auch vom 14. Jäger-Bataillon in Kolmar zwei wertvolle, völlig ausgebildete Meldehunde. Der im

Getrennte Wege.

Kriminal-Roman von Theo von Blankensec. Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ich bestellte ihn deshalb brieflich in unser Haus, weil ich dort am unauffälligsten mit ihm mich be­sprechen konnte, zumil an demselben Abend das Kostümfest stattfinden sollte. Ich sorgte dafür, daß auch er eine Einladung hierzu erhielt, um ja jeden Schein zu vermeiden. Er fand sich auch ein, und zwar trug er einen schwarzen Ballanzug. Ich sagte ihm nun, daß dies das letzte Geld sei und unter keiner Bedingung er je mehr ein solches erwarten dürfe. Etwaige weitere Erpressungsversucke drohte ich der Polizei zu übergeben. Nach dieser kurzwährenden Unterredung entfernte ich mich durch das Lesezimmer und ging in den Salon, woselbst ich alle Gäste ge­bunden, wie Ihnen schon bekannt vorgefunden habe."

Nachdenklich war Treskow dieser Erzählung, bisher gefolgt.

Sie haben also sonst niemand bemerkt, der als einen der beiden Raubgesellen hätte in Betracht kommen können?" fragte er nun.

Nein!" war die klare und bestimmte Antwort, keinen Zweifel an dem Gesagten aufkommen ließ.

Ist es auch nicht möglich, daß Herr von Kämmerer vorbei teilgenommen hat?"

Döberitzer Lager bei Berlin zusammengetretenen, in­zwischen ebenfalls ausgerückten Batterie der zweiten reitenden Feld-Artillerie-Abteilung wurden seitens des Tierschutzvereins 15 Hunde, groß und klein, bissige und wachsame Tiere, geschenkt, welche zur Bewachung der Geschütze und zum Ausspionieren des Feindes dienen sollen. Alle diese Hunde wurden mitgenommen.

Ueber die Bekämpfung der Schwindsucht haben die zuständigen Ausschüsse des Reichsgesundheitsrates in Berlin beraten und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß vor allem die Ansteckung verhindert und daß daruni weitvorgeschrittene Fälle besonders beachtet werden müßten. Zu dem Zwecke fordern sie, sofern besondere Lungenheilanstalten nicht zu erlangen sind, die Ab­sonderung der Schwindsüchtigen in den Krankenhäusern von den anderen Kranken und Verlegung derselben in besondere Zimmer mit eigenen Zugängen.

17,000 Paar Stiefel sollen binnen kurzem für die Mannschaften in Südwestafrika angefertigt werden. Die Lieferung ist verschiedenen Schuhmacherinnungen in Spandau und anderen Städten der Provinz Bran­denburg übertragen worden.

Ausland.

DemStandard" wird aus Tschifu gemeldet: Aus Port Arthur angekommene Chinesen berichten, daß die Japaner jetzt die Höhen um Port Arthur be­setzt halten. Bei Lunghwangtung,, etwa sechs englische Meilen östlich von Port Arthur, und auf dem Wolfs­berg, fünf englische Meilen nordöstlich von Port Arthur, errichteten die Japaner Forts zum Bombardement Port Arthurs. Sie halten auch Hwangmichun, etwa acht englische Meilen nördlich von Port Arthur besetzt. Die Besetzung von Lunghwangtung wurde am Montag be­endet. Die Russen sollen dabei 100 Tote und 40 Verwundete gehabt haben. Die Russen verwenden Chinesen zur Wegschaffung der Toten und Verwundeten. Während des Kampfes wurden etwa 50 Kulis bei dieser Arbeit getötet.

Nach einer Meldung aus Liaojang überfiel ein Bataillon von der Abteilung des Generals Kaschla- linski bei heftigem Regen eine japanische Position bei Landjansan, wobei eine Kompagnie Japaner vollständig niedergemacht wurde. Bei einer zweiten Attacke wurden die Russen von einer japanischen Uebermacht fast um­zingelt, doch brächte ein weiteres Bataillon Hilfe. Die Russen verloren 300 Mann, die Japaner über 1000. General Mischtschensko's Korps gelang es, große Provianttransporte der Japaner abzufangen. Die russischen Truppen legen vielfach gewaltige Märsche zurück, so das ostsibirische Regiment an einem Tage 72 Werft, am nächsten Tage 32 und zwar auf fürchter­lichen Wegen.

Nach einer Meldung desStandard" aus Tientsin hat die chinesische Regierung dem amerika-

Auch das nicht!" erwiderte Rahel.Ich kam fast gleichzeitig mit ihm in das Rauchzimmer, verwielte dort eine halbe Stunde in seiner Gegenwart. Als ich mich von ihm trennte, begab ich mich ohne Ver­zögerung in den Salon, woselbst die Tat bereits ge­schehen war."

Weiter!"

Als Sie dann am nächsten Morgen mich ver» hörten, hatte ich das Zusammensein mit Herrn von Kämmerer im Rauchzimmer aus sehr begreiflichen Gründen geleugnet, da ja sonst das Geheimnis, das ich bisher so teuer hatte erkaufen müssen, dennoch be­kannt worden wäre. Aus demselben Grunde tele­graphierte ich sofort an Herrn von Kämmerer, um ihn nochmals zum Schweigen aufzufordern. Daraufhin erschien er wiederum bei mir, während Sie abwesend waren. Da versuchte er nun, diesen Zwischenfall abermals für seine Zwecke auszunützen und es ent­stand eine ziemlich erregte Auseinandersetzung. Da glaubte ich dann plötzlich Schritte zu hören und sagte zu allen Forderungen ja. Gleichzeitig eilte ich auf mein Zimmer, um einen Teil des geforderten Geldes zu holen. Als ich von dort zurückkam und in den Salon trat, lag Herr von Kämmerer tot in einer Blutlache am Boden.

Der Anblick des Ermordeten schreckte mich so sehr, daß ich sofort davonrannte, ohne zu wissen, wohin. Erst später als ich wieder ruhig denken konnte, machte ich mir selbst Verwürfe darüber, da ich mich ja

nischen Konsul 25,000 mexikanische Dollars als Ent­schädigung für die Ermordung des amerikanischen Be­richterstatters Etzel bezahlt.

Das Reutersche Bureau" meldet aus Tokio: General Oku besetzte nach heftigem Kampfe Kaiping, erbeutete mehr als zehn Kanonen und machte über 50 Gefangene.

Gegenwärtig werden Operationen von ernster Wichtigkeit innerhalb der Kriegszone durchgeführt, es gelingt aber der Regierung, sie fast vollkommen geheim zu halten. Seit der Besetzung von Dalny hat die Re­gierung hinsichtlich der Belagerung von Port Arthur vollkommenes Stillschweigen bewahrt. Es gelangen zusammenhanglose Nachrichten aus verschiedenen Quellen, namentlich chinesischen, nach Japan, deren Bekanntgabe oder Uebermittelung nach dem Auslande aber bei schwerer Strafe untersagt ist. Weder bei der Port Arthur belagernden Armee, noch bei der Armee Okus oder bei der Takuschanarmee befindet sich ein Ausländer. Die Kriegskorrespondenten und fremden Militärattachees, die die Armee Kurokis begleiten, dürfen ein Gebiet von nur zwei Kilometer Durchmesser nicht überschreiten.

Ein Telegramm aus Liaujang berichtet: Gerücht­weise verlautet, bei Port Arthur habe ein neues See­gefecht staUgefunden, in welchem Admiral Togo über 21 Schiffe verfügte. Trotzdem soll das Gefecht günstig für die Russen verlaufen sein.

Von der Furchtbarkeit der Regengüsse, die zur Zeit in der Mandschurei niedergehen, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man folgenden, dem B. T." übermittelten Bericht liest: Bei Gelegenheit großer Regengüsse wurde eine Abteilung Kosaken in einem Hohlwege nahe Tanghi fortgeschwemmt, wobei viele Kosaken ertranken.

Die zahlreichen Morde, welche die muselmän- nischen Türken nun schon so lange gegen die wehrlosen Christen in Armenien ungestraft verübt haben, wollen trotz aller Klagen darüber noch immer kein Ende nehmen. Noch aus der letzten Hälfte des Monats Juni lauten die Berichte der fremden stationierten Kon­suln dahin, daß das Abschlachten wehrloser Opfer seinen ungestörten Fortgang nehme. Um Belästigungen durch die auswärtigen Regierungen zu entgehen, werden nicht mehr, wie vor 10 Jahren, Maffenblutbade ver- anstaltet, sondern es werden nur noch einzelne Christen, diese aber Tag für Tag an vielen Orten, hingemordet, so daß die Gesamtzahl der Opfer immer noch in die Tausende geht.

Males und DrovinMer.

Schlüchteru, 12. Juli 1904.

* Von verschiedenen Seiten sind Anfragen über das Unternehmen eines gewissen Dr. Haig in Cincinnati (Amerika) ergangen, welches sich nach den öffentlichen Anpreisungen mit der Heilung von Kropfleiden besaßt, förmlich selbst beschuldigte. Ich wußte aber in meiner damaligen Aufregung, als ich die Leiche meines Peinigers in solch entsetzlichem Anblicke vor mir sah, nicht, was ich tat. In Spandau dann begab ich mich in das Polizeigebäude. Das weitere wissen Sie!"

Schweigen herrschte in dem weiten Raum des Bureaus.

Die Einfache und doch so bestimmte Art der Er­zählung ließ einen Zweifel an deren Wahrheit nicht aufkommen. So sehr diese Geschichte auch ausfürlich dargelegt sein mochte, so trug sie dennoch in keiner Weise zur Lösung der noch immer ungeklärten Fragen bei. Soviel stand jedenfalls fest, daß zwei Vorkomm- nisse gleichzeitig nebeneinander liefen, die sich kreuzten und mit einer Katastrophe endeten, deren Opfer von Kämmerer wurde.

..Haben Sie das Haus durch die Hintertreppe verlassen?" fragte Treskow.

Nein?" Vorne! Ich wurde aber von niemandem bemerkt.

Der Kommissar sah nachdenklich vor sich hin.

Können Sie vielleicht gegen irgend eine Person Verdacht äußern?" fragte er dann.

Nein! Es traten die Ereignisse so rasch und unmittelbar nach einander ein, daß ich nichts genau sehen und überlegen konnte."

Woher hatten Sie das Geräusch gehört, das Sie veranlaßte, das Verlangen von Kämmerers zu erfüllen?"