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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 55.

Samstag, den 9. Juli 1904.

55. Jahrgang.

Fortwährend

werden Abonnements auf die Schlüchterner Zettung

mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schläch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar ist am Dienstag morgen an Bord derJduna" aus Warnemünde" in der Richtung auf Rügen in See gegangen.

Der Kaiser hörte am Mittwoch nachmittag den Vortrag des Geh. Kabinettsrats Dr. v. Lucanus. Zur Abendtafel beim Kaiserpaar an Bord derHohen- zollern" waren die Herren geladen, welche den Kaiser auf der Nordlandsreise begleiten.

Der Kaiser hat am 7. Juli von Swinemünde aus seine diesjährige Nordlandsreise angetreten. Vor­aussichtlich wird die Dauer der Fahrt etwa 4 Wochen betragen. Während dieser Zeit siedelt die Kaiserin nach Cadinen über und nach der Rückkehr des Kaisers aus Norwegen wird das Kaiserpaar etwa drei Wochen auf Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel verbringen.

Im Abgeordnetenhause fand Dienstag nachmittag die Schlußsitzung der Konferenz betreffend die Be­sprechung bergbaulicher Fragen statt.

Der preußische Landtag ist durch kgl. Verord­nung bis zunl 18. Oktober vertagt worden. Der Schlußakt im Abgeordnetenhause, der sich ebenso wie im Herrenhause vor auffallend leerem Hause abspielte (selbst im Abgeordnetenhause waren nur ca. 3 Dutzend Männer versammelt), war um 3/* Uhr zu Ende.

DerDeutschen Kolonialzeitung" wird berichtet: In Windhuk hat am Sonntag, den 3. Juli, in An­wesenheit des Gouverneurs, Oberst Leutwein, eine Versammlung der Abteilung Windhuk der Deutschen Kolonialgesellschaft stattgefunden. Dr. Rohrbach hielt einen Vortrag über die vom Aufstand hervorgerufenen Schäden; er schätzt sie auf sieben Millonen. Davon sind Schäden der Farmer 3*/* Mill., der Kaufleute 2>/4 Mill., kleinere Verluste V- Mill., von ermordeten Farmern */2 Mill., Händler 'A Million. Von 140 Farmen in den Bezirken Windhuk, Okahandja, Karibib, Omaruru, Gobabis sind nur 11 betriebsfähig. In den Bezirken Grootfontein und Outjo sind von 40 Farmen 24 betriebsfähig, sie gehören zumeist Buren. Während des Aufstandes sind bisher 123 deutsche Ansiedler er­mordet und 35 im Kampfe gefallen.

Zu den in Tokio angeblich gehegten Befürcht-

Getrennte Wege.

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Dies ließ daher auch die Nervosität des Richters begreiflich erscheinen, der auf den Kommissar zueilte und ihn begrüßte.

Sie werden mich vielleicht auslachen, Herr Kollege, wenn ich Ihnen gestehe, daß mich diese Geschichte kaum schlafen ließ," waren dessen erste Worte.

Selbst der besonnene Treskow war mehr erregt als bei anderen Fällen.

Wir werden ja sehen! Etwas werden wir unsere Ungeduld doch beherrschen müssen!"

Im Bureau wanderten beide unablässig auf und ab, wobei sie nur ab und zu einige Worte wechselten.

Haben Sie überhaupt eine Ahnung, wie Rahel von Dalldorf aufgefunden wurde?" fragte plötzlich Treskow.

Der Gefragte verneinte.

Ich habe keine Ahnung! Im Telegramm heißt es nur: Rahel von Dalldorf hier! Kommt morgen zur Vernehmung nach Berlin. Wahrscheinlich ist sie Plötzlich aufgegriffen worden. Sie werden doch bei solcher Sachlage und solch schweren Verdachtsgründen einen Steckbrief hinter ihr hergelassen haben!"

Warum? Ich kann absolut nichts Ueberführendes pprfinden. Aber auch nicht das Allermindeste. Es

ungen, die deutsche Regierung werde dem russischen Port Arthur-Geschwader im Hafen von Kiautschau einen Zufluchtsort gewähren, wird hier versichert, daß Rußland ein derartiges Gesuch nicht an die deutsche Regierung gerichtet habe. Sollte aber der unwahr­scheinliche Fall eintreten, daß russische Schiffe den Kiautschau-Hafen aufsuchen würden, so würden die­selben unzweifelhaft nach den für neutrale Häfen gel­tenden internationalen Bestimmungen behandelt werden.

Ausland.

Einem Pariser Blatt wird aus Petersburg ge­meldet: Man erwartet in Petershof die Niederkunft der Zarin in zwei bis drei Wochen.

Der Korrespondent derNowoje Wremja" be­richtet aus Liaojan, daß ein japanisches Korps von 20,000 Mann auf Mukden marschiert, um die Russen von dort aus zu umgehen und abzuschneiden. In Wladiwostok wird die Zensur der privaten Telegramme verschärft) keine Depesche darf expediert werden, die nicht den Erlaubs-Vermerk und Stempel des Stabs des Kommandierenden der Flotte trägt. Angesichts der sich wiederholenden Angriffe auf die mandschurische Eisenbahn wird durch Befehl Alexejews die umwohnende Bevölkerung innerhalb 25 Werft zu beiden Seiten der Bahn für alle Beschädigungen materiell verantwortlich gemacht. Die feindlichen Streitkräfte bei Port Arthur werden nur noch eine Meile von einander getrennt sein. Bei ihrem Vorgehen befestigten die Japaner einen Hügel nach dem anderen mit schweren Geschützen. Es hieß, sie härten schon 150 von diesen Kanonen bei Dalny ausgeschifft.

General Kuroki berichtet aus Tokio: Beim Morgengrauen griffen am 5. Juli zwei russische Bataillone die japanischen Vorposten in dem Motien- paß unter dem Schutze dichten 9lebel3 an. Die Russen wurden zurückgeschlagen, wonach sie dreimal ihren An­griff wiederholten, ehe sie sich gänzlich zurückzogen. Die Japaner verfolgten sie drei Meilen nach Westen zu von dem Motienpaß. Die Russen ließen 30 Tote und 50 Verwundete zurück. Die Japaner verloren 15 Tote und 30 Verwundete.

Von japanischer Seite wird amtlich gemeldet: Es werden Gerüchte verbreitet, daß am Abend des 12. Juni drei bei Litiatung liegen gebliebene russische Verwundete von der angreifenden japanischen Kavallerie in roher Weise gemartert worden seien. Nach dem amtlichen Bericht des Generalstabschefs der zweiten Armee hat jedoch am 12. Juni nirgendwo eine Schlacht noch irgend ein Zusammenstoß von Kavalleriepatrouillen stattgefunden. In der Schlacht in der Nähe von Wafangtscheng am 15. Juni behandelten die russischen Soldaten unsere Gefangenen und Verwundeten grau­sam. Die verwundeten russischen Offiziere und Soldaten, die gefangen genommen worden sind, zeigen sich im lassen sich alle angeblichen' erschwerenden Punkte so einfach als möglich lösen!"

Lächerlich!" Der Richter wurde geradezu un­willig über Treskows fortgesetzte und beharrliche Verteidigung der nach seiner Ansicht vollständig Ueberführten.

Ich will Zeit meines Lebens als der schlechteste Kriminalist Berlins gelten, wenn Rahel von Dalldorf schuldig ist!" beharrte Treskow.

Das ist gewagt! Doch Unsinn! Wozu sollen wir uns streiten, es muß sich ja bald das Gegenteil erweisen."

Es verstrich noch eine ziemlich lange Frist, ohne daß die so sehnsüchtig Erwartete erschienen wäre.

Sollte sie gar nicht eintreffen?" gab der Richter zu bedenken.

Geduld, Geduld!"

Ach was, Sie reden gut; wenn Sie müßten, wie ich aufgeregt bin. Schließlich ist die Tat an und für sich ja das wenigst Interessante, aber die Mörderin. Ich kannte diese Rahel, wenigstens dem Nanien nach und galt diese als eine geistvolle, wenn auch manchmal exzentrische Person."

Und trotzdem glauben Sie an ihre Schuld?"

Ein leises Pochen an der Türe unterbrach das Gespräch der beiden.

Herein!"

Langsam öffnete sich die massive Eichenholztüre und Rahel von Dalldorf trat ein.

höchsten Grade gerührt von der aufmerksamen Behand­lung, die wir ihnen unsererseits stets zu teil werden lassen. Von den Leichen der Feinde ist nicht eine einzige, wie fälschlich berichtet worden ist, auf irgend eine Weise verstümmelt worden, sie sind fast alle sorg­fältig beerdigt worden.

Hunderte deutschsprechende Polizisten haben in Groß-Newyork und der Umgegend durch Nachfragen festzustellen gesucht, wie viel Menschen eigentlich auf dem VergnügungsdampferGeneral Slocum" waren, der vor zwei Wochen im Newyorker Hafen unterging. Auf Grund dieser Erhebungen haben die Behörden nunmehr die Statistik über die gräßliche Katastrophe abgeschlossen. Gesamtzahl der gefundenen Leichen 938; Gesamtzahl der Vermißten 93; Gesamtzahl der Ver­letzten 179; Gesamtzahl der unverletzt Geretteten 236. Das Unglück hat mithin mehr als 1000 Menschenleben gefordert, da man die Vermißten tatsächlich zu den Um- gekommenen schlagen muß. Die Zahl der Verunglückten ist doppelt so groß als anfangs angenommen wurde. Eigentümlich ist das Bild, das sich in dem Stadtviertel, welches besonders stark heimgesucht wurde, dem Beschauer bietet. Man sieht jetzt selten dort eine Frau, die nicht Trauerkleidung trägt, und selbst dem Fremden, der nie von der Slocum-Katastrophe gehört hat, muß das auffallen.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 8. Juli 1904.

* Die Gerichtsferien beginnen, wie in den früheren Jahren, am 15. Juli und dauern bis zum 15. Sept. Während derselben werden nur inFertensachen* Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen. Feriensachen sind (nach § 202 des Gerichtsverfassungs­gesetzes) : Strafsachen, Arreststrafen (einstweilige Ver­fügungen), Meß- und Marktsachen, Mietsstreitigkeiten (einschließlich Räumungs- und Rententions-Klagesachen), Wechselsachen und Bausachen, soweit über Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Das Gericht bezw. dessen Vorsitzender kann auf Antrag auch andere schleunige Sachen alsFeriensachen" bezeichnen. Auf das Mahn-, Zwangsvollstreckungs­und Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß.

* Der Lehrerverein des Kreises Schlüchtern nahm dieser Tage eine Resolution an zu Gunsten des kon­servativ-nationalliberalen Schulantrags und forderte die kurhessische Lehrerschaft auf, ebenfalls dazu derart Stellung nehmen zu wollen.

* Die Bezirkstierschau in Fulda wird aus dies­seitigem Kreise mit 52 Tieren beschickt werden und zwar: 4 Pferde, 5 Bullen, 24 Kühen, 14 Rinder, 3 Kälber, 2 Schafböcke.. Dieje Tiere gehen Freitag Abend von den Stationen Sterbfritz, Vollmerz und Elm nach Fulda ab.

* Zu Ortsschulinspektoren wurden ernannt der

Kaum hatte Treskow sie erkannt, da besaß er schon wieder die gewohnte Beherrschung, während der Richter errötend, wie auf einer Unehrlichkeit ertappt, sich mehr gegen den Hintergrund des Bureaus zurückzog.

Rahel von Dalldorf."

Kommissar Treskow. Wir lernten uns bereits kennen und zwar am Morgen der Ermordung des Herrn von Kämmerer," setzte dieser noch seiner Vor­stellung hinzu.

Eine flüchtige Blässe überflog das Gesicht Rahels.

Ich kann mich nicht erinnern. Damals war ich zu aufgeregt, als daß ich mich noch an Ihre Person hätte entsinnen können.

Das kann ich begreifen!" fügte Treskow in einer solchen bestimmten Sprechweise bei, als hätte er über alle Vorfälle bereits eine eingehende Aufklärung.

Sie werden vielleicht von Spandau aus schon telegraphisch verständigt worden sein, daß ich heute morgen eintreffe?"

Treskow bestätigte.

Dann kann ich wohl gleich mit einer Darstellung der Sie interessierenden Vorfälle beginnen?" fragte nun Rahel von Dalldorf, wobei sie sich nach dem Richter umsah.

Der Kommissar begriff ihre Verlegenheit von eine? dritten Person und bemerkte erklärend :

Herr Untersuchungsrichter Salzmann!"