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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 2. Juli 1904

Fortwährend

werden Abonnements auf die

SchMchterurr Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von der Expedition entgegengenommen.

msi"frei finden in der Schlüchterner I1I3I/I Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auslage der im Kreise Schlüch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat zahlreiche Herren des englischen Gefolges und der Marine, sowie dem englischen Bot­schafter hohe Ordensauszeichnungen verliehen.

König Eduard ist von Kiel nach Hamburg mittelst kaiserlichen Hofzuges abgefahren. Etwa 100 Damen und Herren der englischen Kolonie, Senatoren, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden waren zum Empfang auf dem Dammtorbahnhof anwesend. Als der König dem Waggon entstieg, wurde er mit Hipp- Hipp-Hurrarufen begrüßt und dann von den Bürger­meistern und Senatoren bewillkommnet. Nach der Vorstellung ging der König, geleitet von den Bürger­meistern Dr. Hachmann und Mönckeberg, zu den Equipagen. Als der König im Bahnhofsportal sicht­bar wurde, präsentierte das Militär und die Musik spielte god save the king. Der König bestieg mit dem Bürgermeister Dr. Hachmann den ersten Wagen, . dem ein Zug Husaren voranritt.

Am Mittwoch Abend fand auf derHohen- zollern" bei dem Kaiserpaar Abschiedstafel für Kön^ Eduard statt, an der u. a. teilnahmen: der Kronprinz, Prinz Heinrich, Reichskanzler Graf Blllow, Botschafter Lascelles, Graf Wolfs-Metternich, Staatssekretär v Tirpitz. Donnerstag früh 5 Uhr ging dieVictoria and Albert" mit dem englischen Geschwader in See.

Der Kaiser sandte dem deutschen Künstlerverein in Rom auf dle Huldigung anläßlich der Enthüllung des Goethedenkmals ein Danktelegramm, in dem er die Hoffnung ausspricht, die deutschen Besucher Roms, insbesondere die deutsche Künstlerschaft möge durch das Denkmal neue Anregung finden, gleich dem großen Dichter aus den unvergleichlichen Vorbildern Roms und Italiens für die Entwickelung und Vertiefung des eigenen deutschen Geistes Nutzen zu ziehen.

Das Abgeordnetenhaus erledigte Montag die Vorlage über die Erhöhung des Grundkapitals der Seehandlung durch endgiltige Annahme. Am Dienstag folgte die Beratung der wichtigsten Bestimmungen der Novelle zum Ansiedelungsgesetz, wobei die §§ 13 und 13a sowie in namentlicher Abstimmung der § 13b mit 207 gegen 105 Stimmen angenommen wurde. Es folgt die

Getrennte Wege,

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ich komme zu Ihnen, weil ich nirgends Nachricht bekommen kann und daher von Ihrer Seite den besten Aufschluß erwarte!"

Womit kann ich dienen?"

Rahel von Dalldorf, die ich jederzeit als meine beste Freundin betrachte, ist plötzlich verschwunden und niemand weiß, wohin. Es macht mir dies begreifliche Sorgen."

Treskow lächelte:

Leider kann ich auch darüber keine Auskunft geben."

Aber etwas anderes möchte ich fragen. Man brächte dieses plötzliche Verschwinden in Verbindung mit der Ermordung des Herrn von Kämmerer. Es kann dies doch nicht möglich sein?"

Hiermit verbietet mir das Gesetz, Ihnen Aufschluß zu geben. Wenn Sie sich aber als Rahel von Dall- dorfs Freundin bezeichnen und daher auch ihre Sache fördern wollen, dann könnten Sie mir und der Freundin einen großen Dienst erweisen."

Aber mit Vergnügen, Herr Kommissar, fragen Sie nur, was ich weiß, sollen Sie auch erfahren!"

Eine kurze Pause entstand, ehe Treskow fragte:

Beratung des Antrags Arenberg, welcher bezweckt, daß eine nochmalige Untersuchung frischen Fleisches nach dem Fleischbeschaugesetz ausgeschlossen sein solle. Der Antrag wurde in 1. und 2. Lesung angenommen und der Gesetzentwurf über die Dienstbezüge der Kreistier­ärzte ebenfalls erst in 2. und 3. Lesung.

Dem Abgeordnetenhause ging ein Gesetzentwurf zu betr. Inkraftsetzung einer anderweitigen Klassenein­teilung für die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüssen an die unmittelbaren Staatsbeamten.

Das Herrenhaus hat Dienstag die beiden vom Abgeordnetenhaus genehmigten wasserwirtschaftlichen Vorlagen angenommen, ebenso den Gesetzentwurf über die ärztlichen Ehrengerichte. Die Kirchensteuergesetze wurden von der Tagesordnung abgesetzt.

Der Bundesrat beabsichtigt statt der jetzigen Bezeichnung 50 Pfennig für die betr. Münze die Be­zeichnung Vr Mark zu wählen und eine schärfere Prägung der Randriffellung vorzunehmen.

Die deutsche Feldpost, die jetzt in Südwestafrika zum dritten Male seit dem Bestehen des Reiches in Tätigkeit ist, hat infolge der Verstärkungen der Truppen bereits einen beträchtlichen Umfang angenommen. Es sind insgesamt 40 Postbeamte in Deutsch-Südwestafrika tätig. Die Post dient jetzt wohl fast ausschließlich für Kriegszwecke, da der bürgerliche Verkehr nur geringen Umfang hat.

1600 Mann Verstärkungen gehen im Juli und August nach Deutsch-Südwestafrika ab. Am 10. Juli wird der DampferKronprinz" 500 Mann und 600 Pferde von Hamburg nach Afrika befördern, am 23. Juli folgen an Bord vonGertrud Wörmann" und Montevideo" 500 Mann und 800 Pferde, der Rest am 6. und 30. August.

Ausland.

Der Wladiwostoker Korrespondent derNowoje Wremja" meldet, daß die Kreuzer des dortigen Ge­schwaders nach der letzten Expedition einer gründlichen Reparatur bedürfen, um sie für bevorstehende ernste Operationen auf die volle Aktionsfähigkeit zu bringen. Die Keffel müssen gründlich gereinigt, die Maschinen remontiert werden. Auch müssen die Kreuzer einzeln auf Dock gehen behufs Reinigung der Unterwasserteile. Das wird mindestens einen Monat beanspruchen. Solange können die Kreuzer nicht auslaufen. Auch die Torpedoboote brauchen eine ansehnliche Zeit, um die Folgen des Sturmes auf der letzten Ausfahrt auszubessern.

In Petersburg herrscht heute lebhafte Beun­

ruhigung wegen des Ausgangs der Seeschlacht Port Arthur angesichts der soeben eingetrosfenen ländischen Nachrichten von schweren Verlusten der fischen Flotte, während hiesige amtliche Berichte Ausgang der Schlacht noch nicht kennen wollen.

bei aus- rus- den Es

Wissen Sie, daß Rahel ein Verhältnis mit Herrn von Kämmerer hatte?"

Einen Augenblick zögerte nun die Baronin mit einer Erklärung als müsse sie sich auf diesbezügliche Wahrnehmungen oder Mitteilungen erst besinnen; dann aber sagte Sie leichthin:

Schließlich konnte das auch Geheimnis sein; es wurde viel gesagt und erzählt darüber."

Ob Sie es aus dem Munde Rahels wissen, Frau Barouin?"

Wiederum erfolgte eine kleine Pause, ehe ihm Antwort zu teil wurde.

Wenn Sie auch ein gewiegter Kriminalist sein mögen Herr Kommissar, Frauenkenner sind Sie nicht. Welche Frau verrät solche Geheimnisse einer Freundin?"

Treskow kniff die Lippen aufeinander. Er ärgerte sich offentsichtlich über die ausweichende Antwort und den darin enthaltenen Vorwurf.

Die Baronin schien dies auch zu bemerken:

Natürlich soll dies nicht ein Tadel Ihrer Tätig­keit sein. Es ist eben so, daß kein Weib einer Freundin solche Sachen anvertraut."

Gut! Haben Sie aber irgend eine Kenntnis darüber, daß Herr von Kämmerer vor etwaigen kleinen Erpressungen nicht zurückschreckte, wenn er Diskretionen dazu ausnützen konnte?"

Ein lauernder Blick der Baronin fiel auf Treskow.

Auch davon wurde gesprochen."

scheint, daß die maßgebenden Kreise auch hier die volle Wahrheit kennen, dem Publikum aber noch vorent­halten wollen. Das erzeugt nur noch schlimmere Ge­rüchte. In Marinekreisen heißt es, daß am 23. Juni derPereswjet" gesunken,Sewastopol" undAurora" kampfunfähig geworden seien, also gerade die wenigen größeren Schiffe in Port Arthur, die bisher noch in­takt waren.

DieMorning-Post" meldet aus Liaojang: Hier sind unter Eskorte eine Anzahl Chinesen einge­troffen, die der Spionage zu Gunsten der Japaner überführt sind. Sie haben den Japanern die Stellung der russischen Batterien und des Armeekommandos an­gezeigt. Das Kriegsgericht hat sofort über ihr Schicksal entschieden und der Urteilsspruch, der auf Tod durch Erhängen lautet, wurde sofort vollstreckt.

Das Leichenschaugericht entschied, daß das Un­glück des DampfersGeneral Slocum" auf das schlechte Verhalten der Direktoren der Knickerbocker-Dampfschiff­gesellschaft zvrückzuführen sei. Auch der Kapitän des verunglückten Dampfers, van Schaick und der Kapitän Pease, von derselben Gesellschaft, seien strafrechtlich verantwortlich. Gegen die Direktoren und die Offiziere, im ganzen 11 Personen, wird Anklage wegen Tod­schlags erhoben und ihre Verhaftung angeordnet. Doch wurden sie gegen Bürgschaft freigelassen.

Males und Provinzieller.

Schlüchtern, 2. Juli 1904.

* Die großen Ferien sind da! In heller Freude klingt der Ferienruf in die Häuser und in die freie Natur hinein, die unsere Jugend nunmehr als unbe­strittene Domäne ihres Schaltens und Waltens ansehen darf, da die Räume der Schulstuben auf einige Wochen sich hinter ihnen geschlossen. Ein freies Ergehen, ein Erholen und Genießen soll nun für Lehrer und Schüler beginnen, und hierzu wünschen wir ihnen drum für die goldene Ferienzeit auch goldenen Sonnenschein, gutes Ferienwetter, damit die Tage sorgloser Freiheit in rechter Weise auSgenützt werden können zum Segen für Körper und Geist und zur Freude eines jeden der ungezählten jungen Ferien-Rentiers.

* Bauerregeln vom Juli. Wenns im Juli nicht donnert und blitzt, wenn der fleißige Schnitter nicht schwitzt, und wenn der Regen dauert lang, dann wird es jedem Landmann bang. Dampft die Wiese nach Gewitterregen, kehrts Gewitter wieder auf andern Wegen. Am Margaretentage ist Regen eine Plage. Geht übers Gebirg Maria naß, sechs Wochen tröpft's ohn' Unterlaß. Isis zu Jakobi hell und warm, machts leicht im Winter den Ofen warm. Hundstage hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr. Wie das Wetter am Siebenbrüdertag, so bleibts noch sieben Wochen danach. Nur in der Juliglut wird Obst und Wein dir gut. Wie der Juli warZ

Aber Beweise!" warf jetzt der Kommissar da> zwischen.

Das ist Wohl schwer! Vielleicht ist für Sie die Mitteilung von Interesse, daß während eines abends vorher ausgeführten Raubes im Salon des Kommer- zienrates gerade die gleichzeitige Anwesenheit von Rahel und des Herrn von Kämmerer aufgefallen ist. Sie werden von diesem Raub doch Kenntnis haben?"

Erstaunt sah Treskow die Sprecherin an.

Was sollte ich denn aus dieser Mitteilung ent­nehmen können? Ueber den Raub bin ich gewiß unter­richtet. Was aber mit dieser Sache Rahel und von Kämmerer tun sollten, kann ich nicht verstehen.

Eine leichte Röte zog über das Gesicht der Frau Baronin.

Ich wollte hier doch nur eine Sache erzählen, die schließlich für Sie von Interesse sein könnte."

Das allerdings!"

Treskow griff nach dem vorgefundenen Briefe und fragte leichthin, wobei er aber durch seine langen Augenwimpern das Gesicht der Baronin scharf beobachtete.

Kann diese Zeilen Rahel geschrieben haben? Oder ist Ihnen die Schrift zufällig bekannt?"

Im ersten Augenblick schien die Baronin erschrocken zu sein, aber sofort hatte sie sich wieder beherrscht und schüttelte verneinend den Kopf.

Mir vollständig fremd." Fortsetzung folgt.