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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 29. Juni 1904

55. Jahrgang.

Fortwährend

werden Abonnements auf die Kchlüchtermer Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.

IneAHatA finden in der Schlüchterner

«3 w Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser begab sich um 2.30 Uhr mit dem VerkehrsbootHulda" zum Empfang des Königs von England nach Holtenau. Bis drei Uhr waren die eng­lischen Kreuzer aus der Holtenauer Schleuse in den Kieler Hafen eingelaufen. Gleich darauf ging die Einschleusung der kg. JachtViktoria andAlbert" vor sich.

Heute vormittag fand ein Frühstück an Bord derJduna" statt, die nicht mitsegelte. An dem Früh­stück nahmen der Kaiser, die Kaiserin, König Eduard, Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg - Lippe, Reichskanzler Graf Bülow und Marquis of Ormonde teil. Heute morgen hielt der Kaiser an Bord der Hohenzollern" Gottesdienst ab.

DieKieler Woche" zieht diesmal in erhöhtem Maße die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Nicht nur der Kaiser nimmt, wie alljährlich an der Regatta teil; mit ihm weilen der Kronprinz und Prinz Heinrich in Kiel, und auch König Eduard von England traf am Samstag dort ein. Eine Art Prolog zu dem sport­lichen Ereignis bildet die auf den Willkommensgruß W Hamburger Bürgermeisters gehaltene Rede ' des Kaisers, worin der Monarch den Sport als internatio­nales Bindemittel bezeichnet. Der Kaiser erwartet von der Kieler Woche, daß durch sie die Solidarität der Völkergepflegt, gehegt, fester geschmiedet und fester geknüpft werde."

Der Reichstag ist am 16. Juni, dem Jahres­tage seiner Wahl, bis zum 29. November vertagt wor­den. Während seiner fast siebenmonatigen Tagung hat er dank der endlosen Etatsdebatten nicht allzuviel po­sitive Arbeit vor sich gebracht. In den letzten Wochen ging es allerdings in einem etwas schnelleren Tempo vorwärts. In den 100 Sitzungen wurden außer dem Etat erledigt: Die Reichsfinanzreform, das Gesetz über Entschädigung unschuldig erlittener Untersuchungshaft, das Reblausgesetz, die afrikanischen Eisenbahnvorlagen, die Verlängerung des Gesetzes über die Friedensprä­senzstärke, der Servistarif und das Gesetz über die Kaufmannsgerichte. Warum der Reichstag vertagt und nicht geschlossen worden ist, ist nicht recht zu erkennen,

Getrennte Wege

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ei, ei! Die hatten wohl eine Liebschaft mit­sammen !"

Es ist schon so! Natürlich mußte das sehr ge­heim gehalten werden; der alte Kommerzienrat hätte davon nichts wissen dürfen. Herr von Kämmerer war ein lockerer Vogel. Ich will ja absolut nichts Böses über ihn sagen. Schulden hat ja schließlich mancher junge Mann.

,,Aber natürlich, das mußte doch Rahel auch

Ja, ja, die hat ihm auch des öfteren Verwürfe gemacht und gar manche Schulden für ihn bezahlt. Ich kann nur nicht begreifen, wie er gerade im Hause des Kommerzienrats ermordet worden ist.

Wer es nur getan haben mag?'

Die Mietfrau seufzte.

Vielleicht hat ihn Fräulein Rahel selbst er­mordet?" begann Treskow wieder, da die Mietfrau schwieg.

Aber auch auf seine Frage erhielt

Wort, weshalb er den Schluß zog, daß sie wichtige Nachricht geben könne, hierzu aber nicht gewillt sei. Um das zu erfahren, konnte nur List Nutzen bringen,

er keine Ant-

da keine großen Gesetze Vorlagen, auf die schon viel Arbeit verwendet war. Der Reichstag kann übrigens auch viel früher einberufen werden, wenn die Handels­verträge früher Parlamentsreif werden.

Das Wildschongesetz wurde vom Herrenhaus nach kurzer Debatte in der Fassung des Abgeordneten­hauses mit einer von der Kommission beantragten, der Regierung bekämpften Resolution angenommen, die den Landwirtschaftsminister ersucht, durch die Staatsforst- Verwaltung den königlichen Forstschutzbeamten im In­teresse der niederen Jagd angemessene Prämien für erlegtes Raubzeug zu gewähren. Es folgt der münd­liche Kommissionsbericht über den Entwurf eines Ge­setzes betr. die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz Hessen-Nassau. Das Abgeordnetenhaus hatte beschlossen, daß an Sonn­tagen Unterricht nicht erteilt werden dürfe. Die Kom­mission beantragt, den Unterricht an Sonntagen nur während der Stunden des Hauptgottesdienstes zu ver­bieten, d. h. die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Bei der Abstimmung wird der Abänderungsantrag der Herrenhauskommission mit großer Mehrheit ange­nommen. Es folgen Petitionen über Eisenbahn­vorlagen, die nach den Kommissionsanträgen erledigt werden. Der Präsident teilt mit, daß nach den jetzigen Dispositionen die Vertagung des Landtags spätestens am 2. Juli eintreten soll.

Auf der Tagesordnung steht die Novelle zum Ansiedelungsgesetz. Die Debatte wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Linken geschlossen. Die Ab­stimmung erfolgt erst später. Das Herrenhaus nahm das Lotteriegesetz in der Fassung des Ageordneten- hauses an, ebenso das Gesetz betr. die Erweiterung des Hafens im Ruhrort.

Ausland.

Am 2. Juli werden 14 Offiziere und zwei mobile Kompagnien der Eisenbahntruppe nach Swakop- mund abgehen. Mit diesem Transport wird zugleich eine beträchtliche Menge an Eisenbahnmaterial hin­übergeschafft werden. Die Entsendung der Eisenbahn­truppen erfolgt auf Wunsch des Generalleutnants von Trotha. Die am Wateiberge vereinigten Hereros, die jetzt auf drei Seiten umfaßt sind, sollen, bevor Ge­neral v. Trotha zu einem entscheidenden Schlage aus­holen wird, zuvor auch auf der jetzt noch offenen Nord- westseite umschlossen werden, zu welchem Zweck sich der Ausbau einer neuen Etappenstraße von Karibib nach Outjo als erforderlich erweist. Karibib und Outjo sind jetzt nur durch einen Ochsenpfad verbunden, der unter den gegenwärtigen kriegerischen Verhältnissen sich als ungenügend erweist. Dem am 2. Juli ab­gehenden Transport dürfte die Aufgabe zufallen, eine Bahnlinie zwischen Karibib und Outjo herzustellen.

Das russische Geschwader bei Port Arthur hat

Warum dieses Mädchen nur mit einem solchen

Menschen verkehrte, wenn sie doch wußte, wie sehr leichtsinnig war."

Das hat sie auch nicht gleich gewußt, und als es erfahren hatte, da war es wohl schon zu spät."

Warum zu spät?"

er

sie

Ich meine nur so!" antwortete die Mietfrau verlegen.

Dies war natürlich Treskow nicht entgangen. Rasch folgerte er auf Grund der gehörten Aeußerungen, von Kämmerer war leichtsinnig gewesen, er hatte stets Schulden. Rahel hatte sich mit ihm eingelassen und drohte ihr dieser, als ihr der Schritt reute, fortgesetzt mit Enthüllungen. Aus Furcht vor dem Vater gab sie dann den Erpressungversuchen nach. Dies alles war das Ergebnis einer einzigen Sekunde.

Mit einer notwendigen Selbstverständlichkeit sagte dann Treskow:

Da wäre es doch besser gewesen, sie hätte ihrem Vater alles gestanden, dann wäre es noch immer nicht zu spät gewesen."

Die Mietfrau sah den Kommissar von der Seite an. Sie schien zu fühlen, daß sie zuviel gesagt habe und hielt sich nunmehr möglichst zurück.

Es konnte Treskow nicht mehr gelingen, das Ge­spräch in Fluß zu bringen. Ehe er gewärtigen mußte, von ihr gar nichts mehr zu erfahren, wollte er noch­mals auf eine frühere Bemerkung zurückgreifen.

einer Meldung des japanischen Admirals zufolge, sich eine abermalige empfindliche Niederlage zugezogen, die ihm den letzten Rest der Gesechtsfähigkeit genommen haben dürfte. Es liegt darüber folgende Depesche des Admirals Togo vor: Am Donnerstag fand bei Port Arthur ein Gefecht statt, in welchem ein Schlachtschiff vomPereswjet"-Typus gesunken ist, ein Schlachtschiff vomSewastopol"-Typus und ein Kreuzer vomDiana"- Typus gefechtsunfähig gemacht wurden. Die japanischen Schiffe sind im wesentlichen unbeschädigt.

Nach einer aus Tokio eingetroffenen Meldung "!0. Juni aufgestellt

soll die Belagerungsarmee seit 2« sein. Der erste Angriff soll etwa 10 Tage später er­folgen. Den Befehl über die Belagerungsarmee führt General Jdilti, die Artillerie kommandiert Oberst Sato.

Beide haben in Deutschland ihre militärische Aus­bildung erhalten.

Die Takuschan-Armee meldet: Am 23. Juni überrumpelte bei Tagesanbruch eine japanische Ab­teilung eine Eskadron russischer Kavallerie zehn Meilen nördlich von Santaoku auf dem Wege nach Toschkiab und schlug sie in die Flucht. Die Japaner besetzten auch die Höhen von Santaoho und vertrieben den Feind von dort. Die Russen hatten 60 Tote.

Der in Paris weilende japanische Staatsmann Sujematiu, dessen Unterredung mit einem Mitarbeiter derTemps" den Eindruck hervorrief, als ob Japan geneigt wäre, eine etwaige Friedensvermittlung befreun« deter Mächte anzunehmen, nahm Anlaß, zu konstatieren, daß diese Auslegung dem Sinne der von ihm gemachten Aeußerung keineswegs entspreche.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 28. Juni 1904.

* Au« dem 3. Jahresbericht für das Jahr 1903 bis 1904 des Vereins zur Bekämpfung der Schwind­suchtsgefahr in der Provinz Hessen-Nassau ist zu er­sehen, vaß bezüglich der Werbetätigkeit eine ziemlich energische Agitation entfaltet worden ist. Die Zahl der Mitglieder mit Beiträgen unter 350 Mark betrug in den Kreisen: Schlüchtern 23, Gelnhausen 15, Gersfeld 20 und Hünfeld 30.

* Diejenigen jungen Leute, die sich bei der Herbst­prüfung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst des Jahres 1904 unterziehen wollen, haben ihr Gesuch nebst den erforderlichen Papieren vor dem 1. August 1904 bei der Prüfungskommission für Einjährig-Frei­willige in Kassel einzureichen.

* Die Legende von den sieben Schläfern lebt am 27. Juni von neuem auf. Dieser Tag ist als Wetter­macher im Volke allgemein gefürchtet; wenn an ihm nur ein Tröpflein Regen fällt, so soll es sieben Wochen lang an jedem Tage regnen. So der Volksmund; in Wirklichkeit und vom Standpunkte wissenschaftlicher Beobachtungen aus ist diese Annahme durch nichts

j^Die Frau, die gestern vormittag noch hier ge- wesen ist, war also wohl auch schon öfters bei Herrn von Kämmerer gewesen."

Das mag Wohl sein!"

Treskow lächelte.

Dann wird es für Sie schließlich eine Kleinigkeit sein, die Dame wiederzuerkennen.

Das glaube ich kaum!"

Treskow sah ein, daß ein weiteres Ausfragen er­folglos wäre und verabschiedete sich.

Wieder auf der Straße schlug er die Richtung nach seinem Bureau ein. Während er langsam da- hinbummelte, überdachte er nochmals die neuen Er­fahrungen.

Danach stand es für ihn zweifellos fest, daß Herr von Kämmerer eine etwas anrüchige Person sein mußte, welche nicht zurückschreckte aus Rahel Geld zu erpressen.

Der von Rahel bei von Kämmerer

Dies entnahm er aus den zweideutigen Aeußerungen der Mietfrau.

gefundene Brief betraf vermutlich eine Bestellung in

das Haus von

Dalldorf wegen einer erneuten Ei­

pressung. Das Telegramm war dann in Folge des Verhörs an ihn zur Warnung abgesandt worden.

Rätselhaft war ihm nunmehr, diese Sache mit dem ausgeführten Raub in Verbindung zu bringen. Zur gleichen Zeit, oder unmittelbar vor- oder nachher mußte der Raub ausgeführt worden sein. Hatten diese Kenntnis vom Raube? Oder war einer von ihnen daran beteiligt.