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SchlüchternerAttung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

tM 51. Samstag, den 25. Juni 1904. 55. Jahrgang.

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Schlüchterner Zeitung

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von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner lllOCB Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Reich.

Der Kaiser besichtigte in Kiel Vormittag die Werft und Hörte auf der Werft, sowie auf dem Linien­schiffBraunschweig" den Vortrag des Staatssekretärs Tirpitz an.

Am 22. Juni, Nachmittag um 4.40 Uhr, verließ die JachtHohenzollern" mit dem Kaiser die Schleuse von Holtenau. Beim Jnsichtkommen der Kaiseryacht feuerten die im Hafen liegenden Kriegsschiffe den Kaisersalut. Kurz darauf verließen der kleine Kreuzer Hamburg" und das DepeschenbootSleipner" die Schleuse. Um 6 Uhr wohnte der Kaiser der Ent­hüllung des Denkmals für Friedrich Krupp, welches vor dem Gebäude des kaiserlichen Jachtklubs Auf­stellung gefunden hat, bei. Der Kaiser unterhielt sich mit den Mitgliedern der Familie Krupp und dem Bildhauer Haverkamp und legte dann selbst einen Kranz aus weißen Rosen am Denkmal nieder. Um 7 Uhr btgab sich der Kaiser nach dem Bahnhöfe, um die Kaiserin, die von Ploen kam, abzuholen. Der Kaiser empfing den Oberpräsidenten von Schleswia- Holstein, Freiherrn von Wilmowski.

Der Kaiser hat an den deutschen Botschafter in den Vereinigten Staaten ein Telegramm gerichtet, in welchem er seiner tiefen Ergriffenheit über das schreckliche Unglück Ausdruck giebt, welches die lutherische Gemeinde betroffen hat, und den Botschafter beauftragt, der Gemeinde seine innigste Teilnahme auszusprechen.

Das Abgeordnetenhaus nahm debattelos in dritter Beratung die Vorlagen betreffend die Ver­besserung. der Vorflut an der unteren Oder, Havel und Spree und die Vorlagen betreffend Maßnahmen zur Verhütung von Hochwassergefahren in der Pro­vinz Brandenburg, dem Havelgebiet und der Provinz Sachsen an. Der Gesetzentwurf betreffend die Ge­währung von Beihilfen an ehemalige Angehörige des preußischen Heeres und der Marine, die am Kriege 1864 teilgenommen haben, wurde in dritter Beratung mit dem Zusatzantrage Sattler angenommen, die Bei­hilfen auch auf Angehörige anderer Truppenkontingente auszudehnen, soweit sie jetzt Preußen sind. Sodann wurde eine Anzahl kleiner Vorlagen genehmigt.

Getrennte Wege

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ich kann mir denken, daß es Dir unangenehm sein dürfte. Aber da mir dies so gelegen ist, werde ich doch nicht davon lassen!"

Wieviel Geld benötigst Du?"

Diese Tonart kann mir schon besser gefallen. Vor­läufig sagen wir 20 000 Mark!"

Kann ich nicht zahlen!"

Du machst Dich ja lächerlich!"

Ich habe in den letzten Tagen anderwärts große Verluste erlitten, die ich begleichen muß."

Nicht meine Schuld Väterchen."

Es entstand nun eine länger andauernde Stille. Der Kommerzienrat ging mit großen Schritten auf und nieder, wobei ihm der junge Dalldorf spöttisch lächelnd zusah.

Ich will vernünftig werden und Dich nicht zu sehr drücken, aber zehntausend müssen es unbedingt sein."

Der Alte war nun vor seinen Sohn hingetreten, war dicht vor ihm stehen geblieben und hatte in das Gesicht Kurts mit tiefster Abscheu geblickt. Er haßte diesen Sohn so sehr, daß er sich nicht die geringste Mühe gab, dieses Gefühl zu verbergen.

Nichts werde ich auszahlen!"

Der Vorstand des deutschen Gärtner-Verbandes hat an den Landtag eine Petition gerichtet mit der dringenden Bitte, dem Entwurf eines Gesetzes betr. die Erschwerung des Vertragsbrucheslandwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes" die Zustimmung zu versagen.

Das Geschwader, das den König Eduard nach Kiel begleitet, ist in Sheerneß versammelt und hat seine Vorbereitungen für die Reise beendet. Der König von England wird, wie dieHamb. Börsen- halle" erfährt, einer Einladung des Senats Folge leisten und am 30. Juni Hamburg einen Besuch ab- statten, im besonderen außer dem Senat auch der Handelskammer und der Börse.

Zum Feldgeistlichen für Südwestafrika wurde der Braunschweiger Divisionspfarrer Schmidt ernannt.

Wie verlautet, sollen im Laufe der Monate Juli und August 1600 Mann an weiteren Verstärk­ungen nach Deutsch-Südwestafrika entsandt werden. Die neuen Verstärkungen sollen aus berittener Infanterie, Artillerie und einer Signalabteilung bestehen.

Die neueste Verlustliste aus Südwestafrika ergibt noch den Tod von 10 Mann an Krankheiten, meist Typhus und Herzschwäche, und von 2 Mann, die Verwundungen erlegen sind. Im Ganzen hat der Aufstand bis jetzt 275 Opfer gefordert: 90, die von den Ausständigen ermordet wurden, und 185 Militärs. Gefallen oder Verwundungen erlegen sind 17 Offiziere (darunter zwei Hauptleute) und 123 Mann, an Krank­heiten während des Feldzuges gestorben: 1 Offizier und 44 Mann.

Ausland.

In Haag geht das Gericht, die Königin Wil- helmine sehe einem freudigen Ereignis entgegen. Die Nachricht wird in Erinnerung an die Krankheil der Königin vor zwei Jahren und die damals vorgenom­mene Operation stark angezweifelt.

Admiral Skrydlow telegraphiert am 21. Juni aus Wladiwostok, daß er nach Versorgung mit Kohle und Proviant beabsichtige, mit den Schlachtschiffen Sebastopol" undPoltawa" und dem Kreuzer Bojan" undAskold" neuerdings zur Jagd auf japanische Transportschiffe auszulausen.

General Kuropatkin meldet, daß das Korps Stackelberg seinen Rückzug während der Nacht auf sehr schwierigen Wegen bewerkstelligt habe.

Die am 22. Juni eingetroffenen telephonischen Meldungen vom Kriegsschauplatz ergeben, daß es General Stackelberg gelungen ist, durch nächtliche Märsche sich der drohenden Umklammerung durch die Truppen des Generals Oku zu entziehen. Dagegen scheint ihm eine neue Gefahr zu erwachsen durch die von Takuschan und Shingan her in der Richtung auf Kaitschou, Haitscheng und Tschitschao marschierenden

Warum diese Komödie? Du haßt mich. Gut, weshalb postierst Du Dick vor mir auf und siehst mich an, als wolltest Du mach auffressen? Oder bist Du schon so kindisch geworden, daß Du mir damit im­ponieren willst?"

Nickt einen Augenblick verließ den Alten die ge­wohnte Ruhe und Sicherheit. Selbst die direkten Beleidigungen ließ er ungehört über sich ergehen,

Ich zahle nichts!" Gehe Deiner Wege aber meide mein Haus!"

Dann aber werde ich Sorge tragen, daß Deine Rahel überführt wird. Wenn Du sie auch mir gegen­über verleugnen willst, ich kenne keinen Irrtum und weiß, daß Du nur zu gerne an ihre Unschuld glauben möchtest."

Nichts weißt Du!" donnerte ihn des Alten Stimme an.

Ich weiß, daß ich die Macht in Händen habe, Rahel ihrer Schuld zu überführen. Glaube mir, ich werde sprechen, wenn Du nicht zahlst, was ich verlange."

Der Vater kämpfte mit sich selbst) sollte er diesem ungeratenen Sohne gegenüber schwach werden, sollte er eingestehen, was er niemanden sagen wollte, sollte er durch ein solches Opfer Rahel loskaufen, oder war sie überhaupt schuldig?

Alle diese Fragen drängten sich ihm gleichzeitig auf.

Schon wollten sich seine Lippen öffnen,' um wenigstens das eine zu fragen, ob sie schuldig ist oder

größeren japanischen Abteilungen, welche seine Rückzugs­linie abzuschneiden drohen. Die Japaner haben, wie aus dem russischen Hauptquartier gemeldet wird, ihren Vormarsch von Fönghwangschöng nach Norden vor­läufig eingestellt, um mit ihrer ganzen Kraft bei der obenerwähnten Flankenbewegung nach Westen einsetzen zu können. Da auch die Russen ihrerseits hier größere Streitkräfte angesammelt haben, welche General Stackel- bergs Rückzug decken sollen, so stehen hier größere Kämpfe zu erwarten. Es liegen folgende Meldungen vor: Nach unkontrolierbaren Blättermeldungen, die bisher amtliche Bestätigung nicht erhalten haben, soll übrigens bereits bei Kaitschou eine Schlacht in großem Stile im Gange sein.

Males und Provinzieller.

Schlüchtern, 24. Juni 1904.

* Versetzt wurde der Förster Regehly zu Saba- burg in der Oberförsterei Hombressen vom 1. Juli ab auf die Försterstelle Steinau, Oberförsterei Steinau.

* Johannistag! Wir sind nun auf der Höhe des Jahres, der Sommer tritt in sein Recht, der lieb­liche Lenz ist verronnen. In üppiger Fülle prangt noch die Flur, in ein Meer von Düften hüllen sich Garten und Park: die Rose, der Jasmin und Flieder, die Nelken und Violen blühen. Doch auch die Tages­länge ist auf ihrem Höhepunkt angekommen; langsam, ganz langsam, anfangs kaum bemerkbar, werden die Tage wieder kürzer, die Abende länger, das Korn reift, der Wind geht über die Stoppeln dann beginnt der Herbst. In jetziger Zeit feierten unsere heidnischen Vorfahren das Fest der Sommersonnenwende, bei welchem man heilige Feuer entzündete, in die man Kräut"r und Blumen, Knochen und Tiere als Opfer warf und zu der alle Männer des Gaues in Wehr und Waffen sich einfanden, die öffentlichen Angelegen­heiten besprachen und wacker das Methorn kreisen ließen, während die Welt frohgemut den Reigen tanzte. Hiervon stammt die heute noch in vielen Gegenden übliche Sitte der Johannisfeuer her. Der Johannis­tag ist dem Gedächtnis des Täufers geweiht, weshalb die Freimaurer ihn in besonderer Weise feiern, weil Johannis der Täufer früher hauptsächlich in England als Schutzpatron der Bauleute galt, da er den Grund zur Lehre Christi legte. Die Buchdrucker ehren als Jünger der schwarzen Kunst am Johannistag das Andenken ihres Meisters Johannis Gutenberg in fröhlichen Festen.

* Nach den Informationen des Bezirksvorstandes des Vaterländischen Frauenvereins zu Cassel werden Tabak und Zigarren bei unseren in Südwestafrika stehenden Truppen als besonders beliebte Gaben an­gesehen und von ihnen gern in noch größerem Um­fange angenommen. Auch andere Gaben sind will­kommen, als: Briefpapier und Couverts, Bleistifte, nicht) aber als er in das höhnisch lachende Gesicht des Sohnes sah, da blieb die bange Frage ungesprochen, die gewohnte Heftigkeit kehrte wieder zurück?

Erpresser, nichts wird von meiner Seite geschehen! Ist Rahel schuldig, dann wird sie die Gerechtigkeit auch ohne Deine Verräterei ereilen, ist sie aber unschuldig, dann wird auch dies bewiesen werden."

Kurt von Dalldorf knirschte mit den Zähnen. Die Erfolglosigkeit dieses letzten Schrittes kam ihm ungelegen. Er mußte das Geld bekommen und wollte das Haus nicht verlassen, bevor er solches er­halten habe.

Wenn ein Skandal entsteht, so dürfte es Dir bei Deiner angesehenen Position doch nicht angenehm sein; es wäre doch wünschenswerter, Du einigst Dich gütig mit mir. Schließlich tun es auch vörläufig 5000 Mark wenn Du zu große Verbindlichkeiten anderwärts haben solltest."

Der Alte achtete nicht auf die Worte Kurts, sondern schritt an diesem vorbei, als sei er Luft, um sich in das anliegende Lesezimmer zu begeben.

Dies war nicht nach dem Willen des Jungen, der sofort zurücksprang und den Ausweg versperrte. Drohend, die Faust geballt, stand er an der ge­schlossenen Verbindungstüre und blickte mit zorngerötetem Gesicht auf den Kommerzienrat, der keinen Schritt bei dieser Angriffsstellung zurllckwich.

Du scheinst vergessen zu haben, wer ich bin, und wo Du bist."