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Erschlint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

. 49» Samstag, den 18. Juni 1904. 55» Jahrgang.

Deutsches Reich.

Die Kaiserin hat Dienstag einer Abordnung der Nationalverbände des Internationalen Frauenkongresses Audienz erteilt.

Der Reichstag beriet Dienstag die Münzgesetz- novelle in dritter Lesung. Staatssekretär v. Stengel erklärte die Vorlage für unannehmbar, wenn der Be­schluß aufrecht erhalten werde, daß neue Dreimarkstücke geprägt werden. Abg. Blell (frs. Vp.) beantragte Be­seitigung des Beschlusses. In der Abstimmung wurde der Beschluß der zweiten Lesung aufrecht erhalten. Da­mit ist das Gesetz gefallen. Eine Resolution Bell auf Ausprägung von Fünfzigpfennigstücke mit Eichenkranz wurde mit geringer Mehrheit angenommen. Es folgte die zweite Beratung über die Aufnahme einer Anleihe für Togo. Abg. Richter bekämpfte die Vorlage. Die Rentabilität der Bahn sei nicht im geringsten nachge­wiesen. Die Interessenten sollten die Mittel selbst aufbringen. Kolonialdirektor Dr. Stübel erklärte, die Finanzverhältnisse der Kolonie seien sehr gute. Es wäre unrecht, die Kosten des Bahnbaues den Baumwollin- dustriellen aufzuerlegen, da er auch den Textilarbeitern nütze. Abg. v. Richthofen (k.) erklärt, ohne Bahnen könnten Kolonien nicht erschlossen werden. Abg. Schra- der (fr. Vgg>.) trat lebhaft für die Bewilligung ein. § 1 wurde in namentlicher Abstimmung mit 148 gegen 60 Stimmen angenommen. Ferner wurde eine Re­solution angenommen, die bei Landankäufen in den Schutzgebieten die Lebensbedingungen der Eingeborenen berücksichtigt wissen will. Der Rest der Vorlage wurde ohne Debatte angenommen. Die zweite Beratung der Vorlage über die Reichsgarantie für die Bahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro wurde vertagt, nachdem »Schatzsekretär von Stengel erklärte, daß er die Erhöhung der Spurweite und der Kosten billige.

Das Abgeordnetenhaus hat endgiltig die Vor­lage betr. die Ausdehnung des allgemeinen Berggesetzes auf die Arbeiter zur Gewinnung von Stein- und Kali­salz und von Soolquellen in Hannover, die Vorlage betr. die Erweiterung des Hafens in Ruhrort ange­nommen. Als weiterer Punkt steht die zweite Be­ratung des Entwurfs eines Ausführungsgesetzes betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. Die Kosten hiesür sollen nach der Regierungsvorlage den betreffenden Gemeinden zur Last fallen, während die Mehrheit der Kommission auf dem Standpunkte steht, daß ein Teil dieser Kosten namentlich weniger leistungs­fähigen Gemeinden gegenüber der Staat übernehmen svll. Die Vorlage ging an die Kommission zurück. Eine längere Debatte fand bei der darauf folgenden 2. Be­ratung des Wildschongesetzes statt. Es wurden zahl­reiche'Anträge gestellt und teils zurückgezogen, teils abgelehnt. Das Gesetz wurde angenommen.

Generalleutnant v. Trotha m'ldet aus Swa- kopmund: Da großer Mangel an Etappentruppen und

Getrennte Wege.

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Längst habe ich Sie erwartet!" sagte Treskow sofort.Wollen Sie vielleicht die Wunden genau untersuchen und ihre Beobachtungen uns mitteilen?"

Aber natürlich stehe ich Ihnen zu Diensten," war die Zustimmung des Arztes.

Er zog sodann seinen Rock aus, stülpte das Heind empor, damit die Arme bis zum Ellbogen entblößt waren, und nahm aus seiner Tasche, die er bei sich trug, die zu einer Leichenschau notwendigen Instrumente. Dann kniete er neben der Leiche hin, säuberte die Wunden vom Blute und entfernte es aus den Stich- Höhlen. Nunmehr prüfte er die Hautöffnungen genau auf ihre Beschaffenheit, stellte die Tiefe der Stiche fest und schnitt dann mit einer Lanze jede Wnnde auf, um genau die Einwirkungen und Verletzungen zu konstatieren.

Während er dies tat, herrschte tiefes Schweigen.

Etwa eine halbe Stunde war vorübergegangen, bis er mit feinen eingehenden Untersuchungen fertig war; dann erklärte er seine Beobachtungen den Beamten.

Die Schnitte, es sind keine Stiche, wurden mit einem schmalen Dolche geführt; es wird dies durch die flachen Ränder der Wunden bewiesen, die nicht gerissen

Arbeiter besteht, wurde der Transport in der Lüderitz- bucht telegraphisch angewiesen, den Bataillonsstab und eine Kompagnie in Swakopmund zu lassen, sodaß für den Süden eine Kompagnie und eine Batterie bleibt.

Ausland.

Aus Tokio wird gemeldet: Bei Telissu, nord­östlich von Fuschou, hatten die Russen 500 Tote, 300 wurden gefangen genommen. Ferner verloren sie 14 Kanonen. Der Verlust der Japaner beträgt 100 Mann.

Die Japaner haben gestern nach einem heftigen Kampfe Telishu genommen. Die russischen Verluste waren schwer, und die Japaner verloren tausend Mann. Die Russen hätten sechs Kanonen und viele Fahnen verloren.

Als gestern abend der TransportdampferTai- Hoku-Maru"in der Hafeneinfahrt von Port Arthur Minen legte, explodierte eine Mine. 1 Offizier und 18 Mann wurden getötet, 9 verletzt. Das Schiff wurde nicht ernstlich beschädigt.

In Tokio werden die japanischen Siege durch glanzvolle Umzüge unter ungemein starker Beteiligung der Bevölkerung gefeiert. Während eines solchen Fest­zuges, an dem auch Engländer und Amerikaner sich beteiligten, entstand auf einer Brücke ein derartiges Gedränge, daß 19 Personen getötet und eine große Anzahl verwundet wurden.

Drei russische Kriegsschiffe, die in der Straße von Tsuschima kämpften, wurden von Admiral Kami- mura aufgebracht.

Aus Mukden wird gemeldet: Um einen Teil der feindlichen Streitkräfte von Port Arthur abzuziehen, wurde eine russische Kolonne von Taschitschiao südwärts vorgeschickt. Sie hatte am 14. und 15. Juni bei Wafongou mit überlegenen japanischen Streitkräften zu kämpfen. Die Japaner hatten sehr große Verluste. Das Ergebnis des Kampfes ist eine Besserung der russischen Position.

Aus Newyork wird depeschiert: Der Dampfer General Slocum", worauf die Sonntagsschule der deutsch-lutherischen St. Markuskuche einen Ausflug machte, geriet bei Eastriver beim Hellgate in Brand und brannte aus. Mehrere hundert Menschen, es heißt 500, meist Kinder, sind umgekommen. Die Zahl der Personen, die sich an Bord des verbrannten Vergnüg- ungsdampferrGeneral Slocum" befanden, betrug etwa 1000, fast sämtlich Frauen und Kinder. Während des Brandes sprangen etwa hundert derselben über Bord ; viele Leichen sind schon an Land gespült worden. Die meisten Verunglückten sind indessen dem Feuer an Bord zum Opfer gefallen. Die gegenwärtige Zahl der Opfer in den Hospitälern beträgt 300. Mehrere von den Ueberlebenden versichern, die Schnüre an den Ret­tungsgürteln seien verfault gewesen. Der Umfang der Katastrophe ist noch nicht vollständig zu übersehen. Die sind, wie es bei einem Stiche sein müßte, sondern glatt durchschnitten. Zudem verengert sich die Wunde, wenn sie bis zu ihrer Tiefe verfolgt wird, nicht in ganz er­heblichem Maße wie bei einem Stiche sondern zeigt fast noch dieselbe Länge; auch die klaffende Oeff- nung spricht gegen einen Stoß. Es ist der Tote fast geschlachtet worden, denn beide Verletzungen sind Schlächterschnitte, wie sie jeder Metzger feststellen kann. Jedenfall sind die beiden ruckartigen Schnitte mit einer furchtbaren Wucht geführt worden, da sie in der Tiefe sogar einen Knochen zertrümmerten."

Hierbei unterbrach Treskow den Arzt:

«Kann nicht auch ein Weib diese Tat begangen haben ?"

Der Arzt anwortete hierauf ohne jede weitere Ueberlegung:

Das ist vollständig ausgeschlossen."

Treskow und der Richter sahen sich gegenseitig an; der eine mit einem verstehenden Aufblitzen seiner grauen Augen, der andere mit einem unverständlichen Kopfschütteln.

Der Arzt hatte dies bemerkt und setzte seiner Be­hauptung noch die Ergänzung hinzu:

Es könnte dies nur ein Weib sein, das über ganz gewaltige Kräfte verfügen und unheimliche Nerven be­sitzen müßte."

Dann folgen wir einer gänzlich faschen Spur!" betonte Treskow.

ganze Nacht gab es erschütternde Scenen im Herzen Kleindeutschlands." Polizeiinspektor Brooks erklärte, daß seiner Ansicht nach die gesamte Totenzahl 1000 erreichen möge. 700 Leichen sind gefunden und Taucher bringen noch jede Minute einen weiteren Leichnam an die Oberfläche. Newhork ist von einem Unglück heim­gesucht worden, welches das Blut in den Adern er­starren macht.

Wie dieCentral News" meldet, entstand das Feuer ganz unten im Schiffsraum, wo der lose Balast lag, auf den man die schweren Frachtgüter legt. Ein Mann probierte sieben Rettungsgürtel, bis er einen brauchbaren fand. 200,000 Dollars sind insgesamt an den Leichen gefunden worden. Bei der Leiche einer Frau fand man 30,000 Dollars in Noten.

- Nach einem Telegramm aus Santiago de Gua- yaquil nimmt in Payta (Peru) die Beulenpest eine große Ausdehnung an. Innerhalb drei Stunden sind zehn Personen der Krankheit zum Opfer gefallen.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 17. Juni 1904.

* Der Bürgermeister v on Stieglitz zu Soden, Kreis Schlächtern, hat die Geschäfte des Standesbe­amten für den Standesamtsbezirk Soden übernommen.

* Gutem Vernehmen nach hat die Staatsregierung mit den hessischen Kornhausgenossenschaften Cassel, Hof- geismar, Zierenberg, Hoheneiche und Hanau neue auf einen größeren Zeitraum laufende Pachtverträge ab­geschlossen, so daß der Fortbestand der hessischen Korn­häuser gesichert ist.

* Die Linde blüht, und es ist, als ob in ihrem Duft ein Stück guten alten deutschen Volkstums läge. Um die altehrwürdige Dorflinde konzentrierte sich früher das gesamte öffentliche Leben des bäuerlichen Gemein­wesens. Hier wurde Recht gesprochen und das Urteil konnte auch gleich an Ort und Stelle vollzogen werden. Unter Glockengeläute eilten einst die Bauern zur Linde als der Dingstätte, und der Schultheiß mit weißem Amtsstab, umgeben von ben Schöffen, hielt unter freiem Himmel bis zum Sinken der Sonne das Bauerngericht. Die Linde schaltete ihre Zweige aber auch über jubelnden Frohsinn und friedliche Feierabendstimmung und noch heute ist die Dorflinde vielfach der Sammelpunkt für die lebensfrohe Dorfjugend oder auch für die braven Alten, die hier allerlei gewichtige Neuigkeiten aus- tauschen. Und es plauscht sich gut, von dem würdigen Dunkel erhabener Linden beschattet, die Jahrhunderte schon an dieser Stelle gewurzelt. Vor allem aber hat sich die deutsche Liebespoesie um diesen Baum gerankt. Wer hätte das schlichte Volkslied nicht immer wieder gern gehört oder selber gesungen: Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum! . . Es zog in Freud' und Leide zu ihm mich immerfort! Eine gewisse Wehmut klingt oft aus solchen Lindenliedern, eine

)Mas kann ich aber nicht verstehen! Von allen Zeugen wußte keiner etwas von einem Unbekannten. Wenn ein Mann die Tat begangen hätte, er könnte doch nicht ungesehen und unbemerkt in das Haus ge­langt sein und sich wieder entfernt haben.

Denken Sie an die Aussage des Alten!"

Ja, gut! Diesem gegenüber steht die Aussage des dritten Zeugen, der doch ungleich mehr Bedeutung bei- zulegen ist, da die Schritte, die der Alte gehört haben mochte, auch von Rahel herrühren konnten, die sich ja, wie bewiesen, entfernt hat."

Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche; auf wen fällt hier der Verdacht? Sie sagten Rahel?" Der Arzt hatte erstaunt und interessiert gefragt.

Treskow gab ihm Antwort.

Es liegen hier schwerwiegende Punkte vor, die einen sehr großen Verdacht gegen Rahel, die Tochter des Kommerzienrats, zulassen. Eine Reihe von Be­weisstücken lassen wenigstens bis jetzt keine andere Möglichkeit offen, als bei ihr wenigstens einen großen Teil der Schuld zu suchen."

Mißbilligend hatte der Arzt den Kopf geschüttelt.

Das kann ich niemals bestätigen! Ich kenne Rahel als Arzt. Sie besitzt eine so schwächliche Konstitution, daß sie unmöglich verdächtig werden kann. Vollständig widersinnig aber wäre die Behauptung, die Wunden könnten von ihren Händchen herrühren."