Einzelbild herunterladen
 

ZchlilchternerMun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

3£ 47, Samstag, den 11. Juni 1904. 55. Jahrgang.

Fortwährend

werden Abonnements auf die Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt

von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg,

Inserate

da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

3^072058^2^

Dem bei dem Gutsvorsteher L. A. Leipold zu Lin- denberg in Dienst stehenden Schäfer Johann Georg Weidlein ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 6. Juni 1904.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar unternahm gestern morgen einen Spazierritt. Darauf hörte der Monarch Vor- träge und empfing den Gesandten von Paraguay Don Jose Jrala, der auch gleich darauf bei der Kaiserin eine Audienz hatte, sowie den neuen Präsidenten der Akademie der Künste, Geh. Reg.-Rat Prof. Otzen.

Unsere beiden Parlamente, Reichstag und Ab­geordnetenhaus sind am 7. ds. zum letzten Sessionsab­schnitt zusammengetreten, Es wird in beiden nicht lange dauern. Sie werden sich gegen Ende des Mo­nats bis zum Spätherbst vertagen. Es war nur eine ganz geringe Zahl von Abgeordneten, die Präsident Graf Ballestrem heute nach der Pfingstpause vor sich sah und herzlich begrüßte. Er gedachte sodann des verewigten Großherzogs Friedrich Wilhelm von Meck- lenburg-Strelitz als eines treuen deutschen Bundes- sürsten, durch dessen Tod das großherzogliche Haus, das mecklenburgische Land und das deutsche Reich tief betroffen seien. Die Abgeordneten hatten sich bei dieser Kundgebung des Beileids und der Trauer er­hoben. Mit der zweiten Lesung des Gesetzes betr. die Bekämpfung der Reblaus hat man sich dann beschäftigt. Der Gesetzentwurf hat von Anfang an den Wünschen der Interessenten und des Reichstags entsprochen und fast so gut wie einstimmig angenommen worden. Die kleine Novelle zum Münzgesetz, die nur bezweckt, dem 50-Pfennigstücke durch eine andere Legierung mit mehr Kupfergehalt eine handlichere Form zu geben, in der es sich leichter vom 10-Pfennigstück unterscheidet, hat eine gewisse Bedeutung gewonnen, weil die Mehrheit der Kommission die Bestimmung hereingebracht hat, daß Dreimarkstücke ausgeprägt werden sollen. Der

Getrennte Wege

Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Nachdem dies erledigt, schritten sie in etwas be­schleunigtem Tempo dem Wohnhause von Dalldorfs zu. Als sie diesem näher kamen, fiel es Ihnen auf, daß sich auf der Straße eine Menge von Leuten an­gesammelt hatte, alt und jung, Mann, Weib und Kind. Diese sprachen eifrig und erregt und sahen dabei in die Richtung, in der das Haus von Dalldorfs lag. Je näher sie diesem kamen, um so dichter wurde das Gedränge.

Es mußte hier jedenfalls etwas Ungewöhnliches vorgefallen sein! Der Kommerzienrat wurde unruhig, da sich die Menschenmasse vor seinem Hause staute. Fragen des Kommissars wurden größtenteils mit Kopfschütteln beantwortet, bis plötzlich das Gerücht tontet lauter um sich griff.

Mord! Im Hause des Kommerzienrats von Dalldorf."

Auf diese Aeußerung hin drängte sich Treskows mit Gewalt hindurch, ohne auf die hinter seinem Rücken fallenden Bemerkungen und Schimpfwörter zu achten, die hageldicht auf ihn niederprasselten, von Dalldorf konnte dem Voranschreitenden nur mühsam nachfolgen. Allmählich aber war Treskow und sein Begleiter von den Andrängenden so eingekeilt, daß er weder vor

noch rückwärts konnte. Da erst öffnete er seinen Rock und ließ das Legitimationszeichen der Berliner Polizei sehen, das auch sofort seine Wirkung auSübte; denn augenblicklich machten die vor ihnen stehenden Leute Platz, so daß sie bald vor dem Treppenaufgang standen, an welchem ein Schutzmann Wache stand, um die An­drängenden zurückzuhalten.

Nachdem der Kommissar seinen Namen genannt, ließ ihn und von Dalldorf der Posten passieren. Ein zweiter Schutzmann stand im Entree und teilte Treskow mit, daß ein Kommissar und der Untersuchungsrichter im Salon seien, in welchem die stark verstümmelte Leiche eines Mannes aufgefunden wurde. Diese neue Schreckenstat setzte den Kommerzienrat in eine solche Erregung, daß er am ganzen Körper zitterte.

Was war hier wieder geschehen? Sein erster Ge­danke war an Rahel.

Treskow eilte vorwärts, fast willenlos folgte sein Begleiter, vor welchem die Dienerschaft des Hauses scheu und ängstlich zurückwich.

Im Salon traf der Kommissar einen seiner Kollegen und den Untersuchungsrichter der Staats­anwaltschaft.

Wollen Sie mir diesen Fall überlassen, Herr Kollege? Ich bin in die Vorgeschichte schon ein= geweiht," wandte sich Treskow sofort an den zweiten Kommissar, ehe er noch die Leiche gesehen hatte,

Reichstag nimmt schließlich die Fassung der Kommission unter Ablehnung des Antrages Bell an und nimmt ferner den Rest des ganzen Gesetzes an. Die zweite Lesung des Gesetzes über die Kaufmannsgerichte wird § 1 unter Ablehnung des Antrags Auer unver­ändert angenommen, ebenso die §§ 2, 3 und 4.

Das Abgeordnetenhaus beriet heute den Antrag Oeser-Kopsch betreffend die Erhöhung des Wohnungs- gcldzuschusses, welcher nach längerer Debatte an die Budgetkommission überwiesen wurde, nachdem der Fi­nanzminister sich gegen ihn ausgesprochen, sich aber bereit erklärt hat, die Zuschüsse für die unteren Be­amten zu erhöhen. Ein Antrag Faltin betreffend die Rang- und Gehaltsverhältnisse der Gerichtssekretäre fand von allen Seiten Zustimmung und wurde einer Kommission überwiesen. An die Budgetkommission ging auch ein Antrag betr. die Fahrtvergünstiguug für Heeres- und Marineurlauber ein. Ferner die Vor­lage betreffend die Bestrafung des Kontraktbruches ländlicher Arbeiter. Die Redner der Konservativen, Freikonservativen, Nationalliberalen und des Zentrums erklärten sich, wenn auch letztere mit einem Vorbehalt, für die Vorlage. Die Vorlage ging an eine Kom­mission. Freitag kleine Vorlagen.

Die Hochzeit des Großherzogs von Mecklen­burg mit der Prinzessin Alexandra von Cumberland hat am Dienstag vormittag im Schloß in Gmunden stattgefunden. Nach Unterzeichnung des Ehevertrags und der Ziviltrauung im Schloß folgte die Trauung in der Kirche in Gegenwart des Herzogs und der Her­zogin von Cumberland, des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin und des Königs von Dä­nemark.

Der Kommandeur des 1. Feldartillerieregiments der Schutztruppe für Südwestafrika, Oberstleutnant Müller, ist zur Meldung bei dem Kaiser in Berlin eingetroffen und nach Hamburg weitergereist. Die Batterie hatte in den letzten Tagen bei Spandau Scharfschießübungen mit neuen Geschützen nach beweg­lichen Scheiben abgehalten, die auf Grund der bisher im Hererofeldzug gemachten Erfahrungen angefertigt worden sind.

In einigen Tagen wird zu Berlin der inter­nationale Frauenkongreß zusammentreten. Dieser Bund ist in der vorigen Woche ins Leben getreten, und sein erster Grundsatz lautet:Männer und Frauen sind gleich und frei als selbüständige Glieder der mensch­lichen Gesellschaft geboren; sie sind gleich begabt mit Verstand und Fähigkeiten und gleich befugt zur Aus­übung der bürgerlichen Rechte."

Durch den Verkauf der deutschen Schiffe an Rußland ist die freundliche Stimmung, welche sich in der letzten Zeit in den japanischen Zeitungen geltend machte, ins Gegenteil umgesprungen.

Ausland.

Ein Telegramm des General Kuropatkin an den Kaiser meldet, daß am 7. Juni gegen 1 Uhr Nachmittags ein japanisches Geschwader an der West­küste der Liautunghalbinsel, das anfangs aus 6 Schiffen bestand, erschienen sei. Das Feuer wurde auf die russischen Stellungen gerichtet. Gegen 7 Uhr hörte das Bombardement auf, das Geschwader entfernte sich in südlicher Richtung. Die Russen erlitten weder Verluste noch Materialschaden.

Das Komitee zur Verstärkung der Kriegsflotte unter dem Vorsitz des Großfürsten Thronfolgers ver­ausgabte von den bisher eingegangenen Spenden im Betrage von acht Millionen Rubel gegen zwei Mill. Rubel zur möglichst schnellen Verstärkung der Flotte ausschließlich durch Schlachtschiffe. Zum Ankauf der Handelsdampfer sind die eingegangenen Spenden nicht benutzt worden.

Ein neues Beispiel für den Patriotismus der Japaner wird mitgeteilt: Am Tage vor der Abreise des Generals Nogi nach dem Kriegsschauplatze erhielt er die Nachricht, daß sein zweiter Sohn bei dem hel­denmütigen Angriff seines Regiments auf Nanschan gefallen war. Der General zeigte nicht die geringste Gemütsbewegung bei der schmerzlichen Meldung. Er hat noch einen anderen Sohn im Felde, und als er seinen Fuß auf das Schiff setzte, gab er den bestimmten Befehl, daß seine Familie keine Trauerfeier veranstalten solle, bevor er selbst und der andere Sohn ebenfalls gefallen seien. Er hielt es für selbstverständlich, daß er als Soldat sein Leben für das Vaterland lassen müsse und nicht mehr lebend zu den Seinen zurück­kehren würde.

Die Spionenriecherei hat jetzt einen japanischen Offizier in den Tod getrieben. Ein Leutnant K. Nomi schnitt sich mit einem Dolche in Hiroshima den Hals durch, weil er als Spion verdächtig wurde. Der Un­glückliche war vor einigen Jahren von seiner eigenen Regierung nach Petersburg entsandt worden. Natürlich machte er dort Bekanntschaften. Mit einigen davon blieb er brieflich im Verkehr. Dies hatte zu der Ver­leumdung geführt, Leutnant Nomi sei ein Spion. Um der üblen Nachrede zu entgehen, beging der Offizier Selbstmord.

Die Offiziere der Belgrader Garnison veran- stalteten am Jahrestage der Ermordung des Königs Alexanders und der Königin Draga im Kasino ein großes Konzert zur Verherrlichung des Gedenktages.

Nachrichten aus Mazedonien zufolge sollen dort reuerliche Greueltaten seitens der Türken an der christ- ichen Bevölkerung verübt werden. Besonders in Kru- chewo und im Bezirk Monastir richte eine Räuber- iande Verheerungen an.

Dieser hatte noch nicht geantwortet als ein Schrei von den Lippen des Kommerzienrats die Aufmerksam­keit auf diesen lenkte.

von Kämmerer! Er ist es!"

Treskow blickte überrascht auf.

Wenn es sich nun so verhielt, dann wurde die rätselhafte Afsäre zu einem unentwirrbaren Knoten. Was war die Ursache der Anwesenheit von Kämmerers in diesem Hause? War er auf das Telegramm hin gekommen, das mit größter Wahrscheinlichkeit von Rahel herrührte. Wer hatte dann diesen ermordet? Rahel? Der Verdacht lag sehr nahe. Ein Geheim­nis, das nach dem vorgefundenen Briefe unaufgeklärt bleiben sollte, lag zwischen Rahel und dem Ermordeten. Nur Rahel konnte also ein Interesse am Tode von Kämmerers haben.

Diese Gedanken durchzuckten plitzartig den Jdeen- gang Treskows.

Wie aber bestand eine Verbindung mit dem tags vorher ausgeführten Raub?

Ich darf mich also für abgelöst betrachten?" fragte Treskows Kollege nach längerem Schweigen.

Dieser nickte. H

Haben Sie für mich Mitteilungen von wichtiger Bedeutung."

Keine! Ich kam hier an, fand die Leiche wie jetzt am Boden liegend und traf auf den Herrn Unter­suchungsrichter, der mir den Namen des Ermordeten als von Kämmerer bezeichnete."