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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 45. Samstag, den 4. Juni 1904. 55. Jahrgang.
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von der Expedition entgegengenommen.
finden in der Schlüchterner ■ ■■SGI Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auslage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und die Kaiserin sollen zu ihrer silbernen Hochzeit am 27. Februar 1906 mit der endlichen Vollendung der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche überrascht werden. Es wird dazu noch eine Million Mark benötigt. Zur Ausbringung dieser Summe soll allerorten gesammelt werden. Weiter gedenkt man Spenden für den Ausbau der zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta erbauten Gnadenkirche, sowie für den Bau eines Erholungshauses auf dem Oelberg bei Jerusalem und schließlich zur Unterstützung von Wohltätigkeitseinrichtungen für Arme und Kranke zu über, reichen.
— Die große Frühjahrsparade der Berliner, Spandauer, Charlottenburger und Lichterfelder Garnison in Berlin, zu welcher der Herzog von Anhalt eingetroffen war, ist bei herrlichstem Wetter glänzend verlaufen. Der Kaiser trug die große Generalsuniform, die Kaiserin die Uniform ihres Kürassier-Regiments. Der Parade wohnten auch die kaiserlichen Prinzen bei. Es fanden zwei Vorbeimärsche statt, beim zweiten gingen die Kavallerie und die Artillerie im Trabe vorbei. Der Kaiser führte von der Menge stürmisch begrüßt, die Fahnenkompagnie zum Schlosse zurück.
— Der Kaiser und die Kaiserin treffen am 15. Juni mit großem Gefolge in Homburg ein und werden während der Gordon-Bennet-Rennen im Schloß Wohnung nehnien. Auch die Geschwister des Kaisers, Prinz Heinrich, Prinzessin von Hessen und Prinzessin von Schaumburg-Lippe werden mit den übrigen Fürstlichkeiten im Schloß wohnen.
— Die Kanalkommission des preußischen Abgeordnetenhauses trat am Dienstag wieder zusammen, um den Gesetzentwurf betreffend die Maßnahmen zur Regelung der Hochwasser-, Deich- und Vorflutverhältnisse an der oberen und mittleren Oder zu erledigen. Es wurden einige Abänderungen vorgenommen.
— An der Berliner Börse waren Gerüchte über eine Schlacht verbreitet, in der angeblich Kuropatkin eine schwere Niederlage erlitten haben soll.
— In einem Erlaß kündigt der jetzige Großherzog
Getrennte IVege
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Gegen elf Uhr vormittags wurde ihm der Besuch von Frau Baronin Schwertling gemeldet. Eiligst hatte er sich sodann angekleider, indes diese in dem kleine», reizenden Empieresalon wartete.
Nach kaum zehn Minuten war er erschienen und hatte die Baronin mit einem malitiösen Lächeln begrüßt. Diese übersah absichtlich, was sie nicht sehen wollte, und fragte in freundschaftlichem Tone, der sehr Wohl vermuten ließ, daß sie einmal auf vertrautem Fuße mit ihm gestanden haben mußte:
„Nun, Herr von Kämmerer, weshalb leisteten Six der Einladung des Kommerzienrats von Dalldorf gestern nicht Folge? Ich hatte Sie unter den Gästen wenigstens nicht bemerkt."
„Nur mich allein nicht? Sollte ich der einzige gewesen sein, der vermißt wurde?"
Frau Baron Schwertling saß in einem rot' sammetnen Fauteuil und fixierte in einer fast aufdringlichen Art das zurückhaltende Benehmen von Kammers.
Dieser rollte einen zweiten Lehnsessel gegenüber der Baronin und setzte sich gleichfalls.
von Mecklenburg-Strelitz seinen Regierungsantritt an. Er erklärt, daß er unablässig bestrebt sein werde, allen Anforderungen zum Wohle der Untertanen in Treue zu Kaiser und Reich zu entsprechen und hofft, der Erbe der Liebe und Treue zu werden, die seinem unvergeßlichen Vater in so reichem Maße zu teil geworden sei. In einem weiteren Erlaß wird sechsmonatliche Hoftrauer und dreimonatliche Landestrauer angeordnet.
— Auf den schlesischen und galizischen Pferdemärkten kaufen deutsche Pferdehändler alles brauchbare Pferdematerial für russische Rechnung auf.
Ausland.
— Die Spannung zwischen Kuropatkin und Ale- xejew besteht noch immer fort. Man erwartet, daß der Zar einen Stellenwechsel vornehmen wird, da die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden die Operationen bedeutend beeinträchtigen.
— Wie die „Rufs. Telegr. Agentur" aus Niko- lajews Primorski meldet, ist erwiesen, daß die Japaner seit langer Zeit die eingeborenen Giljaken gegen die Russen aufzuhetzen suchen, indem sie ihnen für den Fall, daß sie ihr Land besetzen, allerhand Versprechungen machen. Die Giljaken haben sich nicht nur bestimmt geweigert, als Freiwillige sich einreihen zu lassen, sondern haben sich auch bemüht, anderen Eingeborenen, wie den Tungusen und Golden, davon ab- zuraten. Letztere sind als gute Schützen und Führer bekannt und geschätzt.
— Die jetzt hier bekannt gewordenen Details über die Schlacht bei Kiutschou rufen sichtlich Gedrücktheit und Sorge um Port Arthur hervor. Auch solche Organe sprechen jetzt offen von der Möglichkeit der ^vberung Port Arthurs, die bisher solches als ganz undenkbar bezeichneten. Immer mehr befestigt sich die Einsicht, daß man die Japaner bisher arg unter« schätzt habe.
— Nach einem Telegramm des „Standard" aus Tschifu berichten chinesische Flüchtlinge aus Dalny, daß die Russen die Chinesenstadt und alle Ausländern gehörigen Häuser verbrannt haben, ehe sie Dalny räumten. Eine Bande Chunchusen entführte den ersten chinesischen Kaufmann daselbst und verlangt nun 50,000 Rubel Lösegeld.
Der „Agence Havas" wird aus Schanghai gemeldet, daß am 30. Mai 15 große japanische Transportschiffe mit Truppen auf hoher See an der Westküste Koreas gesehen wurden, deren Ziel anscheinend die Jalumündung gewesen sei.
— Die Tibetaner machen den Engländern arg zu schaffen. Dieser Tage unternahm ein Teil der englischen Expedition des Oberst Dounghusband einen Angriff auf ein von den Tibetanern befestigtes Dorf in der Nähe des englischen Lagers. Während die Ti-
„Jedenfalls habe ich Sie vermißt," begann das schöne Weib in gedehntem Tone, als müßte sie jedes Wort überlegen.
„Das heißt, Sie haben mich nicht gesehen! Vielleicht kann meine Maske eine so gelungene gewesen sein, daß Sie mich nicht erkennen konnten."
„Ich hätte Sie doch erkannt!" Diese Behauptung wurde zwischen den kleinen, weißen Zähnen, die wie Perlen auf rotem Sammet zwischen den kirschroten Lippen hervorleuchteten, zischend ausgestoßen.
„Aber das ist ungemein schmeichelhaft für mich." von Kämmerer blickte lauernd auf das Weib, das triftige Gründe zu ihm geführt haben mochten und unter harmlosem Gespräche ihr Ziel zu erreichen bestrebt war. Dies fühlte er instinktiv, ohne daß er sich über dieses Gefühl hatte Rechenschaft geben können."
„Warum hat sich unser gegenseitiges Verhältnis so sehr zum Nachteile geändert ?" fragte Frau Baron von Schwertling und blickte anscheinend teilnahmslos auf ihr graziöses Füßchen, beobachtete aber durch die langen schwarzen Augenwimpern ihr Gegenüber forschend und aufmerksam.
Eine längere Pause entstand.
„Nun?"
Der volle Blick ruhte fragend auf von Kämmerer.
„Warum erörtern Sie heute gerade Dinge, die doch längst begraben sein sollten!"
„Weil ich eben nichts vergessen kann!"
betaner anfänglich das Hasenpanier ergriffen, sobald die englischen Lydditgranaten platzten, halten sie jetzt mutig aus und setzen sich wacker zur Wehr. Die Tibetaner töteten einen englischen Leutnant und 3 Mann, 3 Offiziere und 9 Mann wurden verwundet. Der Verlust der Tibetaner soll nach Londoner Meldungen sehr groß gewesen sein; 37 Tibetaner wurden zu Ge- fangenen gemacht._______
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 3. Juni 1904.
—* Unserer heutigen Nummer liegt ein Circulär bei, welchem unsere geehrten Leser anläßlich des 400« jährigen Geburtstags des größten Fürsten unseres Hessenlandes unseres Landgrafen Philipp des Großmütigen ihre Beachtung schenken wollen.
—* Nach dem Forstpolizeigesetz ist es verboten, in den Forsten ohne Berechtigung und Erlaubnis des Forsteigentümers außerhalb der Wege zu gehen, reiten, fahren usw., und daß ferner dort nicht nur kein Feuer angezündet, nicht geschossen oder explodierende Gegenstände verbrannt werden dürfen, sondern daß außerhalb der öffentlichen Fahrwege auch nicht anders als aus Pfeifen mit geschlossenem Deckel geraucht werden darf, mithin das Cigarrenrauchen verboten ist. Endlich dürfen auch brennende oder glimmende Streichhölzer nicht fortgeworfen werden. Die Uebertretung dieser Bestimmungen wird mit Geldstrafen oder mit Gefängnis bis zu 14 Tagen geahndet.
* Auf der Station Sterbfritz geriet beim Rangieren der Bremser Drusenberg so unglücklich zwischen zwei Wagen, daß ihm der linke Arm vollständig abgequetscht wurde. Der Verletzte fand Aufnahme im Krankenhaus zu Schlüchtern.
—* In Nttrichshausen fand am Sonntag den 29. Mai eine Versammlung zwecks Besprechung des Projektes einer neuen Kleinbahn für die beiden Kreise Schlüchtern und Fulda statt. Wohl nahezu 1000 Personen der interessierten Ortschaften der beiden Kreise waren erschienen. Auch mehrere Herren aus Fvlda waren in dankenswerter Weise der Einladung gefolgt. Nachdem aus den Herren von Fulda, den erschienenen Herrn Lehrern und Bürgermeistern ein Comite zusammengetreten war, übernahm Herr Kircher—Fulda auf allseitigen Wunsch in liebenswürdiger Weise den Vorsitz der Versammlung. Herr Lehrer Kertel Uttrichs- hausen begrüßte die Anwesenden in herzlicher Weise und legte zunächst in kurzen Zügen den Zweck der Versammlung klar. Aus seinen Ausführungen zeigte sich, daß mehr als 20 Ortschaften mit über 11000 Einwohnern für die Linie interessiert sind, und daß gerade dieses Projekt einem der notwendigsten Verkehrs- bedllrfniffe entspricht wie auch durch Personenverkehr und durch die reichen Produkte an Holz, Sandsteinen Basalt, Schwerspath, Eichenlohe, Obst, durch Vieh^
Nervös spielte von Kämmerer milden Troddeln des Lehnstuhls.
„Gnädigste, es muß alles einmal enden!"
„Gut! Gut!" antwortete Frau Baronin ungeduldig. „Warum wichen Sie mir denn mit einer bestimmten Antwort aus, als ich Sie fragte, warum Sie nicht bei von Dalldorf waren?"
von Kämmerer zögert mit einer Antwort, dann entgegnete er ausweichend:
„Ich sagte doch, ich könne dort gewesen sein. Müssen Sie mich gerade erkannt haben?"
„Ja!"
„Warum müssen Sie das wissen?"
„Ich habe auch Rahel vermißt. Vielleicht ist das kein bloßer Zufall!"
„Sehr möglich!" Ich kann im Hause Dalldorf gewesen sein, ohne mich unter die Schar der Gäste begehen zu haben. Ich kann doch auch Gründe gehabt haben, dortselbst nicht gesehen zu werden, um Erfahrungen zu meinem Vorteil zu machen. Es ist dies doch sehr leicht möglich!"
„Dann wissen Sie auch, was gestern dort vor- gefallen ist."
Lauernd ruhte der beobachtetende Blick auf von Kämmerer, während ihre Finger an dem kleinen Taschentuchs vor Erregtheit zupften und zerrten.
Der Gefragte sah nachdenklich vor sich hin, als müßte er sich auf eine befriedigende Antwort besinnen,