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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.
32 44 Mittwoch, den 1. Juni 1904. 55. Jahrgang.
Fortwährend
werden Abonnements auf die Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.
er Schlüchterner den meisten Erfolg, im Kreise Schlüch-
Inserate UL^ da sie die größte Auflage der
tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
J.-Nr. 2000 K.-A. Die Firma Sterbfritzer Chamotte und Tonwerke Stock u. Co zu Sterbfritz beabsichtigt auf ihrem in der Gemarkung Sterbfritz belegenen Grundstücke Kartenblatt G. 584/412, 586/412, G. 411 noch zwei weitere Brennöfen zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht:
Freitag, den 17. Juni d. Js.,
vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der.Dienststunden im Bureau des Krejs- Ausschusses eingesehen werden.
Schlächtern, den 28. Mai 1904.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Graf zu Solms.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser traf am 28. Mai auf der Station PUort ein und begab sich nach dem Döberitzer Truppenübungsplatz. Dort standen an der Dyrotzer Chaussee die zweite Gardeinfanteriebrigade. Der Kaiser- ritt die Front ab und übernahm selbst das Kommando und exerzierte die Brigade. Inzwischen war die Kaiserin, von Wildpark kommend, an der Villa Warendorf eingetroffen. Nach der Besichtigung der Brigade holte der Kaiser die Kaiserin zum Feuergefecht ab, das über zwei Stunden dauerte. Nach der Kritik folgte Parademarsch. Der Kaiser begab sich darauf in das Offizierskasino im Barackenlager und nahm an einem Frühstück teil. Der Kaiser begab sich dann
Getrennte Wege.
Krumnal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Rahel schwieg eine Weile, kniff die Lippen aufeinander und beobachtete das Mienenspiel Treskows, der aber vollständige Ruhe bewahrte und nicht die geringste Aufregung verriet. Dann erst gab sie in gleichgültigem Tone Aufschluß:
„Allerdings! Ein anderer Weg war nicht gut möglich!"
Treskow sah sie jetzt zum ersten Male prüfend an.
„Dann müßten Sie Herrn von Kämmerer gesehen haben, denn dieser war kurz vor dem peinlichen Vor- fall noch im Rauchsalon bemerkt worden. Diesen aber müssen Sie auch durchschritten haben."
„Ich habe keinen Menschen gesehen. Ich hatte mich bei der Tiolette etwas verspätet und war eilig gegangen und hatte nicht besonders scharf umgesehen, da ich die Anwesenheit keines Menschen vermuten
Rahel hatte eine bestimmte Erklärung abgegeben, wobei ihre Stimme leise vibrierte.
„Gut."
„Ich glaube, jetzt bestimmten Verdacht gegen von Kämmerer hegen zu dürfen, dessen Verhaftung viel« leicht empfehlenswert sein dürste/' äußerte jetzt der Kommerzienrat.
zu Wagen vom Truppenübungsplätze wieder nach Potsdam.
— Im Beisein des Kaisers fand der Stapellauf des Linienschiffes „N" statt. Im Anschluß an den Stapellauf weihte der Kaiser die neuen Hafenanlagen ein, die auf feinen Befehl den Namen Kaiserhafen erhielten Um 7 Uhr fuhr der Kaiser zu einem Festmahl der Leibhusaren. Kurz vor 7« 11 Uhr wurde er von den Husaren zum Bahnhof eskortiert. Nach herzlicher Verabschiedung erfolgte um 7212 Uhr die Abfahrt nach Döberitz.
— Das Kaiserpaar wird am 19. Juni der Entscheidung des Hansapreises auf Hörner Moor bei Hamburg beiwohnen. Von dort begibt sich der Kaiser nach Helgoland, um die Ankunft der an der großen Segelregatta Dover-Helgoland teilnehmenden Dachten zu erwarten. Am 20. Juni wird der Kaiser dann mit seiner Segelyacht „Meteor" von Hamburg an der Unte^lberegatta persönlich teilnehmen.
— Der Kaiser hat von den ihm auch im diesem Jahre von der Hamburg-Amerika-Linie zur Verfügung gestellten Einladungskarten zu einer in der ersten Hälfte des Juni stattfindenden Nordlandfahrt je eine dem Oberpräsidialrat Thon und dem Polizeipräsidenten v. Hellmann in Posen jugehen lassen. Die Fahrt findet auf dem Dampfer „Meteor" statt.
— Die „Deutsche Tagesztg." erfährt „aus bester Quelle", daß die konservative Reichstagsfraktion das Anerbieten von Freibillets für eine Nordlandsfahrt, das die Hamburg-Amerika-Linie dem Reichstage gemacht hat, abgelehnt hat.
— Zu Ehren der Teilnehmer des 7. internationalen Kongresses für gewerblichen Rechtsschutz verunstalteten die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft ein Festbankett im großen Saale der Produktenbörse. Vizepräsident Weigert begrüßte die Gäste, für die Direktor von Schütz mit einem Hoch auf die Aeltesten dankte. Jounny-Paris trank auf das Wohl des internationalen Kongresses. Apt-Berlin feierte den Generalbericht- erstatrer Maillard und den Generalsekretär Osterrieth. Degroud gedachte der Gastfreundschaft der Berliner Kaufmannschaft. Das Fest schloß in vorgerückter Stunde.
— In der Mililär-Werkstätte Spandau herrscht zur Zeit ein reges Leben. Man hat alle Hände voll zu tun, um Proviant, Munition und Ausrüstungs- Gegenstände für unsere Truppen in Deutsch-Südwestafrika fertig zu stellen.
— Wie man in informierten Kreisen annimmt, ist vor Ablauf eines Jahres die Beendigung der militärischen Operationen und vor anderthalb Jahren der Eintritt völlig normaler Zustände in Südwest- Afrika nicht zu erwarten.
— Die nächsten Truppentransporte nach Südwestafrika sind wie folgt bestimmt: 1. Juni Dampfer
„Nur nichts übereilt! Wollen wir jetzt nach dem Rauchsalon gehen?"
„Wie Sie wünschen, Herr Kommissar."
Es war dies ein kleines Gemach, orientalisch ausgeschmückt. Kommerzienrat von Dalldorf schritt voran, während ihm der Kommissar folgte.
Rahel blieb zurück und entfernte sich nach einer anderen Richtung.
Im Rauchsalon glitten Treskows prüfende Blicke umher und sagte er dann in seiner trockenen gleichgültigen Art:
„Hier werden wir zuerst zu suchen beginnen."
Mit einer eigenen Sicherheit verstand es Treskow, auf die zu Verstecken geeigneten Kommoden hinzuweisen, die der Herr des Hauses bereitwilligst öffnete.
Nichts wurde vorgefunden.
Während der Suche fragte Treskow:
„Sind bereits einige Briefe bezüglich Schadlos- haltung eingelaufen?"
„Von allen! MUn Schaden beziffert sich nach diesen auf zweihunderttausend Mark. Doch eben fällt mir ein : Baronin von Schwertling verzichtet auf Ersatz."
„Sie verzichtet! Hm! Ist das nicht die Gattin des einen der beiden Abwesenden?"
„Ja! Ich stehe in gutem Einvernehmen zu der Frau und dürfte dies die Ursache sein, weshalb sie ' ihren Schaden allein trägt."
„Mag richtig sein! Mich berührt dies eigentümlich. Welch' anderes Weib würde das tun? Ich muß hier
„Aachen" mit dem Regiments- und Bataillonsstab, einer Kompagnie und 300 Pferden, am 7. Juni die Dampfer „Schleswig" und „Lucie Wörmann" mit einem Bataillon und einer Feldartillerie-Abteilung und am 17. Juni Dampfer „Palatia" mit einem Bataillon und einer Batterie.
— Die Ansiedelung von Kriegsfreiwilligen in Südwestafrika scheint tatsächlich von dem Gouvernement in größerem Umfange geplant zu sein. So lesen wir in einem Privatbrief, den die „Hamb. Nachr." veröffentlichen, den folgenden Satz: „Wie uns Kriegsfreiwilligen der Gouverneur durch unseren Oberleutnant sagen ließ, erhalten wir nach Beendigung des Krieges entweder eine Kriegsfarm oder einen Teil des Beuteviehs. Komme ich mit heiler Haut davon, so kann ich ja enventuell etwas Farmer spielen."
— Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz ist am 30. Mai Nachts 12 Uhr 34 Minuten gestorben. Derselbe litt schon viele Monate an Blasenleiden und war immer bettlägerig. Er erreichte ein Alter von 84 Jahren und ist mit ihm der älteste der deutschen Bundesfürsten dahingeschieden. Heute Vormittag 11 Uhr erfolgte die Vereidigung der Truppen auf den neuen Landesherrn. Der Thronfolger Adolf Friedrich ist am 22. Juli 1848 geboren und vermählt mit Prinzessin Elisabeth von Anhalt.
Ausland. >
— Zwei deutsche Offiziere sind in Madrid ein« getroffen, um dem Könige im Auftrage des deutschen Kaisers Uniform und Abzeichen eines deutschen Admirals zu überbringen.
— Major von Estorff hatte ein siegreiches Gefecht mit ^n Hereros. Er überraschte den Feind, der sich anfangs tapfer verteidigte, dann aber, nach allen Seiten auseinanderwich und dabei 6 Tote zurückließ, darunter den Großmann Kaimuner. Diesseits sind gefallen Kriegsfreiwilliger Lucier aus Paris und Richard Spindler aus Leubus bei Breslau, die beide zur ersten Kompagnie gehörten. 100 Stück Kleinvieh wurden erbeutet.
— Man glaubt, daß General Stössel die bei Kintschou geschlagenen russischen Truppen befehligte und daß die Verteidiger Kintschous der Hauptbestandteil der Besatzung von Port Arthur waren. Die russischen Verluste werden auf 2000 Mann geschätzt.
— Die Russen gaben Nanwanting auf und wurden aus Sanschilipu vertrieben; sie ziehen sich nach Port Arthur zurück. Die Japaner erbeuteten 50 Geschütze. In den Kämpfen um Kintschou und Nauschau verloren die Russen 400 Tote. Der Verlust der Japaner an Toten und Verwundeten beträgt 3009 Mann.
— Der Ansturm der Japaner auf Naschan war einer der wildesten und blutigsten in der modernen Kriegsgeschichte. Während des ersten Sturmes wurd^ natürlich bemerken, daß für Sie der Schaden bei weitem nicht so empfindlich wirkt, als bei der Frau Baronin!"
„Etwaige Verdachtsgründe in dieser Richtung, Herr Kommissar sind hinfällig. Ich weiß aus sicherer Quelle, ihr Gatte befindet- sich seit drei Wochen in München.
„Das überzeugt! Werden diese Wasserpfeifen gelegentlich benützt." „Nein."
Treskow griff nach einer derselben; leitete ihn hier ein bestimmter Verdacht, oder geschah es unabsichtlich, er schraubte die Oeffnung auf und zeigte es sich nun, daß der zur Aufnahme des Wassers bestimmte Hohl- raum mit einem dunklen Seidenstoff angefüllt war. Treskow griff hinein und brächte ein vollständiges schwarzseidenes Dominokostüm zum Vorschein wie es von einem der beiden Räuber getragen wurde.
„Das ist das Kleid des einen!" rief von Dalldorf aus, als er es gesehen hatte.
.Nunmehr ist das Auffinden des zweiten Dominos unerläßlich! Dies eine Kostüm kann uns in die Irre führen, während das zweite erst beweist."
Aber so angestrengt auch nachgeforscht wurde, es konnte nichts Verdächtiges mehr vorgefunden werden. Die Spürnase des Kriniinalisten ließ sich keinen Winkel entgehen, der nicht sorgfältig durchsucht worden wäre.
„Umsonst!" keuchte der mehr zum Emponboiut geneigte Kommerzienrat, der von dem angestrengten Suchen wie in Schweiß gebadet war. „Was nun?"