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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 28. Mai 1904. aMSMUBgll IHM IMIIIWII । liWimiM—MM
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser hat das Reichsmarineamt beauftragt, zu der Kieler Woche einen Salon-Ozeandampfer für seine Gäste, sowie einen Dampfer für die Vertreter der in- und ausländischen Presse zu mieten. Es werden viele englische und amerikanische Yachten erwartet.
Der Kaiser ist am 24. Mai in Prökelwitz eingetroffen.
— Die Leiche des Herzogs Paul Friedrich von Mecklenburg wurde am Dienstag Nachmittag in Ludwigslust beigesetzt. Dienstag vormittag 11'/« Uhr erfolgte die Ueberführung der Leiche des Herzogs Paul Friedrich von dem Bahnhof in Ludwigslust nach der katholischen Kirche, wo die Trauerfeier stattfand. Dem Sarge folgten u. a. der Großherzog mit dem Herzog Paul, Friedrich Vater, Prinz Heinrich von Preußen, der Großherzog von Oldenburg.
— Staatssekretär von Posadowsky eröffnete am 24. Mai als Ehrenpräsident den internationalen Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz mit einer Ansprache, in der er die fremden Vertreter begrüßte und die Ueberzeugung aussprach, die Verhandlung werde nutzbringend sein für die gegenseitige Verständigung internationaler Rechtsforschung und Rechtsgleichheit. Gleichzeitig mit dem verstärkten Schutze des geistigen Eigentums sei das Streben nach wirksamen rechtlichem Schutz für Erfindungen. Es sei eine Aufgabe der Landesvertragsgesetzgebung, einen Ausgleich zu finden zwischen den Interessen der Verbrauchsmassen und der geistigen Arbeit.
— Prinzessin Johann Georg von Sachsen, die am 11. Mai eine Unterleibs-Operation (Entfernung eines Gewächses) überstanden hatte, ist am Dienstag Abend an Herzschwäche gestorben. Die Leiche wurde nachts 2 Uhr aus der Frauenklinik ins Prinzenpalais über- führt. (Prinzessin Maria Jsabella, die im 33. Lebensjahre stand, war eine Tochter des Herzogs Philipp von Württemberg und seit 1894 vermählt mit dem Prinzen Johann Georg von Sachsen, dem zweitjüngsten Sohne des Königs Georg.
— Das entsetzliche Unglück beim Salutschießen zu
Getrennte We$t
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Treskow, eine hagere Gestalt mit schon ergrauten Haaren, von vornehm eleganten Auftreten, der als einer der geriebensten Kriminalisten geachtet wurde, saß vor seinem Arbeitstisch und blickte nachdenklich vor sich hin. Vor ihm auf der Schreibplatte lagen große Stöße von Schriftstücken, weißem Papier und Akten- bündeln. Neben dem Tisch am Boden stand auf der einen Seite ein großer Papierkorb, vollgepfropft von wertlosem, nicht verwendbarem, beschriebenem Papier. Auf der andern Seite stand ein kleiner Aktenstünder, der gleichfalls Aktenbündel und eine Reihe von Formularen, die für die iBerufstätigkeit Treskows notwendig waren, sowie weißes Papier enthielt.
, Dem Schreibtisch gegenüber stand noch ein weiteres, kleineres, rundes Tischchen mit einer Wasserkaraffe und Gläsern, desgleichen mehrere Stühle, auf welchem die jeweils bei ihm Vorgeladenen Platz nahmen.
Nur für einen kurzen Augenblick ruhte Treskow nachsinnend aus, dann vertiefte er sich wieder in das Studium der ausgespeicherten Aktenprodukte. Er war eine zu vielseitig begabte Persönlichkeit, dessen Können allgemein hoch geschätzt wurde und dem man eben deshalb alle schwierigen Fälle anvertraute. Seine Tätigkeit beschränkte sich daher nicht nur auf die ermüdende
Kaisers Geburtstag in Magdeburg hat jetzt vor dem Kriegsgericht der Kommandantur seine Sühne gefunden. Beim Abschießen der 101 Kanonenschüsse auf der Zitadelle wurde infolge eines Defekts der Geschoß- kanone eines der Geschütze beim 42. Schuß die Kartusche, anstatt nach vorn, nach hinten herausgeschleudert. Hierbei wurde einem Kanonier der rechte Arm abgerissen, während zwei andere erhebliche Verletzungen im Gesicht davontrugen. Nur mit großer Mühe konnte ihnen im Lazarett das Augenlicht erhalten werden. Nach fünfstündiger Verhandlung und Vernehmung des Sachverständigen Feuerwerkshauptmann Schleuner und Stabsarzt Dr. Junius wurde das Urteil verkündet. Es lautet, gegen v. Daake auf 2 Monate 1 Tag Festung wegen Ungehorsam gegen bestehende Dienstvorschriften, wodurch das Leben eines Menschen gefährdet, und wegen Unvorsichtigkeit beim Umgehen mit Munition. Wegen derselben Vergehen wird Unteroffizier Wegeler zu 43 Tagen und Gefreiter Tieleke zu sieben Wochen Gefängnis verurteilt. Allgemeines Aufsehen erregt es, daß die verletzten Kanoniere zu je 4 Wochen strengen Arrestes (!) verurteilt wurden!
— Bei dem Festmahl der Berliner Handelskammer für den internationalen Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz hielt der Pariser Handeskammerpräsident Legrand eine Rede, in der er die Bedeutung der Berliner Handelskammer hervorhob, deren Liberalismus und Unabhängigkeit Frankreich bereits rühmen durfte, als sie die Erweiterung der Handelsverträge forderte, die in einer langen Reihe von Jahren zu dem fabelhaften wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands bei« getragen haben.
— Oberleutnant Paul V. Griesbach, der in Süd- westafrika^verwundet und später nach Hamburg gebracht wurde, ist am 24. Mai im dortigen Krankenhaus gestorben.
— Aus Windhuk wird berichtet: Oberleutnant Böttlin überraschte mit seinen Bastards zwischen Okka, Okoruino und Okamantangara eine Hererowerft, wobei der Feind einen Toten, zwei Verwundete und mit einigen Gewehren viel Munition verlor. Zwanzig Haupt Großvieh und 40 Stück Kleinvieh wurden erbeutet. Auf unserer Seite waren keine Verluste, v. Estorff rückte vonOtjosondu auf Okamantangara vor.
Ferner wird demselben Blatte aus Windhuk gemeldet: Der bei Ovikokorero zweimal verwundete Marine-Oberleutnant Herrmann hat Freitag das dortige Lazarett verlassen, um sich noch einige Tage im Erholungsheim Ababis bei Karibib zu kräftigen und dann die Heimreise nach Deutschland anzutreten.
Ausland.
— Der vor acht Tagen in Wien eingetroffene 46jährige Professor an der Universität Göttingen, Bureauarbeit, sondern entfaltete sich in erhöhtem Gräde^ in dem nervenzerstörenden, aufregenden Außendienst.
Wenige Minuten verstrichen, als an Treskows Bureautüre heftig gepocht wurde. Gleich darnach öffnete sich diese und der Kommerzienrat von Dalldorf trat ein. Nur ein flüchtiger Blick von Seiten des Kriminalbeamten streifte ihn, der ihn mit einer kurzen Geste zum Sitzen einlud und dann, als wäre er nach wie vor im Zimmer allein, in seinen Papieren weiter- kramte.
Dem Kommerzienrate berührte diese Gleichgültigkeit peinlich und er verharrte in erwartungsvollem Schweigen. Erst als sich nichts weiter hören ließ als das gleich- niäßige Ticken einer Wanduhr, begann er etwas zögernd:
„Herr Polizeidirektor hatte die Liebenswürdigkeit, mich an Sie zu weisen. Kommerzienrat von Dalldorf ist mein Name."
Treskow nickte und arbeitete wortlos weiter.
Wieder verstrichen einige Almuten.
„Herr Polizeidirektor meinte, Sie würden meine Angelegenheit übernehmen."
„Bitte!" Der Kriminalbeamte hatte bei seiner Antwort nicht aufgeschaut, sondern, anscheinend in eine ganz andere Sache in Gedanken vertieft, mechanisch weitergeblättert.
Nun erzählte der Kommerzienrat die gesamten Vorfälle der vorhergegangenen Nacht in allen Einzelheiten, so gut es ihm möglich war und so weit sie
55. Jahrgang.
Rudolf Meißner, ist seit Dienstag früh verschwunden. Meißner sollte am 24. Mai mit der Tochter des Göttinger Arztes Dr. Fischer in der dortigen Wohnung der Großmutter der Braut seine Hochzeit feiern. Er entfernte sich wenige Stunden vor der Hochzeit und ist seither verschollen.
— In der Gemeinde Galaczetri brach eine Bauernrevolte aus. Das Schloß des Grafen Radetzky wurde in Brand gesteckt. Die gerichtliche Untersuchung ergab, daß die Revolte von langer Hand vorbereitet war und zwar von sozialistischer Seite, sämtliche Führer und Urheber sind in Haft genommen.
— Die „Morning Post" meldet aus Tokio vom 23. Mai: Eine von den japanischen Banken veröffentlichte Mitteilung, betreffend die innere Anleihe, schätzt die Ausgaben von der Eröffnung der Feindseligkeiten an bis zum nächsten März auf 410 Millionen Yen, wovon die Hälfte durch die ersten Anleihen beschafft sei.
— Aus Ceuta wird gemeldet: Mauren, die dort eingetroffen sind, berichten, es gehe das Gerücht, Kabylenstämme in der Nähe von Tanger hätten die Absicht, den Vertreter einer fremden Macht nach dem Beispiel des Briganten Ratsuli gefangen zu nehmen und verborgen zu halten. Man glaubt, dieser Plan sei die Folge einer Vereinbarung, die die Häuptlinge der Kabylen zu dem Zwecke getroffen haben, um gegen das französisch-englische Abkommen Einspruch zu erheben und die Aufmerksamkeit aller Mächte auf dieses zu lenken.
— Im Golf von Petschili feuerte am 25. Mai ein japanischer Panzer auf einen deutschen Kreuzer, dessen Signale er mißverstand. In der letzten Nacht wurde auf der Höhe des Vorgebirges von Liautischan aus beu schwedischen Dampfer „Karin" gefeuert, doch unbekannt, von wem.
— Ein Telegramm aus Gensan berichtet, daß die Russen, das vom Gründer der gegenwärtigen koreanischen Dynastie in Hamheung vor 540 Jahren errichtete Mausoleum zerstörten und die Reliquienschränke verbrannten, obgleich diese Denkmäler den Koreanern für heilig gelten.
— Nach den letzten Nachrichten aus Mukdeu nahmen die Japaner den Vormarsch wieder auf. Gegenwärtig gehen mehrere Kolonnen vor, obwohl sich der größte Theil der Jnvasionsarmee noch in der Nähe von Fönghwangtschöng befindet. — Hier laufen ständig Gerüchte um, daß bei Kintschau eine blutige Schlacht zwischen den russischen Truppen und den von Port Adams an der Eisenbahn entlang vorrückenden Japanern geschlagen worden sei. — Im Nordosten von Mukden zeigten sich kleine japanische AufklärungsAbteilungen, hielten sich aber in beträchtlichen Entfernungen von der Stadt. Größere feindliche Truppen- mengen sind nicht bemerkt worden
zur Sache nach seiner Anschauung gehörten. Er verschwieg dabei nicht das spätere Erscheinen seiner Tochter und seine zugestandene Verbindlichkeit gegenüber den Geschädigten.
Ohne ihn durch eine Zwischenfrage zu unterbrechen, hatte Treskow die Erzählung angehört, wobei er in seiner Beschäftigung keineswegs inne gehalten hatte. Nur ab und zu fiel ein Blick aus den stechenden, mit dichten Wimpern beschatteten Augen auf den Erzähler.
Als dieser geendet, war wieder eine Pause eingetreten. Dieses fortgesetzte Schweigen belästigte den Kommerzienrat, der Miene machte aufzustehen.
„Bleiben Sie, ich habe Alles gehört und verstanden !" redete jetzt der Kriminalist. „Herr Polizeidirektor hat Sie zu mir gewiesen, was ich sehr gut begreife. Aber zur Sache! Haben Sie schon irgend welchen Verdacht?"
von Dalldorf verneinte kopfschüttelnd.
„Gut! Haben Sie schon Erkundigungen bei Ihrem Dienstpersonal eingezogen!" fragte der Kommissar dann weiter.
„Nein, ich wollte Ihnen vollständig freie Hand lassen!" -
„Das ist gut!" Darf ich Sie vielleicht bitten, mich in Ihre Wohnung zu begleiten?*
Der Kommerzienrat nickte zusagend und bald hernach verließ er in Begleitung des Kommissars dessen Bureau. Vor dem Polizeigebäude bestiegen sie eine Droschke und fuhren nach dem Westen Berlins.