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Mittwoch, den 25. Mai 1904
55. Jahrgang
Deutsches Reich.
— Der Kaiser begab sich nach Liebenberg, um dort an der Hochzeitsfeier im Hause des Fürsten Eulen- burg-Hartefeld teilzunehmen.
— Die kaiserliche Familie hat das Pfingstfest gemeinsam im Neuen Palais bei Potsdam verlebt. Am ersten Feiertage wohnte die kaiserliche Familie dem Militärgottesdienste in der Potsdamer Garnisonkirche bei. Am Nachmittag unternahmen die hohen Herr- schaften eine Spazierfahrt durch den Park. Am 2. Feiertage wohnte die kaiserliche Familie dem Feldgottesdienste des Lehr-Jnfanteriebataillons auf der Mopke bei. Später nahm der Kaiser eine Parade über das Bataillon ab, das am zweiten Pfingstfeier- tage, altem Herkommen gemäß, sein Stiftungsfest feierte. An der Festspeisung des Bataillons, die im Freien an langen Tafeln erfolgt, dem sog. Schrippenfest, nahm die kaiserliche Familie teil. Der kaiserliche Herr zeigte sich bei diesem Feste den Angehörigen des Bataillons gegenüber sehr leutselig.
— Am Dienstag, dem dritten Feiertag, weilte der Kaiser zum Jagdbesuch bei dem Fürsten zu Dohna- Schlobitten in Prökelwitz.
— Der Kaiser wird sich gleich nach seiner Rückkehr aus Danzig, am 28. ds. Mts. nach dem Töberitzer Truppenübungsplatz begeben, wo er mit seiner einst von ihm als Kronprinzen kommandierten 2. Gardeinfanteriebrigade — wie alljährlich — zum Gedächtnis an Kaiser Friedrich exerzieren wird.
— König Victor Emanuel III. von Italien kommt zu den Kaisermanövern nach Berlin und wird in der Begleitung unseres Kaisers den militärischen Veranstaltungen beiwohnen. In Deutschland ist dem Verbündeten unseres kaiserlichen Herrn, dem Könige des uns befreundeten italienischen Volkes, ein herzlicher Empfang sicher. Der Besuch wird um so höher eingeschätzt werden, als er im Grunde gegen die konventionelle Förmlichkeit verstößt, wonach zwischen Staatsoberhäuptern im Jahre niemals mehrere, sondern immer höchstens nur eine osfizielle Begegnung stattfindet.
— Im preußischen Abgeordnetenhause kamen dieser Tage bei Beratung der Sekundärbahn-Vorlage die Eisenbahnwünsche der einzelnen Bezirke zur Besprechung. Nicht weniger als 92 Abgeordnete hatten sich dazu zum Wort gemeldet; jedem war natürlich seine Bahn die „allerwichtigste". Auf dem Wunschzettel stand auch die Bahn Fulda-Meiningen, die der Abg. Kaute forderte. Der Minister will alle Wünsche in eine eingehende Untersuchung und Prüfung nehmen; er habe eine Statistik über die Wünsche und Prospekte aufstellen lassen, die vorgelegt worden seien und diese Statistik ergebe, daß etwa 2600 Kilometer Bahn gefordert wurden, zu deren Bau ein Kapital von rund 3 Milliarden Mark flüssig zu machen wäre. — Auch im Herrenhaus
Getrennte Wege.
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Eine nach der anderen schritt in das Musikzimmer und es häuften sich auf dem Flügel eine große Anzahl von Kolliers, Ringen, Spangen und Armbändern an. Auch mehrere Börsen wurden abgeliefert.
Als alle sich ihres Schmuckes erledigt hatten und wieder zu den übrigen zurückgekehrt waren, kam ein anderer Befehl von feiten der beiden Salonräuber:
„Jeder Herr folgt einzeln in das Musikzimmer und legt Uhr, Ringe und Portemonnaie ab! Los!
Auch hier wurde der Befehl ausgeführt und es türmte sich ein ansehnlicher Berg von Börsen und Uhren auf.
Als Letzter schritt der Herr des Hauses in das Musikzimmer.
Die nächste Aufforderung hätte Wohl lärmenden Protest gefunden, wäre die zwingende Macht keine zu große gewesen. So aber wurden die Beraubten noch durch energische Drohungen gezwungen, sich gegenseitig zu fesseln und zwar nach Kontrolle der beiden Dominos. Drese hatten aber bereits dafür schon gesorgt, daß feste und zuverlässige Stricke vorhanden waren und auch entsprechend benutzt wurden.
Nachdem auch diese Anordnung ausgeführt war, me wohl eine ziemliche Zeit in Anspruch genommen
wurden beim Etat der Eisenbahnverwaltung allerlei Wünsche vorgebracht.
— Das großherzogliche Staatsministerium gibt nachstehenden Bericht bekannt, welcher ihm von seinem, aus Anlaß des Ablebens des Herzogs Paul Friedrich von Mecklenburg (Sohn), nach Kiel entsandten Bevollmächtigten am 22. Mai zugegangen ist: Die von mir an Ort Stelle angestellten Ermittelungen, mit denen das Ergebnis der militärgerichtlichen Untersuchung übereinstimmt, haben ergeben, daß der Tod Seiner Hoheit des Herzogs Paul Friedrich (Sohn) zu Kiel in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai d. I. vor 2 Uhr eingetreten ist, da Seine Hoheit am Morgen des 20. Mai um 7 Uhr als Leiche aufgefunden wurde und mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß der Tod auf einen Unglücksfall bei gymnastischen Uebungen, die Se. Hoheit vor dem Schlafengehen angestellt hat, zurückzuführen ist. Diese Feststellung hat durch die heutige Sektion volle Bestätigung gefunden.
— Am 21. Mai fand in den Stunden von 7 bis 10 Uhr die feierliche Aufbahrung der Erbgroß- Herzogin-Witwe Pauline von Sachsen-Weimar in der Hof- und Garnisonkirche statt. Zahlreiche Personen besuchten in diesen Stunden die Kirche. Um 12 Uhr begann dort die Trauerandacht, wozu besondere Einladungen ergangen waren. Oberhofprediger Spinner hielt die Trauerrede. Nachdem der Sarkophag in die Gruft gesenkt war, begaben sich die Anwesenden nach dem Schloß zurück.
— Großfürst Kyrill von Rußland traf nachmittags zum Besuche der Herzogin Marie in Koburg ein. Er wurde auf dem Bahnhof von der vormaligen Groß- herzogin von Hesfen, der Erbprinzessin von Hohenlohe- Langenburg, der Prinzessin Beatrice und dem russischen Geschäftsträger Baron Mengden empfangen.
— Die Ankunft des Generalleutnants v. Trotha, der mit seinem Stäbe und den ersten Ergänzungstruppen des Expeditionskorps für Südwestafrika Freitag abend Hamburg verließ, ist für den 7. Juli in Swakopmund vorgesehen.
— Eine Tuberkulose-Konferenz deutscher Städte trat am 18. Mai im Rathaus zu Berlin zusammen, um die Bedeutung der Seehospize (Heilstätten an der See) für die Behandlung und Heilung der Skrofulöse und der örtlichen Tuberkulose der Kinder zu erörtern.
— Die Nachricht wird widerrufen, daß Herr Staatssekretär a. D. Admiral Hollmann aus dem Präsidium des Deutschen Flotten-Vereins ausgetreten ist.
Ausland.
— Aus Rom kommt die Nachricht, daß der französische Botschafter beim päpstlichen Stuhle, Nisard, die Stadt abends verlassen habe und nach Paris abgereist sei.
— Hauptmann a. D. Dannhauer meldet in einem Telegramm aus Windhuk, 20. Mai: Gestern trafen hatte, bis jeder Gast, Herren und Damen, mit dem Gastgeber selbst, bewegungslos gefesselt am Boden lagen, ging der eine Domino in das Nebengemach und nahm alle abgelegten Schmuck- und Wertsachen an sich, während der Blondlockige bei den Gefesselten blieb.
Erst als der ganze Raub in den Taschen des Dominos geborgen war, verschwanden die beiden Gesellen rasch aus dem Salon, was von den nebeneinander am Boden Liegenden gar nicht bemerkt wurde, da diese schon so gelegt worden waren, daß sie den: Musiksalon den Rücken zukehrten.
Ein atemloses Schweigen herrschte im Salon. Niemand wagte es, zuerst zu sprechen, da die beiden Räuber noch als anwesend vermutet wurden, von Dalldorf aber konnte schon aus Scham kein Wort hervorbringen, da diese entsetzliche Tat in seinem Salon geschehen war, trotzdem in den Nebengemächern sich eine große Anzahl von Dienern aufhalten mußten. Warum von diesen keiner erschienen war, fand der Kommerzienrat unbegreiflich. Hatten diese ihr Einverständnis zu diesem Ueberfalle gegeben? Wer aber waren die beiden verwegenen Gesellen?
Leise öffnete sich plötzlich die Türe, die zum Büffet führte und es huschte eine schwarzlockige Zigeunerin in den Salon, die aber bei dem Anblick der am Boden Liegenden wie angewurzelt stehen blieb. Auch diese hatten die Eintretende bemerkt, redeten und
hier die jüngst bereits angemeldeten 30 Witboois und Gonhashottentoten ein; sie wurden in die Aufklärungsabteilungen und das Fuhrwerk-Personal eingereiht. Die Nordabteilung erreichte am 19. ds. Mts. Etaneno bei Omaruru. In Outjo ist alles ruhig. Das Detachement Estorff setzt seinen Aufklärungsdienst fort; es folgte gestern von Onjatu dem anscheinend nordwärts zurückgehenden Feind. Der Typhus beim Detachement Glasenapp, das sich noch in Otjihaenena befindet, ist bis jStzt noch nicht zum Stillstand gekommen. Auf Verwendung des Delachements im Felde ist nicht mehr zu rechnen, und auch die Verwendung gesunder Mannschaften an der Etappenlinie ist wegen der Verseuchungsgefahr ausgeschlossen. Die bereits Mitte Februar detachierte Kompagnie Häring hat die »Etappenlinie Karibib-Outjo, die Kompagnie Scherina die Etappenlinie Otjiesasu-Okaharui besetzt.
— Auf der Station Liaujang traf ein Sanitäts-
zug mit Schwerverwundeten aus dem Kampfe bei Kiulientscheng ein. r neten sich die chunklen schwerlei!
Von den weißen Tragbahren zeich- klen schwerleidenden Gesichter cher Verwundeten schärf ab. Die japanischen Kugeln waren kleinkalibrig; man sieht kaum, wo sie eingedrungen und durchgegangen sind. Wenn nicht sofort tötlich, kann ein Verwundeter sogar von 20 Kugeln getroffen sein
und doch noch geheilt werden. Die Aerzte nennen jene Kugeln „edle". Hauptmann Worobjew, der von 20 Kugeln getroffen war, wurde in Liaujang aus jeder Lebensgefahr errettet.
— Die „Daily News" meldet aus Tschifu vom 20. Mai: Um 10 Uhr Vormittags wurde dort eine heftige Explosion in der Richtung von Port Arthur gehört. -- Dasselbe Blatt meldet aus Tokio vom 20. Mai: Sobald die Vorbereitungen beendet sind, werden die Japaner den Angriff versuchen. Die Belagerungsgeschütze sind noch nicht in ihre Stellungen gebracht, auch werden die zum Sturm auf Port Arthur bestimmten Truppen noch verstärkt werden müssen. Man ist zwar überzeugt, daß dieser Angriff große Verluste erfordern wird, aber man glaubt, noch größere Verluste an Menschenleben ersparen zu können, wenn man die Befestigungen unschädlich macht, zumal das Vorhandensein unbeweglicher Minen stete Gefahr bildet und ein heroisches Vorgehen erfordert.
Mole» und Provinzieller.
Schlüchtern, 24. Mai 1904.
—* Die Pfingstfesttage sind richtig so verlaufen, wie wir es — nicht gewünscht haben: regnerisch und kühl, sodaß wiederum mancher kühne Plan unerfüllt geblieben ist. Pfingstsonntag zeigte zwar morgens ein launisches Gesicht, aber immerhin hatte er noch ein bischen Einsicht und verschonte die wanderlustige Menschheit von dem entbehrlichen himmlischen Naß; am weisesten handelten Diejenigen, welche weder die sagten aber nichts, da sie noch im Banne der drohenden Kugelmündungen standen.
„Was ist denn hier vorgefallen? Was ist geschehen?" rief diese nun erschrocken.
»Rahel!" die Baronin von Schwertling hatte es dem neben ihr liegenden Beschützer zugerufen.
Nun wurden viele Stimmen zu gleicher Zeit hörbar.
„Losbinden!" „Skandalös!" „Sofort Polizei rufen."
Es war dies ein wilder, wüster Lärm, aus dem nur einzelne Rufe verständlich waren.
Die Zigeunerin — es war des Kommerzienrats Tochter Rahel — schien immer noch nicht zu begreifen, was hier geschehen war, hatte aber die sofortige Geistesgegenwart, riß die Türe zum Büffet auf und rief mit lauter Stinime nach den Dienern.
plötzlichen
Sofort stürzten auch diese herbei, waren aber beim plötzlichen Anblick der Gefesselten so entsetzt, daß sie nicht wußten, was im Augenblicke beginnen.
„Losbinden!" Sofort!" befahl Rahel.
Augenblicklich war dies auch schon geschehen und wurden jetzt erst die Stimmen über diese kühne Tat in voller Leidenschaftlichkeit gehört.
Ein Wortschwall von Entrüstungsrufen, Anklagen und Beteuerungen machte sich Luft.
In diesem Augenblicke wurde von Dalldorf wieder Herr der Situation. Auf seine Anordnungen mußten sich unverzüglich alle Bediensteten entfernen, dann erst trat auf seine dringende Aufforderung hin Rnhe ein.