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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 41.
Samstag, den 21. Mai 1904.
55. Jahrgang.
'^^ Pfingsten.
Fest des Lenzes, Fest der Freude, Sei gegrüßt viel tausendmal!
Alles badet jung sich heute
In des Lichtes goldnem Strahl,
Und was lange traumverloren,
Sich im Winterschlaf gewiegt,
Jauchzt, zum Dasein neu geboren:
„Preis dem Herrn, das Leben siegt!"
Neu das Leben, neu das Hoffen,
Froh vergessen Harm und Leid,
Und der Himmel wieder offen,
Und das Herz voll Seligkeit!
In dem Garten duftet Flieder,
Jeder Baum ein Blüthenstrauß,
Hoch im Aether Lerchenlieder,
Junge Mai'n vor Thür und Haus!
Du, in deinem Feierkleide
Herrlich prangende Natur,
Sei uns Führerin und leite
Hin uns auf des Schöpfers Spur!
Seine Weisheit, seine Güte,
Lerne unser Herz versteh'n
Und selbst in der kleinsten Blüthe
Serner Allmacht Wunder sehn!
Geist der Pfingsten, o durchfluthe
Flammend heut' die ganze Welt,
Daß gedeihe froh das Gute
Und das Dunkel sich erhellt!
Nahe dich als Tröster jenen,
Denen es an Trost gebricht.
Und die sich nach Frieden sehnen,
Leite in der Wahrheit Licht!
Pfingsten.
Am Pfingstfest hat die Christenheit mit 3000 Erstlingen die große Ernte begonnen, die durch die Jahrtausende fortgeht. Mit dem Kommen des heiligen Geistes durchraufchte ein heiliges Frühlingswehen die erste Christenschar, und immer von neuem hat sich dieser Geist von oben offenbart, wenn geistgesalbte Männer die ewigen Wahrheiten und Tatsachen des Heils verkündigt und wahrheitsdurstige Seelen aus diesem Brunnen des lebenspendenden Wassers getrunken haben. Die Fülle des Geistes war bei der ersten Christenheit, denn „die Menge der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele." War auch zu manchen Zeiten von diesem Geist der Einigkeit und Zusammengehörigkeit äußerlich wenig zu merken, so hat innerlich doch die Verbundenheit aller derer bestanden, die Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Auch ist die Einmütig
Getrennte Wege.
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Ein leiser Schlag mit dem Fächer ließ ihn schweigen.
„Also immer noch eifersüchtig? Ich hoffe, Ihnen baldigst den Beweis der Grundlosigkeit liefern zu können. Dazu würde mein Gatte doch nicht schweigen, dem Ihre zu stürmischen Galanterien mehr Grund zur Elfersucht geben dürften."
„Gnädigste versicherten doch, er sei nicht hier!"
„Zu ihrem Glücke!"
„Dem ich auch die Gesellschaft des schönsten Weibes verdanke! ergänzte schmeichelnd ihr Partner.
Da brach plötzlich die Musik in einem schrillen Mlßakkord ab; nur durch das Schleifen auf dem Boden und das Geflüster der tanzenden Paare waren vernehmlich, das aber sofort verstummte, als plötzlich vom Musikzimmer her eine laute, befehlende Stimme zu hören war:
. „Sofort die Hände hoch! Wer sich rührt oder einen Laut ausstößt, wird niedergeknallt."
Der^ am Musiksalon stehende schwarze Domino hatte es gerufen und dabei gleichzeitig in jeder Hand einen Sechsläufer drohend erhoben.
Die in seiner Nähe befindlichen Paare leisteten vreser kategorischen Aufforderung, der die drohenden
keit der Christen hier und dort in die Erscheinung getreten. Im Werke der Innern Mission und des Gustav- Adolf-Vereins haben sich die Evangelischen Deutschlands zusammengefunden, der deutsch - evangelische Kuchenausschuß hat auch ein äußeres Einheitsband um die verschiedenen Landeskirchen Deutschlands geschlungen und ein gemeinsames kraftvolles Auftreten wird seine Wirkung nicht verfehlen. Wenn auch viel Uneinigkeit und Zerrissenheit unter den Christen noch vorhanden ist, wir wollen uns des Erreichten doch freuen und vom Pfingstfest es erbitten, daß der heilige Geist Gottes immer mehr die Herzen erfülle und unter einander verbinde.___________________
Deutsches Reich.
— Der Kaiser nahm Marine- und militärische Vorträge entgegen und empfing den schwedisch-norwegischen Gesandten, der den Löwenorden überreichte.
— Die Kaiserin sandte dem Generallieutenant von Trotha ihr Bild mit dem eigenhändig geschriebenen Psalmspruch: „Gott rüste dich mit Kraft und Stärke, dein Weg wird der rechte sein."
— Der Kaiser hat am Sonnabend in St. Johann und Saarbrücken auf die Begrüßungsansprachen im Rathause in längeren bedeutsamen Reden geantwortet. In seiner Rede in Saarbrücken gedachte der Kaiser des Krieges von 1870.
— Kaiser Wilhelm übermittelte dem Präsidenten der Ausstellung in St. Louis, Francis, auf dessen Mitteilung über die rechtzeitig fertiggestellte deutsche Ausstellung ein Telegramm, in welchem er seiner Freude hierüber Ausdruck gibt.
— Neueren Nachrichten zufolge soll der König von Italien allein zum Besuch des Kaisers nach Berlin kommen, da die Königin für den September einem I freudigen Familienereignis entgegensieht.
— In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde die Mitteilung des Präsidenten des Reichstages vom 5. Mai 1904 über den Reichtagsbeschluß zum Berichte betr. die Reichsschulden der Kommission überwiesen, die Vorlage betr. Mitteilung über die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Reifeergebniffe anläßlich des Besuchs des botanischen Gartens Buitenzorg auf Java zur Kenntnis genommen.
— Dem Generalleutnant von Trotha wurde am Montag von der Trierer Garnison ein Abschiedsmahl gegeben. Die Garnison Trier brächte während des Abschiedsessens, das dem zum Höchstkommandierenden von Südwestafrika ernannten Generalleutnant v. Trotha gegeben wurde, diesem eine Fackelserenade. Der Gefeierte erschien mit seinen Söhnen auf dem Balkon des Offizierskasinos und rief mit lauter Stimme: „Adieu Trier!" Die tausendköpsige Menge brach in begeisterte Hurrarufe aus.
Kugelmündungen gesteigerte Wirksamkeit verliehen, unwillkürlich Folge.
Da aber ließ sich von der Eingangstür zum Büffett her eine zweite Stimme ebenso befehlend vernehmen:
„Ruhe! Wer noch ein lautes Wort hören läßt, ist des Todes!"
Das war der Blondlockige mit dem Federbarett.
Von beiden Seiten bedroht, war nun alles verstummt. Mehrere der Damen waren ohnmächtig zu Boden gesunken, aber keiner der Herren regte sich, um Hilfe zu leisten. Alle standen mit verlegenen, teils ängstlichen Mienen und streckten die Arme hoch, was einen komischen Anblick gewährte.
Kommerzienrat von Dalldors stand aschfahl nächst dem Musikzimmer. Seine Partnerin lag in Ohnmacht und er konnte nicht helfen. Sein Mund zuckte, als wollte er sprechen, aber die blitzenden Waffen unter» drückten alle derartigen Gelüste.
„Nur unbedingtes Folgeleisten verhindert Blutvergießen !" ordnete wieder die laute, befehlende Stimme des blondlockigen Dominos an. „Es ist absolut von keiner Seite Hilfe zu erwarten und wäre, abgesehen von den Kugeln unserer Sechsläufer, schon deshalb jeder Lärm umsonst."
Inzwischen mußten auf Aufforderung des zweiten die beiden Musiker gleichfalls zu den anderen im Salon treten. Die Damen der Gesellschaft hatten sich allmählich wieder erholt und wurde von ihnen manch
Ausland.
— Die Herero ziehen sich jetzt immer weiter nach Norden zurück, zumeist nach dem Wartenberg, wo vielleicht erst wieder ein größeres Gefecht stattfinden wird. Oberleutnant Volkmann meldet, daß er mit 12 Reitern gegen versprengte Herero ein Gefecht östlich Okan- kiwindi siegreich bestand. Der Verteidiger der Station Grootfontein hatte vor einiger Zeit den Befehl erhalten, den nach Nordosten abziehenden Hererobanden möglichst den Weg zu verlegen. Die Zahl der Streitkräfte ist aber eine sehr bescheidene. Es sind deshalb etwa 200 Mann Verstärkungen von Karibib nach Grootfontein unterwegs. Die Nachricht trifft erst jetzt ein, weil ein Bote sie zunächst nach über 200 Kilometer entfernten Station Outjo im Westen bringen mußte. Von dort wurde sie durch den Heliographen weitergegeben, „geblitzt", wie offiziell gesagt wird.
— Oberleutnant Manshold zur See, Kommandeur der Artillerie der Kolonne Glasenapp, starb infolge Darmblutung und Entkräftung im Lazaret zu Otjihänena.
— Die neue Heeres- und Flottenvorlage wirbelt in Oesterreich-Ungarn unendlich viel Staub auf. Die Sorgen um Steuererhöhungen werden nun halbamtlich als unbegründet bezeichnet.
— Admiral Togo meldet, daß während dichten Nebels am 15. Mai in der Nähe von Port Arthur der Kreuzer „Kasuga" den Kreuzer „Poshino" anrannte. Letzterer sank in wenigen Minuten. Nur 90 Mann der Besatzung sind gerettet worden. An demselben Tage stieß der Panzer „Hatsuse" auf eine unterseeische Mine und sank. 300 Mann des Panzers sind von Torpedobooten gerettet worden.
— Nach den letzten Mitteilungen trat im Vormarsch der japanischen Truppen eine Stockung ein. Mehrere Abteilungen der Vorhut sind zurückgegangen. Offenbar konzentrieren sich die Hauptstreitlräfte des Feindes zwischen Foengwangtscheng und dem Jalu, In Port Arthur herrscht Ruhe.___
Lokales und provinzielles.
Schlüchteru, 20. Mai 1904.
—* In den Tagen vom 16.—20. d. M. fand am hiesigen Seminar die diesjährige zweite Lehrerprüfung statt, zu welcher 41 einstweilig angestellte, junge Lehrer gemeldet, aber nur 35 erschienen waren. In der schriftlichen Prüfung wurde das Thema: „Die Ver- anschaulichung im Rechenunterrichte nach Zweck, Mittel und Anwendung" bearbeitet. Vor der Lehrprobe traten 2 Examinanden von der weiteren Prüfung zurück. Von den 33 Examinanden, welche in die mündliche Prüfung eintraten, konnten 28 für bestanden erklärt werden. 5 haben die Prüfung nicht bestanden. Die Examinatoren waren die Herren Provinzialschulrat Dr. Otto und Geh. Regierungsrat Sternkopf von Cassel. Um 10 Uhr war Schluß der Prüfung. unterdrückter Schrei laut, aber die drohenden Mienen der beiden Dominos schüchterten auch diese sofort ein.
Auch die Baronin hatte sich erhoben und starrte, wachsgelb ihr blühendes Gesicht, verzehrt durch angstvolle Schreckensmiene, ihren Partner, den Herrn des Hauses, an.
Dieser stand mit aufgehobenen Händen vor ihr und bedeutete durch hilfloses Achselzucken seine Unmöglichkeit, hier als Herr des Hauses einzugreifen; in diesem Augenblicke war er in seinem Besitztum ebenso machtlos wie der nächste beste.
„Alles Bargeld und jeder Schmuck muß an uns abgeliefert werden. Vorerst die Damen!"
Dieser Befehl verursachte wieder neue Aufregungen, die aber stillschweigend ertragen wurden. Das zarte Geschlecht blickte Hilfeflehen'' nach dem stärkeren um Schutz, aber dieses zeigte nur dieselbe Ratlosigkeit und Unentschlossenheit. Einer sah den anderen an, als erwarte er von diesem die entscheidende Tat. Aber nichts geschah.
„Jede Dame betritt einzeln den Musiksalon und legt auf den Flügel ihren gesamten Schmuck und etwaige Gelder!"
Diese Aufforderung geschah in einem so bestimmten herrlichem Tone, daß alle, wenn auch nur etwas zögernd, ihr nachkamen.
Fortsetzung folgt.