SchlüchtemerÄttung
Erschtint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 40» Mittwoch, den 18. Mai 1904. 55. Jahrgang.
Fortwährend
iverbSh Abonnements auf die
Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von der Expedition entgegengenommen.
finden in der Schlüchterner lllsl/rdLG Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
J.-Nr. 1795 K -A. Der Schreinermeister Friedrich Lohmann zu Sterbfritz beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Sterbfritz belegtsten Grundstücke, Parzelle Nr. 803/241 Kartenblatt 6. 1 ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht:
Freitag, den 3. Juni 1904,
vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreis- Ausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 17. Mai 1904.
Der Vorsitzende des KreisÄusschusses: Graf zu Solms.
Deutsches Reich.
— Aus Straßburg wird unterm 12. d. Mts. gemeldet: Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Gesandten v. Tschirky-Bögendorff. Um 10 Uhr begab sich das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge nach der evangelischen Garnisonkirche zum Gottesdienst. Militäroberpfarrer Richter hielt die Predigt. Der Kaiser nahm nach der Kirche militärische Meldungen entgegen und nahm sodann vor dem Hauptportal der Oberpostdirektion in der Kaiser Wilhelmstraße den Vorbeimarsch sämtlicher Truppen der hiesigen Garnison ab. Als später die Fahnenkompagnie die Fahne nach dem Palast zurück- brachte, erschien das Kaiserpaar auf dem Balkon, wiederum von der Menge aufs lebhafteste begrüßt.
Getrennte Wege
Kriminal-Roman von Theo von Blankensee.
Nachdruck verboten.
1. Kapitel.
Die Salonräuber.
„Sind alle Gäste bereits anwesend?" fragte ein schwarzkostümierter Domino vor dem Prachtaufgang des villenartigen Wohnhauses am Kurfürstendamm, das Besitztum des als unermeßlich reich bekannten Kommerzienrats von Dalldorf, den dortselbst aufgestellten Diener, der in der kleidsamen diskret grauen Tracht des Hauses von Dalldorf die Gäste zu empfangen hatte. Ein prüfender Blick des Dieners glitt über die Gestalt des soeben Angekommenen, als wollte er diesen auf seine Persönlichkeit taxieren, ob er auch unter den Geladenen des Festes sich befinden dürfe. Dieser war ein stattlicher, hochgewachsener Mann, der Elastizität seines Ganges nach kaum dreißigjährig, und hatle sich jn einen wertvollen, seidenrauschenden Domino gehüllt; sein Gesicht trug eine schwarze Sammetmaske, die nichts verriet als einen glühenden Blick aus stahlblauen Augen. Ein Barett mit bördeauroter Feder saß auf einer üppigen Fülle blonder Locken.
Der Fremde fdjien die Prüfung des Dieners bestanden zu haben, denn dieser nickte jetzt und setzte mit geschäftiger Wichtigtuerei hinzu:
„Eben hat der erste Walzer begonnen!"
Um ein Uhr begab sich der Kaiser zum kommandierenden General Hentschel von Gilgenheimb und nahm dort das Frühstück ein. Der Kaiser erhob den Präsidenten des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen Staatsrat Jaunez in den erblichen Adelstand.
— Der Kaiser und die Kaiserin traten mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Gefolge am Samstag Vormittags 8 Uhr unter dem Geläute der Glocken die Fahrt nach Metz an. Zur Verabschiedung waren auf dem Bahnhöfe erschienen der Fürst und die Fürstin zu Leininger, der kommandierende General Hentschel von Gilgenheimb, der Polizeipräsident Dalle. Der Kaiserliche Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg war am Freitag nach Metz vorausgefahren.
— Das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise ist am Samstag Vormittag 11 Uhr in Metz eingetroffen. Vom Bahnhof aus begaben sich die Majestäten direkt nach dem Theaterplatz, wo die neue evangelische Kirche errichtet ist, durch die festlich geschmückten Straßen, worin die Truppen der Garnison Spalier bildeten. Der Kaiser ritt hinter der Hofequipage, worin die Kaiserin mit der Prinzessin Platz genommen hatten.
— Der Reichstag nahm in der Samstags Sitzung nach kurzer Debatte die Resolution an, wonach die verbündeten Regierungen in Erwägung nehmen sollen: 1. ob und inwieweit die Besteuerung des aus anderen Stoffen als aus Rüben hergestellten Zuckers herbeizu- führen ist; 2. ob in Fällen, wo die Inländer durch die Ausführung des Süßstoffgesetzes besonders hart betroffen werden, eine Erleichterung gewährt werden kann
— Im Seniorenconvent des Reichstags machte der Präsident Graf v. Ballestrem am Dienstag Mitteilung davon, daß seitens der Hamburg-Amerika- Linie 35 Billets zu einer Nordlandfahrt vom 3. bis 16. Juni den Mitgliedern des Reichstags zur Verfügung gestellt worden sind, die den einzelnen Fraktionen nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahl zugestellt werden sollen. Gegen diese Art der Verteilung machte sich kein Widerspruch geltend.
— Die Budgetkommission des Reichstags erörterte heute, ohne Beschluß zu fassen, den Plan der ostafri- kanischen Bahnlinie Dar - es - Salam - Mrogoro. Die Forsetzung findet in der nächsten Sitzung nach Pfingsten statt, für welche Kolonialdirektor Stübel weiteres Jn- formationsmaterial ankündigte.
— Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 28. April d. J. auf Grund des § 27 des Gesetzes, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten, Vorschriften über das Arbeiten und den Verkehr mit Krankheitserregern, ausgenommenen Pest- erregern, beschlossen, die jetzt im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden.
„Dann ist noch nichts versäumt!" war des Un- bekannten Antwort, der mit raschen Schritten die Treppe emporeilte, um hinter den feingeschliffenen Spiegeltüren des Entrces zu verschwinden.
Der Berliner Karneval hatte vor kurzem seinen Anfang genommen und war das Kostümfest im Hause des Konimerzienrats von Dalldorf eine der ersten Veranstaltungen dieser Saison, von Dalldorf war eine der ersten Persönlichkeiten aus der Berliner Börse; sein Name besaß einen guten Klang und wurde er von Eingeweihten als einer der reichsten der Stadt bezeichnet. Jedenfalls war er als Börsianer ein gewiegter Mann, der in Geldsachen alles, in anderer Beziehung, wie Kunst beispielsweise, gar nichts verstand. Dies machte auch die Zusammenstellung der zu diesem Kostümfeste geladenen Gäste begreiflich. Nur die haute finance war zugegen.
Reich galonierte Diener versahen im Vorraum der Prachtgemächer die Gaderove; hier war nur glitzernde Seide und feinster Pelz zu sehen. Die Glühbirnen erstrahlten in blendender Lichtfülle und vermehrten sich in den wandhohen Spiegelgläsern in eine unzähliger Menge kleiner Lämpchen, die wie schwirrende Leuchtkäfer flimmerten und klitzerten.
Stumm und regungslos standen die Bedienten^us ihren Posten und nur hier und da war ein leises Flüstern vernehmbar, wenn eine bekannte Person trotz ihrer Maske zu erkennen war, oder etwas Ungewöhnliches bemerkt und sodann erörtert wurde.
— Die Kanalkommission des Abgeordnetenhauses nahm unverändert in erster Lesung auch den zweiten Teil der großen wasserwirtschaftlichen Vorlage, den Gesetzentwurf zur Verhütung der Hochwassergefahr in der Provinz Brandenburg und im Havelgebiet der Provinz Sachsen an.
— Die Gemeindekommission des Abgeordnetenhauses erledigte heute die Petit ionen der Gemeindebeamten Preußens durch Uebergang zur Tagesordnung, weil das Kommunalbeamtengesetz erst kurze Zeit in Wirksamkeit sei.
— Die Nachricht, daß Priuz Joachim Albrecht von Preußen nach Deutsch-Südwestafrika ginge, wird der „Neuen Pol. Korresp." von unterrichteter Seite als unzutreffend bezeichnet.
— Aus Berlin kommt die Nachricht, daß der frühere Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Holl- mann, aus dem Präsidium des Flottenvereins ausgetreten ist, weil er dessen extreme und verfassungswidrige Propaganda nicht mitmachen will.
— General v. Trotha wird von seinem ältesten Sohn nach Südwestafrika begleitet, der Offizier in der Garde ist.
— Gouverneur Leutwein meldet: Aus Outjo wird geblitzt: Oberleutnant Volkmann hatte am 28. April ein Gefecht mit 12 Reitern zehn Kilometer östlich von Okankwindi gegen versprengte Herero aus dem Distrikt. Diesseits ein Kriegsfreiwilliger gefallen. Die Herero hatten 31 Tote.
Ausland.
— Wie es heißt, soll Stanley in der Westminster- Kathedrale in London neben Livingstone beigesetzt werden.
— Aus London wird gemeldet: Das Abkommen mit der chinesischen Regierung betreffend Einführung chinesischer Arbeiter in Transvaal ist heute nachmittag vom Staatssekretär des Auswärtigen, Lord Lands- downe und dem chinesischen Gesandten unterzeichnet worden.
— Admiral Alexejew berichtet an den Zaren, daß die Russen mittelst Dynamit die Docks und die sämtlichen Hafenanlagen von Dalny zerstört haben, um den Japanern die Landung weiterer Truppen an diesem Punkte zu erschweren. Die Hafenanlagen haben seiner Zeit den Russen viele Millionen gekostet.
— Das Eintreffen der Japaner in Haitschoeng wird in 2 bis 3 Tagen erwartet. Man ist der Ansicht, daß, wenn Haitschoeng von den Japanern besetzt wird, die Isolierung von Port Arthur eine vollständige ist und daß die Japaner sofort von Niutschwang Besitz ergreifen werden.
— General Pflug dementiert die Zurückziehung der die Eisenbahn bewachenden Truppen. Eine japanische Division marschiert von Foenghwanscheng nach Hait-
Aus dem großen Musikzimmer war die ein? schmeichelnde, wiegende Melodie eines feschen Strauß- schen Walzers zu hören. An dem prunkvollen Bech- steiuflügel saß ein bekannter Virtuose, der einen eigens für diesen Abend bestellten Geigenkünstler in meisterhafter Technik begleitete. Die vollen, klangreinen Tonwellen rauschten durch das hohe Gemach, das diese weiterleitete in den zum Tanzen eingerichteten Salon. Die Akustik war eine so ausgezeichnete, daß selbst in der entlegendsten Ecke jeder Ton zur Geltung kam.
Alle Gäste waren der Vorschrift entsprechend kostümiert. Es bot sich hier dem schauenden Auge ein buntes farbenprächtiges Bild. In dem Gewoge des Tanzes konnte man aber nur die mannigfaltigen Farben sehen, die in dem strahlenden Lichtermeer erhöhte Wirkung erzielten, ohne von einer einzelnen Maske ein genaues Bild zu bekommen. Spanierinnen, Zigeunerinnen, Ritterfräulein vom dunkelsten Mittelalter bis zur Spätrenaissance, Empierekostümen nebst den ihnen fo sehr ähnlichen Sezessionstrachten waren in dem Gewühle vertreten; unter den Herren befanden sich auch sehr gelungene Charaktermasken. Jedenfalls belief sich die Zahl der Gäste auf rund fünfundzwanzig Personen. Diese alle gaben sich der Fröhlichkeit und dem Tanz vergnügt hin, schwebten wiegend im Takte der Musik über das Parkett, während im Musiksalon außer den beiden Künstlern niemand m sehen war.