WillhtmlerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 39.
Samstag den 14. Mai 1904.
55. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
— Der Seniorenkonvent des Reichstags besprach wieder die Geschäftslage, kam aber zu keiner Einigung. Wahrscheinlich wird man am Ende dieser Woche in die Ferien gehen, die bis zum 7. Juni dauern sollen. Ob eine Vertagung bis zum Herbst eintreten wird, ist noch unentschieden, da der Reichskanzler dem abwesenden Kaiser darüber noch nicht Vortrag halten könne.
— Die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes und die Zulassung der Marianischen Kongregationen hat heute bei der Generaldebatte über den Etat im preußische, Herrenhause zu einer Auseinandersetzung geführt, in der auch der Kardinal-Fürstbischof Kopp eingriff.
— Im preußischen Abgeordnetenhaus ist gestern der Nachtrogserat von drei Millionen für die Krankenzuschußkasse des Eisenbahnverbandes in zweiter Lesung angenommen worden.
— Der Reichskanzler hat an die Bundesregierungen ein Rundschreiben gerichtet, das darauf abzielt, vie Gemeinden noch mehr als bisher zur Unterstützung bedürftiger Lungenkranker zu veranlassen. Der Reichskanzler geht dabei von einer durch die Hamburger Armenbehörden veranlaßten Entscheidung des Bundesamtes für Heimatwesen aus, wonach unter bestimmten Verhältnissen die Gewährung einer Lungenheilstätten- kur zu den pflichtmäßigen Aufgaben der öffentlichen Armenpflege gehört.
— Aus London wird gemeldet: Der Afrikasorscher Henry M. Stanley ist am 10. Mai früh 6 Uhr gestorben. Mit Stanley ist einer der letzten Afrikaforscher ersten Ranges, der Männer, die den einstmals dunklen Erdteil mit ungeheuren Mühen und Opfern zuerst durchzogen haben, hingeschieden. Seine Geburtsstätte war in der Nähe von Denbigh in Wales; die Eltern waren ganz arme Landleute und seine Erziehung höchst mangelhaft; die ganze Jugendgeschichte des kühnen Entdeckers ist abenteuerlich und dunkel. Stanley war ein Tatmensch von gewaltiger Willenskraft. Seine Reisen hat er selbst in einer Reihe von Werken geschildert.
Sein Doppelgänger
Roman von Dorothea M. Lorhould.
Nachdruck verboten.
(Schluß.)
„Es ist durchaus kein Geheimnis", sagte sie jetzt kühl und spöttisch, „daß Sir Charteris sich um Elly bewirbt, Herr Pierrepoint."
„In der Tat, Fräulein Wilson! Und hat seine Werbung Aussicht auf — Erfolg?" stieß Herr Pierrepoint hervor.
„Weßhalb nicht? Sir Desmond ist eine brillante Partie und^Elly wäre närrisch, wenn sie nein sagte!"
Während 'der Hausherr wie vernichtet vor sich nieder starrte, verschwand Blanche und erst als Lady Dane dem Bruder sagen ließ, man warte längst beim Diner auf ihn, raffte er sich auf und folgte dem Diener in den Speisesaal.
* *
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Sowohl das Lustspiel wie die lebenden Bilder ernteten reichen Beifall und besonders Elly war es, die allseitig bewundert wurde. Das junge Mädchen nahm aber die enthusiastischen Worte des Lobes und der Anerkennung mit seltsamer Apathie entgegen — 1M8 lag ihr an dem Beifall der Gesellschaft? Sie fragte nur nach Einem und dieser Eine hielt sich fern von ihr, Dank Blanche's hinterlistigen Worten.
Ausland.
— Aus Togo berichtet das Bureau Reuter: Seit 5. Mai höre man von Port Arthur her viele Explosionen. Die Ursache derselben ist nicht bekannt. Hier in Tokio neigt man der Ansicht zu, daß die Russen am Erfolge der Verteidigung Port Arthurs verzweifelnd, die Kriegsschiffe zerstören, um dann die Festung zu räumen.
— Am Montienpaß hat eine Schlacht zwischen den Russen und General Kuroki stattgefunden, wobei die Russen eine schwere Niederlage erlitten. General Sassulitsch sei unter den Toten.
— Aus Söul wird dem „New Aork Herald" gemeldet, daß die Besetzung Föngwangtschöngs durch die Japaner stattfand. Als die Russen erführen, daß das Gros der Japaner schnell auf der Straße von Kiuli- entscheng heranrückte, rafften sie möglich viel Proviant und Munition zusammen und verbrannten das Uebrige. Tausend Verwundete wurden nach Liaojang voraus geschickt.
— General Kuropatkin drahtete an den Zaren, daß die russischen Streitkräfte im Osten ungenügend wären, um dem Vorstoß der japanischen Heere Widerstand zu leisten.
— Von den Behörden ist ein mißlungener Versuch, die Festung Kronstadt in Brand zu stecken, entdeckt worden Wenn die Explosion erfolgt wäre, würden alle Explosivstoffe vernichtet worden sein. Als mutmaßlicher Brandstifter ist ein japanischer Agent verdächtig.____
Males und Provinzielles.
Schlüchtern, 13. Mai 1904.
—* Der verflossene Himmelfahrtstag brächte uns vorzügliches Wetter, welches von Jung und Alt zu Ausflügen und Partien in die nähere und weitere Umgebung stark benutzt wurde. Die Restaurationsgärten sowie die mancherlei beliebten Ausflugsorte waren von fröhlich gestinimten Wanderern besetzt und überall sah man Hunderte von Spaziergängern sich ergehen. Diesmal wurde der Himmelfahrtstag mit seinem zweifelhaften Ruf, fast immer Regen zu bringen, Lügen gestraft, und wollen darum in seinem lenzeshellen, prächtigen Verlauf ein günstiges Vorzeichen für ein gleichschönes Wetter zum lieblichsten aller Feste, zu Pfingsten, erblicken.
—* Eine neue Ferien-Ordnung für die preußischen Volksschulen hat der Kultusminister erlassen. In der Regel dauern danach die Weihnachtsferien 10, die Osterferien 12, die Psingstferien 6 Tage, die Sommer- und Herbstferien zusammen 6 Wochen. Daneben bleiben die bisher anerkannten allgemeinen Fest- und Feiertage auch ferner bestehen. Was die Lage der Ferien betrifft, so hat die Verteilung der Ferien die örtlichen Bedürfnisse sorgsam zu beachten. Sie ist
Lady Dane, die heute allseitig in Anspruch genommen war, schaute öfter besorgt auf Elly, die erschreckend bleich aussah und jede Aufforderung zum Tanz beharrlich mit der Versicherung, sie sei müde, ablehnte. Endlich konnte Lady Dane sich so weit frei machen, um sich auf eine Weile zu dem jungen Mädchen zu setzen, und es gelang ihr allmählich, Elly von ihren trüben Gedanken abzulenken.
Plötzlich blickte Elly lebhaft erregt nach dem andern Ende des kleinen Salons, in welchem sie mit Lady Dane saß; dort lehnte Herr Pierrepoint neben Frau Wilson und das junge Mädchen bemerkte, daß er eifrig auf ihre Mutter einsprach. Jetzt schüttelte Frau Wilson energisch den Kopf, offenbar als Antwort auf eine Frage ihres Gefährten, und sogleich ging es wie strahlendes Aufleuchten über das soeben noch so niedergeschlagene Gesicht des Hausherrn. Er blickte suchend umher — gleich darauf hatte er Elly und seine Schwester in nächster Nähe entdeckt und jetzt gab Lady Dane ihm einen Wink, der ihn sofort an ihre Seite brächte.
„Alan", sagte sie halblaut, „nimm Dich doch Elly's ein wenig an, die Hitze scheint sie ermattet zu haben. Vielleicht führst Du sie in's Musikzimmer, dort ist's kühl und luftig und wenn Du sie dazu bringen könntest, einen Schluck Wein zu trinken, dürfte es ihr nicht schaden."
„Nein, nein, ich will lieber hier bleiben," murmelte Elly, aber ihre Weigerung verstummte, als Herr
daher auf dem Lande und in den Städten mit ländlichen Verhältnissen von dem Landrat und Kreisschul- inspektor in gegenseitigem Einvernehmen und nach Anhörung der Ortsschulbehörden vorzunehmen. Es kann auch gestattet werden, daß zur Berücksichtigung landwirtschaftlicher Bedürfnisse während der arbeitsreichen Sommermonate der gesamte Unterricht auf den Vormittag gelegt wird. Ob für Zeiten dringender wirtschaftlicher Arbeiten ausnahmsweise Halbtags - Unterricht zugelassen werden darf, ist in jedem einzelnen Falle unter Berücksichtigung der obwaltenden besonderen Verhältnisse von der Schulaufsichts-Behörde zu entscheiden.
—* Angestellt wurden die Postanwärter Albrecht in Steinau (Kr. Schlüchtern) und Palmowski in Schlüchtern (Bez. Cassel) als Postassistenten.
—* Die Zeit der Maiblumen ist gekommen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf Hinweisen, daß dieses Blümchen nicht ganz so harmlos ist und für Diejenigen, welche die üble Gewohnheit haben, dasselbe im Munde zu tragen, verhängnisvoll werden kann. In dieser Pflanze befinden sich zwei Giftstoffe: Kon- vallarin und Konvallamarin.
—* Mit der heutigen Nummer schließt der Roman „Sein Doppelgänger." Zum Abdruck kommt ein spannender Kriminalroman aus der Feder von Theo von Blankensee und betitelt sich: „Getrennte Wege", worauf wir unsere freundlichen Leser und Leserinnen aufmerksam machen wollen.
* Die Rindviehzuchtgenossenschaft des landwirtschaftlichen Kreisvereins Gersfeld wird ihre diesjährige Tierschau mit Prämiirung — verbunden mit dem 5. Zuchtviehmarkt — am 18. d. Mts. auf der Weiher- wiese ^bh^ten. An Preisen werden etwa 700 Mark zur Verteilung kommen. Der Zuchtviehmarkt bietet Interessenten für reinzüchtiges Siinmentaler Vieh günstigste Kaufgelegenheit. Seine Excellenz der Herr Oberpräsident von Windheini und der Herr RegierungsPräsident von Trott zu Solz haben ihr Erscheinen bei der Tierschau hier zugesagt.
* Der bisherige Militärgeistliche der 22. Division, Kunzmann in Cassel, wurde unter Belastung an seinem bisherigen Standorte, zum Divisionspsarrer ernannt.
* Unter dem dringenden Verdachte, ihr uneheliches neugeborenes Kind getötet und in die Fulda geworfen zu haben, ist ein Dienstmädchen aus dem Kreise Witzenhausen auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft von ihrer Dienststelle weg, verhaftet worden. Die kleine Leiche war am Mühlenrechen angeschwemmt.
* Der Verband der Gemeindebeamten des Reg.- Bez. Cassel hält am 4. und 5. Juni in Bad Orb seine diesjährige Hauptversammlung ab. Anmeldungen sind an den Stadtsekretär Jhl in Bad Orb zu richten.
* Auf dem Grundstück der Schöfferhofbrauerei bei Rothenditmold wütete am 10. Mai mittags ein
Pierrepoint ruhig ihre Hand auf seinen Arm legte und mit ihr dem Musikzimmer zuschritt.
Hier war's wirlich erfrischend kühl; Herr Pierrepoint nahm einem vorbeieilenden Diener ein Glas Rotwein ab und es an Elly's Lippen haltend, gebot er ernst: „Trinken Sie, Elly, es wird Ihnen gut tun.“
Gehorsam nippte sie an dem Glase und der Wein belebte sie wirklich wieder; nochmals mußte sie einen Schluck trinken und dann äußerte Herr Pierrepoint befriedigt: „So, das war brav, Elly, und nun hören Sie mich an, ich möchte eine Frage an Sie richten! O, Sie- brauchen nicht zu erschrecken, es ist nichts Schlimmes, oder wollen Sie am Ende wieder ohnmächtig werden, Kleine?"
„Nein, gewiß nicht", klang es leise von ihren Lippen.
„Schön — also zur Sache. Vorhin sprach ich mit Ihrer Mutter und erfuhr von ihr, daß Sie Sir Desmond Charteris Werbung entschieden zurückgewiesen haben — nun, Sie brauchen nicht zusammenzuzucken, oder bereuen Sie ihre Weigerung vielleicht?"
„Nein, gewiß nicht."
„So lieben Sie ihn nicht?"
„Nein — gar nicht."
„Hm — lieben Sie einen Andern, Elly?"
Diesmal erfolgte keine Antwort; Herr Pierrepoint beugte sich tiefer über die schlanke Gestalt, die in dem tiefen Armsessel fast verschwand, und flüsterte ihr in's Ohr: „Elly, als ich heute heimkehrte, sagte mir Ihr