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Schlüchterner^eitun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 36.

Mittwoch, den 4. Mai 1904.

55, Jahrgang.

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Deutsches Reich.

Der Kaiser mit der Kaiserin trafen am 28 April nachmittags kurz nach 5 Uhr, von Straßburg kommend, unter Glockengeläute und Kanonendonner in Karlsruhe ein, und wurden am Bahnhof von dein großherzog­lichen Paare, dem Erbgroßherzog und Gemahlin, der Prinzessin Wilhelm und dem Reichskanzler Grafen Bülow empfangen. Die Fahrt ging durch die reich­geschmückte Stadt und durch das spalierbildende Pub­likum zum Rathaus, woselbst die Stadträte und der Bürgerausschuß Aufstellung genommen hatten.

Graf Goertz in Schlitz erhielt am 30. April die Nachricht, daß der Kaiser am 4. Mai zum Besuche daselbst eintreffen werde.

Ueber das Schicksal der Kanalvorlage hört man aus parlamentarischen Kreisen, daß die Regierung mit Bestimmtheit auf Annahme sämtlicher wasserwirt­schaftlichen Vorlagen rechnet, in den konservativen Parteien die Meinungen geteilt sind und im Zentrum die Opposition im Wachsen begriffen ist. Konser- vativerseiis wird selbstverständlich an der Prüfung der sämtlichen Entwürfe mit Wohlwollen und Sachlichkeit und nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten heran­getreten werden. Wenn jedoch von einzelnen Seiten angenommen wird, das gesamte Vorlagematerial könne bald'nach den Pfingstferien bereits der zweiten Plenar- beratung unterliegen, so dürfte man sich sehr täuschen. Man nimmt in weitesten parlamentarischen Kreisen vielmehr an, es werde sich kaum ermöglichen lassen, daß die wasserwirtschaftlichen Vorlagen bis zum Hoch­sommer unter Dach gebracht werden.

Unser Landtagsabgeordneter, Herr Pfarrer Meyenschein, hat in der Sitzung des Abgeordneten­hauses vom 23. April beim Etat der Preußischen Zentral-Genosßnschaftskasse sich über die Erfolge der Genossenschaften nach Schultze-Delitzsch und Raiffeisen in einer Rede ausgesprochen, die wir hiermit zum Ab­druck bringen:Meine Herren! in der sogenannten Preußenkasse haben die gesetzgebenden Faktoren unseres Landes einen Mittelpunkt für das preußische Genossen­schaftswesen geschaffen, ein Genossenschaftswesen, das allerdings bis heute leider die Einigkeit, auf die es die

Sein Doppelgänger

Roman von Dorothea M. Corhould.

Nachdruck verboten.

Bestürzt beugte sich Herr Pierrepoint über die Be­wußtlose, dann nahm er die leichte Gestalt sanft in seine Arme und trug sie hinüber in die Bibliotek, wo er sie auf einen Divan legte und dann heftig die Klingel zog.

Als der Diener herbeieilte, gebot er ihm kurz, so­fort Lady Dane und Fräulein Wilson's Jungfer zu rufen und sobald sich der Mann entfernt hatte, kniete er vor dem Divan nieder und rieb die matt herab­hängenden kalten Hände der Regungslosen.-«---^

So fand ihn Lady Dane, die sehr bald erschien. Mit wenigen Worten erklärte er ihr die Situation und atmete erleichtert auf, als sie tröstend sagte, es habe keine Gefahr.

Geh' nur, ich weiß schon, was ich zu tun habe," rief Lady Dane, ihn ungeduldig hinausschiebend,so­bald sie wieder bei Bewußtsein ist, sende ich Dir Botschaft auf Dein Zimmer, aber jetzt laß uns allein."

Zögernd entfernte sich der Hausherr, in der Tür stieß er auf Frau Wilson und Blanche, die zugleich mit Mathilde erschienen und erschreckt dreinschauten.

Die Belebungsversuche hatten bald den gewünschten Erfolg; Elly richtete sich langsam auf und blickte dann unruhig umher.

Lady Dane verstand den Blick, und Elly's Kopf

einzelnen Genossenschaften aufbaut, für sich als Or­ganisation dieser Genossenschaften noch nicht hat er­reichen können. Mein eigener Verband, der Raiffeisensche, hat seinerzeit ebenso wie der von Schulze-Delitzsch gegründete sich gegenüber der Gründung der Zentral- Genossenschaftskasse abwartend verhalten. Heute liegt die Sache so, daß wir uns der Anziehungskraft, die von diesem Mittelpunkt ausgeht, nicht mehr entziehen können, und außerdem wird jeder mit Dank zugestehen und zugeben müssen, daß die Verwaltung der Preußi­schen Zentral-Genossenschaftskasse vom Standpunkt des Genoffeuschafters aus volle Anerkennung verdient. Ich habe aber nun als Genossenschafter die Gelegenheit, wo der Etat dieses Instituts zur Verhandlung steht, nicht vorübergehen lassen wollen, ohne ein paar Worte über das Genossenschaftswesen im allgemeinen zu ver­lieren. Wenn nämlich ein Späterer sich über den Stand und die Bedeutung unseres Genossenschaftswesens in Preußen aus unseren seitherigen Verhandlungen in dieser Sache unterrichten wollte, würde er zu einem ganz falschen Schluß kommen müssen, und doch, meine Herren, soll wohl der Landtag etwas an sich haben von der Glocke, die unsere Tür als Symbol ziert, und von der der Dichter sagt: Was unten tief dem Erden- sohne Das wechselnde Verhängnis bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt. Aber m. H., vom Genossenschaftswesen als solchem ist bis jetzt nur sehr wenig an diese me­tallne Krone geschlagen. Wenn nun der preußische Landtag von der äußersteil Rechten bis zur äußersten Linken gewiß viele Gegensätze in sich birgt, in dem einen ist er durchaus einig, nämlich in der Ueberzeugung, daß durch die Erweckung des urdeutschen Genossen­schaftsgedankens in moderner Form, wie sie sich an die Namen Schultze und Raiffeisen knüpft, eine der be­deutungsvollsten Grundlagen für die wirtschaftliche Entwickelung kommender Zeiten geschaffen ist. Daß es so fst, m. H., ist auch ganz natürlich; denn hier ist uns ja, zwar nicht das einzige, aber doch das eine Mittel in die Hand gegeben gegen die Auswüchse der kapitalistischen Wirtschaftsweise; das andere Mittel ist freilich die Staatshilfe. Nur wo beide, die in der Genossenschaft organisierte Selbsthilfe und die den Schwachen durch ihre Gesetze und Verwaltungsinaß- regeln schützende und stützende Staatshilfe miteinander Zusammenwirken, nur da kann die Wohlfahrt gedeihen, wenn uns außerdem Männer geschenkt werden, die in dem Geist christlicher Barmherzigkeit und deutscher Ehrlichkeit Hand an dieses Werk legen. Staatshilfe ohne Selbsthilfe, m. H., würde zum Kommunismus, zu panem et cirsenses, zur Proletarisierung unseres Volkes führen und damit zum Untergang von Staat und Gesellschaft. Die sogenanntereine" Selbsthilfe aber, die uns manchmal empfohlen wird, ist ein Mär- dben, wie es sich ernste Leute höchstens von dem Frhrn.

an ihre Brust bergend, flüsterte sie dem Mädchen in's Ohr:Alan ist heil und gesund, ich habe ihn fort­geschickt und niemand weiß, weshalb und wo Du ohnmächtig wardst!"

Laut sagte Lady Dane dann:Gottlob, sie hat sich wieder erholt, der Ritt auf dem unbändigen Waldkönig" hat sie doch mehr angegriffen, als sie zugeben wollte und im Begriff ihr Zimmer aufzu- suchen, sank sie in der Halle ohnmächtig nieder. Zum Glück kam Alan dazu und trug sie hierher. So, Elly, nun noch diesen Schluck Cognac, nickt wahr, jetzt fühlst Du Dich wieder kräftiger?"

Elly nickte und drückte dankbar Lady Dane's Haud, während Frau Wilson die Stirn der Tochter mit Eau de Cologne rieb und Mathilde auf Lady Dane's Geheiß in die Küche eilte, um eine Tasse Bouillon zu holen.

Weshalb blieb denn Herr Pierrepoint so lange aus?" fragte Blanche plötzlich.

Sein Pferd hatte ein Hufeisen verloren," versetzte Lady Dane, »ah, da ist die Bouillon, so, Elly, nicht wahr, jetzt ist's vorbei?

Ganz vorbei," nickte Elly, indem sie aufstand und sich die wirren Haare aus der Stirn strich.

Schön, ruhe jetzt bis zu Tisch und dann laß Dir's gut schmecken," mahnte Lady Dane, während sie davoneilte, um ihrem Bruder die versprochene Nachricht zu bringen.

Elly begab sich mit Blanche in ihr Zimmer, und

v. Münchhausen gefallen lassen, der sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf zog. Das warreine" Selbsthilfe. Sonst, m. H., kommt sie in der Welt nicht vor. Freilich, so einig, wie wir hier in dieser Sache sind, ist man draußen im Land noch lange nicht; da tobt der Kampf noch aufs erbittertste weiter. Aber, m- H, das ist auch ganz natürlich, denn alles, was gern schnell reich werden möchte, was gern mähen möchte, wo es nicht gesät hat, sei es, daß es dies durch Ausbeutung oder durch Umsturz des Bestehenden erstrebt, wittert hier seinen gefährlichsten Gegner. Eine Gruppe der Genossenschaften, die größte und älteste, der Kreditgenossenschaften, hat ja allerdings heute be­reits allgemeine, wenn auch sehr oft recht widerwillig gezollte Anerkennung errungen. Aber, m. H., wir Genossenschafter würden nur halbe Arbeit tun, und dadurch mehr schaden als nützen, wenn wir nur den Kredit des vielberufenen Mittelstandes organisieren würden, wir würden dann schlechte Erben der beiden großen Männer Schultze und Raiffeisen sein. Wollten wir etwa nur dem Landwirt, dem Handwerker, dem Kleinkaufmann bequemen Kredit schaffen, uns aber nicht um die Beschaffung ihrer übrigen Betriebsmittel kümmern, dann müßten wir ganz mit Recht den Vor- wurf auf uns nehmen, daß wir Totengräber dieser Stände wären. Nein, m. H., der genossenschaftliche Einkauf und Absatz müssen ebenso organisiert werden, wie der Kredit. Nun, wir haben in den landwirtschaft lichen Betrieben damit bereits einen tüchtigen Anfang gemacht; in dem Handwerkerstands regt sichs in dieser Richtung überall, und ich freue mich, neuerdings kon­statieren zu können, daß auch der Kleinkaufmannstand mit in die Reihe tritt. Wer sich darüber informieren will, dem empfehle ich dringend die vorzügliche Statistik, die uns die Preußiscke Zentral-Genossenschaftskasse in ihren Mitteilungen zur deutschen Genossenschaftsstatistik gegeben hat. (Sehr richtig!) Aber, m. H., gerade des­halb, weil Wir uns nicht nur auf die Organisierung des Kredits beschränkt haben, weil wir auch in die Gründung von Betriebsgenossenschaften eingetreten sind, gerade deshalb wird das Genossenschaftswesen draußen im Lande so heftig bekämpft. Kreditgenossenschaften wollen sich die Leute gern gefallen lassen; denn da­durch wird ja der Mittelstand in seinem Besitzmo­bilisiert". Ich darf wohl sagen, die Leute, die ihn seither ausgebeutet haben, sind dadurch in der Lage, ihm das durch die unbeschränkte Haftpflicht in der Genossenschaft mobil gemachte Vermögen noch desto schneller abzunehmen Gegen die Betriebsgenossen- fdfaften wird nun mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln gekämpft. Wir werden ja demnächst noch bei der zu erwartenden Denkschrift über die Kornhavsgenossen- schaften Gelegenheit haben, uns gerade darüber zu unterhalten. Nun, m. H., ich hoffe, noch mancher von uns erlebts, daß man sich auch noch die Betriebsge- sich aufs Sopha legend, schloß sie die Äugen und war bald fest eingeschlafen. Die Tischglocke ließ sie auffahren, vor ihr stand Blanche und hielt ein herrliches Bouquet goldfarbiger Chrysanthemum in der Hand.

Sieh' die schönen Blumen, Elly," sagte sie strahlenden Blickes.

In der Tat, sie sind prächtig, woher hast Du sie denn, Manche?"

O, Mathilde brächte sie vorhin und behauptete, sie seien für Dich, Herr Pierrepoint habe sie ihr für Fräulein Wilson gegeben! Fräulein Wilson aber bin ich und folglich sind die Blumen mein, nicht wahr?"

Gewiß, sie sind entschieden für Dich," nickt? Elly matt.

Und hier ist ein Bouquet für Dich von Herrn Cardwell, Elly."

Gleichgiltig betrachtete Elly die wundervollen, gelben Rosen, welche Blanche ihr entgegen hielt und dann erhob sie sich, um ihr zerzaustes Haar mit Mathilden's Hülfe in Ordnung zu bringen, während Blanche sich in ihr Zimmer begab.

Fräulein Elly, begann Mathilde, sobald Blanche das Zimmer verlassen hatte;vorhin hielt Herr Pierrepoint mich auf der Treppe an und bat mich, Ihnen dies Billet zu geben; er fragte, ob ich die Blumen richtig bestellt habe, und da sagte ich, Fräulein Wilson habe dieselben genommen, worauf er ärgerlich aussah."

(Fortsetzung folgt.)