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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
X 35.
Samstag, den 30. April 1904.
55. Jahrgang.
Amtliches.
Am 15. bis 17. Juli d. I. findet in Fulda die Prämientierschau für den Bezirk Kasfel statt, wobei 4000 Mk. Staatsprämien zur Verteilung kommen. Es liegt sehr im Interesse aller Landwirte und Viehzüchter, daß diese Tierschau aus unserem Kreise recht zahlreich beschickt wird und zwar:
a) mit Bullen und Rindern der Siinmentaler Reinzucht,
b) mit Kühen und Rindern, Siinmentaler Kreuzung (Schlüchterner Landvieh).
Die Tiere zu a wird die Rinderzuchtgenoffenschaft auswählen und ausstellen.
Die Besitzer von ausstellungsfähigen Kreuzungstieren zu b wollen solche schriftlich oder mündlich bei mir anmelden. Kosten erwachsen den Ausstellern nicht, etwaige Prämien erhalten sie dagegen ausgezahlt.
Schlächtern, den 20. April 1904.
Pfalzgraf.
Deutsches Reich.
— Nach sehr ruhiger Fah.t bei schönem Wetter, wobei einige italienische Torpedoboote die „Hohenzollern" und die übrigen Schiffe begleiteten, andere ihnen vormittags von Venedig entgegenkamen, machten die deutschen Schiffe am 25. April gegen 6 Uhr abends bei Malmaceo vor Venedig an den Bojen fest. Zwischen den Forts und dem „Friedrich Karl ' wurde Salut gewechselt. Viele Barken, deren bunte Segel in der Sonne leuchteten, umschwärmten die „Hohenzollern". Der Kaiser empfing die Spitzen der Behörden «hu ren deutschen Konsul. Die Einfahrt in Venedig erfolgte am 26. April.
— Der Kaiser fuhr vormittags 9 Uhr mit der „Hohenzollern" von Malamocco nach Venedig hinein, geleitet von zahllosen geschmückten Dampfern und Gondeln und begrüßt von taufenden von Menschen. Um halb 11 Uhr machte die „Hohenzollern" an einer Boje gegenüber dem Dogenpalast fest. Der Empfang in Venedig bildete einen glänzenden Abschluß der schönen italienischen Reise. Se. Majestät ist von ihrem Verlaufe überaus befriedigt. Das Befinden und Aussehen des Kaisers ist vorzüglich.
— Am 27. April 3 Uhr 45 Min. verließ der Kaiser das Palais Morosini und begab sich in einer Pinaffe durch den Kanal Grande nach dem Bahnhof. Geschmückte Gondeln geleiteten das Boot. Das Publikum an den Ufern, Brücken und Fenstern brächte begeisterte Zurufe dar. Vor dem Bahnhof stand eine Ehrenwache. Auf dem Perron waren die Spitzen der Behörden, Herren und Damen der venetianischen Gesellschaft versammelt, von denen sich der Kaiser auf „ das Liebenswürdigste verabschiedete. Der Sonderzug
Sein Deppelgnngev
Roman Don Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
Mich zu todt, wenn ich Sie auf dem miserabel« Tier weiß !"
Elly fühlte sich bewegt und um dies zu verbergen, sagte sie spottend: „Man sollte wirklich glauben, Sie wären mein Vormund, Herr Pierepoint!"
„Ich wollte, ich wäre es," nieste er grimmig, „dann wüßte ich, was ich zu tun hätte."
In diesem Augenblick erschien Blanche in der Hallentür und rief dringend: „ Elly, so komm doch endlich! Sämmtliche Herren und sämmtliche Reitknechte sind mit „Waldkönig beschäftigt, der absolut in's Haus zu wollen scheint. Ich fürchte mich auf- zusteigeu, so lange das Tier so ungeberdig ist; Herr Pierrepoint, wollen sie mir freundlichst helfen,? und dabei legte Blanche bittend die Hand auf die Schulter des Hausherrn.
Ohne ein weiteres Wort schritt Elly die Stufen der Freitreppe hinab, am Fuße derselben umstand eine Korona von Herren und Reitknechten einen schönen Braunen, der ungeduldig mit den Nüstern schnob und nicht eben erbaut schien über die Aufmerksamkeit, die man ihm widmete.
Mit einem Blick übersah Elly die Situation.
„Führen Sie das Pferd auf die andere Seite," gebot sie dem Reitknecht, der die Zügel hielt, „so
verließ Venedig um 4 Uhr, um über Basel nach Schlett- stadt zu gehen, wo der Kaiser die Hohkönigsburg besichtigen will. Der Sonderzug trifft nachmittags 5 Uhr in Karlsruhe ein.
— Se. Majestät begibt sich am 7. Mai nach Do- naueschingen zur Auerhahnjagd als Gast des Fürsten von Fürstenberg.
— Dem Papste ist vom Kaiser eine Aufmerksamkeit erwiesen worden: Pius X. empfing den preußischen Gesandten, Frhrn. v. Rotenhan, in Audienz, welcher im Auftrage des Kaisers den ersten Band des Werkes von Dr. Ernst Steinmann über die Sixtinische Kapelle im Vatikan überreichte. Papst Pius läßt Kaiser Wilhelm die herzlichsten Grüße und Wünsche übermitteln. Dolmetsch ist der Kölner Crzbischof Kardinal Fischer, der soeben in Rom vom Papste empfangen wurde.
— Reichskanzler Graf Bülow ist am 27. April zur Begrüßung des Kaisers nach Karlsruhe abgereist.
— 50 000 Mk. Stellenlosen-Renten hat der deutschnationale Handlungsgehilfen 'Verband im vorigen Jahre an seine Mitglieder zur Auszahlung gebracht.
— Oberst Dürr, der vor einiger Zeit als Chef des Marineexpeditionskorps nach Südwestafrika ging, kehrt nun doch heim. Anfänglich war das bestritten worden. In zehn bis vierzehn Tagen wird er wieder in Deutschland eintreffen. Nach Meldung des Marine- Expeditionskorps kehrt Oberst Dürr krankheitshalber nach der Heimat zurück.
— Eine halbe Million Gewehrpatronen wird in den nächsten Tagen von Hamburg nach Deutsch-Süd- westafrita versandt werden.
— Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leut- -oein unterm 26. ds. Monats steht die Kolonne von Glasenapp seit dem 22. ds. Mts. in Oljihaenenu, wohin sie wegen des Ausbruchs von Typhus marschiert ist. Bis jetzt 7 Todesfälle vorgekommen. Die Namen sind noch nicht gemeldet. Die Missionsstation Otjihae- nena ist als Lazarett eingerichtet.
— Nach der Rückkehr des Kaisers werden wahrscheinlich neue Truppenverstärkungen für Südwestafrika beschlossen werden. Auch ist damit zu rechnen, daß an Stelle des angeblich wegen Krankheit heimkehrenden Obersten Dürr ein höherer Truppenkommandeur — man nennt den General v. Trotha — in das Aufstandsgebiet gesandt werden wird, dem der Gouverneur Leutwein sich unterzuordnen hätte.
— Zum kommandierenden General des 19. Armeekorps (Leipzig) an Stelle des aus dem Dienst geschiedenen Generals von Treitschke, ist unter Beförderung zum General der Infanterie Generalleutnant Vitzthum von Eckstädt ernannt worden.
— Bei dem ihm zu Ehren verunstalteten Abschieds- 1 feier erwähnte General v. Treitschke, durch allerhöchste ' Kabinettsordre sei ihm der Befehl geworden, im Falle : eines Krieges als Führer einer Armee zu fungieren.
viele Menschen müssen ja das Pferd aufregen,"
Der Reitknecht gehorchte dem Befehl; die Herren traten bei Seite und nur Herr Cardwell trat auf einen Wink Elli's zu dieser heran und hielt sich bereit, ihr 6eint Aufsteigen zu helfen. Elly beobachtete das Pferd aufmerksam; als sie sah, daß es einen Moment ruhig stand, flüsterte sie ihrem Begleiter zu: „Jetzt schnell!" und im nächsten Augenblick saß sie im Sattel. „Waldkönig" erschrak und legte die Ohren zurück, allein schon hielt Elly den Zügel fest in der kleinen, aber kräftigen Hand und ein scharfer Hieb mit der Reitpeitsche zugleich mit einem Ruck an der Kinnkette überzeugten das Tier, daß es klüger tun werde, sich gutwillig zu fügen.
Als die Kavalkade fünf Minuten später den Schloßhof verließ, benahm sich „Waldkönig" so gesittet, daß Elly in heller Freude in der frischen Morgenluft dahinsprengte, Herr Cardwell hielt sich an ihrer Seite und er blickte nicht wenig stolz auf seine Begleiterin.
Das Rendezvous der zahlreichen Jagdgesellschaft bot einen herrlichen Anblick; die Herren in ihren scharlachroten Jugdanzügen bildeten einen malerischen Gegensatz zu den sämmtlichen in dunklen Reithabits erscheinenden Damen und die zum Wald führende Fahrstraße zeigte ein buntes Gemisch von Fuhrwerken aller Art, Treibern, Forsthütern und gekoppelten, lustig bellenden Hunden.
Nachdem man sich allgemein in bester Laune be-
Ausland.
— Zu Ehren Loubets fand in Rom ein militärisches Diner statt, bei dem Loubet folgenden Trinkspruch aus- brachte: „Von ganzem Herzen, Sire, danke ich Ihnen, daß Sie mir die Freude bereitet haben, Ihre schönen Truppen, sowie deren kriegerische Haltung, richtigen und genauen Bewegungen bewundern zu können. Ich erhebe das Glas zu Ihren Ehren. Bewegt von so vielen edlen und gemeinsamen Erinnerungen bitte ich Ew. Majestät um die Erlaubnis, einen herzlichen Gruß unseres Heeres an das Ihrige richten zu dürfen, das das ruhmreiche Werkzeug der Errichtung des großen Italiens war und heute der mächtige Beschützer des gemeinsamen und fruchtbringenden Friedens seines Volkes ist." Die Musik spielte die italienische Nationalhymne. Der König erwiderte italienisch: Herr Präsident! Die höchst schmeichelhaften Worte, die Sie die Güte hatten, an die Truppen zu richten, welche die Ehre hatten, in ihrer Anwesenheit zu defilieren, sind meinem Herzen sehr angenehm und werden von dem italienischen Heere mit lebhafter Genugtunng ausgenommen. In feinem Namen entbiete ich dem ruhmreichen französischen Heere einen herzlichen Gegengruß mit dem Wunsche, das beide Heere fortfahren, eine Garantie des Friedens und der Wohlfahrt beider Völker zu sein. Die Musik spielte die Marseillaise.
— Der spanische Ministerpräsident Maura traf kürzlich in Madrid ein. Auf der Fahrt zwischen Ali- cante und La Encina wurde gegen den Eisenbahnwagen, in dem Maura saß, ein Schuß abgefeuert. Die Kugel, die in die Decke des Waggons eindrang, richtete keinen Schaden a>'.
— Nckch eingetroffenen Meldungen ßyte eine japanische Abteilung am 26. d. Mts. beim Dorfe Siudagu über den Jalu, wo sie vom Feuer eines russischen Kundschusterkommandos empfangen wurde. Durch russische Artillerie wurde eine von den Japanern nördlich von Widschu geschlagene Brücke zerstört. Der Neber- gang erfolgte südlich von Widschu auf Pontons. Ein Teil der Infanterie, die mit einer Batterie über den Fluß gesetzt war, marschierte auf bie russische Stellung bei Tuen-schen, wurde abrr so zurückgeschlagen, daß die Batterie nicht einmal das Feuer zu eröffnen vermochte.
— Eine vollständig neue Kriegsschiffsklasse wird in England gebaut. Am Mittwoch wurde auf der Werft von Vickers Sons u. Maxim das erste Schiff dieser neuen Kriegsschiffsklasse vom Stapel gelassen. Es handelt sich um eine neue Klaffe, die den Ruinen Ncout-Klasse erhalten soll. Diese Schiffe sollen die Funktionen der Torpedobootszerstörer und der geschützten Kreuzer so weit wie möglich mit einander vereinigen. Dieses erste erhält den Namen „Sentinel". Die Schiffe erhalten eine Länge von 360 Fuß, eine Breite von 40 Fuß und eine Wasserverdrängung von 2920 Tonnen. Die Fahrgeschwindigkeit wird 25 See-
grüßt hatte, verkündete ein Hornstoß den Beginn der Fuchshetze und wie der Wind stoben die Reiter nach allen Seiten. Aber am Versummlungsplutz hielt noch eine einzige Reiterin, sie warf einen sehnsüchtigen Blick auf die im Waldesdunkel verschwindenden Ge- " führten und wandte dann ihr ungeduldiges Pferd entschlossen heimwärts — es war Elly Wilson! Wohl hatte Herr Pierrepoint sich nicht mehr um sie bekümmert, seit sie „Waldkönig" bestiegen hatte, aber seine Bitte, nicht an der Hetze teilzunehinen, wollte sie doch beherzigen. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde er ja heute noch Manche seine Hand anbieten und du war es doch besser, keine Feindschaft zu hegen.
8. Kapitel.
Erst spät am Nachmittage kehrte die Jagdgesellschaft Heim; Elly sah sie von ihrem Zimmer aus zu Zweien und zu Dreien die Allee heraufreiten; die Pferde konnten kaum fort und waren, wie die Reiter und Reiterinnen, über und über mit Staub und Schmutz bedeckt. Herr Cardwell, der neben Blanche ritt, schien sogar zu Fall gekommen zu sein, fein Rock wie seine Beinkleider waren buchstäblich mit Schlamm überzogen und fein Gesichtsansdruck zeigte tiefe Niedergeschlagenheit.
Auch Blanche's Ausdruck wies nickt auf Befriedigung hin; ob es sie kränkte, daß Herr Pierrepoint den Platz an ihrer Seite dem lispelnden Lassen überließ? Als Elly trotz eifrigen Spähens den Hausherrn nicht unter den Heimkehrenden zu entdecken