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SchlilchterlmMun g

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

34.

Amtliches.

Am 15. bis 17. Juli d. I. findet in Fulda die Prämientierschau für den Bezirk Kassel statt, wobei 4000 Mk- Staatsprämien zur Verteilung kommen. Es liegt sehr im Interesse aller Landwirte und Vieh­züchters daß diese Tierschau aus unserem Kreise recht zahlreich beschickt wird und zwar:

a) mit Bullen und Rindern der Simiuentaler Reinzucht,

b) mit Kühen und Rindern, Simiuentaler Kreuzung (Schlüchterner Landvieh).

Die Tiere zu a wird die Rinderzuchtgenossenschaft auswählen und ausstellen.

Die Besitzer von ausstellungsfähigen Kreuzungs- tieren zu b wollen solche schriftlich oder mündlich bei mir anmelden. Kosten erwachsen den Ausstellern nicht, etwaige Prämien erhalten sie dagegen ausgezahlt.

Schlüchtern, den 20. April 1904.

Pfalzgraf.

J.-Nr. 1478 Ka. Am 0. Mai cr., vormittags 11 Uhr findet im hiesigen Kreishause ein Kreistag statt.

Schlüchtern, den 21. April 1904.

Der kom. Landrat: Graf zu Solms.

J.-Nr. 1591 Ka. . Es wird hierdurch zur öffent­lichen Kenntnis gebracht, daß der von der kommunal­ständischen Wegebauverwaltung ausgearbeitete neue Entwurf des Projekts für die Verlegung der Brückenauer Landstraße zwischen Sterbfritz und Schwarzenfels vom 27. d. Mts., bis 5. Mai d. Js. im Kreisausschuß­bureau zu Jedermanns Einsicht ausliegt.

Ftwaige Einwendungen sind bei dem Unterzeichneten anzubringen.

Schlüchtern, den 26. April 1904.

Der kom. Landrat.

Graf zu Solms.

Deutsches Reich.

-- Prinz Ludwig von Bayern ist vom Kaiser ein» geladen worden, die Taufe von Sr. Maj kleinem Kreuzer auf der Werft in Brenien zu vollziehen. Der Prinz wird zu diesem Zweck am 30. April, am Tage des Stapellaufes dieses Schiffes, eintreffen.

Das Mitglied des Herrenhauses Fürst Friedrich zu Solms-Baruth ist am Dienstag im 83. Lebens­jahre verschieden. Der Heimgegangene ist der Vater des Grafen und nunmehrigen Fürsten zu Solms- Baruth, der seit 1899 Oberstkämmerer des Kaisers ist.

Eine Vertagung des Reichstages bald nach Pfingsten stellten die Abgeordneten Dr. Pachnicke (Freist Vgg.) und Gröbner (Zentr.) in ihren Reden am Mitt­woch als möglich hin. Tatsächlich ist nach der Meldung ines Berichterstatters diese Möglichkeit an ausschlag-

Sein Doppelgänger

Roman von Dorothea M. Corhould.

Nachdruck verboten.

Danlit entfernte sich Elly, Herrn Pierrepoint in ziemlich unbehaglicher Stimmung zurücklassend. Für den Rest des Abends näherte er sich Clly nicht wieder dagegen gelang es Blanche, ihn für längere Zeit an an ihre Seite zu fesseln und in Gedanken sah sich die stolze Schönheit schon als Herrin in den Lindenhof einziehen.

Als Elly am nächsten Morgen in ihrem dunkel- Manen Habit, welches ihre reizende Gestalt aufs vorteilhafteste hervorhob, ins Früstückszimmer trat, eilte Herr Cardwell ihr bedrückt entgegen.

O, Fräulein Wilzhon," stammelte er,Alan chat mir zholche Vorwürfe gemacht, weil ich Ihnen ,Waldkönig" angeboten; er behauptet,Waldkönig" Oei kein zhicheres Damenpferd, und ich dürfe Zhie ä>azh Tier nicht reiten lazzhen.

Elly zuckte die Achseln und den kleinen, blauen Aeithut mit der wallenden weißen Feder fester auf die Locken drückend, äußerte sie gelassen:vondürfen" rindlassen" kann hier doch kaum die Rede sein, Herr Cardwell; ich reiteWaldkönig" auf meine eigene Gefahr nnd wenn ich mit dem Pferd zu Schaden komme, trifft die Schuld nur mich."

Dazs izht allezh ganzh ganz gut," meinte Cardwell Anmut,g,aber wenn ezh am Ende ein Unglück gebe"

Mittwoch, den 27. April 1904.

gebenden Stellen des Reichstages bereits ernsthaft er­wogen worden. Den Anlaß dazu bietet nach der Köln. Ztg." die Erkenntnis, daß der Reichstag das ihm vorliegende Beratungsmaterial doch nicht mehr erledigen könne. Allenfalls dürfte nach Verabschiedung des Etats noch das Reblausgesetz, vielleicht das Gesetz über die Kaufmannsgerichte, der Entwurf über Ent­schädigung unschuldig Verhafteter und die Reichsfinanz­reform zum Teil erledigt werden. Man erachtet es heute als sicher, daß vom Entwurf eines Gesetzes über Aenderung im Finanzwesen des Reiches der § i zwar angenommen wird, der § 2 vielleicht noch eine Mehrheit findet, aber § 3 (Aufrechnung der Matrikularbeiträge gegen die Ueberweisungen) sicher abgelehnt wird. Sicher nicht erledigt aber würden in dieser Tagung die Börsennovelle und die Stempelsteuernovelle, die lang­wierige Kommissionsberatungen erfordern, sowie die Invaliden- und Kriegsteilnehmer-PensionLnvvellen. Um die Vorarbeiten zu retten, würde man deshalb wieder zu dem Mittel der Vertagung (einige Wochen nach Pfingsten) greifen, wenn die Regierung zustimmt.

Der Unterrichtsminister hat in einem Erlaß an die höheren Lehranstalten auf die Notwendigkeit der Pflege einer guten und leserlichen Handschrift hinge- wiesen. In dieser Verfügung heißt es u. a.:Weit über die Grenzen der Schule hinaus hat eine unleser­liche Handschrift schon oft im privaten und amtlichen Verkehr derartigen Anstoß erregt, dak sie allein dem Fortkommen von Schülern der höheren Lehranstalten hindernd im Wege stand. Bei der Durchsicht von Auf­sätzen und Reinschriften jeder Art ist regelmäßig auch das Aeußere angemessen zu berücksichtigen. Arbeiten, die schon bei der Einlieferung durch Flüchtigkeit oder Unordentlichkeit der Schrift auffallen, sind zurückzu- weisen. Fortan ist allgemein sowohl in die gewöhn­lichen Zeugnisse bis zur Oberprima, als auch in die Reifezeugnisse ein Urteil über die Handschrift des Schülers aufzunehmen."

Der deutsche Apothekerverein tat einleitende Schritte, um eine Handelsgesellschaft Deutscher Apotheken mit beschränkter Haftung zu errichten.

Ueber die Verpflegung der Soldaten in Deutsch- Südwestafrika schreibt ein Pionier, der zur Besetzung der Eisenbahnstation Waldau, 20 Kilometer von Oka­handja, kommandiert ist, in einem Brief vom 12. März an seine Eltern in Liegnitz: Verpflegt werden wir hier gut, an Fleisch fehlt es nie. Wir haben hier eine kleine Herde, und die muß dran glauben. Ab und zu kommt Kriegsbeute durch, und da bleibt immer etwas zurück. Bier ist sehr teuer; wir haben hier auch keins, sonst kostet die Flasche 2 Mk., eine Zigarre nicht unter 25 Pfg., ein Butterbrod belegt 2 Mk. Das Trink- Wasser ist sehr knapp und das wenige dann noch sehr schlecht.

Ich sagte ihnen ja bereits, daß Sie keine Ver­antwortung trifft,* fiel Elly dem jungen Mann ärgerlich ins Wort,ich reite "Waldkönig" und damit basta."

Während des Frühstücks,, bei welchen, es heiter zuging, sah Elly die Augen des Hausherrn mehrfach mit besorgtem Ausdruck auf sich gerichtet, allein sie wandte den Blick jedesmal trotzig zur Seite und unter­hielt sich lustig und lebhaft mit den Andern. Und doch gab es ihr einen Stich ins Herz, als sie jetzt Blanche vertraulich die Hand auf Herrn Pierrepoint's Arm legen und sie ihm eine leise Be­merkung zuflüstern sah. Sie biß sich auf die Lippen nnd kokettirte dann in so auffälliger Weise mit Herrn Cardwell, daß dieser vor Freuden noch mehr lispelte als sonst.

Während des Aufbruchs standen die Schwestern neben einander in der Halle, und Blanche fragte leb­haft:Sage doch, Elly, willst Du wirklich Herrn CardwellsWaldkönig" reiten"?

Ja, das will ich, nickte" Elly kurz.

Mich wundert, daß Du es wagst; Alan, ich meine Herrn Pierrepoint, behauptet, das Pferd sei nicht sicher."

Das ist Ansichtssache."

Hm, ich weiß doch nicht, ob du klug daran tust, es so leicht zu nehmen. Ich reite ein Danienpferd, welches Herr Pierrepoint mir ausgesucht hat, es ist sehr angenehm, einen zuverlässigen Kavalier zu haben."

Reitest Du nur mit bis zum Versammlungsplatz

55. Jahrgang.

MggaMK«^^---- M1 um Ausland.

Wiederum haben sich die Russen, wenn man ihren diesbezüglichen Meldungen Glauben schenken darf, selbst geschädigt. Laut nachstehender Depesche des Ad­mirals Alexe;ew sind bei Anlage einer Minensperre durch vorzeitige Explosion einer russischen Mine 1 Of­fizier und 20 Mann getötet worden. Die Dampf­schaluppe, unter deren Hinterteil die Explosion stattfand, wird wohl auch dabei verloren gegangen sein, obwohl der Bericht hiervon nichts meldet. Es scheint, daß die Russen in diesem Kriege mehr durch sich selbst, als durch den Feind geschädigt werden. Ein Telegramm des Admirals Alexejew an den Kaiser vom 22. April lautet: Bei der Anlage einer Minensperre durch Dampf­schaluppen kamen durch vorzeitige Explosion unter dem Hinterteil einer Schaluppe Leutnant Peter Pell und 20 Mann um.

Ministerpräsident Graf Tisza hat die Entgegen- nahme eines Memorandums der ausständigen Bahn­beamten abgelehnt. Die Zahl der am 22. April von Budapest abgegangenen Züge beträgt 4 gegen 5060 Züge, die sonst von Budapest abgelassen werden. Die Züge werden durch Soldaten des Eisenbahnregiments und durch Beamte der Zentralverwaltung bedient. Auf den Stationen wird der Dienst durch die Stations­vorsteher versehen. In Budapest ist eine ziemlich rasche Steigerung der Lebensmittelpreise eingetreten. Die Regierung Hofit, bei längerem Andauern des Aus­standes in 46 Wochen eine Neuorganisierung des Betriebs durch Anwerbung neuen Personals vollständig durchführen zu können, wobei auch darauf gerechnet wird, daß von einem großen Bruchteil des Personals die weitere Beteiligung am Ausstande aufgegeben wird. Ungefähr 30 000 Beamte, Unterbeamte und Eisenbahn- arbeitet nehmen an dem Ausstande nicht teil.

Die Ausständigen haben an das Abgeordneten­haus eine Eingabe gerichtet, in der sie ihre Beschwerden über den Entwurf betreffend die Gehaltsregulierung darlegen. Sie verlangen eine Erhöhung des Anfangs­gehaltes von 1400 auf 1600 Kronen. Sicherung des Aufsteigens in eine höhere Rangstufe bei tadelloser Führung, während jetzt nur Zulagen nach Maßgabe der Dienstzeit gewährt werden. Ferner fordert die Eingabe die Einführung eines Dienstregelungsplanes und beschwert sich über die Verringerung des Wohnungs- geldzuschusfes.

Abends erschien ein Königlicher Befehl, wodurch die im Dienste der ungarischen Staatsbahnen stehenden Offiziere und Mannschaften der Reserve und Ersatz­reserve der gemeinsamen Armee und der Honvedarmee einberufen werden und zur Dienstleistung bei den Staatsbahnen eingestellt werden.

Aus Windhuk werden unter dem 21. April nachfolgende nachträgliche Todesfälle der Kolonne v. Glasenapp aus Onjatu gemeldet: Von der 4. Kom- im Walde oder gedenkst Du Dich an der Fuchshetze zu beteiligen Blanche?"

Wie Du fragst, Elly, Du weist doch, daß ich stets die Fuchshetze mitmachte, während Du es bisher nie getan hast, wie wirst Dills denn heute halten?"

Ich weiß es noch nicht, je nachdem."

Ach, das soll wohl heißen, je nachdem Du mit Waldkönig" fertig wirst?"

Bevor Elly antworten konnte, trat Herr Pierrepoini auf Blanche zu und sagte:Soeben wird Ihr Pferd vorgeführt, Fräulein Wilson," worauf Blanche hinaus- eilte.

Herr Pierrepoint näherte sich Elly und fragte ruhig:Wie ist's, Fräulein Elly, wollen Sie nicht doch lieberLeda" reiten?"

Sein Blick war so bekümmert und sorgenvoll, daß Elly schwankend ward, aber nein, weshalb einer Laune nachgeben. Zudem schien er ja schon mit Blanche einig zu sein, sie sprach Von ihm als Alan, sie ritt sein Pferd, mochte es dabei bleiben.

Ich danke," antwortete sie ruhig;ich beharre stets auf meinem Entschluß."

Und wenn ich Sie nun bitte, heute um meinet- willen eine Ausnahme zu machen, Fräulein Elly." wie dringend und zärtlich war diese Bitte; Ellys Herz klopfte fast hörbar, sie schwieg, und blickte unschlüssig zu Boden.

So versprechen Sie mir wenigstens, nur bis zum Rendezvous mitzureiten, Fräulein Elly, ich ängstige