SlhlillhternerZeitlM g
Erschtint Mittwoch und Samstag. — Preis
Amtliches.
J.-Nr. 1452 Ka. Die Besitzer der Hofwiesen in Neuengronau beabsichtigen in dem Gronaubach an der Ausmündung des vorhandenen Wassergrabens auf den Parzellen Nr. 324, 325 und 326 ein neues Wehr zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in dem Bureau des Unterzeichneten am Sonnabend, den 14 Mai er.
Vormittags 11 Uhr an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der , Widersprechenden gleichwohl mir der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienstunden im Bureau des Kreisaus- schnsscs eingesehen werden.
Schlüchtern, den 21. April 1904.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
Graf zu Solms.
Am 15. bis 17. Juli d. I. findet in Fulda die Präunentierschau für den Bezirk Kassel statt, wobei 4000 Mk. Staatsprämien zur Verteilung kommen. Es liegt sehr im Interesse aller Landwirte und Viehzüchter, daß diese Tierschau aus unserem Kreise recht zahlreich beschickt wird und zwar:
a) mit Bullen und Rindern der <Simm«i‘slH Reinzucht,
b) mit Kühen und Rindern, Simmentaler Kreuzung (Schlüchterner Landvieh).
Die Tiere zu a wird die Rinderzuchtgenossenschaft auswählen und ausstellen.
Die Besitzer von ausstellungsfähigen Kreuzungstieren zu b wollen solche schriftlich oder mündlich bei mir anmelden. Kosten erwachsen den Ausstellern nicht, etwaige Prämien erhalten sie dagegen ausgezahlt.
Schlüchtern, den 20. April 1904.
Pfalzgraf.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wird am 14. Mai mit der Kaiserin auf Schloß Urville in Lothringen eintreffen. Bei Gelegenheit des dortigen Aufenthaltes gedenkt das Kaiserpaar der auf den 16. Mai festgesetzten Einweihung der evangelischen Kirche in Metz beizuwohnen. Ferner
Sein Dsppelgängev
Roman von Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
„Schön, ich finde es schon, adieu, Frau Hilson."
Elly verschwand im Grigg'schen Hause, und als sie wieder heraustrat, sah Frau Griggs ebenso strahlend aus, wie vorher Frau Hilson. Am Abend aber brummte der Verwalter Dunstan vor sich hin: »Ich komme mir vor wie ein Narr, oft muß ich den Popanz machen und die Leute grob anlassen, und nun kriege ich die Weisung, Jeden, der einen Passierschein hat, den Richtweg benutzen zu lassen, vermutlich hat Jeder im Dorf einen Schein, fünf sind mit heute schon vorgezeigt worden. Hol' der Henker solche Launen!"
Elly hatte sich im Dorfe länger aufgehalten, als sie beabsichtigt, und sie mußte eilen, wenn sie zur Teestunde im Lindenhof sein wollte. Im Begriff, in einen schmalen Heckenweg einzubiegen, gewahrte sie am anderen Ende desselben zwei Gestalten, und näherkommend erkannte sie Herrn Pierrepoint in Begleitung eines jungen Menschen, der ein Gewehr über der Schulter trug, kein Zweifel daß mußte Donald Mark- ham sein. In der Gestalt glich er allerdings seinem Herrn und auch die krausen blonden Haare und die blauen Augen erinnerten an Herrn Pierrepoint, aber Elly mußte sich doch sagen, daß sie wenig Menschenkenntnis gezeigt hatte, als sie die fatale Verwechslung zu Stande brächte. Herr Pierrepoint sprach mit
mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 23. April 1904.
sind Besuche in St. Johann, Saabrücken und Straßburg und auf der Hohkönigsburg in Aussicht genommen.
Am 20. April ging die „Hohenzollern" mit Sr. Maj. dem Kaiser an Bord in den inneren Hafen von Catania. Der Kreuzer „Friedrich Karl blieb auf der Reede. Die Stadt ist reich geschmückt, überall wehen deutsche und italienische Fahnen. Der Kaiser kani mit Gefolge an Land und unternahm zu Wagen einen Ansflug nach Nicolosi auf den Vorbergen des Aetna. Das Wetter war prächtig, der Anblick von oben über den Hafen und zum Aetna hinauf war großartig. Der Empfang durch die Bevölkerung war außerordentlich. Allenthalben spielten die Musikkapellen, taufende evviva- rufender, händeklatschender Menschen Innren am Wege, darunter in geschlossenen Reihen die gesamte Geistlichkeit und die Seminaristen der unterwegs berührten Kirchen und Anstalten. In den Dörfern läuteten die Glocken. Se. Majestät empfing die Spitzen der Behörden. Die „Hohenzollern" wird von vielen Booten umlagert. Die Insassen bringen Ovationen dar.
— Jni Reichtag wurde der Etat des Auswärtigen Amts beraten. Die Debatte war zum Teil recht interessant. Abg. Münch (ntl.) befürwortete einen Antrag den deutschen Konsuln im Auslande einen kaufmännischen Beirat zur Seite zu stellen. Das Ausland, besonders Nordamerika, tue in dieser Hinsicht viel mehr; daher auch der schwere Wettbewerb. Abg. Dove (frs. Vr.) war mit bem Anträge im wesentlichen einverstanden, warnte aber vor einer Bureauklatisierung. Die englischen und amerikanischen Handelskammern in anderen Staaten seien freiwillige Schöpfungen Abg. Blell (frs. Vp.) äußerte sich wie der Vorredner. Staatssekretär v. Richthofen verwies auf die Anerkennung, die unseren Konsuln von amerikanischer und französischer Seite gezollt werde, ferner darauf, daß jeder Staat vertragsmäßig nur das Recht habe, Gesandtschaften und Konsulate im Auslande zu unterhalten. Das Auswärtige Amt werde eine kleinere Summe bereitstellen, um wenigstens einen Versuch im Sinne des Antragstellers zu mache». Das Gehalt des Staatssekretärs wurde bewilligt, der Antrag Münch-Ferber angenommen, die Summe für koloniale Beiräte in London und Paris zur Hälfte genehmigt.
— Aus Eisenach wird gemeldet: Das großherzogliche Paar ist zu längerem Aufenthalt auf der Wartburg eingetroffen, wo auch der Besuch des Kaisers erwartet wird.
— Das Land mit den meisten Postbeamten ist immer noch Deutschland. Das Heer seiner Beamten für Post und Telegraphie zählt nach der neuesten Zusammenstellung des Weltpostvereins 242 000 Köpfe. Es wird darin von den Vereinigten Staaten von Nordamerika fast erreicht, die 239 000 Postbeamte haben. An dritter Stelle steht Großbritannien mit 184 000 Postbeamten.
Donald, und die Art und Weise, wie dieser antwortete, lies erkennen, daß es dem Förster nicht an Schliff fehlte, aber für den Herrn des Lindenhvfes würde ihn sicherlich niemals Jemand halten.
„Beeile Dich, Donald," sagte Herr Pierrepoint jetzt, indem er Elly höflich begrüßte, „vielleicht gestattet Dir Fräulein Wilson, ausnahmsweise den Richtweg zu benutzen?" schloß er mit einem fragenden und — lachenden Blick auf Elly.
„Gewiß," sagte die junge Dame kühl, „falls Sie nicht auch ohnedies stets den Richtweg benutzen und somit meine Erlaubnis überflüssig sein sollte."
„Nein, Fräulein," entgegnete Donald ernsthaft, „der Herr hat uns Allen verboten, den Weg zu betreten.
Sobald der Mann sich entfernt hatte, trat Herr Pirrrepoint näher an Elly heran und fragte scherzend: „Nun, was sagen Sie jetzt zu Donald, Fräulein Elly, gefällt er Ihnen?
Die Frage ärgerte Elly und so sagte sie gleichmütig: „Ich bin immer urch nicht klar darüber, wer eigentlich von Ihnen beiden Donald ist?"
Diesmal war Herr Pierrepoint in der Lage, sich zu ärgern, und sich auf die Lippen beißend, schwieg er ein Weilchen, ehe er möglichst gelassen äußerte: „Damals, als wir zuerst zusammentrafen, brauchten Sie keine Minute Bedenkzeit, Sie waren sofort mit sich im Klaren darüber, daß ich mein Förster sei, und so griff ich den Spaß auf —"
55. Jahrgang.
— Die Direktion der Hamburg-Amerikalinie erklärt alle Gerüchte über den Verkauf des Schnelldampfers „Deutschland" für gänzlich unbegründet. Ein Verkauf hat weder stattgefunden, noch schweben irgendwelche Verhandlungen.
— Ein verdienter General ist mit dem Kommandierenden des 11. Armeekorps, Generalobersten von Wittich soeben in den Ruhestand getreten. Heinrich v. Wittich steht im 68. Lebensjahr und swar lange Zeit als Generalstabsoffizier tätig. Seine wissenschaftliche Befähigung fand auch vielfach Verwertung in den militärischen Kommissionen. Aus dem Feldzug gegen Frankreich, den er als Major mitmachte,^kehrte er mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse geschmückt heim. Wittich war viele Jahre hindurch Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, führte das 11. Korps seit August 1892, wurde im September vorigen Jahres Generaloberst mit dem Range eines Feldmarschalls und vor einigen Monaten ins preußische Herrenhaus berufen. B-i seinem Abschied ist er 6 la suite des niederrheinischen Füsilierregiments Nr. 39, in das^ er s. Zt. als Leutnant eintrat, gestellt worden; auch bleibt er Generaladjutant des Kaisers.
— Weil sich die einzelnen Bundesstaaten, wie z. B. neuerdings Sachsen, durch immer schärfere Gesetze, bezüglich ihrer Lotterie-Lose förmlich voneinander abschließen, wird jetzt auch bei uns ein scharfes Auge auf das Spielen in verbotenen Lotterien gerichtet werden und möchten wir unseren Lesern anheimgeben, ihr Glück nicht in anderen verbotenen Lotterien, sondern nur in der zugelassenen Preußischen Staatslotterie zu versuchen. Die von derselben gebotenen vorzüglichen Aussichten auf wirkliche hohe Gewinne rechtfertigen die Bevorzugung unserer Lotterie, auch schon ganz abgesehen von der Gefahr, wegen des Spielens in anderen bei uns nicht zugelassenen Lotterien bestraft zu werden.
— Von den Spielleuten des Garde-Füsilier-Regi- ments werden laut „Volksztg." neue Trommeln eingeführt. Sie sind angeblich kleiner als die bisherigen, die hölzernen Reifen werden durch vier mit Schrauben versehene Doppelkammern zusammengezogen. Auch die Trageart ist anders. Wie in den fünfziger Jahren werden die Trommeln an einem über die rechte Schulter hängenden Bandalier aus gelbem Leder getragen.
— Der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd „Kaiser Wilhelm II.", der aus New-Dort am 12. April um 3 Ilhr 55 Min. (amerikanische Zeit) nachmittags auslief, ist am 17. April nachmittags 2 Uhr 25 Min. in Plymouth eingetroffen. Ein Sonderzug, der von dort um 4 Uhr 21 Min. abging, kam um 8 Uhr 34 Min. in Paddington an. Die ganze Reise von New-York nach London währte 5 Tage 23 Stunden und 39 Minuten. Damit ist der Rekkord für die Winterronte erreicht._____________
„Was recht häßlich von Ihnen wahr," fiel Elly ihm lebhaft ins Wort, „und um Sie dann zu strafen spann ich die Komödie weiter aus."
„Nun, jedenfalls trug mir diese „Komödie der Irrungen" einen Spaziergang durch den vernebelten Wald ein, an den ich noch heute gern denke, „sagte Herr Pierrepoint lächelnd, und fast wider Willen flüsterte Elly: „Ich auch."
„Sehen Sie wohl," rief Herr Pierrepoint lebhaft, indem er stehen blieb, „kommen Sie, Fräulein Elly, lassen Sie uns das Kiiegsbeil begraben, geben Sie mir die Hand und seien wir fortan gute Freunde!"
Aber Elly zögerte.
„Als ich Ihnen damals die Hand bot," sagte sie leise und stockend, „weigerten Sie mir die Ihre und —"
„Nicht ich tat's sondern Donald, ihm dursten Sie die Hand nicht reichen —"
„Ah, das foU soviel heißen, als ich wisse absolut nicht, was sich schickt," rief Elly, mit Tränen in den Augen.
„O Elly, wie können Sie das glauben?" rief Herr Pierrepoint ungestüm, ich durfte doch nicht aus meiner Rolle fallen, aber schwer genug ist mir's weiß Gott geworden!"
„Und wenn ich Ihnen jetzt die Hand gebe werden Sie mich nicht für taktlos oder schlecht erzogen hatten —"