SchWernerMung
g^hit Mittwoch und Sanistag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Einteilung zum Abonnement
aus die
Die Tchlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung bei Kreises Schlüchtern, (55. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die SchlüÄteruer Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
finden in der über alle Ort- schaffen des Kreises und weiter hinaus verbreiteten Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Krcisblatt
1 Mark.
Um gest. Neubestellung bittet Höflichst
Expedition der Zchlüchterner Zeitung.
Deutsches Keich.
— Se. Maj. der Kaiser unternahm am 6. April mit Gefolge eine Bahnfahrt nach Monreale, und besichtigte daselbst den Dom eingehend. Alsdann wurde ein längerer Spaziergaug durch den Park, den Tiergarten und die Anlagen des Grafen Tasca unternommen. Daran schloß sich die Besichtigung der berühmten Kapelle Pallatina im normanischen Pallast zu Reale. Das Publikum begrüßte den Kaiser allenthalben auf das herzlichste.
— Auf Befehl Sr. Maj. des Kaisers spielte am 6. April abends die Kapelle der „Hohenzollern" in der Stadt auf dem Platze vor dem Municipo unter sehr großem Andrang und stürmischem Beifall des Publikums.
— Se. Maj. Kaiser Wilhelm sandte, wie der „Germania" aus Rovi gemeldet wird, von Neapel aus ein Telegramm an Papst Pins, worin er sein Bedauern ausspricht, nicht nach Rom koininen und den Papst begrüßen zu können. Die Miltelmeerreise sei nur aus Gesundheitsrücksichten angetreten und daher müsse er Rom feinbleiben.
— Am 0. April nachmittags nahm der Kaiser mit den Herren der Umgebung den Tee bei dem Fürsten Trabia, wo die Damen und Herren des palermitanischen Adels versammelt waren. Der Kaiser verweilte mehrere Stunden und hörte unter anderem Gesangsvorträge. —- Auf Korfu, wo man sich eifrig rüstet, soll eine Begegnung des Kaisers mit dem König von Griechen-, land stattfinden._______________________
Sein Doppelgänger Roman von Dorothea M. CorhoMd.
Nachdruck verboten.
Auch jetzt sand Elly keine Veranlassung, sich in die Unterhaltung zu mischen, und so plauderten Herr Pierrepoint und Blanche unbefangen weiter. Bald darauf gings zu Tisch: Herr Pierepoint eilte, einer alten Herzogin den Arm zu bieten, Lord Dane führte Frau Wilson und Blanche wurde von dem Pfarrer von C-umlech geführt, während ein Jüngling mit einem sehr faden, sehr nichtssagenden Gesicht Elly geleitete. Der junge Herr stand zu Elly's stiller Belustigung mit dem Buchstaben „s" auf gespanntem Fuße, sein einziges Gesprächslema waren die Pferde und zur Abwechslung schnellte er sein Monokle auf und ab, so daß seine Nachbarin Gott dankte, als das Diner zu Ende war.
Im Salon legte Lady Dane ihre Hand auf Elly's Arm und bat sie, ihr bei der Auswahl einiger Lieder, die nachher zum Vortrag gelangen sollten, zu helfen Bereitwillig folgte Elly ihr zum Flügel, jetzt aber seinen Lady Dane es nicht so eilig damit zu haben inid während sie achtlos in den Noten blätterte, sagte sie lächelnd: „Ich gebrauche nur eine Kriegslist, um Sie ein Weilchen für mich allein haben zu können, Elly, ich darf Sie dock so nennen? Ich habe nämlich eine große Bitte an Sie, würden Sie für die nächsten Vierzehn Tage, während welchen sich auf dem Linden-
Samstag, den 9. April 1904.
SaiBSSSSBM^;^:^
— Die Fürstin Sophie zur Lippe, geb. Prinzessin von Baden, ist am 6 April verschieden.
— Der 13. deutsche Turntag wurde während der Osterfeiertage unter großer Beteiligung der Turner Deutschlands in Berlin abgehalten. Die dem Turn- tage vorangehende Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft wurde im alten Abgeordnetenhause vom greifen Vorsitzenden Dr. med. Goetz-Leipzig-Lindenau mit einer Reihe von Mitteilungen eröffnet. Sodann wurde unter Zustimmung der Mitglieder beschlossen, am Denkmale Bismarcks, am Jahndeutmale, sowie an den Gräbern von der Angerstein, Karl Schmidt und Julius Hoppe Kränze niederzulegen.
Abgelehui wurde die Errichtung einer allgemeinen Haftpflicht- und llnfallversicheruugskasse, sowie ein Antrag auf Angliederung eines Fachausschusses für das Frauenturnen an den Ausschuß der Deutschen Turnerschaft und der Anschluß von Frauen-Turnvereinen an die Gaue. Ebenso wurde auch die Entsendung von Turnern zu den Wettkämpfen auf der Weltausstellung in St. Louis abgelehnt.
— Im Eisenbahnverkehr mit Rußland steht nach der „Kreuzzeitung" eine bedeutende Erleichterung bevor. Es sollen Nmsatzwagen eingeführt werden, welche ohne Umladung von den deutschen auf die breiteren russischen Geleise übergehen können und umgekehrt. Es wird damit viel Zeit und Geld gespart. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß künftig auch für den ourchgehenden Personenverkehr solche Wagen gewährt werden.__
Ausland.
— König Alfonso von Spanien hat sich zum Besuch nach der als sehr unruhig und sehr anarchistisch bekannten Stadt Barcelona begeben. Vorgcbeugt wurde leicht möglichen Attentaten durch Massen-Verhaftungen aller irgendwie verdächtig bekannten Elemente, und so ist denn bisher alles gut gegangen. Immerhin war die Reise ein großes Wagnis, wie sie auf der anderen Seite für den Mut des jungen Königs spricht.
— Als der König von Spanien die Arbeilsausstellung in Barcelona verließ, platzte eine Bombe. Zwei Landleute wurden verhaftet. Ein Verdächtiger wurde verhaftet.
— Der Papst empfing eine Abordnung de Komitees des deutschen Katholikentags. Präsident Graf Droste- Vischering verlas die in lateinischer Sprache verfaßte Huldigungsadresse, in welcher dem Papste für die den deutschen Katholiken erteilten Ratschläge gedankt wird, welche der katholischen Kirche und dem Staate von großem Nutzen gewesen seien. Der Papst erwiderte ebenfalls lateinisch, dankte den deutschen Katholiken für ihre Ergebenheit gegenüber der Kirche und betonte die freundliche Gesinnung des deutschen Kaisers und der deutschen Regierung gegen seine Person und die Kirche. Ein großer Teil des Verdienstes gebühre der Hof sehr viele Gäste einsinden werden, mir hier Gesellschaft leisten? So viele von den Gästen sind mir völlig fremd und ich wäre Ihnen so herzlich dankbar, wenn Sie mir bei der Unterhaltung der verschiedenen Elemente ein wenig helfen wollten. Wenn ich weiß, daß Sie's gerne tun, bitte ich Ihre Mama in den nächsten Tagen offiziell darum, mir ihr Töchterchen auf einige Zeit zu leihen, ich wollte mich nur vorher darüber vergewissern, keine Fehlbitte zu tun."
Elly's Blicke strahlten, als sie eifrig antwortete: „Ach, ich komme so sehr gern, Lady Dane —"
„Nichts da, wenn ich Sie Elly nennen darf, müssen Sie mich auch beim Vornamen nennen, ich heiße Amy! Es ist also abgemacht, v wie freue ich mich darauf, eine Freundin zur Seite zu haben! Und nun wollen wir die Musikstücke auswählen, Sie und Ihre Schwester sind Beide musikalisch, wie Ihre Mama mir sagte?"
„Ja, Manche spielt brillant Klavier und ich finge ein wenig."
„Schön, singen Sie Alt oder Sopran?,,
„Alt," versetzte Elly.
„Das paßt prächtig, ich habe eine Sopranstimme, und vielleicht können toir’6 mit einem Duett versuchen."
Herr Pierrepoint trat jetzt gleichfalls au den Flügel, und da Lady Dane in diesem Augenblick abgerufen wurde, bat sie den Bruder, einige Lieder für eine Altstimme hervorzusuchen, die Fräulein Elly nachher singen
55. Jahrgang.
Zentrumsfraktion des Reichstages. Der Papst wünschte den deutschen Katholiken alles Gute und erteilte allen Anwesenden den Segen.
— In Johannesburg (Südafrika) sind bisher über hundert Personen an der Pest gestorben, allermeist Eingeborene.
Die Engländer dringen in Zentral-Asien weiter vor, nachdem sie einen heftigen, aber doch nur kurzen Widerstand der Tibetaner unschwer zurückgeschlagen haben. Da auch Rußland in diesen Gegenden Truppen zu stehen und Interessen zu wahren hat, so könnten die britischen Regimenter bei einer energischen und rücksichtslosen Fortsetzung ihres Vormarsches auf die Bataillone des Zaren stoßen, und die asiatischen Auseinandersetzungen würden damit gewaltig an Umfang gewinnen. Wenn auch wohl an manchen Stellen in London die Neigung nicht klein ist, Rußlands Kraft in Ostasien durch Herbeiführung von Differenzen in Zentralasien zu schwächen, so darf doch nicht vergessen werden, daß auch in Indien die Erregung groß ist. Beim ersten Kugelwechsel zwischen Russen und Engländern würden sich voraussichtlich auch die Jndier ihrer alten Forderungen erinnern, und nichts ist für die Londoner Regierung unerwünschter. Das „Bischen Tibet" wird also wohl schwerlich einen neuen Zankapfel in der nächsten Gegenwart bilden.
Males und Provinzielles.
Schlüchtern, 8. April 1904.
— * Der morgige Weiße Sonntag ist für die katholische Jugend ein bedeutungsvoller Tag, treten an ihm ja die der Schule entwachsenen Knaben und Mädchen aus den Jahren goldner Kindheit ins ernste weitere Leben ein. Mögen drnm, das ist unser Glückwunsch für E- eru und Kinder, die Hoffnungen sich erfüllen, welche Kirche und Staat, Gemeinde und Familie auf die jungen Christen setzen, mögen die letzeren alle nach Jahren treu wahrgenommener Lehrzeit wackere und achtbare Glieder der menschlichen Gesellschaft werden und in Arbeit und Schaffensfreudigkeit das Glück in der eigenen Brust suchen und finden, das Ewige, desfen im Getriebe des Alltagslebens kein Mensch entralen kann.
—* Eine neue Lebensperiode beginnt jetzt nach dem Osterfeste für Tausende von konfirmierten Knaben und Mädchen. Ein Teil von ihnen bleibt wohl im elterlichen Hause, aber die große Mehrzahl tritt doch aus de n Familienkreis heraus, um die ernsteren Seiten des Lebens kennen zu lernen, um zu er! ranen, daß Arbeit, fleißige und treue Arbeit allein, oie Vorbedingung alles späteren Wohlergehens ist. Arbeitslust und Reichtum an Kenntnissen begründen das Glück des Lebens, nicht etwa das sogenannte „Glück!" Glück hat überhaupt jeder Mensch, der das Richtige zur rechten Zeit begann. Wer drum beim Eintritt in das werde. Der Hausherr nieste und indem er Elly verschiedene Noten zu Ansicht vorlegte, fragte er lächelnd: „Hat Donald Sie neulich Abends gut heimgebracht, Fräulein Elly?"
„Sehr gut," entgegnete Elly gelassen, „es war freundlich von Ihnen, mir ihn mitzugeben, Herr Pierrepoint."
„Ist Donald nicht ein ganz netter Bursche, Fräulein Elly? " frug Herr Pierrepoint jetzt mit schalkhaftem Lächeln.
„O ja, schade nur, daß er seine Stellung mitunter verkennt und sich zuviel herausnimmt?"
„Wie? Tut er das?" Diesmal klang die Frage des Hausherrn entschieden in unverstelltem Ernst, der nicht ganz frei von Aerger war.
„Jawohl, können Sie sich vorstellen, Herr Pierrepoint, daß dieser Donald die Keckheit hatte, mit mir darüber zu streite», daß ich den Richtweg gesperrt habe?"
„Es ist kaum zu glauben, nun, Sie wiesen ihn wohl sofort in seine Schranken zurück?"
„Wenigstens sagte ich ihm ganz offen meine Meinung. Leider brachten es aber dann die Ver- hältnisse so mit sich, daß ich diesem Donald sehr zu Dank verpflichtet wurde, und das ist mir höchst peinlich!"
(Fortsetzung folgt.)