WüchternerMmg
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
J^S 25 Samstag, den 26. März 1904. 55. Jahrgang.
Einladung zum Mnnement
auf die
Die Schlüchterner Zeitung, die älteste Zeitung des Kreises Schlächtern, (54. Jahrg.) bringt Berichte über wissenswerte Vorgänge in unserem Reiche wie auch im Auslande.
Unter „Lokales und Provinzielles" berichtet die Schlüchterner Zeitung über alle neue und bemerkenswerte Vorkommnisse aus dem Kreise und der Provinz.
Die Schlüchterner Zeitung mit dem amtlichen Kreisblatt bringt alle Anzeigen sämtlicher Behörden des Kreises.
luraezEfcS®siuden in der über alle Ort- saften des Kreises und weiter hinaus verbreiteren Schlüchterner Zeitung wirksame Verbreitung.
Bezugspreis vierteljährlich mit amtlichem Krcisblatt ____________________1 Mark._______________
Zur Konfirmation!
Mein Kind, die hehren Glocken läuten Heut Deinen Ehrentag Dir ei», Den Schritt Dir aus der Kindheit Tage Ins ernste Leben nun zu weihn;
Und*mit der Glocken Feierklänge,
So ernst und mild und hell und klar, Begleiten heiße Segenswünsche Auf Deinem Weg Dich zum Altar.
Den Bund der Taufe zu erneuern Trittst Du vor Gottes Angesicht, Versprichst von Deinem heiligen Glauben Zu weichen und zu Wanken nicht.
O, daß Du wie in dieser Stunde, Wenn hoch des Lebens Wogen gehn, In kindlich-gläubigem Vertrauen Stets mögst zu Gott dem Vater stehen!
Ja laß auf Deines Lebens Wege
Dein Herz dem Glauben ganz sich weihn, Mit ihm wird Liebe dann und Hoffnung Für immer treu verbunden sein!
So läßt sichs dann auch wacker streiten
In Kampf und Stürmen dieser Zeit: Gehst Du mit Gott — in allen Nöten Hast du, mein Kind, ein gut Geleit.
So sei gegrüßt am Ehrentage, Willkommen in der Christen Bund! Es mögen reinsten Glückes Freuden In reichstem Maß Dir werden kund; Und wie die hehren Glocken klingen Dir jetzt zur Stunde klar und rein, So möge auch Dein Tun und Lassen Vor Gott und allen Menschen sein!
Sein D-ppelgnngev.
Voman von Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
„O, er kam zu mir in den Stall. Ich werde jetzt für den Korb, sowie für eine Laterne sorgen, Fräulein, und gleich wieder hier sein."
Der Förster entfernte sich und Elly nahm sich fest vor, ihren nächsten Waldspaziergang ohne Fifi und an einem durchaus nebelfreien Tage zu unternehmen. Jetzt kam Frau Barton zurück mit den Bildern und entschuldigte sich wegen ihres langen ausbleibens aber sie habe in der Küche nachsehen müssen — es werde Apfelgelee gekocht. Elly berichtete, der Förster sei inzwischen dagewesen, um wegen des Nachhausegehens zu sorgen, Herr Pierrepoint könne erst in zwanzig Minuten abkommen, allein so lange dürfte sie nicht niehr warten — in Buchegg werde man sich ohnehin schon um sie ängstigen.
„v, dann wird Donald sich eine Ehre daraus machen, das gnädige Fräulein zu begleiten," rief Fran Barton eifrig, „er ist ein sehr gefälliger junger Mann."
„Aber es tut mir leid, daß ich ihm die Mühe verursache, Frau Barton."
O, Donald tut's gern," versicherte Frau Barton, „und er ist auch der sicherste Beglei.er — er findet sich hier überall mit geschlossenen Augen zurecht und
Konfirmation.
Freudige Bewegung der Herzen ist das Kennzeichen des Konfirmationstages, (sie zeigt sich auf den Gesichtern der Knaben und Mädchen. Die Teilnahme der Verwandten und Freunde, das gefüllte Gotteshaus, die herzendringenden Worte, die an sie gerichtet werden, das feierliche Zeugnis, das sie selben abzu- legen haben, das alles hebt sie über die Alltags- stimmung hinaus. Wer wollte sich nicht mit freuen? Und doch drängen sich noch andere Gedanken dazwischen. Der Ernst des Lebens beginnt, und nicht nur der Ernst der Arbeit, sondern auch der Ernst des Kampfes zwischen Licht und Finsternis.
Unsere Söhne und Töchter haben das Recht und die Pflicht ernst zu sein, denn hinter ihnen schließt sich das kleine Paradies der Kindheit; sie treten über die Schwelle der Jugend ins reifere Alter. Das Leben wird für die Konfirmierten weiter und reicher, aber auch verantwortungsvoller, und wenn wir bedenken, daß für die meisten dieser Kinder die Konfirmation mehr oder weniger ein Ausscheiden aus dem engen Familienverband bedeutet, so sehen wir mit wehmütiger Sorge jenen jugendlichen Gestalten nach. Wie lange noch werden die Kinderaugen so ungetrübt und Hoff- nungsvoll ins Leben hinausblicken? Wie lange werden die Herzen jung und rein bleiben? Die Welt, in welcher die Söhne und Töchter hinaustreten, die Welt liegt im Argen.
An diesem Wendepunkt des Lebens stellt die kirchliche Ordnung unseres Volkes die Kinder vor dem Altar, läßt sie Treue versprechen dem Glauben, auf den sie getauft sind, und erfleht für sie den Segen Gottes. Wir können den Kindern keinen besseren Rat auf den Lebensweg mitgeben als den: „Bleibt treu", treu den christlichen Grundsätzen des Elternhauses, treu dem Glauben, der unser Volk groß und stark gemacht hat. Dann kann es ihnen nicht fehlen; welchen Beruf sie erwählen, auf welchen: Weg sie durchs Leben gehen mögen, sie werden etwas tüchtiges leisten, sie werden glücklich sein; den Aufrichtigen läßt es Gott gelingen.
Aus dem Glauben wächst üaerall die Hoffnung hervor, er kann auch die Hoffnungen zur Erfüllung bringen, womit wir am Jugendfrühling unseres Volkes uns erfreuen.__________________________________________________
Deutsches Reichs
— Als Se. Maj. der Kaiser am Sonntag Abend an Bord des „Cäsar" ging, bildeten Ruderboote und Fackelträger Spalier. Gleichzeitig flammte an dem Rumpfe, den Masten und Rahen von 8 englischen Panzern eine Reihe von Glühkörpern auf. Bei der Abfahrt ging ein Raketen- und Feuerregen über den „König Albert" nieder. Während sämtliche Scheinwerfer der englischen Schiffe sich vereinigten und den kennt jeden Baum und Strauch. Äber^hier sind^ie^ Bilder."
Elly betrachtete anscheinend alle die drei Photographien mit großem Interesse, in Wirklichkeit indeß galt ihre Besichtigung hauptsächlich Herrn Pierrepoints Bild. Daß zwischen dem Hern des Lindenhofs und seinem hübschen Förster eine merkwürdige Aehnlich- keit bestand ließ sich nicht verkennen, wenn auch das Bild, wie Frau Barton erklärte, eben nicht mehr so ähnlich war, wie es vor fünf oder sechs Jahren gewesen.
„Die Geschwister sind in der Tat hübsch," sagte Elly jetzt, indem sie ihren Mantel wieder umnahm, und Frau Barton schien etwas enttäuscht ob der gleichmütigen Aeußerung. — Die Bilder waren ihr Stolz und sie hatte offenbar eine lebhaftere Bewunderung derselben erwartet. Jetzt erschien der Förster, in einen dicken Mantel gehüllt, dessen Kaputze er über den Kopf gezogen hatte, und eine hellbrennende Laterne in der Hand, während er am andern Arm einen Korb hängen hatte. Nachdem Fifi in den Korb gesteckt worden, hing Elly sich den Korb an den Arm; der Förster packte Perry auf und unter vielen Danksagungen verabschiedete das junge Mädchen sich von der freundlichen Matrone. Elly's letztes Wort war; „Bitte, Frau Barton, entschuldigen Sie mich bei Herrn Pierrepoint, daß ich sein Kommen nicht abgewartet habe, aber ich weiß, daß meine Mutter sich ob meines Ausbleibens ängstigt — gute Nacht!"
Gipfel des Felsens von Gibraltar taghell erleuchteten, blieb der untere Teil in Nacht gehüllt. Am Montag war eine stille Fahrt an der südspanischen Küste entlang. Dienstag erreichte der „König Albert" die Balearen und lief zu kurzem Aufenthalte zur Entgegennahme von Depeschen um 10 Uhr in den Hafen von Port Mahon ein. Das Wetter ist herrlich.
— Se. Maj. der Kaiser ist Dienstag vormittag an Bord des Norddeutschen Lloyddampfers „König Albert in Port Mahon eingetroffen. Nachdem der deutsche Konsul und die spani,chc Behörden sich gemeldet hatten, begab sich der Kaiser unter Salut an Land, um am Grabe des dort verstorbenen Kapitänleutnants v. Bunsen einen Kranz niederzulegen. Die Abfahrt erfolgte nachmittags 5 Uhr.
— Die Mittelmeerfahrt des Kaisers wird erst in den letzten Tagen des April ihr Ende erreichen. Nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen gedenkt der Kaiser am 29. April an Bord der „Hohenzollern" in Genua einzutreffen und von dort aus sofort die Heini- reise per Bahn anzutreten, so daß demnach die Ankunft des Monarchen in Berlin am Sonntag, 1. Mai, früh zu erwarten sein dürfte. — Die Kaiserjacht „Hohenzollern", sowie der große Kreuzer „Friedrich Karl" werden, sobald der Kaiser Genua verlassen hat, die Anker lichten, um nach Kiel bezw. Wilhelmshave» in See zu gehen, wo die Schiffe Mitte Mai wieder eintreffen werden.
— Dem „Lokalanz." zufolge wurde ein Attentatsversuch gegen den deutschen Generalkonsul in Jnus- Vollführt. Ein italienischer Schuhmacher, der sich schon in Salzburg angelegentlich über das deutsche Generalkonsulat erkundigte, verbarg sich in Innsbruck in dem Hause, wo der deutsche Generalkonsul wohnt, den er aber nicht kennt. Er stach mit einem Messer nach dem in demselben Hause wohnenden, zufällig vorübergehenden Oberst Gratzky, der aber auswich und unverletzt blieb. Der Attentäter wurde verhaftet, er gestand die Mordabsicht zu, wollte aber die Motive nicht verraten. Er ist wahrscheinlich wahnsinnig.
— An bestirnter richtetet Stelle werden die Nach- richien, daß der Kaiser von Pros. Schmidt zweimal operiert sei, und daß er mit dem Kopenhagener Besuche eine Annährung an Cumberland bezweckte, als total falsch bezeichnet.
Ausland.
— Der „L.-A." erfährt aus dem Aufstandsgebiet in Südwestafrika: Die Lage ist unverändert. Die Ostabteilung unter Major von Glasenapp, dessen Verwundung nur unbedeutend ist, steht zum Angriff bereit. Dieser ist jedoch abhängig von dem Eingreifen der Hauptabteilung in Okahandja. Die Herero befinden sich noch in Owikokorero, eine ungemem schwer zugängliche Position. Dort ist eine Kalkpfanne mff
„Ich werde alles ausrichten, gnädiges Fräulein, und es wird dem Herrn sehr leid tun, Fräulein nicht mehr anzutreffen. Kommen Sie gut nach Hause, gnädiges Fräulein — na, Donald wird schon dafür sorgen, nicht wahr, Donald?"
„Gewiß," nickte der Förster und dann traten Elly und ihr Begleiter den Weg durch den Nebel an. Beim ersten Schritt in's Freie begriff Elly, daß man sie nicht hatte allein gehen lassen — es war selbst mit der Laterne schwer, nicht an die Bäume anzu- rennen. Donald schritt mit der Laterne voraus und »lachte Elly auf jede Unebenheit des schmalen, steinigen Pfades aufmerksam, allein er konnte es doch nicht verhindern, daß Elly mitunter storpelte. Einmal drohte sie sogar der Länge nach hinzufallen; Donald's Arm hielt sie noch im letzten Moment zurück und als er bemerkte, daß Elly den rechten Fuß mied, fragte er besorgt:
„Haben Sie sich verletzt, Fräulein?"
„Ach, es hat nichts zu sagen — ich trat auf einen spitzen Stein und nun schmerzt mich der Fuß ein wenig."
„Fräulein," begann Donald zögernd, „wenn Sie's nicht übel nehmen wollen, möchte ich Sie bitien, sich von mir führen zu lassen — wir kommen jetzt an eine sehr steile Stelle."
Anstatt zu antworten, legte Elly ohne Ziererei ihre Hand auf Donald's Arm und schweigend ging's weiter. Elly dachte bei sich, es sei ein rechtes Glück,