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Erschlint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
3g 24. Mittwoch, den 23. März 1904. 55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Se. Maj. Kaiser Wilhelm hat von Gibraltar auS die Reise nach den Balearen-Jnseln fortgesetzt. In der Hauptstadt Palma wird ein Aufenthalt genommen werden. Am kommenden Donnerstag trifft der Kaiser in Neapel ein, wo er seine bereits dort befindliche Jacht „Hohenzollern" besteigt und auf derselben Wohnung nimmt. Der Kaiser wird vier Tage in Neapel verweilen und am Palmen-Sonntag die Weiterreise nach Palermo und Messina fortsetzen. Am Sonnabend wird der König Biktor Emar.uel von Italien den Kaiser begrüßen, die Begegnung wird einen durchaus privaten Charakter haben. Am 29. April kommt der Kaiser in Genua an und reist mit der Bahn nach Deutschland zurück. — Mit seiner Vertretung bei der Beisetzung des Herzogs von Cambridge hat der Kaiser den Prinz-Regenten von Braunschweig betraut.
— Auf dem Oelberg bei Jerusalem soll nach den Wünschen der Kaiserin eine große evangelische Stiftung erstehen, die ein Erholungsheim, ein Hospiz und eine Kirche umfassen wird. Für die Anlage werden etwa 800 000 Mark gebraucht. Eine Mitteilung machte über diese Stiftung am Mittwoch im evangelischen Kirchbauverein der Oberhofmeister der Kaiserin Freiherr v. Mirbach. Die Stiftung soll heißen „Kaiserin Auguste-Viktoria-Stiftung auf deni Oelberg".
— Prinz Eitel Friedrich, der unter dem Namen eines Grafen von Geldern reist, besuchte am Donnerstag die Königin Wilhelmina und den Prinzen Heinrich der Niederlande im Haager Schloß. Der Prinz wurde von der königlichen Familie zum Luncheon eingeladen und fuhr später mit der Kömgin Wilhelmina und dem Prinzen Heinrich nach bem „Huis len Bosch". Sind' Besichtigung dieses altehrwürdigen Palastes, in dem der Friedenskongreß vor einigen Jahren getagt hat, fuhr Prinz Eitel-Fritz um 6 Uhr abends zur Königin- Mutter und nahm bei ihr den Tee ein.
— Ueber den Adel im Generalstabe gibt die „Volksztg." folgende Zusammenstellung. Im Großen Generalstabe befinden sich:
4 Generale 2 adelig 2 bürgerlich
15 Obersten 8 „ 7 „
10 Oberstleutants 7 „ 3 „
77 Majors 55 „ 22
83 Hauptleute 49 „ 34 „
Ju der Armee überwiegt in den beiden Chargen der Majors und der Hauptleute das bürgerliche Element das adelige um das Zwei- bis Zweieinhalbfache. Im Generalstabe ist also dieses Verhältnis umgekehrt. In den Oberst- und Oberstleutnants-Chargen ist in der Armee das Verhältnis annähernd gleich; im Generalstabe hat sich also auch dies Verhältnis bedeutend zu gunsten des Adels verschoben. In der topographischen und trigonometrischen Abteilung be-
Sern D-ppelgänger
Vornan von Dorothea M. Corhonld.
Nachdruck verboten.
Im Herbst bleibt er meist länger, weil er dann seine Freunde zur Jagd einladet — in acht bis zehn Tagen wird sich der Lindenhof wieder mit zahlreichen Gästen füllen und dann kommt Lady Dane hierher, um die Honneurs zu machen, wie ich schon sagte."
„Lady Dane ist Herrn Pierrepoint's Schwester, wenn ich Sie recht verstand?"
„Jawohl, gnädiges Fräulein, seine jüngere Schwester, sie ist eine reizende junge Frau. Die ältere Schwester ist an den General Serville in Calkutta verheiratet und ebenfalls eine Schönheit — die Pierrepoints sind überhaupt ein schönes, stattliches Geschlecht."
„Hat nicht Herr Pierrepoint einen Förster, der ihm sehr ähnlich sieht?"
„Ei freilich, gnädiges Fräulein, Donald Markham — er ist Herrn Pierrepoint's Milchbruder."
„Ganz recht — ich bin mit dem Mann schon mehrfach zusammengetroffen; neulich trat er mir gar nicht sehr liebenswürdig entgegen, als es sich nm den Weg über Buchegg, den ich jetzt gesperrt habe, handelte. Heute aber hat er mich zu großen: Dank verpflichtet, indem er meinem Kätzchen nachging und es schließlich auch fing — bei dieser Gelegenheit fiel er |u meinem Schrecken in den Bach und wurde über
finden sich sieben adelige gegen elf bürgerliche Offiziere, unter diesen die beiden Generale. Dagegen ist der Generalstabsdienst bei der Truppe in erster Linie bem Adel reserviert, denn von den 95 Generalstabsoffizieren der Armeekorps und der Divisionen sind 64 von Adel und nur 31 bürgerlich, und von 17 Chefs des Generalstabes der Armeekorps, diesen Aspiranten für die höchsten Armeestellen, 14 von Adel und nur 3 bürgerlicher Abkunft.
— Die Sammlungen der deutschen Kriegervereine für die Kameraden von Windhuk und Swakopmund, welche sämtlich zurzeit gegen die Herero im Felde stehen, haben mehr als 25000 Mk. ergeben. AlL-xerste Rate sind 20000 Mk. telegraphisch dem Begründer des Kriegervereins Windhuk, Kaufmami'Mö.ysett; zur Verteilung an die Familien der eingezogenen Land- wehrleute und Reservisten der Schutztruppe übermittelt worden.
Ausland.
— Gouverneur Leutwein telegraphierte am 19. März aus Deutsch Südwestafrika: Glasenapp stieß, den Kompagnien vorauseilend, am 13. März mit einem Stäbe zahlreicher Offiziere und 36 Berittenen auf die Nachhut des Feindes, die unerwartet Verstärkung erhielt, sodaß Glasenapp gezwungen war, zurückzugehen. Sieben Offiziere und neunzehn Mann sind gefallen, drei Offiziere, zwei Mann verwundet.
— Ein weiteres Telegramm Leutweins meldet folgende Verluste: Tot sind der Hauptmann Franyois, der Oberleutnant Eggers und Oberleutnant zu See Stempel. Von der zweiten Matrosendivision: Leutnant Ziobek (1. Seebataillon), Reserve-Leutnant Thiesmever, Leutnant der Reserve Bendix, Marine-Ober-Assistenz- arzt Dr. Velten, vom Habicht; ferner von der Schutztruppe: Feldwebel Karl Bach, Feldwebel Hermann Nitschke, Unteroffizier Paul Kiel, Gefreiter Michael Wolf, Gefreiter Friedrich Ölte». Vom Januarersatz 1904; die Reiter Wilhelm Albrecht, Otto Förster, Hermann Graschopp, Hilfstrompeter Hermann Woderich, Reiter Michael Schanz, ferner von der zweiten Matrosendivision der Signalmaat Wrocklage, der Boolsmannsmaat Heldtke und der Obermatrose Elers, sämtlich vom „Habicht", Sergeant Bennewies-Eilbeck, außerdem Ersatzreservist Tierarzt Sepp, Landwehrmann August Ahlenberg-Elbing, Landwehrmann Sieg- mann-Gummersbach, Invalide Oskar Bachmanu-Berlin, Vizefeldwebel der Reserve Bernhard Wollstein-Mühl- Heim (Ruhr). Leicht verwundet ist Major Glasenapp durch einen Streifschuß am Hinterkopf, ferner der Adjutant Leutnant Schäfer, der Oberleutnant, z. S. Herrmann vom Habicht, der Landwehrgefreite Wilhelm Schmidt-Gollendorf und der Landwehrgefreite Johann Seene-Friednchsfeld. und über naß — hoffentlich hat das kalte Bänd^ihm nicht geschadet."
„Wohl kaum," meinte die Haushälterin lächelnd, „Donald ist abgehärtet. Es will mir aber gar nicht in den Kopf, daß er bem gnädigen Fräulein unhöflich begegnet sein soll — er ist sonst so höflich und bescheiden, daß jeder ihn gern hat, ich kenne ihn schon seit seiner Geburt, denn wie ich schon sagte, bin ich seit dreißig Jahren hier im Dienst und meine' Mutter war gleichfalls Haushälterin auf dem Lindenhof."
„Da müssen Sie sich ja hier wie zu Hause fühlen," meinte Elly herzlich.
„Das ist auch der Fall," versetzte die Haushälterin mit feuchten Augen, „und Herr Alan sowohl wie seine Schwestern sind mir so lieb, als wären's meine eignen Kinder.
„Besitzen Sie nicht Photographien von den Geschwistern?" fragte das junge Mädchen lebhaft.
„O ja, gnädiges Fräulein — das heißt, von Herrn Pierrepoint habe ich nur eine ganz alte Photographie, aus der Zeit, ehe er nach Oxford ging, aber von Lady Dane und der Gemahlin Serville habe ich neue und sehr gute Bilder. Wenn Sie mich einen Augenblick entschuldigen wollen, hole ich die Photographien — sie hängen oben in meinem Schlafzimmer," und damit entfernte sich Frau Barton. Gleich darauf klopfte es und auf Elly's „Herein" trat der Förster, von Leo begleitet in's Zimmer,
— Der erste Zug für den öffentlichen Verkehr auf der Schantungbahn ist Mittwoch Nacht in Tsinanfu angekommen. Der Zug, worin über 20 Deutsche waren, war mit deutschen und chinesischen Flaggen geschmückt. Die 252 englische Meilen betragende Strecke Tsingtau-Tsinanfu ist in 14 Stunden zurückgelegt. Bei der Ankunft des Zuges spielte die Kapelle des Gouverneurs Choufu; auch wurde Feuerwerk abgebrannt.
— Am Freitag morgen um 3 Uhr wurde in Lüttich gegen das Haus des Polizeikommissars Laurent, des Chefs der Sicherheitspolizei, ein anarchistisches Bombenattentat verübt. Neun Personen wurden schwer verletzt.
— Zu dem in Lüttich gegen das Haus des Polizeikommissars Laurent versuchten Attentat wird weiter gemeldet: Die Bonibe, die vor dem Hause Laurent« gefunden wurde, explodierte in dem Augenblick, als der Artilleriekommandeur Patyr sie in einem benachbarten Garten bringen lassen wollte, um sie einer Prüfung zu unterziehen. Etwa 30 Personen hatten sich angesammelt, von denen 7 Personen verletzt wurden, darunter vier schwer. Das Wohngebäude Laurents ist verwüstet. In der Nachbarschaft sprangen zahlreiche Fensterscheiben. Kommandeur Patyr mußte sich der Amputation beider Beine unterziehen. Unter den Verwundeten befinben sich drei Polizeibeamte, je ein Feldmesser und Buchdrucker.
Mal« und Provinzielles.
Schlächtern, 22. März 1904.
—* Frühlings Anfang ist da! Kalendermäßig wenigstens, denn am 2L März trat die Sonne in das^Feichen des Widders und damit ist die Frühlings- Tag- und Nachtgleiche herbeigekommen. Es muß nun Frühling werden, wenn vorläufig in der Natur auch noch wenig von il m zu merken ist. Bald aber wird es nun zu grünen und zu sprießen anfangen in Flur und Hain, im Garten und Feld, drängen ja die ersten Knospen an den Zweigen, die ersten Kinder Flora« sich schon hurtig zum Licht, sodaß wir uns der frohen Hoffnung hingeben dürfen, das fröhliche nahe bevorstehende Osterfest im ersten lichten Schmucke des Lenzes begrüßen und feiern zu können.
—* Die Reichspostordnung wird vorn 1. April ab dahin abgeändert, daß Karten oder Drucksachen mit Nachnahme an Sonn- und allgemeinen Feiertagen nicht mehr zur Einlösung vorgezeigt werden, wenn sie nicht den Vermerk „Durch Eilboten" oder eine andere Bestimmung tragen. Von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh findet eine Eilbestellung nur dann statt, wenn „auch Nachts" beigeMgt ist.
* Am Freitag Morgen gegen 6 Uhr verschied in Wächtersbach ganz unerwartet an den Folgen eines Herzleidens Prinz Max zu Usenburg-BüdingenWächters,
„Herr PierrepointläßtDem Fräulein sagen," begann er höflich, „er hoffe in spätestens zwanzig Minuten das Fräulein nach Hause begleite» zu können — falls aber das Fräulein früher heimzukehren wünschen sollte, bin ich beauftragt, mitzugehen.
„Ich lasse Herrn Pierrepoint bestens danken, aber ich muß sobald als möglich heimkehren — meine Mutter wird sich ohnehin schon ängstigen. Jst's denn noch so neblig? Wenn nicht, kann ich sehr gut allein gehen."
„Der Nebel ist eher noch dichter geworden, Fräulein, und Herr Pierrepoint schärfte mir dringend ein Fräulein Wilson jedenfalls nach Buchegg zu begleiten."
„Ich bin Herrn Pierrepoint sehr dankbar für seine Freundlichkeit — hoffentlich hat das kalte Bad Ihnen nicht geschadet?"
„Nicht im mindesten, Fräulein, danke; wann soll ich bereit sein, Fräulein?"
„Sobald als möglich, wenn Sie so gut sein wollen."
„Schön, so werde ich Frau Barton um einen Korb für die Katze bitten — im Korb trägt sie fid; leichter und Perry wird auch nicht zu Fuß heimgehen wollen."
„Ach nein," mußte Elly zugeben, „wo fanden Sie denn Leo?''
Fortsetzung folgt.