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Erscheint Mittwoch und Samstag.
23. ~
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Deutsches Deich.
— Die Vorbereitungen zum Empfange der Souveräne werden mit Eifer betrieben. Die Dampfer „König Albert", mit dem Kaiser an Bord, wird vor der Ankunft des königlichen Zuges in Vigo eintreffen. Infanterie ist bereit dort angekommen, um aus dem Wege, den die Monarchen nehmen, Spalier zu bilden.
— Se- Maj. der Kaiser hat neuerdings ein Ge- denkblatt entworfen, das für die Hinterbliebenen derjenigen Schuhtruppenangehörigen bestimutt ist, welche während des gegenwärtigen Herero Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika den Heldentod gestorben sind bezw. dort noch fallen werden. Das künstlerisch hergestellte Gedenkblatt wird gleichzeitig, mit der amtlichen Todesanzeige an die betreffenden zur Versendung gelangen.
— Ueber den neuen Verstärkungstransport für Südwestafrika erfahren Berliner Blätter: Wie bei den früheren Transporten findet die Einkleidung der Mannschaften in Berlin statt. Am 22. März wird die erste Abteilung in Stärke von 400 Mann nach der Einkleidung absahren; die beiden übrigen Abteilungen von je 300 Mann sollen am 30. März und am 5. oder 6. April folgen. Ende April werden demnach die 1000 Mann Verstärkungen in Swakop- mund gelandet sein und teilweise schon im Felde stehen. Es werden Freiwillige aus allen Armeekorps genommen. Ob man sich für die Mitnahme deutscher Pferde (insgesamt 1200) oder für australische entscheiden wird, die vielfach für geeigneter gehalten werden, ist noch nicht bestimmt.
— In der Sitzung des Bundesrats vom 14. März wurden die Beschlüsse des Reichstages zu dein Entwurf eines Gesetzes, beireffend die Rechtsstellung des Herzoglich-Holsteinischen Fürstenhauses zur Kenntnis genommen. Die Vorlage betreffend den Entwurf einer Bekanntmachung über den bei dem Kaiserlichen Aufsichtsamte für Privatversicherung bestehenden Versicherungsbeirat wurde dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Den Ausschußberichten a. den Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung eines zweiten Nachtrags zum Reichshanshaltsetat für das Rechnungsjahr 1903, b. den Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung eines zweiten Haushaltsetat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1903, c die zweite Ergänzung des dem Reichstage vorliegenden Entwurfs ■ des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1904, d. die zweite Ergänzung des dem Reichstage vorliegenden Entwurfs des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1904, ferner den Ausschußberichten über: a. die Vorlage betreffend die Neuprägung von 20 Millionen Mark in Kronen, b. die Vorlage betr. die Ausprägung von 2 Millionen Mark in Fünf- pfennigstücken wurde die Zustimmung erteilt.
Sein D-ppelglingev
B»m«n von Dorothea M. Corhonld.
Nachdruck verboten.
Elly's Bemühungen waren von Erfolg gekrönt und bald schritt sie mit Leo unter breitästigen Linden dahin. Leider i er ward es immer dunkler um sie her und trotz aller Anstrengung vermochte sie das nach Buchegg führende zweite Tor nicht zu finden. Bald rechts, balb links spähend, verlor sie vollends die Richtung, plötzlich fühlte sie Kiesweg unter ihren Füßen — sie war also vermutlich in die Nähe des Wohnhauses geraten. Jetzt meinte sie auch Schritte zu vernehmen und kurz entschlossen eilte sie in der Richtung derselben vorwärts, allein die Schritte verhallten und Elly empfand wirklich etwas wie Furcht. Da fiel ihr ein, daß eS Leo ein Leichtes sein werde, die Menschen deren Schritte sie vorhin vernommen, zu erreichen, und so rief sie auffordernd: „Such! such! Leo!"
Ob. der Hund sie verstand? Jedenfalls schoß er wie gejagt davon, den Kiespfad entlang und Elly folgte ihm, so schnell sie dazu im Stande war. Jetzt iah pe in der Ferne einen schwachen Lichtschein auf- flimmern und mit neuem Mut eilte sie weiter; plötzlich stieß ihr ^uß an etwas Festes und als sie sich bückte, um zu untersuchen, welcher Art das Hindernis sei entdeckte sie, daß sie an einer Flucht steinerner «Stute stand. —
— Der bremische Bundesratsbevollmächtigte stimmte, wie verlautet, für die Aufhebung des § 2 des Jesulten- gesetzes.
Ausland.
— Ueber den Aufstand der Herero schreibt ein Sachse, der Sergeant der Landsturm-Kompagnie 3ß. Abraham, an eine Dresdener Familie: Bei dem Aufsland sind einige hundert Deutsche ermordet worden. Wir mußten fliehen und haben nur das nackte Leben gerettet. Unsere Farm in Hastames, die ich mir durch unermüdliche Tätigkeit erworben hatte ist vollständig von den Herero geplündert. worden. Das Haus ist demoliert, Kleider und Wäsche und das ganze Vieh gestohlen, die Möbel zertrümmert. Ebenso wie uns geht es fast allen Ansiedlern. Nur wenige von den Farmern sind am Leben geblieben. — Der Briefschreiber, der als Oberlazarettgehilfe bei der Artillerie in Dresden 12 Jahre gedient hatte, ging seinerzeit mit dem Chefarzt Dr. Lippert als Oberaufseher des Jmpfamtes nach Südwestafrika.
— Der König von Schweden ist am 14. März von dem am Bahnhof erschienenen Publikum lebhaft begrüßt, nach Vigo abgereist.
— Der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika sind unter dem 10.. März vom Kaiser drei neue Offiziere zugeteilt worden, und zwar Oberleutnant Mandfeld im 46. Infanterie-Regiment in Posen, Leutnant Lange vom 3. Eisenbahn-Regiment in Berlin und der bayerische Leutnant Lutz vom 16. Infanterie- Regiment.
— Ein Telegramm des Generalstabschefs des Generals Schilinsky vom 14. März meldet: Am 8. März bemerkte eine unserer Patrouillen am Flusse Tschintschangan 4 feindliche Posten mit einer Abteilung Kavallerie, welche Aufklärungsdienst vornahm. Bei Paktschan fiel eine japanische Kavalleriepotrouille in einen ihr von einer unserer Patronillen gelegten Hinterhalt. Sie wurde zersprengt und verlor einen Mann. Auf dem von ihr zurückgelegten Wege fand man Kapseln mit Schießbaumwolle, Säbel und Decken. Der Kommandant der koreanischen^ pen in Jtschin erklärte sich bereit, die Waffen aus^auefern und seine Truppen zu entlassen; er behielt nur 20 Mann unter Waffen. Die Bevölkerung der Mandschurei verhält sich ruhig. In der Nacht vom 11. März beleuchteten die feindlichen Schiffe mit Scheinwerfern die Helen- abay und die Ufer gegenüber von Söntschön. Nach zuverlässigen Erkundigungen sind feine Japaner nördlich von Gensan gelandet. Die Bevölkerung längs des Tumenfluffes sympathisiert mit uns.
— Im Rayon ist alles ruhig. Von« Kriegsschauplatze ' zu Lande liegen keine Meldungen vor. Offenbar beschränkt man sich dort auf Erkundungen.
„Ich summe mir vor, wie die Prinzessin im Märchen, die auf einmal vor dem Zauberschlosse stand/" lachte Elly vor sich hin und damit schritt sie tastend und vorsichtig die Stufe . hinan. Jetzt ward es ihr klar, daß sie auf einer Terrasse stand; die tastenden Hände fühlten glattes Gestein und dann fuhren sie über eine geschnitzte Holzfläche, die offenbar eine Tür war. Sie suchte nach dem Türgriff; Gottlob, da hatte sie einen schweren, metallenen Klopfer erfaßt und im nächsten Augcnblick fiel derselbe schmetternd gegen die Türfüllung. .
Hinter der Türe hörte sie rufen: „Schnell, Martin, sehen Sie nach - man poebt an die Gartenpforte." — Danu ward ein schwerer Riegel zurückgeschoben und ein Diener in dunkler Livree schlug die Türflügel beiseite. Elly blickte in einen dunklen Korridor und sagte hastig zu dem sie erstaunt anschauenden Diener: „Ich habe mich im Nebel verirrt und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir den nächsten Weg nach Buchegg zeigen wollten — ich bin Fräulein Wilson von Buchegg."
Der Mann blickte die unerwartete Erscheinung verwundert an und sagte dann höflich. „Bitte, treten Sie näher, Fräulein^ — ich bin hier fremd und kenne den Weg nach Buchegg nicht, aber ich will gleich meinen Herrn fragen."
„Wer ist denn Ihr Herr?"
„Herr Pierrepvint, Fräulein."
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Samstag, den 19. März 1904.
55. Jahrgang.
Males und Provinzielles.
Schlächtern, 18. März 1904.
—* Die Versammlung des hiesigen landwirtschaftlichen Kreis-Vereins, vergangenen Mittwoch, war recht gut besucht aber auch recht interessant und belehrend. Wir teilen aus derselben kurz Folgendes mit:
Rechnungsablage und Geschäftsbericht: Referent Herr Rentmeister Pfalzgras. Mitgliederzahl 322. Kassenumsatz in 1903 = 77 000 Mk. Verein-vermögen 6600 Mk. Der An- und Verkauf von Futtermittel, Düngemittel und Saatgetreide ist erfreulicher Weise auch gegen das Vorjahr weiter zurückgegangen und wird empfohlen, solchen noch weiter einzuschränken und sich immer mehr auf die Erzeugnisse in der eigenen Wirtschaft zu verlassen.
Simmentaler Viehzucht: Referent Herr Zuchtinspektor Kohlhepp hält es für wünschenswert noch einige recht gute Originaltiere einzuführen, jedoch eile es hiermit nicht, erst müsse noch mehr aufklärend bezüglich Fütterung und Pflege gewirkt werden. Der Herr Vorsitzende teilt mit, daß wohl 5 bis 6 Stück erstklassige Zuchtstiere mit größerer Unterstützung seitens der Regierung in diesem Jahre angekanft werden müßten und es sich empfehle, bei dieser Gelegenheit amb einige weibliche Zuchtiere mitzubringen.
Ausstellung in Fulda am 15. bis 17. Juli.
Es wird beschlossen, die Ausstellung recht zahlreich zu beschicken und zwar mit reinblütigen Simmentalern nnd Simmentalern Kreuzungen. Eine Krmmission von drei Mitgliedern wurde gewählt, um diese Angelegenheit weiter zu bearbeiten. Hieran schloß sich der Vortrag des Herrn Direktors Schoppmann von der landwirtschaftlichen Schule in Fulda, über Einschränkung des Ger .mebaues, Vermehrung des Futterbaues und der Viehzucht. In klarer übersichtlicher Weise nicht allein theoretisch sondern an praktischen Beispielen zeigte uns der Referent, wie man den Getreidebau einschränken müsse, ohne auf geringere Ernte zu rechnen, sodann wie man den Futterbau und die Viehzucht vermehren und dadurch seinen ganzen landwirtschaftlichen Betrieb haben könne. Lebhafte!« Dank erntete der Vortragende und die sich anschließenden Diskussionen ließen erkennen, daß der Vortrag seine Nachwirkungen haben wird.
~ * Am 10. März fand im Saale des Rathauses in Salmünster die dritte Bürgermeisterwahl statt. Es wurde Herr Stadtsekretär Schwer aus Espe in Westfalen einstimmig zum Bürgermeister auf 12 Jahre gewählt. • ^
* Der Frhr. v. Stumm'sche Forstkassierer Kalkhof in Ramholz würbe zum Oberförster ernannt.
* Am Dienstag Vormittag 9'/- Uhr sollte in Frankfurt die erste Vernehmung des am Montag Abend von Hamburg eingelierferten Stafforst durch den Untersuchungsrichter Landrichter Dr. Cäsar
Elly sagte nichts weiter und folgte dem Diener durch den Korridor in die stattliche, wappengeschmückte Halle. . Inmitten derselben stand ein bis zur Decke reichender, altertümlicher Fayenceofen, in welchem ein helles Feuer prasselte; obgleich es erst Ende September war, konnte man die behagliche Wärme ganz gut vertragen. Vor dem Ofen lag auf einem Pantherfell Ell's alter Bekannter — Sultan. Er erhob sich schweifwedelnd, um die junge Dame zu begrüßen und dann an ihrem Mantel, welcher Perry und Fisi barg, umherzuschnuppern. Elly ließ Perry zur Erde gleiten und wandte sich dann an den Diener mit der Frage ob man ihren Hund, einen großen Neufundländer nicht gesehen habe? Er sei auf ihren Befehl aufs Haus zugelaufen, aber nicht wiedergekommen.
„Ich werde mich gleich nach dem Hunde umsehen, Fräulein," sagte der Diener, „vielleicht nehmen Fräulein inzwischen hier Platz - der Herr ist mit bem Tierarzt drüben in der Bibliothek."
Elly ließ sich müde in den Sessel gleiten und der Diener entfernte sich; eben war die junge Dame zu dem Entschluß gekommen, sich zu entfernen, sobald Leo gesunden war, als sich eine Türe am oberen Ende der Halle öffnete und eine ältliche Frau in schwarzem Gewand und weißem Häubchen und schwarzer Seiden- schürze — offenbar die Haushälterin — eilig auf Elly zukam.
Guten Abend, gnädiges Fräulein," begann die Haushälterin zuvorkommend, „Herr Pierrepoint läßt