Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 16 Pfg.
Mittwoch, den 16. März 1904. 55. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Se. Maj. der Kaiser trat am 12. März vormittag nach herzlichster Verabschiedung vom Prinzen Heinrich seine Mittelmeerreise auf dem Lloyddampfer „König Albert" an.
— Wie am 12. März mittags von Bremerhaven verlautet wird, ging der Dampfer „König Albert" mit dent Kaiser an Bord wegen, dichten Nebels bei Meyerlegde an einer engen Stelle des Weserfahrwassers vor Anker.
— Die „Voss. Ztg." meldet aus Madrid: Es wird amtlich bestätigt, daß König Alfons sich nad) Vigo begeben wird, um dort am 16. d. M den Deutschen Kaiser zu begrüßen. Die Reise dauert fünf Tage. Bei der Zusammenkunft wird, wie man erwartet, der Besuch des jungen Königs in Deutschland besprochen werden, der schon im vorigen Jahre angekündigt wurde, als der Kaiser dem König das 66. Infanterie-Regiment in Magdeburg verlieh und eine spanische Deputation das Regiment begrüßte.
— Das „B. T." meldet aus Madrid: Zum Empfang Kaiser Wilhelm reist der König am Montag nach Vigo, wo er an Bord der „Giralda" Wohnung nimmt, auch der Panzer „Pelajo" ist dorthin beordert. Die Militär- und Marinebehörden von Vigo wollen dem Kaiserschiff entgegenfahren, Lotsen sind nach den Ousinseln beordert.'
— Se. Maj. der Kaiser wird schon am 15. März in Vigo erwartet. König Alfons reiste schon am 14. März zur Begrüßung des Monarchen dorthin, begleitet vom Prinzen von Asturien, dem Marineminisier, den Mitgliedern des Militärkabinetts, dem Bautenminister und dem deutschen Botschafter v. Radowitz. Zwei spanische. Panzerschiffe und drei Torpedoboote sind gsv.. feierlichen Empfange des Kaisers nach Vigo beordert, an Bord eines der beiden Panzerschiffe wird dem Kaiser ein Frühstück gegeben werden. Su Privat- dampfer, die im Hafen von Vigo liegen, legen zu Ehren des Deutschen Kaisers reichen Flaggen- und Blumenschmuck an und werden abends illuminiert. Die gesamte Presse veröffentlicht begeisterte deutschfreundliche Artikel. Dazu meldet das „B. T." aus Madrid, daß der Zuzug nach Vigo ungeheuer sei. Schon seit Tagen sind keine Zimmer mehr zu haben. Ueber hundert beflaggte Fischdampfer sollen das Kaiserschiff bei der Ausfahrt begleiten.
Ausland.
— Die Verstärkung für Südwestafrika, welche sich als notwendig infolge der weiteren Ausdehnung des Ausstandsgebietes als nötig erwiesen hat, soll so bald wie möglich abgehen und aus 800 Mann und tausend Pferden bestehen. Die Hälfte Pferde soll — nach der „Tgl. Rdsch." — aus Ostpreußen bezogen werden
Sein S-ppelgängep
Vornan von Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
Dies erwies sich weit schwieriger, als das Hinübergelangen, denn mit der einen Hand mußte der Förster die Katze festhalten und dabei war Fifi recht ungeberdig und strebte immer wieder zu entkommen. Elly stand unruhig am anderen Ufer des Baches und schaute besorgt auf den Baumstamm, der bei jedem Schritt krachte und knackte. Schon hatte dec Förster die Mitte der schwanken Brücke passiert, als Fifi einen erneuten Fluchtversuch machte; in dem Bestreben, sie festzuhalten, verlor ihr Retter das Gleichgewicht und während Elly laut aufschrie, plumpste der Förster samt der Katze in den Bach. Fifi miaute erbärmlich, als der junge Mann sie hoch empvrhob, um sie vor dem Ertrinken zu schützen; im nächsten Augenblick klomm er lachend und sich schüttelnd ans User und Ellv atmete tief auf, als sie halb schluchzend und doch lachend sagte: „O, ich danke Ihnen recht sehr ■— toenn der Sturz in's Wasser Ihnen nur nicht schadet! Ach und Ihre Hand blutet. Fifi hat Sie zum Dank auch noch gekratzt! Pfui, Du häßliches Tier — ich muß mich Derner schämen," und bannt ohrfeigte Elly das Kätzchen, welches sich zitternd und fröstelnd in den Regenmantel seiner Herrin verkroch und die Züchtigung ruhig hinnahm,
während die andere Hälfte aus gedienten Kavalleriepferden bestehen würde.
— Eine Division des italienischen .Mittelmeer- Geschwaders hat den Befehl erhalten, sich reisefertig zu halten, um dem deutschen Kaiser entgegenzusal ren und ihn zu begrüßen.
— Das russische Kaiserhaus hat auf seine Ansprüche auf die eventuelle Thronfolge in Oldenburg an das Herzoghaus von Schleswig-Holstein abgetreten,
— Ueber den Angriff auf Port Arthur vom 10. ds. Mts. berichtet Admiral Togo: Zwei Torpedobootsflottillen näherten sich nachts 1 Uhr der Hafeneinfahrt. Während eine Flottille Almen auslegte, stieß die andere Flottille südlich von WuHschan aus 6 russische Torpedoboote und hatte ein halbstündiges Nahgefecht, wobei die feindlichen Schiffe sehr beschädigt wurden. Der Feind ergriff, die Flucht. Die Japaner hatten 8 Verwundete und 7 Tote. Von den japanischen Schiffen wurde keines außer Gefecht gesetzt. Die andere Flottille hatte beim entfernen von der Hafeneinfahrt ein einstimmiges Gefecht mit zwei von See kommenden russischen Torpedobooten, von denen eins nach schwerer Beschädigung entkam, während der Torpedojäger „Steregutschi" sank,, nachdem Die Mannschaft von dem japanischen Torpedojäger Sazami auf- genommen worden war. Die Japaner hatten 3 Tote und 3 Verwundete. Das eintresfende japanische Geschwader beschloß hierauf vier Stunden das Hafeninnere Port Arthurs mit Erfolg. Auch die russischen Batterien eröffneten Feuer, beschädigten jedoch kein japanisches Schiff. Ein anderer japanischer Kreuzer ging nach Talienwan und beschoß das Fort Sam- schautas, wobei verschiedene Häuser beschädigt wurden. Ein russischer Torpedobootzerstörer, welcher beim dritten japanischen Angriff beschädigt wurde, scheiterte vyll- ständig. Um 2 Uhr mittags stellten die japanischen Schiffe das Feuer ein und begatten sich zum Sammelplatz zurück.
Male» und Provinzielles.
Schlächtern, 1 k>. März 1904.
—r Wie bekannt hielt der hiesige Kriegerverein am letzten Sonntag eine theatr. Abendunterhaltung ab. Wir wollen nicht unterlassen allen Mitspielenden den besten Dank aussprechen, sür den heiteren Stunden. Recht gut ist das Couplet „Der Stolz der 4. Kompagnie" ausgefallen. Fräulein Lina und Luise Eckardt entfalteten wieder wie immer bei solcher Gelegenheit ihre Sangeskunst und ernteten reichen Applaus. Das Lustspiel „Der Herr Leutnant kommt" wurde sehr gut gespielt, ein jeder Zuschauer mußte, wenn er auch nicht wollte, lachen, wenn er den Großbauer mit jeinen urkomischen Geberden ansah. Auch die übrigen Spielenden in diesem Stück taten ihr bestes zum Gelingen desselben. Nachdem noch einige Gesangstücke
„So, Puff --- nun wollen wir uns sputen," meinte der Förster, lachend seinen triefenden Anzug betrachtend, „ich habe die Ehre, mich zu empfehlen, Fräulein!"
Die elegante Bewegnung, mit welcher der junge Mann sich verabschiedete, erschreckte Elly fast noch mehr, als es sein unverhoffter Sturz ins Wasser entschwunden war, stand sie noch auf demselben Fleck und starrte ihm nach.
3. Kapitel.
„Ja, Fifi — Du hast gut schnurren," unterhielt sich Elly beim Heimweg mit ihrem Kätzchen, erst bringst Du mich in die fatalsten Situationen und dann tust Du, als ob Du die Unschuld selbst wärst. Wen» der Mensch nur nicht so verzweifelt fein und elegant aussähe — man muß sich förmlich, scheuen, ihm Geld anzubieten, und doch kann ich nach bem Dienst, den er mir heute geleistet hat, nicht anders — ich muß ulich ihm erkenntlich zeigen! Woher er nur dies kavaliermäßige Benehmen hat! Vermutlich bewegt er sich häufig in Gesellschaft seines Herrn, der ja nach Blanche's Aeußerungen ein Phänomen sein muß! Nun, mit der Zeit werde ich ihn wohl auch noch einmal zu sehen bekommen!"
Elly schritt tapfer aus, aber sie konnte sich doch nicht verhehlen, daß es ein sehr weiter, ermüdender Weg sei; dazu kam, daß die Dämmerung des Herbst- abends immer intensiver wurde, ein dichter Nebel lag über der Haide, als die junge Dame daS Cumberland-
vorgetragen wurden „Gebirgsluft" gege gelungene Stücke h/ und ernteten be^ Besucher (Anmer«. Vereinsmitglieder •' ging mit dem B gründlich auSgA heutigen Inserate:' Wunsch die Abem und zwar nächsten f resp, den Theaterspi ein Teil des Rempe: Süd-Westafrika befti
—* Der Handwef Sonntag eine theatraj Verein hat alles a
arbe als Schlußstück der Schwank Die Spieler bei diesem äußerst ich ganz besonders ausgezeichnet hlreichen Beifall. Ein jeder '-etzers: Leider waren die geringer Zahl vertreten) nach Hause, sich einmal 'haben. — Wie aus dem -tlich, soll auf vielseitigem mg nochmals startfinden ;ir wünschen dem Verein echt volles HauS, zumal ie Krieger in Deutsch-
rohsiun hält nächsten mterhaltung ab. Der 'en ihn« besuchenden ":eten. Da wir noch
Gästen einige frohe C
kein Programm in . ... .a, können auf nähere
Einzelheiten wir lütter nicht eingehen.
—* Wie man uns mitteilt, wird in einigen Wochen ein Automobilklub eine Preisfahrt von Bres- lau nach Frankfurt a. M. Veranstalter,, die auch über Schlächtern führen soll. Nähere Angaben über den
Tag der Preisfahrt, werden folgen.
—* Gesellenprüfung für Gold- und Silberschmiede. Alle Prüflinge des genannten Handwerks, welche ihre Prüfung demnächst oblegen wollen, haben sich in der Zeit vom 15. März bis 15. April 1904 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen LebenslaufeS, des Lehrvertrags, sowie des LehrzeugnisseS bei dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses Herrn LouiS Beschor, Hanau, Leipzigerstraße 57, zu melden.
- * Die Vereinigung mehrerer Packete zu einer Postpacketcwresse ist für die Zeit vom 27. März bis einschließlich 3. April im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. Auch für den Auslandsverkehr empfiehlt es sich im ■ Interesse des Publikums, während dieser Zeit zu jebem Packete besondere Begleitpapiere auszu- ferligen.
* Die an der Kinzig gelegenen Städte und Dörfer deS Kreises Gelnhausen sind von der Behörde angewiesen worden, schleunigst die jetzt wasserfrei gewordenen Kinzigwiesen daraufhin obsuchen zu lassen ob dort etwa Gegenstände zu finden sind, welche bem Um bekannten gehören bezw. mit dem an ihm begangenen Verbrechen in Verbindung stehen könnten. Der Unbekannte ist möglicherweise ein Arbeiter Wilhelm Gorth, welcher Anfang Januar d. J. aus Weiperz verschwunden ist und der Kleidung nach, ebenso wie die Leiche aussah, beschrieben wird.
* Die Geweihausstellung in Frankfurt a. M. wird in den prachtvollen Lokalitäten deS Hauses „Zum Reichsadler", Herrn Georg Lönholdt gehörig, Kaiser- straße 48, Eingang von der Weserstraße stattfinden. Moor erreichte, und um Elly's Mißhagen zu weigern, legte sich Perry jetzt plötzlich platt vor ihre Füße und erklärte ihr stumm, aber dennoch sehr deutlich, daß er zu müde sei, um noch einen Schritt weiter zu gehen. Elly kannte seine Art, und wenn sie ihn nicht verlieren wollte, mußte sie sich wohl oder übel bequemen, den Foxterrier gleichfalls zu tragen. Nachdem sie der Hund im KragenarmZ ihres Mantels untergebracht hatte — einen Platz, den er nicht zum ersten Mal entnahm, schritt Elly, von Leo gefolgt, vorsichtig über den das Moor durchschneidenden Pfad, seltsamerweise erschien ihr der Weg heute weit länger als sonst und auch die Umgebung bauchte ihr fremd.
„Leo, wenn wir uns nur nicht verirrt haben," meinte sie endlich steheubleibeud und sich vergeblich bemühend, sich in bem dichten Nebel zu orientieren. Leo indeß trottete ruhig weiter nud so tat Elly nach kurzem Zögern dasselbe; jetzt aber machte sie plötzlich Halt und blickte verwundert auf ein eisernes Gitter, welches
ihr entgegenftarrte.
„Wie merkwürdig — das scheint das Parkgitter vom Lindenhof zu sein," HUtrmelte das junge Mädchen vor sich hin; „wenn ich das Tor fände und schnell quer durch den Park bis zum anderen Tor schritte, könnte ich in einer Viertelstunde daheim sein. Komm', Leo — wir riskierend — das Tor kann ja nicht weit sein."
Fortsetzung folgt.