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Samstag, den 12. März 1904

Erschunt Mr.t och und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Amtliches.

J.-Nr. 766 K.-A. Der Wagner Georg Stoppel zu Bellings beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Bellings belegenem Grundstücke (Gartenblat B. Par­zelle Nr. 166) einen Dampfkessel aufzustellen.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in' zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zu Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau

Montag den 28. März d. Js.

Vormittags 11 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des KreiSaus- schusses eingesehen werden.

Schlächtern, den 8. März 1904.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Roth.

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Deutsches Reich.

Das Armee - Verordnungsblatt veröffentlicht einen Armeebefehl des Kaisers, in dem es heißt:

Gottes Fügung hat Mir, Meinem Heere und dem Vaterlande durch den Tod Meines General- Adjutanten, des General-Feldmarschalls Grafen von Waldersee, General-Inspekteurs der III. Armeeinspxk- tion einen schweren Verlust auserlegt. Mit aufrichtigem Schmerz beklage ich das Hinscheiden dieses in so vielen besonders wichtigen Stellungen rühmlichst bewährten ManäeS. Er war mir ein durch langjährige Be- | ziehungen persönlich nahestehender Freund, in ihm verliere Ich einen verehrten Lehrer, dem Ich meine Ausbildung auf dem Gebiete der Strategie und Taktik verdanke. Dicht wärmster Dank geleitet ihn zu seiner

letzten Ruhestätte. Den Empfindungen Meiner Armee, die mit unbedingtem Vertrauen auf diesen hochverdien­ten Führer blickte, wird es entsprechen, der Trauer um seinen Verlust sichtbar Ausdruck zu geben. Es folgen dann Bestimmungen über die Armeetrauer, die Trauerseier in Hannover und die Beisetzung in Wa- terneverstorf bei Lütgenburg (Holstein).

Die Mittelmeersahrt des Kaisers und die damit verknüpften Besuche italienischer Küstenstädte sind nun­mehr, wie man derPost" aus Rom meldet, offiziell i angekündigt. Der Kaiser wird am 24. März an

- Bord desKönig Albert" in Neapel eintreffen und sich dann an Bord der Kaiserlichen JachtHohen- zollern", die sich bereits auf der Fahrt in Neapel

Sein Doppelgänger

Voman von Dorothea M. Corhould.

Nachdruck verboten.

O, Manche, das hast Du nicht gesagt."

Weßhalb denn nicht? Ich sage Dir, es hat ihn i königlich amüsiert!"

Nun, wenn seine Leute fortfahren, den Weg zu benutzen, werde ich einschreiten und das wird ihn nicht amüsieren," sagte Elly verstimmt.

Elly, Tu nimmst dir Sache viel zu tragisch," mischte Frau Wilson sich jetzt in das Gespräch,Herr Pierrepomt hat entschieden nicht die Absich, Dir etwas tn den Weg zu legen. Er bat mich um die Erlaubnis, uns seinen Besuch machen zu dürfen, und äußerte, es würde uns vielleicht interessieren, den Lindenhof, der ein interessantes, historisches Bauwerk aus den Zeiten der Kämpfe der beiden Rosen sei, zu besichtigen. Herr | Pierrepomt scheint sehr befreundet mit Lady Mauvers gewesen zu sein und in stetem Verkehr mit ihr ge­standen zu haben."

Woraus noch nicht folgt, daß wir auch in stetem Verkehr mit ihm stehen werden," fiel Elly der Mutter abweisend in die Rede.

Frau Wilson zuckte schweigend die Schultern, Blanche aber rief spöttisch:Elly, wenn Du so bär­beißig bist, wird's keinem nach Verkehr mit Buchegg ' gelüsten. Herr Pierrepoint erkundigte sich wie bei­läufig danach, ob wir beide uns ähnlich sähen, ich

befindet, begeben. In Sizilien, das Kaiser Wilhelm gleichfalls besuchen wird, werden Vorbereitungen für eine würdige Begrüßung dcS Monarchen getroffen.

-- Der Bundesrat hat in der Sitzung vom 8. März dem vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwürfe be­treffend Aufhebung des § 2 des Gesetzes über den Orden die Gesellschaft Jesu vom 4. Juli 1872 zu­gestimmt.

Zur Frage der Kaufmannsgerichte hat der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte zu Berlin in einer Mitgliederversammlung erklärt, daß Kaufmannsgerichte, auf deren Zusammensetzung die weiblichen Handlungsgehilfen keinen Einfluß haben, für sie wertlos seien, und daß sie den gegenwärtigen Zustand für besser halten, als Kaufmannsgerichte ohne Wahlrecht der Frauen. Zu dieser Anschauung kam die Versammlung, weil sienach den in letzter Zeit erfolgten Verdächtigungen der Vorstände von Hand­lungsgehilfenvereinen, in denen die arbeitende Frau, soweit das Handlungsgewerbe in Betracht kommt, als geistig und sittlich minderwertig hingestellt wird, zu einem großen Teil der männlichen Handlungsgehilfen nicht daS Maß von Vertrauen in deren Objektivät besitzt, das notwendig ist, wenn das Kaufmannsgericht seinen Zweck erfüllen soll." Den maßgebenden Be­hörden und Körperschaften wird eine entsprechende Denkschrift übermittelt werden.

Ausland.

Ueber den Verkauf von Gewehren an die Hereros wird gemeldet: Dem Gouvernement von Deutsch-Südwestafrika wird neuerdings der Vorwurf gemacht, daß es an die Eingeborenen, besonders auch an die Herero im letzten Jahre grcße Mengen von Präzffionswasfen (Modell 71) verkauft habe; in Oka- haudja wären 1100 und in Wiudhuk öOO dieser Ge' wehre an die Eingeborenen verabfolgt worden, Die Zahlen werden, wie verlautet wohl stimmen; . die Flinten sind aber dort, wie er eine Verfügung vor- schreibt nur gestempelt worden. Jeder Besitzer, einer solchen Waffe muß sie stempeln lassen. Welchen Systemen diese Gewehre angehören, läßt sich nicht sagen. Sie werden wohl im höchsten Grade ver­schieden gewesen sein. Um einen Verkauf handelt es sich nicht.

Ein nach Petersburg gelangtes und vom Statt­halter Alexejew aus Mukden abgesandtes Telegramm meldete folgendes: Ich habe die Ehre, Euer Majestät folgende Einzelheiten über die Vorgänge vom 6. d. M. zu melden: Das feindliche Geschwader näherte sich gegen 11 Uhr vormittags Wladiwostok, nachdem es die Höhe der Insel 'Askold passiert hatte. Nach mehreren Aenderungen in seiner Schlachtordnung ließ es zwei Kreuzer nördlich von der Insel zurück, die übrigen Schiffe nahmen dann den Kurs auf die Ussuri-

glaube, er macht sich eine ganz merkwürdige Vor­stellung von Dir und hält Dich nach Deinem Nörge­leien über den Weg für eine griesgrämige alte Jungfer von etlichen 40 Jahren."

Meinetwegen auch," nickte Elly gleichmütig und dann lenkte sie die Unterhaltung auf die Dunbar's und die Nachbarfamilien, die heute an dem Gartenfest teilgenommen hatten.

Während der folgenden Tage überwand Blanche ihre sonstige Indolenz soweit, daß sie täglich lange Waldspaziergänge unternahm, in der stillen Hoffnung, Herrn Pierrepoint zu begegnen, eine Erwartung, die sich zu ihrem Bedauern nicht erfüllte.

Inzwischen hatte Dunstan die Plakate angebracht und das erste Resultat dieser Maßregel bestand in verschiedenen anonymen Beschwerdeschriften, welche an Elly's Adresse einliefen; Frau Wilson wurde hier­über sehr ärgerlich nieinte, Elly werde am besten tun, nachzugcben, eine Ansicht, welche Elly leider nicht teilte.

Als Elly nach ihrer Gewohnheit, von beiden Hunden begleitet, eines Nachmittags wieder im Wald umherstreifte, hörte sie plötzlich in einiger Entfernung ein klägliches Miauen. Sie blieb stehen und lauschte, richtig, da klang aufs neue das klagendeMiau" und ärgerlich murmelte Elly vor sich hin:Es ist Fifi gewiß hat James sie nicht eingesperrt, wie ich's ihm doch befahl waS tue ich jetzt hier mit dem dummen, kleinen Tier! Na Perry mag sie

bucht längs der Küste. Als daS Geschwader bei her Höhe deS St. Josef-Berges und der Ussuributterie angelangt war, dampfte es gegen die Batterie und eröffnete um 1 Uhr 35 Min. in einer Entfernung von 8 Werft das Feuer von zwei Seiten. Um 8 Uhr 20 Min. hörte das Bombardement auf. DaS Geschwa­der dampfte in südlicher Richtung in einer Entfernung von 10 Meilen rechts von der Insel ASkold ab und kam um 5*/» Uhr außer Sicht. Im ganzen hat der Feind etwa 200 Schuß abgegeben. Das Resultat ist gleich Null. Die Festungswerke und Verschanz»»««! sind unversehrt, die Beschädigungen in der Stadt un­bedeutend. Die Stimmung der Garnison ist ausge­zeichnet. Die Instandsetzung der Batterien zur Ver­teidigung geht in vollkommenster Ordnung vor sich. Nach einer Meldung wurde tags darauf das feindliche Geschwader um 8 Uhr früh wieder bei Wladiwostok gesichtet, fuhr in die Uffuribucht ein, wandle sich dann ohne zu feuern, nach der Richtung des Kaps Gamor und entfernte sich in südlicher Richtung.

' Lokales und provinzieller. Schlächtern, 11. März 1904.

* Au« dem Landtag. Unser Landtagsabgeyrd- neter Pfr, Meyenschein trug am 8. d. MtS. die Wünsche unseres Wahlkreises zum Eisenbahn-Etat unter dem Beifall des Hause» vor. Nebenbei die fast unerträglich gewordene und den Fortgang der Geschäfte hindernde Rede-Sucht geißelnd, führte er nach dem Stenogramm etwas folgendes aus : M. H.! ES kann der Frömmste nicht in Frieden leben, Denn es dem bösen Nachbar nicht gefällt und schließlich muß der Stillste zur Tribüne streben, hier, wo ein jeder seine Rede hält. Der Urwähler könnte sonst ja auf den Gedanken kommen. sein Abgeordneter täte überhaupt nicht« im Landtag. Freilich wissen glücklicherweise heute auch die meisten Urwähler, daßParlament" zwar Wn parier kommt, daß eS aber auch hier hauptsächlich auf'« Schaffen und keinesweges auf viel Reden ankommt. Des­halb und mit Rücksicht auf die durch aus nicht rosige Geschäftslage der Verhandlungen will ich mich bei der Vorbringung der bescheidenen Wünsche, die mein Wahl­kreis hier hat, wirklich kurz fassen. Ich hoffe aller­dings, daß ich als Aeqnivalent für diese Selbstbe­schränkung dann, wenn ich Gelegenheit habe, diese Wünsche zuständigen Orts und zu gegebener Zeit im Einzelnen zu vertreten, ein desto geneigteres Ohr dafür finde. Der in meinem Wahlkreis gelegene Badeort Orb bittet, daß die Station Wächtersbach unter die Zahl derjenigen Orte ausgenommen werde, nach denen an Sonntagen eine einfache Fahrkarte für.hin- und Rückfahrt genügt, Grade dem verhältnismäßig kleine», aber außerordentlich rührigen Bad Orb sollte man nicht versagen, was den größeren Badeorten in der Umgegend von Frankfurt längst gewährt ist. Fenre^ holen und dann können die beiden Spielgefährte» sehen, wie sie nachkommen! Such' Perry such's, Kätzchen Fifi hierher!-

Perry stürmte davon und nach kaum fünf Minuten erschien er wieder anf der Bildfläche, gefolgt von einer reizenden, hellgrauen, persischen Katze. Der Foxterrier geberdete sich wie toll vor Freude über die Ankunft der Spielkameraden, denn Fifi und er waren zusammen aufgewachsen und machten daS Sprichwort von Hund und Katze zu Schanden. Elly hielt Fifi eine Straf rede und schritt dann mit Leo voran, während Perry und das Kätzchen sich balgten, übereinander kugelten, sich haschten und allerlei sonstige Kurzweil trieben.

Die schräg durch die Bäume fallenden Sonnen­strahlen mahnten Elly jetzt an den Heimweg; wenn sie dem ziemlich breiten Waldbach, welcher sich in den See ergoß, eine Strecke weit folgte, erreichte sie Buchegg um mindestens eine Stunde früher, als wenn sie den- selben Weg einschlug, der sie hierhergeführt hatte, uud da es schon kühl und feucht zu werden begann, schritt sie tüchtig zu. Perry und Fifi bildeten den Vortrab, während Leo ernst und gemessen neben seiner Herrin Herschritt und von Zeit zu Zeit mißbilligende Blicke auf die übermütigen Gefährten, die beständig Seiten« sprünge machten, warf.

Plötzlich erscholl aus nächster Nähe daS laute Gebell eines Hundes; Leo und Perry spitzten dir Ohren, Fifi aber hatte kaum einen Blick auf das nächste Gestrüpp geworfen, als sie wie toll babonftürmte.