SchluchternerMun g
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 9. März 1904.
55. Jahrgang
Amtliches.
Die LtaatsN-uer-Zu- und Abgangslisten für II. tzalbjahr >903 werden für alle Gemeinden des Kreises im hiesigen Beranlügungsbureau aufgestellt.
Diejenigen Herrn Bürgermeister, in deren Bezirken in der Zeit vom 1. Oktober 1903 bis zum 31. März 1904 Zu- und Abgänge an Einkommen- und Er- gänzungssteuer Nicht vorgekomm-N sind, werden hierdurch veranlaßt, unfehlbar bis zum 20. d Mis. eine Anzeige hierüber v-rzulegen.
Ueber diejenigen Steuec-Zu- und Abgänge, deren Meststellung von mir noch nicht erfolgt ist, wollen die Herren Bürgermeister mir umgehend Kotttrolauszüge einreichen.
Schlüchtern, 8. März 1904.
} Der Vorsitzende
bet/ Einkommensteuer-Veranlagmigs-Kommlssion: Roth.
J.-Nr. 696 K -A. Des Musterungsgeschäftes wegen ist der Beginn des auf den 9. März d. Js. anbe- nwmten Kreistagssitzung von Vormittags 11 Uhr auf Nachmittags 27, Uhr verlegt worden.
Schlüchtern, den 29. Februar 1904.
Der Königliche Landrat: Roth.
Deutsches Reich.
— Se. Maj. der Kaiser ist von seiner Reise nach Nocdwestdeutschland am Freitag früh wohlbehalten in Berlin wieder angekommen. Später machte der Monarch einen Spaziergang, hatte eine Besprechung mit dem Reichskanzler und hörte hierauf einen Vor- trag des Eisenbahnministers Budde.
— Am Samstag Morgen besuchte Se. Maj. der Kaiser nach dem gewohnten Spaziergange im Tiergarten den Reichskanzler und hörte dann im Schloß Marine- und Militärvorträge.
— Zur Mittelmeerreise Sr. Maj. des Kaisers erfährt der „L.-A.", daß der Kaiser voraussichtlich auch Griechenland berühren und eine Begegnung mit seiner Schwester, der Kronprinzessin Sophie, haben werde.
— Das Programm für die Kaiser Wilhelms Mittel- meerfahrt wurde von dem Militärattache von Chellius in Rom ausgearbeitet und umfaßt Besuche in Sizilien, Apulien und Korfu.
— Nach den „B. N. N." haben der Kronprinz von Sachsen und Prinz Heinrich von Preußen ihr Erscheinen bei der am 16. April in Dresden statt- sindenden Sitzung des Gesamworstandes des Deutschen Flottenvereins zugesagt. Beide werden voraussichtlich auch der am 17. April stattsindenden Hauptsitzung des Vereins beiwohnen.
Sein D-ppeigängev
Voman von Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
„Ich wollte sagen, daß das Verbot auch Ihnen viel Last und Scherei machen wird, Fräulein," fuhr der Förster ernst fort; „die vielen Arbeiter und Tag- löhner, welche jetzt den Umweg über Crumlech nach Cumberland machen müssen, werden's Ihnen nicht danken, daß Sie ihnen die schwere Tagesarbeit noch erschweren; der Weg über Crumlech ist um eine reichliche halbe Stunde weiter."
„Das ist nicht meine Schuld; ich brauche es nicht zu dulden, daß alle Welt dicht an unserem Garten und Lawn-tennis-Platz vorbeigeht," versetzte Elly herb.
„O, eine dichte hohe Hecke läuft längs des Richt- Weges hin, und ich sollte denken —"
„Ich inuß mir denn doch ausbitten, daß Sie es mir überlassen, meine Angelegenheiten nach Gutdünken zu ordnen," fiel Elly dem jungen Mann heftig in's Wort, „ich habe nicht die Gewohnheit, meine Maßregeln mit den Untergebenen meiner Nachbarn zu besprechen."
Ohne ein weiteres Wort schritt Elly, von ihren Hunden begleitet, den Hügel hinab, und der Förster blich wie angedonnert stehen.
Endlich schien er die Situation zu begreifen und Mfe murmelte er vor sich hin : „Mit ihres Nachbarn
— Nach der „Tägl. Rundsch." gedenkt König Georg von Sachsen im April wieder an die Riviera zu gehen, da der geplante Besuch Kaiser Franz Josefs in Dresden nicht stattfindet.
— Der Großherzog von Darmstadt kehrte am Montag aus Kiel zurück und tritt noch im Laufe dieses Monats seine Reise nach dem Süden an.
— Generalfeldmarschall Graf Waldersee ist am 5. März abends 8 Uhr sanft an Herzlähmung entschlafen. Schon am Nachmittag war sein Zustand besorgniserregend, gegen 2 Uhr ließ die Herztätigkeit nach, der Patient zeigte große Schwäche und lag mit geschlossenen Augen, als wenn er schlummerte. An seinem Bette berfammelten sich die Familienangehörigen; von den Aerzten waren Professor Dr. Orth und Oberstabsarzt Dr. Müller zugegen. Gegen Abend wurde der Pulsschlag immer geringer, und um 8 Uhr trat Herzlähmung ein; der Graf verschied ohne jeden Todeskampf. — Fürst Heuckell von DonnerSmarck, der mit dem Generalfeldmarschall Grafen Waldersee eng befreundet ist, traf abends dort ein und begab sich sofort an das Krankenbett des Generalfeldmarschalls.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht die Ernennung des Direktors der llclzener Viehversicherungsbank, Senator Mensching in Uelzen, vom 1. März d. J. ab auf die Dauer von fünf Jahren zum Mitglieder des Versicherungsbeirats beim Kaiserlichen Aufsichtsamt für Privatversicherung.
— Der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses beriet unter dem Vorsitze des Abg. Hobrecht die Geschäftslage des Hauses. Man beschloß, die Durch- beratung des Etats bis zum Osterfeste zu ermöglichen.
— In den „Mitteilungen des Deutschen Flotten- Vereins" liest man: Die Unzulänglichkeit unseres Flottengesrtzes von 1900 wird im Anschluß an den Aufsatz in der „Flotte", „Was lehrt uns schon jetzt der russisch-japanische Krieg? selbst von sehr weit links stehenden Blättern zugegeben, gleichzeitig aber werden von verschiedenen Organen (wie „Deutsche Zeitung", „Berliner Zeitung" usw.) schon jetzt bestimmte Vorschläge aufgestellt. Das erachten wir angesichts der Ungewißheit, wie sich der russischjapanische Krieg noch entwickeln mag, für verfrüht. Der Deutsche Flotten-Verein beschäftigt sich mit diesen Fragen seit Monaten auf das eingehendste, und für uns ist der auch von der „Deutschen Zeitung" gebrachte Vorschlag: „zum mindestens Beibehalt des bisherigen Bautempos", nichts 9leueS., Der „Berliner Zeitung" geben wir recht, wenn sie die großen „geschützten Kreuzer" entschieden ablehnt, im übrigen bleiben wir bei der Hauptforderung „Linienschiffe", aber in wesentlich schnellerem Bautempc, als vorgesehen; gerade über das Maß dieser Beschleunigung glauben wir aber erst urteilen zu können, wenn in Ostasien etwas mehr Klarheit herrscht. Warnen müssen wir
Untergebenen, der Spaß ist gut, das muß ich sagen! Da stürmt sie den Abhang hinab. Auch diesmal hat sie wieder das letzte Wort behalten, wenn sie nur nicht so verteufelt hübsch nnd zierlich wäre!"
*
„O, Elly, welch ein interessanter Mann ist Herr Pirrepoint ich freue mich wirklich, daß er schon jetzt zurückgekommen ist, ohne ihn wäre es heute nicht halb so schön gewesen!"
Es war Manche, die sich so enthusiastisch äußerte; sie und ihre Mutter hatten der Einladung zu einem Gartenfest Folge geleistet und waren erst kurz vor Tisch heimgekehrt, während Elly zu ihrem Kummer durch eine' heftige Erkältung verhindert gewesen war, an der Festlichkeit teilzunehmen. Sie hätte sich gar zu gern die Nachbarsfamilien, die sämtlich eingeladen gewesen waren, angesehen; denn sie hatte sich fest vorgenommen, sofort nachdem sie mündig sein würde, dauernd in Buchegg zu leben. An jenem Tage, da sie am Wafferkall mit Herrn Pierrepoint's Förster zusammengetroffen war, mußte sie sich wohl erkältet haben; in der Nacht stellten sich heftige Halsschmerzen samt Fieber ein und der Arzt konstatierte eine Halsentzündung, welche Elly für eine volle Woche ans Haus fesfelte. In diese Woche fiel die Einladung des in der Nähe ansässigen Obersten Dunbar, dessen Gattin eine Jugendfreundin von Frau Wilson war, und während Blanche bis dahin stets über Elly's „alheynen Einfall, »ach Buchegg $u gehen," geklagt
immer wieder von einer Ueberschätzung der Torpedo- und Unterseebote; das sind Gelegenheit-waffen, mit denen schneidig geführte Handstreiche gelingen — mehr nicht. Der „Deutschen Tageszeitung", die wieder auf die „Auslandsflotte" kommt, sei gesagt, daß eS irreführend ist, allzusehr mit diesem Schlag- wort zu operieren. Die «Äitscheiduug liegt in jedem Falle nahe den heimische» Küsten und bei der Schlacht- flotte; die Auslandsstationen werden bei sachgemäßem Ausbau der Schlachtflotte mit entsprechender Anzahl von Panzerkreuzern und kleinen Kreuzern auch genügend bedacht werden können.
— Nach Ostasien ging eine 1000 Mann starke Ablösung für die deutsche Garnison in China am Donnerstag von Wilhelnishaven ab.
Auslaud.
— Nach einem Telegramm bei Generals Pflug ist in Port Arthur und Jekou alles ruhig. Nach Berichten von Augenzeugen befindet sich bei Tschemulpo zwischen den Inseln das Wrack eines vor einiger Zeit gesunkenen japanischen Kreuzer- mit drei Schom- stcinen.
— Der „Times" wird aus Tokio vom 8. d. MtS. gemeldet, die russischen Truppen, welche kürzlich von Wladiwostok nach der Possiet-Bai vorgerückt seien, hätten den koreanische» Grenzfluß Tumen bei Haijvng überschritten. Wie dem Blatte ebenfalls au» Tokt» telegraphiert wurde, sollen die russischen Truppen, welche bisher südlich vom Jaluflusse standen, sich sämtlich in der Richtung auf Salu zurückgezogen haben.
— Neuere Nachrichten aus Südwestafrika bestätigen, daß der abgeschlagene Einfall deS Ovambo-Häuptlings Nechale ein sporadischer war. . Andere mächtigere Häuptlinge, wie Rambonde, der uns zunächst wohnt, haben ihre friedliche Haltung. beibehalten. Danach kann der Herero-Aufstand mit allen Kräften unterdrückt werden, die Truppen brauchen nicht nach zwei Fronten zu kämpfen.
Males und Provinzieller.
Schlüchtern, 8. März 1904.
—* Auf dem heute in hiesiger Stadt stattgefundenen Viehmarkt herrschte ein lebhafter Handel. Aufgetriebey waren ungefähr 900-1000 Stiere und Kühe, und 80—100 Kälber.' Der Handel ging so'flott, daß bis ungefähr 9 Uhr vormittags fast alles Vieh verkauft war. Eine große Nachfrage war nach schweren Ochse» und Milchkühe, leider waren dieselben nur sehr wenig auf getrieben. Die größte Zahl vom Vieh kam aus dem Vogelsberg.
—* Gutem Vernehmen nach werden die diesjährigen Herbstmanöver des 18. Armeekorps in den Kreisen Fulda, Gersfeld und Schlüchtern stattfinden.
hatte, war sie heute, näch der Rückkehr von dem großem Gartenfest, auf einmal Feuer und Flamme für das Landleben im Allgemeinen und für die Nachbarn im Besonderen. Elly kannte ihre Schwester genau genug, um nicht zu wissen, daß BlanMe's plötzliche Ve- geisteruug einen sehr realen Hintergrund haben mußte, und im Lauf der Unterhaltung bei Tisch sprach Blanche so viel von Herrn Pierrepstut, daß sich unschwer erraten ließ, er oder richtiger wohl sein reiche» Besitztum, habe e5 der stets auf Versorgung Bedachte» angetan.
„Wie sieht denn dieser Vogel Phönix aus Blauch« ?" fragte Elly, als sie endlich Wort kam.
„Nun, er ist sehr groß und stattlich, mit blondem Haar und blauen Augen, ein auffallend hübscher Mann."
„Und wie ist er im Verkehr? Angenehm?"
„Höchst angenehm und interessant, er weiß alle» und hat alles gesehen. Er erkundigte sich übrigens auch nach Dir und fragte, weßhalb Du uicht mit« gekommen seiest."
„Nach mir?" wiederholte Elly verblüfft, „wie kam er den dazu? Am Ende hat ihm sein Förster über den streitigen Weg berichtigt?"
„Jedenfalls; ich sagte ihm übrigens auch Du habest ein Renkontre mit jenem Menschen gehabt und unS so viel von dem Förster und seinem hübschen Aeußeren erzählt, daß wir ganz neugierig geworden seien."
Fortsetzung folgt.