SchlilchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 19.
Samstag, den 5. März 1904.
55. Jahrgang.
Fortwährend
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Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von der Expedition entgegengenommen.
f finden in der Dchlüchterner
IIBOCb O S.Ö Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auslage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
Bekanntmachung.
a. Die Aushändigung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 11. bis 17. März.
b. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungsveränderungen sind sofort zu melden.
c. Die Mannschaften der Reserve, Landwehr I. und II. Aufgebots, sowie die Ersatz-Reservisten haben, falls sie nicht selbst zu Hause sein können eine andere Person des Hausstandes mit Empfangsnahme der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen zu beauftragen.
d. Jeder Mann, der bis zum 25. März abends keine Kriegsbeorderung oder Paßnotiz erhalten hat, hat hiervon feinem Bezirksfeldwebel mündlich oder schriftlich Meldung zu erstatten.
e. Die vom 1. April d. Js. ab nicht mehr gültigen gelben Kriegsbeorderungen und die Paßnotizen sind an diesem Tage durch die Mannschaften selbst zu vernichten, die neuen roten, sind einzukleben.
f. In Gelnhausen können die Kriegsbeorderungen und Paßnotizen von den Mannschaften der Reserve, Landwehr L und IL Aufgebots und den Ersatzreservisten vom 11. bis 17. März persönlich bei dem Königl. Meldeamt abgeholt werden.
Die Militärpapiere sind mitzubringen.
Königliches Bezirks-Kommando Hanau.
Deutsches Reich.
— Se. Maj. der Kaiser traf am 1. März kurz nach 10 Uhr mittelst Sonderzuges auf dem Bahnhof in Wilhelmshaveu ein und wurde vom Stellvertreter des Staatssekretärs, dem Flottenchef, dem Stationschef und dem Schiffskomandanten begrüßt. Sodann begab sich der Kaiser im Wagen nach dem Linienschiff „Kaiser- Wilhelm II."
— Se. Maj. der Kaiser unterzog nach seiner An- kunst im Hafen den neuen Panzerkreuzer „Friedrich Carl" einer eingehenden Besichtigung.
Kurz vor 12 Uhr fuhr der Kaiser vom Hafen zum Exerzierschuppen der Matrosendivision. Hier begann
Sein Doppelgänger*
Vornan den Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
„Hübsch oder häßlich?" setzte Blanche das Verhör fort.
„Nun, jedenfalls nicht häßlich; er war blond und hatte frische Farben. Dabei war er so riesengroß, daß ich mir neben ihm wie ein Zwerg erschien, und ich bin doch auch nicht gerade klein."
„Also alles in allem ein plumper, ungeschlachtster Mensch," spottete Manchen; „so große Dien feiten sind mir meist antistatisch."
Da Herr Gardon Hayes seine sechs Schuh maß und die Grazien bei seiner Taufe nicht Gevatter gestanden hatten, erschien diese Aeußerung Blanche's minbestend sonderbar; Elly beachtete den Vorwurf nicht und von Leo gefolgt, verließ sie das Zimmer, um den Verwalter aufzusuchen.
Herr Jeremias Dunstan war seit 20 Jahren Verwalter auf Buchegg; er kannte jtben Menschen auf fünf Stunden im Umkreis und behaupte steif und fest, Fräulein Elly's Beschreibung passe auf keinen der benachbarten Pächter. „Der Einzige, der es sein könnte, Fräulein," schloß er nachdenklich, „ist Herr Pierrepoint vom Lindenhof, allein er ist schon seit drei Monaten verreist und wird auch vor Weihnachten nicht im Lindenhof erwartet. Herr Pierrepvint war sehr be- freunbet mit Lady Mauvers, Fräulein; wenn er hier
um 12 Uhr in Gegenwart der Admirale und des Se, - offizierkorps die Vereidigung von etwa tausend Rekruten.
— Nach dem Eintreffen im Exerzierhaus schritt der Kaiser die Front der Rekruten ab. Dann hielten beide Geistliche Ansprachen, worauf die Vereidigung durch den Oberleutnant z. S. Bremer erfolgte. Im Anschluß daran hielt der Kaiser eine längere Ansprache. Konteadmiral Scheder brächte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus.
— Prinz Friedrich Leopold von Preußen wird sich noch vor Ablauf dieser Woche nach PetersbuWchegeben, um von dem dort garnifouierenten HlMWMU Infanterie-Regiment, beffen Chef der PrckDH» Abschied zu nehmen. Das Regiment geht demnächst; stach dem Kriegsschauplatz in Ostasien ab.
— Nach den Bekanntmachungen über die Uebungen des Beurlaubtenstandes sollen bei sechs Armeekorps in diesem Jahre ein Reserveinfanterieregiment und eine Reservefeldartitterieabteilung und eine Reservefuß- artilleriebataillou in Kriegsstärke gebildet werden.
— Eine Berufs- und Betriebszählung wird im Sommer 1905 in Deutschland nach der „Köln. Ztg." stattfinden. Am 1. Dez. 1905 folgt alsdann die übliche Volkszählung. Der Gedanke einer Verbindung beider Zahlungen ist endgiltig aufgegeben.
das Ritterkreuz des Zähringer Löwen mit Schwertern verliehen. Der verwundete Leutnant v. Stülpnagel ist aus dem GardeschUtzenbataillon (Groß-Lichterfelde) hervorgegangen, am 22. März 1895 war er Leutnant geworden, am 18. September 1901 war er baun nach Südwestafrika gegangen.
Der verwundete Oberleutnant Hannemann hat jetzt erst den südwestafrikanischen Boden betreten, er gehört zu den Stammkompagnien für das 3. Seebataillon in Wilhelmshaven, am 20. Mai 1893 war er Leutnant geworden, am 17. Mai 1902 zum Oberleutnant aufgerückt.
Kommunallandtag für Kurhessen.
(Schluß.)
Herr Amtsrichter Dr. Lucas-Langeuselbold führt u. a. aus, daß die Landbevölkerung wünsche, mit den ' anderen Provinzen, wo doch kein Schauzwang für Hausschlachtungen bestehen, gleichgestellt zu werden. Man wolle kein Privileg, sondern nur ein Ausnahme- [ gesetz. Auch sei zu beachten, daß die Kosten zunächst von unleistungsfähigen Schultern getragen werden ' müßten. Allerdings gebe er zu, daß der Antrag nach 1 den Verhandlungen im Abgeordnetenhaus fast ohne Zweck sei und schwerlich Erfolg haben werde.
Herr Fabrikbesitzer Gleim-Melsungen ist der Ansicht, daß eine Herabsetzung der Gebühren am wün- i sehenswertesten sei. Im klebrigen schließt sich Redner i den Ausführungen des Abg. Endemann an. Herr : Landrat von Keudell-Eschwege führt u. a. aus, daß i er ein Bedürfnis für anderweitige Abgrenzung der l Schaubezirke nicht anerkennen könne. Auch gegen t Herabsetzung der Gebühren müsse er sich aussprechen, • den» eine grünliche Untersuchung verlange auch eine ! entsprechende Bezahlung.;
Herr Landrat v. Aschoff-Melsungen hat in seinem । Bezirk bisher nichts von Unzufriedenheit über die Fleischbeschau bemerkt. Im übrigen erinnert er daran, daß durch eine anderweite Abgrenzung oder Bezahlung , die Schwierigkeit entstehen werde, .ordentliche Fleisch- ; beschmier zu bekommen.
i Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda stellt i den weiteren Antrag, „die StaatSregierung zu er- t suchen, die Gebühren für Fleischbeschau herabzusetzen."
Herr v. Pappenheim bemerkt, die Gebührenfrage - gehe die Regierung gar nichts an.
Herr Oberpräsident Exz. von Windheim bestätigt die Auffassung des Herrn Vorsitzenden, daß die Poli- t zeiverordnung über die Fleischbeschau, die hier gemeint 1 sei, und diejenige über die.Trichinenschau zwei getrennte : Dinge seien. Wenn das HauS den Antrag Berla annehme, sichere er ihm wohlwollende Behandlung zu, um so mehr, nachdem die gleichartigen Wiesbadener Beschlüsse gefaßt sind. Allerdings bestäuben Bedenken । auf sanitärem und Veterinäre,» Gebiete. Auch sei zu Blauche sich vor Lachen auSschütten. „Las kommt davon, wenn man wie eine Vogelscheuche durch den Wald streift," sagte sie dann gleichmütig, mir könnte dergleichen nicht passieren" -- eine Behauptung; welche sich nicht bestreiten ließ.
2. Kapitel.
An einem herrlichen, sonneudurchleuchteten Morgen zu Anfang September saß Elly Wilson oberhalb des Wasserfalls von Braestone auf einem moosbewachsenen Stein und schaute entzückten Blickes auf die bläulich schimmernde Hügelkette, welche den Horizont im Norden begrenzte. Ein Buch lag in ihrem Schoße, indeß laß sie nicht, sie plauderte mit sich selbst und richtete ab und zu ein Schmeichelwort an die beiden Hunde die wie gewöhnlich ihre junge Herrin begleitet hatten.
„Was meinst Du, Leo, eS ist doch ein Glück, daß wir Drei hier so frei herumstreichen dürfen," sagte sie jetzt, den dicken Kopf des Neufundländers, der sie blinzelnd anschaute, streichelnd, „wie uns die Stadt wohl schmecken wird nach der köstlichen Freiheit hier draußen? Hier dürft ,ihr ohne Maulkörbe und ohne Halsbänder herumlaufen und das gefällt Euch gerade so gut wie mir das Herumstreifen ohne Hut und Handschuhe; wißt Ihr was, wir Drei brennen durch und kehren nicht wieder nach London heim!"
Leo grunzte, was Elly als Zustimung galt und worüber sie hell auflachte. Dies silberhelle Lachen schlug an das Ohr eines jungen Mannes, welcher auf der anderen Seite des Hügels zum Wasserfall
Ausland.
— Das erbitterte vielstündige letzte Gefecht gegen die Herervs, in dem wieder die Kompagnie Franke zu den alten Ruhmestaten neue fügte, hat leider schwere Opfer gefordert; Oberleutnant Schulze starb den Heldentod und drei andere Leutnants mußten für das Vaterland bluten, zwei sind schwer verwundet, und ictber führen die Verletzungen in Südwestafrika (wir erinnern an dir verhältnismäßig nicht schwere des Freiherr» v. Wöllwarth-Lauterburg) oft zum Tode. Leutnant Schultze, welcher den Heldentod starb, stand früher beim 1. Hannoverscheu Infanterie - Regiment Nr. 74 in Hannover; der 12. Kompagnie, welche der Württembergische Hauptmann v. Valois kommandiert, gehörte er an; der junge strebsame Offizier berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Schulze war am 17. Mai 1892 Leutnant geworden, es duldete ihn nicht lange in der Garnison, am 27. Mai 1896 trat er zur Schutztruppe über, und acht Jahre nun hat er auf dem heißen südwestafrikanischen Boden Dienst getan ; am 14. September 1900 war er zum Oberleutnant aufgerückt. Der schwer verwundete Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr ist mit seinem toten Freunde Schultze zusammen am 27. März 1896 in die Schutztruppe eingetreten, dem 113. Regiment (5. badischen) in dem schönen Freiburg i. Br. hat er vordem angehört; am 20. September 1890 war er Offizier, am 25. November 1898 Oberleutnant geworden. DerGroßherzog von Baden hat ihm kürzlich war, besuche er sie fast täglich und in ihrem Jagdrevier hatte er völlig freie Hand."
„Nun, dann war'S Herr Pier epoint nicht," erklärte Elly lebhaft; „denn ich fragte ihn absichtlich, ob Lady Mauvers ihm auch gestattet habe, aus ihrem Gebiet zu jagen, was er entschieden verneinte. Der Mann hatte übrigens einen hübschen Jagdhund bei sich, den er Sultan nannte; vielleicht ist der Hundenamen Ihnen bekannt, Herr Dunstan?"
„In der Tat, nun weiß ich, Wer's gewesen ist," rief der Verwalter lebhaft; „Dowald Markham, Herrn Pierrepoint's Förster. Er gleicht seinem Herrn in auffälliger Weise; er ist Herrn Pierrepoint's Milchbruder und bildet sich nicht wenig darauf ein. Es sieht ihm auch gänzlich ähnlich, daß er aufbegehrte, als vom Weg die Rede war; er nimmt sich gern was heraus und will immer Recht haben."
„Nun, in Bezug auf den Weg wird er sich doch drein finden müssen, nicht Recht zu haben," sagte Elly kurz; im Weiterschreiten aber murmelte sie vor sich ' hin: „Es ist wirklich ein guter Spaß, daß Herr i Pierrepoint's Förster sich erdreistet, mich zu fragen, ob . ich die neue Besitzerin von Buchegg sei. Der Mei.sch | scheint gar nicht zu wissen, daß er als Untergebener j nicht befugt war, mit mir wie mit Seinesgleichen zu I verkehren, und ich hätte große Lust, an seinen Herrn zu schreiben und mich über ihn zu beklagen." i
Als Elly während des Diners der Mutter und f Blanche mitteilte, was sie von Dunstan erfahren, wollte c