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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 24. Februar 1904
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55. Jahrgang
Fortwährend
werden Abonnements auf die
Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt
von der Expedition eutgegengenommen.
i rae*dÄimi‘l"^ finden in der Gchlüchterner ZeitltNg den meisten Erfolg, da sie die gröszte Auflage der im Kreise SchlUch-
tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
Ani 9. März d Js., vormittags 11 Uhr, findet im Kreishause hierselbst ein Kreistag statt.
Schlüchtern, ben 20. Februar 19i>4.
Der Königliche Laubrat Roth.
Deutsches Reich.
— Auf der bevorstehenden Mittelmeerfahrt Sr. Maj. des Kaisers wird zum erstenmal als Beiboot der Kaiserjacht „Hohenzollern" die neu erbaute Spiritus- motorbarkafse Verwendung finden Das außergewöhnlich vornehm und elegant ausgestattete Fahrzeug, das eine sehr große Fahrgeschwindigkeit besitzt, machte in den letzten Tagen in der Kieler Föhrde bei stürmischer Witterung Probefahrten und hat sich dabei vorzüglich bewährt.
— Ueber die Mittelmeerfahrt Sr. Maj. des z Kaisers will die „N. Pol. Korr." erfahren haben, daß Sr. Maj. der Kaiser sich von Hamburg am 5. März auf einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie nach Messina (nicht Malta) begehen werde, wo ihn die „Hohenzollern" erwarte. Admiral Hollmann werde den Kaiser begleiten.
— Bei Sr. Maj. dem Kaiser fand am 19. Febr. ein Diner für die Botschafter statt. Se. Maj. der Kaiser saß zwischen Graf Lanza und v. Szögyeny. Gegenüber dem Kaiser saß der Kronprinz zwischen v. Osten-Sacken und Lascelles. Auch die übrigen Botschafter nahmen daran teil, ferner der Reichskanzler, sowie . Staatssekretär v. Richtbofen und andere.
— Das bayerische Ministerium des Aeußeru teilte dem Münchener Magistrat mit, daß Se. Majestät der Kaiser je ein Exemplar der von ihm gefertigten Schiffs fabelten den Städten München, Augsburg, Regensburg und Nürnberg zum Geschenk gemacht habe.
— Am Samstag wurde endlich vom Reichstage der Postetat erledigt. Die in den beiden vorhergehenden Sitzungen vorgebrachten zumeist durchaus berechtigten, Wünsche und Beschwerden kamen alle zum dritten, zum letzten Btal zur Sprache. Die
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Voman von Dorothea M. Corhould.
Nachdruck verboten.
1. Kapitel.
Ach ja, Blauche, ich hätte nicht nachgeben sollen, aber Elly bat so inständig, daß ich ihr den Willen tat."
„Ja Mama - so gehts immer; Elly bittet und Du gibst nach", schmollte die ..Schönheit" der Familie. „Diesmal hat sichs meine Schwester in den Kopf gesetzt, sich hier lebendig zu begraben und da sitzen wir nun in diesem gottverlassenen Winkel, anstatt den Schluß her Saison in London zu verleben. Ich möchte wissen, wir wir hier die so nötige Gelegenheit, gute Partiten zn machen, finden sollen, aber daran denkt Elly natürlich nicht."
Die Mutter, eine
wohlkonservierte, stattliche Ma
trone, seufzte leise: offenbar huldigte sie hinsichtlich der so wünschenswerten „guten Partiten" keiner allzu opt' mystischen Auffassung, und der Blick, den sie über den das geräumige Landhaus umgebenden Park Hingleiten ließ, war ziemlich niedergeschlagen.
Ob die Mißstimmung der beiden Damen begründet war? Freilich, Buchegg, wie das Landhaus, in welchem sie seit drei Wochen ihr Quartier aufgeschlagen hatten, hieß, lag ziemlich abseits von der großen Heerstraße "nd der Lärm der Großstadt drang nicht bis hierher, aber für die, welche ein Auge für Na turstlwuheiteu be= soßen, war Buchegg entzückend. Prächtige Buchen-
Koalitionsfreiheit die Ausbesserung und die Krank- Heitsstatistik de^ v.amten, Ausdehnung der Sonntagsruhe, die Postanweisungskuverts, Portofreiheit für Soldatenpakete, die Adressen in polnischer Sprache und was sonst schon alles in den vorhergehenden Beratungen reichlich besprochen war, wurde nochmals verhandelt. Das einzige Interessante was die Sitzung bot, hatte mit dem Postetat nichts zu tun. Es war eine abermalige Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Kopsch (fr. Vp.) und v. Gerlach (fr. Vgg.) linier großer Heiterkeit des Hauses führte v. Gerlach alv charakteristisch für seinen Gegner folgende Aeußerung desselben an: „Meine Reden sind mein geistiges Eigentum. Ich will den sehen, der mir durch Veröffentlichung der Reden mein geistiges Eigentum stiehlt", wogegen Kopsch dem Abg. von Gerlach mit demselben Heiterkeitserfolge Glück für die Durchreise zur Sozialdemokratie wünschte. Nach persönlichen Bemerkungen wurde der Titel Postetat bewilligt, ebenso die Resolution des Zentrums betreffend die Sonntagsruhe mit einem Amendement Gröber und die Resolution betr. Postanweisungs-Kuverts
- Das Abgeordnetenhaus beendete am Samstag in sechsstündiger Sitzung den Etat der Handels- und
Debatte
Gewerbeverwaltung. Die am Freitag begonnene e Börsengesetzreform wurde nach
längerer Zeit fortgesetzt.
In Anschluß an seine Rede in der Sitzung am Freitag und die Entgegnung des HandelSministers Möller gab Abg. Funck lfr. Vpt.) seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Minister an der Frage des Terminhandels vorübergehen könne, ohne dieselbe mit einem Wort zu streifen. Es handele sich um eine
nationale Frage im weitgehendsten Sinne. Ebenso stehe es mit der Aenderung des Stempelsteuergesetzes. Wie wichtig die Sache sei, habe der Kurssturz anläßlich des russisch-japanischen Krieges gezeigt. Abg. v.
lich 'des russisch-japanischen Krieges gezeigt. Limburg-Stirum (kons.) verteidigte das V Terminhandels, während Dr. Ar 't (fr.-k.) das
Verbot des
Verbot billigte, soweit es sich auf den Getreidehandel bezieht. Hierauf wurde die Börfendebatte geschloffen. Beim Titel Haushaltungsschulen versprach Handelsminister Möller weitgehendste Förderung der Schulen, deren sozialpolitische Bedeutung die Regierung wohl anerkenne. Es werden dann noch die Titel Fortbildungsschulen und Handwerkskammern erledigt, wobei die Einrichtung von obligatorischen Fortbildungsschulen und von Meisterkursen durch verschiedene Abgeordnete befürwortet wurde. Der Antrag Kindler (Fr. Vpt) worin die Regierung ersucht wird, in jeder Provinz Meisterkurse einzurichten und Ausstellungen von im Kleingewerbe verwendbaren Maschinen und Werkzeugen zu veranstalten, wurde der Commission für Handel und Gewerbe überwiesen.
Wälder, die dem Gute den Namen gegeben hatten, umsäumten den weiten Park und das im Renaissance- styl erbaute kleine, altertümliche Schlößchen mit seinen Erkern, Türmchen und Steinballustraden war eine Perle edelster Architektur. Außer dein Buchenwald gehörte auch eine Strecke weiten Haidelandes zu dem Gute, sowie ein Teil des großen Moores, welches sich hinter dem Park hinzog; Lady Mauvers, die frühere Besitzerin von Buchegg war vor etlichen Monaten gestorben und hatte das Gut ihrer Patin Griseldis oder Elly, wie sie meistens genannt wurde, der jüngeren Tochter der verwittweten Frau Wilson, hinterlassen. Elly war entzückt von ihrem neuen Besitz, während Mutter und Schwester sich nur ungern dazu entschlossen hatten. London für einige Zeit zu verlassen und sich in Buchegg, wie Blanche sich ausdrückte, zu begraben. Indeß bot der zeitweilige Aufenthalt in Buchegg doch zu viel Vorteile, als daß Frau Wilsous den Bitten Ellys nicht hätte nachgeben sollen; als Wittwe eines hohen Beamten bezog Frau Wilson eine reichliche Pension, die es ihr ermöglichte, einen behaglichen Haushalt zu führen, mit ihrem Tode aber erlosch diese Pension, und da kein Vermögen vorhanden war, hoffte sie, die Zukunft ihrer Töchter durch gute Heiraten zu sichern. Für Blanche, die Schönheit, hegte sie in dieser Hinsicht wenig Sorge, denn wo sie sich zeigte, warb sie bewundert, Elly dagegen war wohl pikant, aber nicht schön, und so erschien es der Mutter als ein besonderer Glücksfall, daß Lady Mauvers ihr Buchegg
Ausland.
— Gouverneur Leutwein telegraphiert: daß am 16. Februar eine Abteilung Matrosen und Schutztruppen unter Kapitänleutnant Gygas am Lievenberge, nordöstlich von Otjimbingwe in der Richtung auf Groß-Barmen, ein Gefecht hatte Diesseits wird als Verlust gemeldet ein Toter und ein Verwundeter, deren Namen folgen werden. Der Gegner, dessen Verluste unbekannt sind, wurde zurückgeworfen
Von nationalliberaler Seite wird im Reichstag die Regierung aufgefordert werden, den durch den Herero-Aufstand geschädigten Ansiedlern in Dentsch- Südwestafrika mit Eröffnung von Krediten zu Hilfe zu kommen und sich an den Viehherden der Herero schadlos zu halten.
— Das erste Zusammentreffen der Gegner zu Land wird am 22. Febr. aus Port Arthur gemelbet: Ein Kosakenpikett griff auf nicht näher bezeichnetem, wahrscheinlich an dem Vialu gelegenem koreanischem Gebiet eine kleine japanische Abteilung von fünf Mann auf, welche von dem Major Tatsusapo geführt wurde. Bei den Gefangenen wurden Karten und Dokumente gefunden.
— Während eines heftigen Schneesturms in der Nabt zum 19. ds. Mts stürzte auf die TranSbackal- bahn bei Station Baikal, kurz vor dem Passieren eine» Militärzuges, von den Bergen eine Schneemasse, in we! he die Lokomotive hineinfuhr und entgleiste. Von den in den fünf folgenden Waggons befindlichen Soldaten ist einer tot, fünf schwer und vierzehn leicht verwundet. Nachmittags sollte der Verkehr wieder- hergestellt sein.
— Die „St. James Gazette" läßt sich über Tschifu melden: In Port Arthur würden durch den Stürm die Schiffe durcheinander geworfen und die Schiffsbewegungen seien nur unter großen Schwierigkeiten auszuführen.
Males und Provinzielles.
Schlüchtern, 23. Februar 1904.
* Am Samstag nachmittag gegen '/-W Uhr entgleiste die Maschine und der Packwage i eines Güterzuges im Bahnhöfe Elm.
* Atif Montag Nachmittag um 5'/« Uhr wurde in Cassel im Saale des Ständehauses die diesjährige Tagung des 29. Kommunallandtages für den Regierungsbezirk Cassel durch Se. Exzellenz den Herrn Oberpräsidenten v. Windheim eröffnet. Die Abgeordneten waren nahezu vollzählig erschienen und hatten Frack bezw. Uniform angelegt, eine größere Anzahl war mit Orden dekoriert. Die Zuschauer-Tribünen waren auf beiden Seiten des Saales dicht gedrängt besetzt. Als Alterpräsident beachte Herr Reinhard das Hoch auf Se. Mäjestät den Kaiser und König aus. Das Präsidium wurde per Akklamation wiedergewählt vermacht hatte. . Bei ihrer Schwärmerei für die Natur und das Landleben, konnte Elly, wenn sie sich nicht verheiratete, später in Buchegg leben; das Gut trug freilich' ni$t allzuviel ein, aber Ellys Ansprüche waren bescheiden und wenne Blanche nur erst versorgt wär, wü rde sich das weiter schon finden.
Elly schwelgte in Buchegg; sie strich, nur von ihrem großen Neufundländer begleitet, stundenlana-in Wald und Feld umher und brächte Mutter und Schwester- durch die Unpünktlichkeit, mit welcher sie zu deu Mahlzeileu erschien, -zur - Verzweiflung. Blanche's ängstliche Besorgnis um ihren Teint, der in der Tat allmählich etwas sonnengebräunt erschien schluch Elly lachend in den Wind; ohne Schleier und ohne Sonnenschirm, mit festen Lederstiefeln und im einfachen dunklen Lodenkleid nahm sie es mit Wind und Wetter auf mib jedesmal, wenn sie heimkam, hatte sie neue Schönheiten in der malerischen Umgebung entdeckt.
Auch heute hatte Elly's Ausbleiben über die Tee- stunde hinaus bei der Mutter und Schwester Unzu- friedenheit erregt und zn einer Rekapitulation der Verhältnisse geführt, welche die Familie um diese Jahreszeit nach Buchegg hatte übersiedeln lassen
„Ich glaube, Elly wäre in Stande, einen ganz, simplen Landwirt, zu Heirat?, ",mmeinte Blanche jetzt, bedauernd den Kopf schüttelnd „sie geht völlig aus im Landleben wo sic's nur her hat?"
„Von mir nicht , versetzte die Mutter, „ich habe stets für London geschwärmt. Wenn sich» Elly nur