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Deutsches $eidj.
— Sr. Maj. der Kaiser nahm am Montag an einem D ner beim Fürsten Pleß teil, wo ein Kapitel des Ordens St. Huberti abgehalten wurde. Am Dienstag morgen fuhr der Kaiser beim Reichskanzler vor und hörte darauf im-Schloß die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefs des Admiralstabes und des Chefs des Marinekabinetts.
— Von Sr. Majestät ist der Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer von Köln empfangen worden. Der „Germania" zufolge sind bei der Gelegenheit auch die jüngsten kaiserlichen Kinder dem Kirchenfürsten vorge- stellt worden.
— Die Erkrankung des jungen vierjährigen Prinzen Heinrich ist auf einen bedauerlichen Unfall zurückzu- führen. Der Prinz, ein aufgeweckter und lebhafter Knabe, der noch nie ernstlich krank gewesen ist, kam, der „B B. Ztg." zufolge, in einem Zimmer des Kieler i Schlosfes, vermutlich infolge Ausgleitens zu Fall, wobei er mit dem Kopfe auf die Kante eines in der Nähe stehenden Stuhles heftig aufschlug. Der sofort t zu Rate gezogene Arzt Dr. v. Stares stellte eine durch den Sturz herbeigeführte Gehirnerschütterung fest. ' Wenngleich sich das- Befinden des Prinzen nach den letzten Krankheitsberichten merkach gebessert hat, und eine Lebensgefahr als ausgeschlossen gilt, so dürsten bei der Natur des Leidens immerhin noch Wochen vergehen, ehe der Prinz völlig wieder hergestellt das Krankenbett wird verlassen können.
— Anläßlich der fortgesetzten Erörterung des Titels .aus dem Etat des Reichsamts des Innern, der die Beteiligung des Reiches an der Weltausstellung in St. Louis betrifft, zeigten sich die Reichstagsabgeordneten als sattelfeste Kunstrichter. Als solche nahmen sie die sezesinistische Kunstrichtung schützend unter ihre Flügel und zogen gegen die offizielle Hofkunst zu Felde. Kein gutes . Haar . wurde an der projektierten Kunstrichtung gelassen, wogegen die Sezession, die von der Beteiligung an der Weltausstellung unbegreiflicher Weise ausgeschlossen wurde, selbst unter den Sozialdemokraten Warme Freunde fand.
Ihn eine Stunde.
, Nach dem Französischen deutsch bearbeitet von A. Geisel.
Nachdruck verboten.
Das Gesicht in den Händen bergend, lauschte Elise den mühsamen Atemzügen des Sterbenden; jetzt legte dieser die Hände auf ihren Scheitel und sagte leise: „Nicht wahr, mein Liebling, Du wirst die Seine werden ? Es ist ein so guter braver Mensch; es würde mir „ meine Sterbestunde erleichtern."
Entschlossen erhob sich Elise. „Jean Picard," fragte sie ernst und feierlich, „ist es noch immer Ihr Wunsch, mich zu heiraten?"
Ein leuchtender Strahl brach aus Jean Picards dunklen Augen, als er ehrfurchtsvoll sagte : „Es wäre mein größtes Glück, Fräulein! Seit Monaten ist's der Traum meines Lebens, Sie die Meine nennen zu . dürfen."
, „Aber Sie wissen, daß ich Sie nicht liebe," murmelte Elise so leise, daß der Sterbende es nicht hören konnte.
„Ich weiß es, Elise," antwortete Jean Picard eben w' i"se; „aber ich weiß auch, daß Sie eines Schützers bedürfen, und ich bitte Sie, lassen Sie mich dieser Beschützer sein., Geben Sie mir das Recht, Ihnen ein Heim bieten zu dürfen ; betrachten Sie mich als Ihren Freund und überlassen Sie es meiner Liebe, mit der Zeit die Ihrige zu erringen."
"O Jean, Sie sind ein edler Mensch," murmelte Elise, ihre Hand in die seine legend; der alte Lepage
Samstag, den 20. Februar 1904.
55. Jahrgang.
Der Reichstag beendete am Dienstag die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern, auch das der Budgetkommission überwiesene Kapitel Patentamt. Die Beratung des Postetats, die wie üblich bei dem Titel Staatssekretär begann, eröffnete Abg. Gröber (Ztr.), indem er die Resolutionen seiner Partei betr. Vorlegung einer neuen Statistik über tägliche Dienstzeit, Sonntagsruhe, Ruhezeit und Erholungsurlaub der mittleren und unteren Beamten, sowie Ausdehnung. der Be stimmungen über Sonntagsruhe auch auf katholische Feiertage befürwortet. ■ Er verlangte weiterhin Aufbesserung der Gehälter der Unterbeamten unter Beseitigung des Systems der gehobenen Stellen, Ausdehnung der Sonntagsruhe, und Achtung des Koalitionsrechts der Umerbeamten unter Hinweis auf die Tatsache, daß im Bereich der Reichspostverwaltung nur für die einzelnen Direktionsbezirke Unterbeamtenvereine gestattet würden. Staatssekretär Krälke tadelte, daß ein Reichs- tagsabgeordneter — gemeint war Herr v. Gerlach — die Unterbeamten gegen die Verwaltung aufgereizt habe. Bei der Aufrückung in die gehobenen Stellen würde nur nach der Tüchtigkeit gesehen. Im übrigen versicherte der Staatssekretär persönlich seines größten Wohlwollens bezüglich Regelung der Gehalts- und Urlaubsfragen, sowie bezüglich der Einteilung des Dienstes. Weiterhin kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem sozialdemokratischen Abg. Singer und dem Staatssekretär Krätke, die gleichfalls die vom Abg Gröber bereits angeregten Fragen betraf. Abg. Singer übernahm u. a. die Verteidigung des vom Staatssekretär angegriffenen Abg. v. Gerlach. Nachdem der nationalliberale Abg. Patzig für weitere Gehaltsauß besserung bei den Unterbeamten eingetreten war, wurde die Beratung auf Donnerstag vertagt.
— Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in der Sitzung vom Montag mit der fortgesetzten Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Saliuenverwaltung. Ein gewisses Interesse tat sich im Saale kund, als der unlängst auch in den Landtag gewählte Pole Kor- fanty feine Jungfernrede hielt. Doch zeigte sich, daß man zu unrecht den Maßstab besonderer Erwartungen an dieses Dcbnt gelegt hatte. Der Redner wich bald ganz von dem zur Beratung stehenden Thema ab, und Präsident von Kröher mußte ihn wiederholt unter der Heiterkeit des Hauses bitten, „doch auch etwas vom Bergetat zu erzählen." Minister Möller aber entgegnete kurz und prompt, er hätte großes erwartet vom Redner, aber nur kleines sei herausgekommen. Schließlich nmrde der Antrag Hirsch (Freist Vpt.) auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs noch in dieser Session, durch welchen die veralteten Bestimmungen des Berggesetzes "über die Knappschafts-Vereine mit der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiet der Arbeilerversicherung in Einklang gebracht werden.
In der Sitzung am Dienstag setzte das Abgeord- blickte befriedigt auf die Beiden und starb mit bein Bewußtsein, seinen Liebling Wohl versorgt znrückzulafsen.
Elise Lepage wurde Jean Picards Gattin, und anfänglich ging alles gut; der junge Arzt umgab seine Gattin mit der zartesten Sorgfalt und wartete geduldig darauf, daß seine warme Liebe ihr erstarrtes Herz neu erwärmen und beleben sollte. Aber Elise war eine zum Grübeln geneigte, übergewissenhafte Natur ; es bedrückte sie, die Neigung des Gatten nicht voll erwidern zu können, und Jean, durch ihr gleichmäßig scheues Wesen erkältet und abgestoßen, sich in sich selbst zurückzog, glaubte Elise, sie sei ihm gleichgültig geworden. Diese Annahme erfüllte sie mit um so tiferent Schmerz, als sie allmählich Liebe für den Gatten zu empfinden be gann -- freilich hütete sie sich tvohl, Jean ahnen zu lassen, daß dem so sei; denn sie fürchtete, ihm aufdringlich zu erscheinen, und so lebten diese beiden Menschen, die miteinander so glücklich hätten sein können, neben einander hin und fühlten sich beide elend.
Hauptsächlich infolge seiner wenig erquicklichen häuslichen Verhältnisse warf sich Jean Picard kopfüber in die Politik; er gehörte zu den begeisterten Barrikadenkämpfern, die nach der bliebe, (age von Sedan das Vaterland zu retten glaubten, indem sie es terrorisirten und in der Herrschaft der „Kommune" das erträumte Ideal erblickten! — Und dann kam der Rückschlag; die Kommunarden wurden verhaftet, verhört und schließlich verurteilt.
Elise wußte später nie zu sagen, wie sie diese schreck«
netenhaus die Beratung des Handelsetats fort. Die Einnahmen und die für die Bernsteinwerke vorgesehenen Ausgaben wurden bewilligt. Eine längere Debatte erregte der Antrag Fuchs auf eine derartige Abänderung des Warenhaussteuergesetzes, daß der Mittelstand besser geschützt wird, und der Antrag Funck auf Abänderung des Gewerbesteuergesetzes zur Entlastung der beiden unteren Steuerklassen.
- Der kommandierende General des 19. Armeekorps, General v. Treitschke, tritt am I. April in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Generalleutnant Vitztum v. Eckstände, Kommandeur per 40. Division in Chemnitz.
— Die dem Reichstage und dem preußischen Land- tage ungehörigen ehemaligen Militärs haben sich zu einer kameradschaftlichen Vereinigung zusammen geschlossen. .
— Wie sich aus den Ausweisungen über die Ausprägung von Münzen ergibt, wurde in den letzten Monaten vornehmlich auf die Prägung von Kronen und Zweimarkstücken Wert gelegt. Es hatte sich im geschäftlichen Verkehr sowohl ein Mangel an Silbermünzen, wie an der jetzt kleinsten Goldmünze bemerkbar gemacht, Um den ersteren Mangel abzuhelfen, wurde im letztverfloffenen Jahre hauptsächlich daran gearbeitet, möglichst große Summen silberner Fünfmarkstücke in den Verkehr zu bringen In den letzteil Monaten hat sich die Prägung auf den deutschen Münzstätten mehr dem Zweimarkstück zugewendet. So sind in den Monaten Dezember 1903 und Januar 1904 für nicht weniger als 6,5 Mill. Mk. dieser Münzen zur Ausprägung gelangt. Man wird annehmen können, daß nach einem so energischen Eingreifen auf dem Gebiete der Silbermünzen der hierin früher so sehr fühlbare Mangel wenigstens zu einem gewissen Teile beseitigt sein wird.
Ausland.
— Der japanische Gesandte in Rom macht die amtliche Mitteilung, daß nach ihm geworbenen Berichten die Verluste der kriegführenden Parteien wie folgt feien : Aus russischer Seite 16 Kriegsschiffe, 21 Handelsschiffe verloren, auf japanischer Seite 4 Kriegsschiffe und 9 Handelsschiffe verloren. Es ist dies das erstemal, daß von Japan der Verlust von 4 Kriegsschiffen zugegebcu wird.
— Aus Südwestafrika wird folgendes gemeldet: Am 16. und 19. Januar hatte Die Kompagnie in Outjo Gefechte südlich und östlich des Platzes. Der Feind wurde zurückgeschlagen. Verwundet ist Hauptmann Kliefot.. und Feldwebel Glatzel. Als ermorbet werden gemeldet die Ansiedler Karl Behre aus Eutin, Peters von der Farm Petersdorf, Franz Böttcher ans Hamburg,.. Schwarz von der Farm Sawanncs, ferner Paul Hoy, früherer Eisenbahnernnteroffizicr. Seine liche Zeit ertragen, halte, und als die Abschiedsstunde herannahte, und Jean in Begleitung zahlloser Gefährten eingeschifft Würbe,. vermochte sie sich nur mit Mühe aufrecht zu erhalten. Sollte sie beut Scheidenden be- kenn.cn, welche Wandlung ihr Herz inzwischen erfahren ? Doch nein er war so ruhig tuW ernst; fast väterlich erschien ihr sein Verhalten, und als er zum Abschied einen leisen Kuß auf ihre Stirn drückte, da zwang sie ihr laut pochendes Herz zur Ruhe und sagte sich mit bitterem Schmerz: „Nimm Dich zusammen — er begehrt Deine Liebe nicht mehr!"
Und doch —. das traurige Lächeln, der erwartungsvolle Blick, mit dem ihr Gatte sie angesehen, als sie ihm Adieu sagte, verfolgte sie wochenlang. Sie nahm sich vor, ihm zu schreiben, wie es ihr ums Herz war; allein als kein Bries, überhaupt kein Lebenszeichen von Jean, Picard eintraf, da wagte sie's nicht. Sie hatte ihn, zweimal geschrieben - kühle, pflichtmäßige Briefe; als die Antwort auf dieselben ausblieb, sagte sie sich, ihr Gatte wünsche seinen Briefwechsel, und fortan beschränkte sie sich darauf, all' ihre Gefühle und Empfindungen ihrem Tagebuche, das sie für den Abwesenden führte, anzuvertrauen. Und an der Hano dieser, je nach ihrer Stimmung in Briefform oder Tagebuch- form gehaltenen Auszeichnungen ließ sich ein getreues Spiegelbild Elise Picards herstellen; wenn Jean Picard wiederkehrte, wollte sie ihn, dies Tagebuch zu lesen geben,und vielleicht sonnten sie doch Beide noch glücklich werden! —