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chlüchtewrMung

Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 3. Februar 19(4.

Fortwährend

werden Abonnements auf die

Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner

Zeitnng den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J,-Nr. 3234 K.-A. Die durch die Polizci-Ver- ordnung vom 12. Mai v. Js. vorgeschriebene erst­malige Untersuchung sämtlicher Bierdruckapparate des Kreises hat der Kreisausschuß dem Herrn Ober- Brandmeister Orth hiersebst auf Kreiskosten über- tragcn, welcher in nächster Zeit damit beginnen wird.

Ich ersuche die Herren Ortspolizei-Verwalter des Kreises dem Herrn Orth bei Ausführung der Revision jederzeit tie erforderliche Unterstützung zu gewähren.

Schlüchtern, den 1. Februar 1904.

Der Königliche Landrat Roth.

Durch alle diese Aeußerungen treuer Teilnahme und liebevoller Anhänglichkeit bin Ich, so fährt der Erlaß fort, hoch beglückt worden. Dieselben trugen wesentlich zu meiner Festesfreude bei. Bei der Un­möglichkeit, alle Glückwünsche einzeln zu beantworten, spricht der Kaiser hierdurch allen die seiner freundlichst gedacht, wärmsten Dank aus. Der Erlast schließt: So lange Gott der Herr mir Leben und Gesundheit schenkt, werde ich nicht aufhören, meine Kräfte in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und auf das Wohl­ergehen des deutschen Volkes in allen seinen Schichten und Berufen von Herzen bedacht zu sein.

Endlos zogen sich am Samstag im Reichs die Debatten hin, und trostlos war der Anblick, h das Haus dabei gewährte. Der Gegenstand der Ver­handlung war gewiß wichtig, auf der Tagesordnung

stand die betreffend

vom Zentrum eingebrachte Interpellation die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, die

J.-Nr. 297 K.-A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden hierdurch veranlaßt, den Vor­anschlag für die Rcchnungsperivde 1. April 1904 bis dahin 1907 alsbald aufzustellen und bis spätestens den 25. Februar d. Js. in einem Exemplar hier vorzulegen.

Die Feststellung des Etats durch die Genwinde- Vertretung hat vorerst ,nicht stattzufinden. Die Formulare können im Kreisausschußbureau in Empfang genommen werden.

Schlüchtern, 30. Januar 1904.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

J.-Nr. 327 K.-A. Dem bei den Bauern Justus Ulrich in Dienst stehenden Dienstknecht Kaspar Schmidt zu Schwarzewels ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 25. Januar 1904.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Deich.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht einen Dankerlaß des Kaisers vom 29. Januar für die ihm zahlreicher denn je zugegangenen Glück- und Segenswünsche zum Geburtstage, worin namentlich die Freude über die Genesung des Kaisers und Wünsche für sein ferneres Wohlergehen ausgedrückt werden. Der Erlaß betont, daß auch im Auslande der Tag von deutschen Ange­hörigen fremder Länder festlich begangen worden sei.

Sicherung des Koalitionsrechts, die Errichtung von Arbeitervertretungen, also Dinge, die die Vocksver- tretung schon öfter als einmal verlangt hat; aber um Antwort der Regierung zu hören, war noch nicht de vierte Teil der Abgeordneten erschienen und währeno eines großen Teils der Sitzung war kaum ein halbes Hundert von Mitgliedern des Hauses anwesend. Große Reden vor leeren Bänken, leere Bänke bei großen Reden; kann es einen besseren Beweis dafür geben, daß die Reichsboten gar nicht darauf ausgehen, ein­ander zu überzeugen oder sich von einander überzeugen zu lassen ? Es wird aber allgemein zum Fenster hin- ausgeiprochen, und nur wenn Abstimmungen not­wendig werden, ist der Reichstag beschlußfähig. Jn- folgcdesfcn verlieren die Verhandlungen an Interesse, denn da die Herren Abgeordneten außerhalb gehört werden wollen, sagen sie alles, was sie auf dem Herzen haben, unbekümmert darum, ob es nicht schon vor ihnen ein anderer vielleicht besser und wirksamer gesagt hat. So erfuhr man auch am Samstag nach der Antwort des Grafen Posadowsky recht wenig Neues. Die Regierung ist geneigt, mit gewissen Ein« schränkungen und bis zu einem gewissen Grade den in der Interpellation niedergelegten Wünschen entgegen zu kommen. Die bürgerliche Linke und das Zentrum sind von dieser Auskunft ziemlich befriedigt, doch gehen diesen Parteien und natürlich erst -recht der Sozial- demokratie die Einschränkungen zu weit, während die Rechte das Entgegenkommen übertrieben findet.

Das preußische Abgeordnetehaus beschäftigte sich in der Samstagssitzung mit dem Domänenetat. Es handelt sich besonders um die Einführung einer neuen Verpachtungsart, bei der sich der Pachtpreis teilweise nach dem Preise der landwirtschaftlichen Er­zeugnisse richten soll. Der Domänenetat gab einer Anzahl von Abgeordneten die Gelegenheit, für die notleidende Landwirtschaft einzutreten, während andere

55. Jahrgang.

das Vorhandensein einer Notlage beftritten. Interessant gestaltet n sich auch die Verhandlungen über den Haustrunk in Niederselrers. Ein diesbezüglicher Antrag wurde einer Kommission überliefern Begonnen wurde noch mit dem Forstetat, aber ein Antrag auf Vertagung machte den Verhandlungen darüber ein vorzeitiges Ende.

Um neues Geld zu schaffen, wird die Berliner Käuze in diesem Jahre für 87 097 ('00 Mk. prägen und zwar Goldmünzen für 69000000 Alk. An Silbermünzen sollen zusammen für 16200000 Mk., an Mckelmünzen zusammen für 1626000 Mk. ausgeprägt j werden. In Kupfermünzen sollen in Einpfennigstücken | für 271000 Mk. ausgeprägt werden.

Die Vereinigung von Handelskammern des üederrheinisch-westfälisch .t Jndustriebezirks hatte seiner- ! ;eit bei dem Staatssekretär des Reichspostamts den Antrag gestellt, daß den Handelskammern gestattet werde, ihre dienstlichen Briefe mit der Bezeichnung Portopflichtige Dienstsache" versehen zu dürfen. Der Antrag ist nunmehr genehmigt worden.

Eingesegnet wurden am Freitag Mittag nach dem Empfang beim Kaiserpaar die Offiziere und Schwestern, welche die Fahrt nach Südwestafrika antreten. Es sind dies die Hauptleute v. Bajenski und Puder vom 16. Jnf.-Regt. und die Leutnants v. Rosenberg vom Kaiser Franz Reg., Findels vom 57. und Grunewald vom 34. Jnf.-Reg. Die Schwestern sind Lilly Hartog, Mary Jonas, Elfe Gilben, Helene Voll und Lisette Heintze.

Am Freitag Abend reiften die Schwestern vom Lehrter Bahnhof ab. Mit der Vorsitzenden des Frauenveieins für Krankenpklege in den deutschen Kolonien, Frau Staatssekretär v. Stephan, waren noch andere Vorstandsdamen erschienen, welche den Schwestern Blumen überreichten. Kurz vor der Ab­fahrt wurde Frau V. Stephan von einem königlichen Diener ein Paket übergeben. Es enthielt die Bilder des Kaisers und der Kaiserin mit eigenhändiger Unterschrift für jede der Schwestern. Auf dem Perron wurde dann bewegter Abschied genommen. Das Pub- likum, welches Zeuge der Szene war, winkte den Scheidenden herzliche Grüße, und einen Augenblick später führte sie der Zua ihrem ernsten Ziele ent­gegen._________________________ ________________________ _______

Ausland.

Aus Südwestafrika wird folgendes von Zülow gemcldet:

Halte Okahandja nach heftigem Kampfe seit 15. Januar mit 200 Mann besetzt. Kann mich noch einige Zeit halten. Warte auf Geschütze Habicht, erbitte Abteilung Artillerie. Schwache Windhuker Entsatzkorps mit Maschinengewehr 12. Januar und 13. Januar zurückgeworfen, wobei acht Reservisten gefallen sein sollen; Namen unbekannt. Verbindung

Dev ALVillingssetzrViegeVVatev.

Original-Militärhumoreske von I. Gaben.

Nachdruck verboten

Du lieber Himmel", dachte er, wenn die Beiden tie Bouquets als die ihrigen wieder erkennen, dann ist meine Aussicht auf eine heimliche Regognoszierung des des Terrains für heute vorüber."

Der Major hatte sich nicht geirrt.

Donnerwetter, Max, hörte er den einen sagen, mich soll der Teufel holen, wenn das nicht unsere Bouquets sind, welche dieser Herr so behutsam für« baß trägt."

Wahrhaftig, auch ich möchte darauf wetten", entgegnete der andere.Kurt, weißt Du was, ich gehe hin und erkundige mid) brevi manu, wie er zu diesen Blumen gekommen ist." Sprachs und schritt dreist auf den Major los.

Guten Morgen, mein Herr!" sagte er.Sie sehen in uns zwei Brüder, Max und Kurt von Feld- berg. Gestatten Sie uns eine Frage!"

O bitte, mein Herr, ich werde, so weit es in meinen Kräften steht, alles beantworten, entgegnete der Herr Major so freundlich wie möglich.

Wie sind Sie zu diesen Bouquets gekommen?"

Ich habe sie von einem Soldaten erhalten, der mich bat, sie an die beiden Fräuleins von Rödersbach im Scercstaurant abzugeben."

Sehr richtig. Wir hatten ihn beauftragt, dies zu tun! Warum hat er sie belästigt?" kam es fast zu gleicher Zeit aus dem Mund der Zwillinge, die jetzt mit finsteren Blicken vor dem Major standen.

Aus Gesundheitsrücksichten, denke ich", entgegnete Herr von Rödersbach lächelnd.Er hatte Hunger auf Leberknödel und hatte deshalb seinen früheren Schatz aus München ausgesucht."

O, dieser verdammte Halunke!" rief der eine von den Brüdern.Was machen mit mm, wenn tie Bou­quets mit den Briefen zu spät kommen?"

Dann schmeißen wir den Kaspar, dieses Hornvieh, morgen hinaus."

Und wir?"

Ja wir!" Einen Augenblick sahen sich die beiden Brüder wie in tötlicher Verlegenheit an, dann aber wandte der eine hastig sich an den Major.Mein Herr", begann er,ich halte Sie für einen Ehrenmann und möchte sie dringend bitten, wenn es Ihnen einiger­maßen möglich ist, diese Bouquets sofort den Adres- satiunen zu übermitteln. Von ihrem rechtzeitigen Er­scheinen hängt das Glück zweier Brautpaare ab. Sie werden ermessen können, was dies bedeutet. Hier haben Sie zehn Start für den Fall, daß Sie unvor­hergesehene Auslagen hätten wenn nicht, so behal­ten Sie die Kleinigkeit als dankbare Anerkennung, die wir Ihrer Freundlichkeit zollen. Aber bitte, eilen Sie!"

Meine Herren", entgegnete der Major,Ihr Vertrauen ehrt midi, und ich kann mir denken, daß

es sich in ihrer Angelegenheit um sehr wichtiges han­delt. Ich werde mich beeilen, den übernommenen Auf­trag so schnell wie möglich auszuführen, aber die klingende Belohnung muff ich dankbarst zurückweisen; ich lasse mir dergleichen Gefälligkeiten nicht bezahlen, umsomehr, als ich in diesem Falle die beiden Damen persönlich kenne".

Wie, Sie kennen die Fräulein von Rödersbach?" kam es fast einstimmig aus den Mund

Ja wir sind alte Bekannte!"

Woher! Wieso?"

Das werde ich den Herren vielleicht später er­zählen, dazu habe ich jetzt keine Zeit mehr, wenn ich meinen Auftrag zur rechten Zeit noch ausführen soll", versetzte der Major lächelnd, als er sah, welch be­lebende Wirkung seine Mitteilung bei den jungen Leuten hervorgerufen.

Sehr richtig", sagte der eine Herr und reichte dem Major warm die Hand.Gehen Sie, damit Sie um Gotteswillen nicht zu spät kommen. Sollten Sie uns aber einmal in München besuchen wollen, sollen Sie uns zu jeder Zeit angenehm sein. Wir wohnen Lndwigstraße 21.

Danke meine Herren!" erwiderte der Major, jedem der Zwillinge die Rechte drückend.Ich loill anuehmen, daß unser baldiges Wiedersehen ein beiderseitig recht nützliches werden wird. Leben Sie wohl, meine Herrn von Feldberg. Ihr werter Name wird mir stets in Erinnerung bleiben Adieu!"