Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 30. Januar 1904.

55. Jahrgang.

Fortwährend

werden Abonnements auf die Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schläch­tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Deutsches Deich.

Am Geburtstage des Kaisers prangte Berlin in festlichem Schmuck. Am Morgen fand großes Wecken statt. Während die Musik vor dem Schlosse spielte, trat der Kaiser an ein Fenster des Schlosses, vor dem eine große Menschenmenge die Auffahrt der Gratulanten erwartete. Um 9 Uhr nahm der Kaiser die Glück­wünsche derselben, des engeren Hofes, des Hauptquatiers, des Kabinettchefs entgegen und empfing im Pfeilersaale des Schlosses die Gratulationen der eingetroffenen Fürst« lichkeiten, der Prinzen und Prinzessinnen des König­lichen Hauses, der Hofchargen und des Gefolges-

Der Kaiser teilte dem Vorstände des preußischen Landeskriegerverbandes mit, daß er zum Ehrenvorsitzen­den des Verbandes den Kronprinzen ernannt habe.

Der Kaiser hat, wie dieKöln. Ztg." meldet, den Kardinal Fischer in Köln zum Zeichen seines Ver­trauens zum lebenslänglichen Mitgliede des Herren­hauses berufen.

Dick diesjährigen Kaisermanöver sollen zwischen dem 9. und 10. Armeekorps stattfinden.

Die 10. Deutsche Geweiheausstellung in Berlin ist am Mittwoch Nachmittag vom Kaiser eröffnet worden. Sie ist reich beschickt und birgt seltene Exemplare. Der erste Kaiserbecher fiel dem Monarchen selbst zu für den besten deutschen Rothirsch, der zweite Preis dem Fürsten Pleß.

\ . Der ^Reichstag, der am Montag wieder zu- sammentrat, erledigte zunächst seinen eigenen Etat. Dabei kam auch die Diätenfrage aus Grund eines nationalliberalen Antrags wieder zur Verhandlung und wurde eine entsprechende Resolution angenommen. Graf Posadowsky erklärte, für die Diätenbewilligung sei im Bundesrat keine Mehrheit zu erhalten. Von der Frei­sinnigen Volkspartei sprach Abgeordneter Dr. Müller- Meiningen für die Resolution. Beim Etat des Reichs- Reichsamts des Innern begann zum TitelStaats­sekretär" eine größere sozialpolitische Debatte, die das Haus längere Zeit lebhaft beschäftigte.

Am Dienstag jetzte der Reichstag die allgemeine sozialpolitische Debatte fort beim Etat .des Reichsamts des Innern. Den eigentlichen Clou bildete die Rede

Dev

Zwillings sehmiegevoatev

Original-Militärhumoreske von J. Gaben.

Nachdruck verboten

Siehst Du, das freut mich, daß Du nur wenigstens etwas Jtelligens zusprichst", entgegnete der Fragesteller zufneden vor sich hinnickend.Aber sag mal, mein Sohn", fuhr er, wie von einem plötzlichen Gedanken erleuchtet, auf,weiß denn Dein Herr Major auch, daß Du seinen Töchtern stets Blumen und Briefe bringst von den jungen Aerzten?"

Mei Major? Wie ko denn der dös wissen?" entgegnete der Bursche in einem Tone, als wenn er so etwas für unmöglich hielte.

Warum nicht?"

Na, schau, dös is a eigentümliche G'schicht. Unser Herr Major is scho bald anderthalb Jahr weg'n Krankheit beurlaubt, weil er mal mifn Pferd g'stürzl 'S und sich dabei bald 's Kreuz abbrochen hat", erzählte der Brave treuherzig.A Weib hat er nit, er is Wittwal (Witlwer), und da er unt'n im Italienischen auf seine G'sundheit wart'n muaß, so sand halt seine Moa Töchter ganz auf ihre Tante angewies'n, und die womit Halt, die zwoa Dokters waar'n a guate Partie ür die zwoa Madel und darin hat sie eigentlich lar nit so unrecht. Woaßt, wia die zwoa Zwillinge si?ammapass'n, so was hast noch nia g'seh,gu - a 6 eud is s, wenn's Du's anfchaugst. I sag Dir, wenn

des sächsischen Vertreters, im Bundesrat, Dr. Fischer. Vor ihm hatte der Antisemit Werner mit großer Wärme sich für das Handwrek ins Zeug gelegt, ohne jedoch einen anderen Erfolg zu erzielen, als die Erklärung des Grafen Posadowsky. daß unter keinen Umständen der allgemeine Besähigun gsnachweis wieder eingeführt wird. Der Bundesratsbevollmächtigte Dr. Fischer ging aus­führlich auf Crimmitschau ein, um die Wirkung der Rede des Abgeordneten Fischer zu zerstören. Als er von einem Berliner Professor behauptete, er habedie Stirn gehabt, zu erklären, daß die sächsische Regierung die Ausständigen mißhandelt habe", erregte er auf der Linken einen wilden Sturm. Aber dieser Sturm wurde zum Orkan, als er hinzufügte, Mißhandlungen hätten nur die Streikenden begangen, nur durch ihre Aus­schreitungen seien die Ausnahmemaßregeln hevorgerufen worden. Ihm folgte Abg Dr. Mugdan, im Zivillauf Arzt, der auf die Frage der Kassenärzte entging und hier scharf das Vorgehen der Sozialdemokraten kriti­sierte. Aber ganz wesentlich steigerte sich das Interesse, als Herr Heyl von Herrnsheim ins Gericht ging.

In der Sitzung vom Montag wurde im preu­ßischen Abgeordnetenhause die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Es sprachen zum Staatshaushaltsplan die Führer der Freikonservativen, der Freisinnigen Ver­einigung, der Polen und Konservativen und in deren Erwiderung die Minister von Hammerstein und von Podbielski. Die schon am Samstag erörterten Fragen der Kanalvorlage, des Vereinsgesetzes und der Totali­satorsteuer kamen nochmals, doch nicht in so scharfer Form zur Sprache.

Bei der Fortsetzung der Etatsberatung im Abge­ordnetenhause am Dienstag war eigentlich nur im Anfang und am Schluß der Sitzung vom Haushalt­plan die Rede. Die meiste Zeit wurde durch eine gegenseitige Abrechnung der Freikonserativen, National­liberalen und Konservativen in Anspruch genommen. Angeregt war diese Auseinandersetzung durch die Aeußerung des Abg. von -Zedlitz, der Liberalismus' verdiene keine Beachtung mehr. Endlich kommt man wieder auf den Etat zurück, der an die Budgetkom­mission verwiesen wird.

Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die hessen- nassauische Wahlkreise vertreten, hatten sich ohne Unter­schied der Parteiricht ung zu einer Sitzung eingefunden, um in eine Vorbesprechung des Gesetzentwurfs über die Fortbildungsschulen in der Provinz Hessen-Nassau einzutreten. Alan erkannte das Bedürfnis einer ge­setzlichen Regelung der Materie an, stellte sich der Vorlage sympatisch gegenüber und erklärte sie für eine geeignete Grundlage für die weiteren Beratungen.

Ausland.

DerKreuzzeitung" wird ein Telegramm aus Karibib zur Verfügung gestellt, wonach alle in Wind- huk befindlichen Personen in Sicherheit sind. Das da g'heiral't wird, und mei Dokters hab'n mi no nit aussig'schmiss'n, da sauf i mir an Freudenkanonenrausch an, denn nüchtern müaßt i ihna aufrichtig neidig sein."

Der gute Kaspar hätte in seinem Enthusiasmus für die beiden Zwillingsbraulpaare wohl no$ eine Viertelstunde weiter geschwärmt, wenn nicht der Portier im Wartesaal erschienen wäre und gerufen hätte: Höchste Zeit zum Einsteigen nach Starnberg!"

Diese Erinnerung gebot eine Trennung. Mit einem herzlichenVergelt's Gott für's Bier!" verabschiedete sich der Bursche von bem freundlichen Fremden, dieser aber stieg kopfschüttelnd in ein Abteilung zweiter Klasse uud murmelte:Donnerwetter und noch einmal! Zeit ist's, daß ich nach Hause komme".

II.

Aus der seltsamen Allwissenheit des Fremden und der Erzählung des braven Kaspar werden die ausmerk- famett Leser wohl schon erraten haben, daß der freund­liche korpulente Herr niemand anders war, als der Vater der weiblichen Zwillinge, die von den männlichen Zwillingen so verschwenderisch mit Blumen beschenkt wurden.

In der Tat war derfreundliche Herr" der Major von Roedersbach, der eher, wie man dachte, von feiner Erholungsreise zurückgekommen war. Er. hatte die Seinen nicht zu Hause getroffen, die Aufwärterin hatte, ihm jedoch gesagt, daß die Damen einen Ausflng nach Starnberg,gemacht hätten. Um sie dort zu überraschen, hatte sich der Major im behaglichen Zivilanznge auf-

Telegramm war nachmittags um 3 Uhr in Karibib aufgegeben und bereits abends 8 Uhr in Berlin ein» getroffen.

Aus Kapstadt wird vom 25. d. M. berichtet: Zu­verlässigen Meldungen aus Deutsch-Südwestafrika sollen sich jetzt alle Eingeborenen von der Grenze des Kap­landes bis-nach Windhuk, ja sogar bis zur portugie­sischen Grenze, erhoben haben. Windhuk werde von 5000 bis 8000 Eingeborenen belagert. Aus allen Steilen des Landes liegen Berichte über die Nieder- brennung von Farmen und die Ermordung von Kauf­leuten und Farmern, Frauen und Kindern, vor. Die Buschmänner sollen allerlei Greuel verüben, sie foltern und verbrennen ihre Gefangenen lebendig. Die Hererv sollen gelobt haben, jeden gefangenen Deutschen 31t Tode zu foltern. Selbst Optimisten erwarten einen langwierigen und schwierigen Feldzug. Zwischen der Kapregierung und den deutschen Behörden sollen Unter- Handlungen schweb n, damit den deutschen Truppen die Landung in Port Nolloth erlaubt wird.

Aus Otjinibingwe wird gemeldet: Die Bastards sind treu. An dem Ort sind 35 Gewehre. Kronwitter erschlagen. Laut sicherer Nachricht aus Okahandja kaun Zülow auch weiter aushalten. Versuche, mit Karibib Verbindung zu erhalten, sind wegen Bahnzer­störungen bei Waldau vereitelt. 16 Menschen sind ermordet, 70 werden vermißt. Die Reparaturen bei Khan dauern mindestens noch vier Tage. Man hofft, die Bahnverbindung bis Karibib halten zu können. Die Arbeit hinter Karibib ist vorläufig eingestellt. Man trifft Vorbereitungen, von dort zu Fuß vorzustoßen.

Males und Provinzielles.

Schlächtern, 29. Januar 1904.

* Die Staatssteuern für das IV. Vierteljahr des Rechnungsjahres 1903 sind bis zum 3. Fbr. d. J. int Rathaus zu entrichten, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen.

r Kaisers Geburtstag ist auch bei uns in alt­hergebrachter Weise durch Beflagung der öffentlichen und zahlreicher Privatgebäude, Schulfeiern, VereinS- festlichkeilen und durch ein im Hotel zum Stern ver- änstaltetes Festessen begangen worden. Bei letzterem brächte Herr Amtsrichter Hengsberger den Kaiser-Toast in kernigen, warm empfundenen Worten aus, und das begeisterte Hoch der stattlichen Tafelrunde auf den allverehrten Herrsckier bewies, daß der Redner den patriotischen Empfindungen Aller in trefflicher Weise Ausdruck verliehen. Das von Herrn Georg Denhardt gebotene Mahl war wiederum tadellos zubereitet und legte der Küche der Frau Denhardt alle Ehre ein. Gut gepflegte Weine trugen dazu bei, daß die Stirn mung gleich vom Beginn der Feier an eine festlich gehobene war. Auch die Kommerse, Veranstalter vom Bürger- und Turnverein waren gut besucht und über- all herrschte heitere und frohe Laune. Möae Kaiser gemacht und war, wie im ersten Kapitel geschildert, zufällig davon unterrichtet worden, daß es seinen Töch­tern während seiner Abwesenheit durchaus nicht an Liebe ermangelte.

Ueberraschend war ihm eigentlich diese Tatsache gar nicht, denn die beiden Einjährigen waren Söhne eines seiner liebsten Jungendfreunde, die dieser extra zu seinem Regiment gestellt. um sie zu tüchtigen Soldaten aus- zubilden.

Freilich hatte das böse Schicksal durch diesen Plan einen Querstrich gembcht, denn der Major war, ehe die beiden Aerzte als Freiwillige in das Regiment eintraten, im Manöver fast tötlich gestürzt und hatte bis jetzt fast anderthalb Jahre im Suden zubringen müssen, um sich von den Folgen seiner Verletzungen zu erholen.

Nun kam er zurück, um wieder in den Dienst zu treten.

Daß die beiden jungen Herren in seinem Hause verkehrten, war ihm anch nicht unbekannt geblieben, denn er hatte schon wiederholt Briefe von seinen Töchtern erhalten, in denen sie über diefurchtbare Nettigkeit" der Zwillinge schwärmten. Trotzdem flößte ihm das, was er in der letzten Stünde sah und hörte, eine ge­wisse Unruhe ein.

Die kurzen und bündigen Bekenntnisse des biederen Kaspar hatten ihm jeden Zweifel darüber genommen, daß sich das Liebesgepläukel der Zwillinge noch in der ersten Entwickelung befinden könne, und deshalb kratzte er sich jetzt sorgenvoll das weiche blonde Haupthaar