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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Deutsches Reich.

Sr. Maj. der Kaiser hielt am Freitag ein Kapitel des Schwarzen Adler-Ordens ab. Es wurden der Gemahl der Königin von Holland, der Erbprinz Wilhelm von Hohenzollern und der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses v. Köller in den Orden aus­genommen.

Das erste Verzeichnis der bei dem Reichstage eingegangenen Petitionen weist 554 Nummern auf. Die meisten der Bittschriften betreffen persönliche An­gelegenheiten, wie Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses, Errichtung einer ausreichenden Pensionsversorgun-g für Privatangestellte und deren Hinterbliebenen, Erhöhung des Ruhegehalts, Gewährung von Militär-Jnvaliden- pension, einer laufenden Unterstützung, Bewilligung der Kriegsteilnehmer-Beihilfe, Zubilligung einer Unfallrente, Rechtsschutz u. a. m. Weitere Petitionen, Mist von Gewerbegerichten ausgehend, betreffen die Angliederung der Kaufmannsgerichte an die Germ 'egerichte, die Ab­änderung des Börsengesetzes (Peten. sind meist Han­delskammern), Aenderung der Konku dnung, dahin­gehend, daß Dienstkautionen zu den vorrechtigten Forderungen gehören sollen, Abänderung des Jmpf- gesetzes, bezw. Beseitigung des Impfzwanges usw Neun Bittschriften sind alsunverständlich" bezeichnet.

Der Reichstag wird den Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers nachmittags um 4 Uhr durch / a Fest« mahl im Reichstagsgebäude feiern Das Herrenhaus begeht den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers in der Wandelhalle des neuen Gebäudes.

Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf zuge- gegangen, der die bisherige Friedenspräsenzstärke des Heeres auf ein Jahr verlängert. Die Begründung ist nur sechs Zeilen lang und beruft sich darauf, daß der Reichstag in der laufenden Sessionbereits über eine Reihe wichtiger und umfangreicher Vorlagen" zu beschließen haben werde.

Im Abgeordnetenhause machte Alterspräsident Schaffner Mitteilung über den Eingang verschiedener Vorlagen, darunter befinden sich eine Uebersicht der Entschließungen der Regierung auf Beschlüsse des Ab­geordnetenhauses aus der 19. Legislaturperiode, eine vergleichende Uebersicht der Ergebnisse der Veranlagung zur Einkommensteuer in den Jahren 1902 und 19* '3, der Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Reichs- Seuchengesetz, ferner die Nachweisung über den Betrieb der staatlichen Berg-, Hütten- und Salinenwerke, sowie der Bericht über die Betriebsergebnisse der preußischen und hessischen Staatsbahnen im Jahre 1902. Darauf wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten. Auf An­trag des Abg. Stengel (freikons.) erfolgte die Wahl des Präsidenten einzeln durch Akklamation. Auf Zu­ruf werden wiedergewählt als Präsident Abg. v. Kröcher, als erster Vizepräsident Abg. Dr. Porsch (Zentrum). Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten, des national-

Das Geheittrnis des Schleiers.

R»i».m von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Sabine streichelte bewegt die Wangen des lieblichen Mädchens, welches mit melodischer Stimme und weichen Worten Sigmund so warm verteidigte und ihm ein so guter Anwalt war, wie er sich selbst nie und nim- mer gewesen wäre.

Vertrauen Sie ihm, rufen Sie ihn zu sich", fuhr sie, ihre Freundin umarmend, fort.Ich fühle es an dem Schlag ihres Herzens, daß es ihm gehört. Sigmund verdient Ihre Liebe, er ist tot wie lebend der Ihre."

Hören Sie auf, Adrienne", rief Sabine, die sich schwach und schwankend werden fühlte.Ich habe mir ein Jahr der Probe gesetzt. Bleibt Sigmund in dieser Zeit treu und beständig, dann sprechen wir weiter."

Ein Jahr", seufzte Adrienne schmerzlich.Könnten Sie ihn sehen, Ihr Entschluß würde sicher geändert"

Acht Tage waren seit der Ankunft Tamerlans in Cannes verflossen und Faustin sprach von der Abreise Sabine erschrak.

Was soll aus mir werden, wenn Adrienne fort ist", sagte sie niedergeschlagen.

Ich sende einen andern für mich", sagte Adrienne beruhigend."

Sie schwankt immer noch", sagte Adrienne am

, den 33. Januar 1904.

liberalen Abg. Dr. Krause, verlassen etwa 50 Mitglie­der der Rechten unter stürmischer Heiterkeit der Zurück- bleibenden den Saal, um nach «folgtet- Wahl des Abg. Krause gleich wieder in den Saal zurückzukehren.

Ausland.

Die beunruhigenden Nachrichten über die Er­hebung der Hottentotten im Süden des deutschen Schutzgebiets von Südwestafrika sind leider bestätigt worden, trotzdem nach den kürzlich vom Gouvernement in Windhuk eingelaufenen Nachrichten, soweit dieselben bekannt geworden sind, anzunehmen war, daß die aus englischen Quellen stammenden Meldungen mindestens stark übertrieben waren. Um so überraschender kommt die amtliche Meldung von der Erhebung der Hereros. Daß die Situation ernst Alt, geht aus der schleunigen Sendung von Verstärkungen der Schutztruppe hervor. Was die Hereros zu dem Aufstande veranlaßt hat, läßt sich aus den offiziösen Mitteilungen bisher nicht ersehen. Ueber die Tragweite der letzten schlimmen Nachrichten läßt sich unter diesen Umständen noch kein sicheres Urteil gewinnen, namentlich nicht darüber, ob die Hoffnung berechtigt ist, daß der Aufstand auf einzelne Teile des 65 000 Köpfe starken Stammes be­schränkt bleiben, und ob es gelingen wird, die Ovam- bos im Norden des Schutzgebietes von der Teilnahme an der Erhebung zurückzuhalten. Sollten sich diese Hoffnungen nicht verwirklichen, so würden wir vor dem gefährlichsten Kolonialkrieg stehen, den wir bisher aus- zukämpfen hatten, und erhebliche Streitkräfte würden nach Südwestafrika geschickt werden müssen, wenn wir die Herrschaft über die Kolonie nicht verlieren wollen.

. Auf Grund dc-ä beunruhigenden Nachrichten aus Südwestafrika hat der Kaiser befohlen, daß bei jeder Marinestation 250 Mann Marine-Infanterie mit zu­gehörigen Offizieren, sowie ein Detachement der 2. Matrosen-Division mit 4 Maschinen-Kanonen zur Ver­wendung in Südwestafrika mobil gemacht werden sollen. Der Transport, dem sich ein Detachement Eisenbahntruppen der Armee anschließt, wird mittelst eines noch zu charternden Transportdampfers nach Südwestafrika in See gehen.

Beim Apell zur Mobilmachung der 2. Matrosen­division meldete sich auf das KommandoFreiwillige vor!" die ganze Division, 1000 Mann._____________

Die Haftpflicht der Handwerker. (Schluß.)

Nicht allein dies, auch für Handlungen seiner An­gestellten hastet der Meister im weitesten Umfange. § 831 bestimmt hierüber:Wer einen anderen zu einer Ver­richtung bestellt, ist zum Ersatze des Schadens verpflichtet, den der andere in Ausübung der Verrichtung einem anderen widerrechtlich zufügt." § 278 besagt:Der Schuldner hat ein Verschulden seines gesetzlichen Ver­treters und der Personen, deren er sich zur Erfüllung

Abend zu ihrem Vater.Ick gehe nicht eher von hier weg, bis ich Sigmund mein gegebenes Versprechen erfüllt habe."

Sigmund ist ein Narr", entgegnete der Philosoph achselzuckend.

Du traust ja selbst den Perzays nicht."

Aber ich liebe sie auch nicht. Wer liebt, der verzeiht auch."

Ist dies unter allen Uniständen der Fall?"

Fast ausnahmslos."

Wenn z. B. Theodor zu mir zurückkäme?"

Sprich nicht von ihm!"

Du hassest ihn, Vater."

Deinetwegen! Ich hasse die ganze Perzay-Familie ihr schönes Aeußere und gewinnenden Manieren birgt Hinterlist.

Eines Morgens trat Adrienne mit bleichem Auge« sicht zu Sabine und überreichte ihr einen Brief.

Die Gräfin erkannte Sigmund's Hand. Sie las:

Es ist mir gelungen, Deinen Aufenthalt zu er­fahren. Komme bald zurück Theodor liegt im Ster­ben und sehnt sich nach Dir, um Dich um Verzeihung zu bitten. Sigmund.

Was werden Sie tun ?"

Ich reife mit dem nächsten Zuge der Wunsch des Scheidenden ist mir heilig und dann--Sie verurteilen mich nicht, wenn ich gestehe, daß--

Sie ihn noch immer lieben."

Es sind die Folgen seiner Verwundung, ^ ;am

55. Jahrgang.

seiner Verbindlichkeit bedient, in gleichem Umfange zu vertreten, wie eigenes Verschulden." Seinen Kunden haftet danach der Meister für alle Schaden stiftenden Handlungen seines Personals unbedingt. Der Meister ist also nicht nur gegenüber seinen Gesellen und Lehr­lingen haftbar, sondern er hat auch deren Handlungen Dritten gegenüber zu vertreten und für deren Folgen aufzukommen. Das Gesetz will eben dafür sorgen, daß der Verletzte sich an einer möglichst kapitalkräftigen Person schadlos halten kann und es schiebt daher die Ersatzpflicht des Arbeitgebers in den Vordergrund. Endlich haften noch solche Kleister, welche eigenes Fuhr­werk oder Pferde, Stallvieh oder Hunde besitzen, für alle Schäden, welche diese Tiere durch scheuwerden, schlagen, stoßen, beißen usw. anrichten. Und zwar tritt diese Haftung selbst bann erst, wenn bei der Führung und Ueberwachung der Tierö alle erdenkliche Umsicht und Sorgfalt angewendet wurde. § 833 sagt: Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstandenen Schaden zu ersetzen." Was nun den Umfang der Schadenersatzpflicht anbetrifft, so hat der Haftpflichtige den gesamten Schaden zu ersetzen, den der Verletzte erlitten hat. Ueber den Begriff des gesamten Schadens sind in den §§ 842 ff. nähere Bestimmungen getroffen. Danach sind alle Nachteile zu ersetzen, welche die un­erlaubte Handlung für den Erwerb oder das Fort­kommen des Verletzten herbeiführt. Wird infolge einer Verletzung des Körpers oder der Gesundheit die Er« ,we,rbsfähigkeit des Verletzten aufgehoben oder gemindert oder tritt eine Vermehrung seiner Bedürfnisse ein, so ist dem Verletzten durch Errichtung einer Geldrente Schadenersatz zu leisten. Statt der Rente kann der Verletzte eine Abfindung in Kapital verlangen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Sodann hat der Verletzte einen Anspruch aus daS sog. Schmerzensgeld. Im Falle der Tötung hat der Ersatzpflichtige die Kosten der Beerdigung zu tragen und den alimentenberechtigten Hinterbliebenen durch Entrichtung einer Geldrente insoweit Schadenersatz zu leisten, als der Getötete während der mutmaßlichen Dauer seines Lebens zur Gewährung des Unterhalts gewesen sein würde. Gegen diese äußerst umfangreiche Haftung muß sich ein jeder Handwerksmeister bei Zeiten zu schützen suchen. Er muß dafür sorgen, daß in seinem Betriebe stets die musterhafteste Ordnung herrscht. Er muß nur Leute beschäftigen, die er als gewissenhaft und zuverlässig kennt, und auf die er sich verlassen kann. So kann er Unglücksfällen und damit die Er­hebung von Haftpflichtansprüchen größtenteils vorbeugen. Denn ganz wird ihm dies nie gelingen, lind so bleibt ihm als einziges Mittel, dem ihm durch Unfälle drohen­den, oft vollständigen wirtschaftlichen Ruin sicher zu

schon krank an und suchte uns auf. Der Vater empfing ihn rauh und heftig."

Sie sind ein Engel."

Sabine klingelte.

Packen Sie schnell meine Sachen", sagte sie zu der eintretenden Zofe, alsdann zu der staunenden Adrienne gewendet, sprach sie:Wir reisen mit einander. Theodor soll nicht sterben, ehe wir ihm verziehen haben.

Bringen wir ihm Ruhe und Frieden für die letzten bangen Kämpfe, die er, noch so jung schon auskämpfen soll."

Nach zwei Stunden fuhren sie gemeinschaftlich dem Comersee zu. In ernster Stimmung verbrachten sie den Reisetag, nur der alte Tamerlan bemühte sich zu unterhalten. Endlich gegen Abend wurde er müde und schlief ein. Da begannen Sabine und Adrienne mit einander zu flüstern.

Welch' traurige Segnung wird dies sein," hub Gräfin Gereudy an.Er ist bitter gestraft. Welch' glänzende schöne Zukunft hatte er zu erwarten, wie glücklich konnte er werden und nun dies vorschnelle Ende. Wie wunderbar sind. die Wege des Schik- sals. Wissen Sie, Adrienne, daß er sich schon einmal für tot ausgab, um sich von mir zu befreien, die ihn so liebte, wie nur ein Alaun je geliebt wurde? Er hatte den Mut nicht, mir ins Auge das Erkalten seiner Liebe zu gestehen. Nun ist es Wahrheit geworden und ich betrauere ihn von Herzen. Vielleicht hätte er seine Irrtümer noch gut gemacht, wenn er Zeit gehabt hätte,"