SchlüchterimMung
Erscheint Mittwoch und Samstag.. - Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 M. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Amtliches.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vorn 30. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 16. Junuar 1904 in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die bc- sondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses, hier Leipzigerstraße Nr. 3, und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten, hier Prinz Albrechtstraße 5/6, am 15. Januar |1904 in den Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends und am 16. Januar 1904 in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.
In diesen Bureaus werden auch die Legimations- karten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mitteilungeu in Bezug auf diese gemacht werden.
Berlin, am 31. Dezember 1903.
Der Minister des Innern gez. Frhr. von Hammerstein.
Der Landwirt Christoph Noll in Wahlert ist als Rechnungsführer der Gemeinde Wahlert bestätigt und verpflichtet worden.
Schlächtern, den 14. Januar 1904.
Der Königliche Landrat: Roth.
Samstag, den 16. Januar 1904. «■■■■■■■■■■■MHI
vormittags li Uhr nach Schwarzenfels vorzuladen und auch die Herrn Geistlichen von demTerminin Kenntnis zu setzen und daß dies geschehen, mir bis zum 20. Januar 1904 unerinnert anzuzeigen.
Die in Händen der Waisenräte befindlichen Vor- mundschaftsverzeigniffe sind zum Termine mitzubringen.
Schlächtern, den 8. Januar 1904.
Der Königliche Landrat: I. V.: Goerz.
Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerksam, daß die restlichen Kreissteuern pro 1903 bis zum 1. Februar d. I. an die Kreis-Kommunalkasse abzuliefern sind.
f Etwaige gesetzlich begründete Abgänge sind durch Abgangsliste nachzuweisen und ist diese Liste vor der Rest-Ablieferung zur Prüfung und Feststellung anh'er einzureichen.
Schlächtern, den 8. Januar 1904.
Der Vorsitzende des Krers-Ausschusses: Roth.
Für das Jahr 4904 werden die ordentlichen Körungstermine wie folgt- festgesetzt:
6. Februar in Schlächtern
23. April ,
25.
27.
29.
Juni August Oktober
Sterb ritz Sleinau Schlächtern
Schlächtern, 12. Januar 1904.
Der Königliche Landrat Ro
th-
Die Herrn Bürgermeister des Amtsgerichtsbezirks SchMr^rnfels werden hiermit veranlaßt, die Waisenräte ihrer resp. Gemeinden zum Zwecke der Belehrung derselben über ihre Obliegenheiten auf Donnerstag, den 21. Januar 1904, mittags 1 Uhr für die Gemeinden Heubach, Uttrichshausen und Oberzell nach Heubach und die der übrigen Gemeinden des Amtsgerichtsbezirks auf Freitag, den 22. Januar 1904,
D asG eheiinttis des SHleters.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten
„Du denkst doch nicht etwa an meinen Bruder?" „„Warum nicht? Ich setze bei den Menschen alles voraus, bei Theodor aber doppelt."
In diesem Augenblick trat Adrienne ins Zimmer, dunkle Röde übergoß ihre Wangen, als sie ihren Vater und Sigmund vor dem leeren Schubfach sah.
Beide wendeten sich schnell um. Sigmunds Angesicht drückte deutlich den Schmerz über das eben Gehörte aus, während ihr Vater verwundert die Verlegenheit der Eintretenden wahrnahm.
„Die Briefe sind verschwunden," sagte er ernst.
Einige Augenblicke herrschte tiefe Stille; Adrienne zögerte.
„Ich nahm sie," sagte sie alsdann, ihre Furcht überwindend. „Ich nahm sie, um" —
„Nun?" fragte Tamerlan, als er sah, daß seine Tochter stockte,
„Um sie der rechtmäßigen Eigentümerin zurück- zugeben.",
Deutsches Reich.
— Sr. Maß der Kaiser empfing am 12. Januar in Breslau kurz vot der Parade, die von dem Generalleutnant v. Goßler kommandiert wurde, den Fürstbischof Kopp. Um 12'/, Uhr fuhr der Kaiser im offenen Wagen nach der Kürassierkaserne, wo er das auf dem Kasernenhof aufgestellte Regiment begrüßte, und dann an dem Frühstück teilnahm, zu dem die direkten Vorgesetzten des Regiments, das kaiserliche Gefolge, sowie einige frühere Angehörige des Regiments geladen waren, Während des Frühstücks wurde an den drei- jüngsten Offizieren des Regiments der Ritterschlag vollzogen.
Nachmittags kurz vor 4 Uhr trat Sr. Maj. der Kaiser die Rückreise nach Potsdam an. Auf dem ganzen Wege von der Kaserne des Kürassierregiments bis zum Oberschlessischen Bahnhöfe wurde der Kaiser, der im offenen Wagen fuhr, von einer großen Volksmenge mit jubelnden Zurufen lebhaft begrüßt. Nachdem sich der Kaiser in der Vorhalle des Bahnhofs von dem Osfizierkorps verabschiedet hatte, bestieg er den Sonder- zug, der sich alsbald unter einem dreifachen Hurra der Offiziere in Bewegung setzte.
— Nachdem der Reichstag am Dienstag wieder eröffnet wurde, ist demselben zugegangen, eine Nach- weisung der durch den Reichshaushaltsetats für 1903 erfolgten und im Entwurf vom Reichshaushaltsetat für 1904 vorgeschlagenen Erhöhungen solcher Titel zu fortdauernden Ausgaben, bei denen im Rechnungsjahr 1902 Überschreitungen vorgekommen sind,
Dem Reichstag ist ferner die von dem Reichs- versicherungSamte ausgestellte Nachweisung der Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der zur Durchführung der Invalidenversicherung errichteten Versicherungsanstalten und der vom Bundesrat zugelassenen Kassen- einrichtungen für das Jahr 1902 zugegangen.
— Der Vorstand des Preußischen Landes-Krieger- Verbandes hat vor einigen Monaten zwei Kriegervereine des Kreises Landeshut in Schlesien, Schwarz- Waldau und Rothenbach, aus dem Landesverbände ausgeschlossen, weil sich herausgestellt hat, daß ein Teil der Mitglieder Socialdemokraten waren. Auf Veranlassung der Veremsvorstände sind die betreffenden sozialdemokratischen Mitglieder teils freiwillig aus den Vereinen ausgetreten, teils sind sie von den Generalversammlungen der Vereine ' ausgeschlossen worden, durch ihr ganzes Wesen und ihr Aeußeres von Herzen zu ihr hingezogen."
Sigmund hörte betrübt ihre Worte, bitterer Argwohn quälte ihn und Adrienne's Lob zeigte ihm wiederum aufs neue, was er verlor und er fühlte heiße Tränen in's Auge dringen.
„Warum tatest Du das?" fragte Tamerlan, welcher den Schritt seiner Tochter noch immer nicht begreifen konnte, aber seine Stimme klang ruhig und frei von Zorn.
„Weil ich Theodors Handlungsweise erbärmlich fand und weil ich fürchtete, es könnte sie einst jemand gegen die Gräfin benützen."
„Du hast recht getan," eutgegnete Tamerlan nach kurzem Schweigen und schloß die Lade, „hierdurch zeigtest Du deutlich, was Du gegen Deinen früheren Bräutigam fühlst, wenn Du ihn noch liebtest, wärest Du dessen nicht fähig gewesen. Nachdem ich ihm diesen Brief geschrieben, habe ich alles zwischen uns beendet. Willst Du ihn zu Ende hören?" wendete er sich an
Sigmund.
„Nein." Beide schauten ihn betroffen an, als
er
sich langsam, als läge Zentnerlast auf ihm, erhob.
„Warum soll ich mich damit noch quälen? mir es gleich, was Du Theodor noch zu sagen hast, ist ein Flug für uns alle und mein Leben hat er zerstört."
Langsam mit schleppenden Schritten verließ er das Zimmer. Adrienne folgte ihm leise. Als sie die luftige Halle betraten, wo alles blühte und duftete und von
ist
Er
„Der Gräfin Gerendy?" fragten beide Männer zugleich.
„Ja, ich trug sie ihr selbst hin und bin glücklich, daß ich gut machen konnte, was ich ohne mein Wissen ^..... ------- , , ■ .
und Willen ihr angetan habe, denn ich fühle mich «üppigem, wogendem Leben sprach, stand der M-ge Mann
55. Jahrgang.
demokratischen Elementen befreit hatten, und nachdem die Vorstände Vorbeugungsmaßregeln getroffen haben, durch welche das Wiedereindringen ungeeigneter Mitglieder für die Zukunft verhindert wird, hat der Vorstand des Landesverbandes dem Antrag auf Wieder- aufnahme beider Vereine jetzt Folge gegeben.
Ausland.
— Wie aus Peking gemeldet wird, ratifizierte der Kaiser von China die Handelsverträge mit Rußland und Japan. Nach den Vertragsbestimniungen ist China verpflichtet, Mulden und einige andere Häfen der Mandschurei sofort dem fremden Handel zu eröffnen. Diese Hä^en befinden sich aber nur noch dem Namen nach in chinesischen, tatsächlich in russischen Besitz. WaS aber wird Rup»...ö bezüglich ihrer Freigabe sagen?
— Dem „Berl. Tgbl." wird aus Petersburg gemeldet : Auf den Werken der mechanischen Werkstätte» Kamenskoje brachen infolge von Lohnherabsetzungen große Arbeiterunruhen aus. 10 000 Arbeiter stellten die Arbeit ein, demolierten die fertige» Waggons und die Werkstätten und legten Feuer an die Fabrik, von der ein Teil niederbrannte. AuS Jekaterinoslaw gingen zwei Bataillone Infanterie ab, doch waren bei ihrem Eintreffen die Unruhen bereits beigelegt und die Arbeit teilweise wieder ausgenommen. Das Unternehmen hat große Verluste erlitten. Kamenskoje zeichnete sich bisher dadurch aus, daß es von Arbeiterunruhen gänzlich unberührt geblieben war.
Lokales und Provinzieller.
Schlächtern, 1d. Januar 1904.
- 1 Dreiunddreißig Jahre sind am Montag, den 18. Januar verflossen, seit im Schlosse zu Versailles nach unvergleichlichem Kampf und Sieg taS deutsche Reich proklamiert wurde i.nb König Wilhelm 1. die Kaiserkrone sich aufs Haupt setzen durfte. Der Mann von Erz und Eisen, der damalige Bundeskanzler Graf Bismarck war es, der diese Proklamation vor einer glänzenden Fürstenversammlung vollzog, während der Großherzog von Baden das erste 'Hoch aus Kaiser Wilhelm 1. ausbrachte. Der 18. Januar ist somit ein Tag, an dem sich patriotische Männer versammeln und der großen Taten gedenken können, durch welche allen Deutschen ein gemeinsames Vaterland wiedergegeben wurde und sich in dankbarer Weise der Segnungen des Friedens zu erinnern und zu erfreuen, welche uns nun schon durch über drei Jahrzehnte zuteil geworden sind und hoffentlich noch auf lange, lange Zeit hinaus be- scheert sein werden.
—* Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für 1904 geht am Mittwoch, den 20. d. Mts. zu Ende. Wer bis zu diesem Tage seine Steuererklärung bei dem V orsitzenden der Veranlagungskommission nicht abge unwillkürlich still und blickte um sich.
„Wo ist die Sonne?" fragte er schmerzlich, „die uns Wärme und Nahrung spendet „ In mir ist alles kalt und finster."
„Sigmund," sagte Adrienne und faßte die Hand ihres Vetters. „Ich weiß nicht, was für Leid Dich bedrückt, daß Du so verzweifelt bist, aber ich bitte Dich, verlasse jetzt noch nicht unser Haus. Die Einsamkeit verdoppelt unsern Schmerz, bleibe bei mir, ich verstehe und teile ihn. Tragen wir unsere Last zusammmen, geteilter Schmerz ist ja halber Schmerz."
Der junge Mann antwortete nicht. Stumm ließ er sich durch das Mädchen, welches in weiblicher Zärtlichkeit ihre Hand in seiner Arm schob; die schattige Oelbaumallee auf- und niederführen. Sie sprach von der Sonne, welche nicht untergeht, sondern sich nur verbirgt, um ihre Strahlen durch die geteilten Wolken wieder hervorzusenden. Sie machte ihn auf die Lichter aufmerksam, welche das Dunkeldes Laubganges durchbrachen und ihren Weg erhellten und sprach noch von tausend anderen gleichgiltigen Dingen, wovon nur eine Frau zu sprechen versteht, wenn sie jemanden trösten oder zerstreuen will, und Adrienne sah mit Freuden^ daß Sigmund sich nach und nach beruhigte. Sie glaubce sich gänzlich von ihrer Liebe geheilt und wollte nun auch Sigmund heilen. Der Gedanke, beide Brüder so schnell zu verlieren, auf deren Ankunft sie sich so lange gefreut hatte, schmerzte sie, und so wollte sie wenigstens Sigmund halten, den» es erschien ihr öde »nd leer,