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Mittwoch, den 13. Januar 1904.

Deutsches Reich.

Se. Majestät der Kaiser hörte am 9. Januar- den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts und empfing um zwölf dreiviertel Uhr den Fürst-Erz­bischof pon Prag und Kardinal Freiherr v. Skrbenzky. Zur Mittagstafel bei dem Kaiserpaar waren geladen Kardinal Freiherr v. Skrbenzky, Reichskanzler. Graf Bülow, Staatssekretär Freiherr v. Richthofen, Minister Stndt, Chef des Zivilkabinetts Geh.-Rat v. Lucanus/ Kommandant des Hauptquartiers Generaladjutant v. Plessen und Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach.

Auf dcn Neujahrsglückwunsch des Berliner Magistrats an die Kaiserin ist von der hohen Frau folgende Antwort im Rathause eingetroffen:

Der Magistrat von Berlin hat mich durch seine Segenswünsche zum Neuen Jahr und durch seine Anteilnahme an allen frohen und ernsten Stunden, die. das vergangene Jahr der Königlichen Familie brächte, aufrichtig erfreut. Die Freude und Dank­barkeit, mit der auch die Einwohner Berlins eine Wiedergenesung des Kaisers begrüßt haben, hat mir besonders wohlgetan. Was der Magistrat auch im vergangenen Jahre zur Wohlfahrt der Reichshaupe- stadt und ihrer stets wachsenden Bevölkerung auf den verschiedensten Gebieten getan hat, verfolge ick' mit dankbarem Interesse.

Neues Palais, 8. Januar 1904.

Auguste Viktoria."

Das Staatsministerium trat am Samstag unter dein Vorsitz des Grafen Bülow zu einer Sitzung zusammen.

Die Weihnachtsferien des Reichstags sind zu Ende. Am gestrigen Dienstag traten in Berlin die Vertreter des deutschen Volks wiederum zusammen zu löblicheni Tnn Die Tagesordnung der ersten Sitzung ist sehr reichhaltig und enthält 13 Punkte: als ersten die definitive Wahl des Präsidenten und der Vize­präsidenten. Ferner schließt sich die Etatsberatung und eine Anzahl Interpellationen unter ihnen die der Abgg. Trimborn und Gen. (Regelung der Rechts­verhältnisse der Berufsvereine bezw. Errichtung von Arbeitskammern), sowie die Interpellation der Abgg. Rogalla v. Biberstein u. Gen. betr. die Kündigung her 1891 bis 1897 mit mehreren anderen Staaten abgeschlossenen Tarifverträge an. Nach den Ergebnissen der Plenarsitzung des Bundesrates vom Donnerstag ist es ferner sicher, daß der Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt oder bald nachher drei wichtige Gesetzentwürfe zugesellt erhalten wird, und zwar die EntwürfL-MsK-die Kaufmannsgerichte, Verlängerung des Friedenspräfenz-Gesetzes sowie die Novelle zum Servistarif Gesetz. Von ihnen sollen zwei mit dem 1. April 1904 zur Geltung gebracht werden. Die Verabschiedung des Friedenspräsenzgesetzes darf Wohl

Das Geheimnis des Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus beut Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Er fühlte sich unaussprechlich unglücklich. Der alte Faustin nahm von alledem nichts wahr, er laS mit gewissen, Behagen den Brief, welchen er Theodor in bitterm Zorn und in der Hoffnung, ihm Aerger zu bereiten, geschrieben hatte.

Ich beginne den Brief ohne Anrede, denn ich ver­achte Dich so tief, daß der Titel, den ich Dir geben würde, unmöglich zu Papier gebracht werden kann Du kannst ihn leicht erraten, wenn Du Dein Betragen uns gegenüber bedcekst, welches meiner Tochter, wenn sie nicht glücklicherweise Deine Charakterlosigkeit erkannt hätte, das Leben hätte kosten können Ich sage glück­licherweise, denn diese Verbindung war stets gegen meinen Wunsch. Ich nehme das Leben und die Welt wie sie sind und erwarte nichts von ihnen, knüpfe daher auch an Deine Besserung keine Hoffnungen, doch wollte ich, wenn Du einmal an meiner Seite gelebt hättest, Dir die Grenzen vorschreiben, bis zu der Deine Schwachheit gehen durfte, Deine bösen Leidenschaften einen Zügel anlegen und wenn es sein müßte, auch stärkere Mittel anwenden. Der Zufall wollte zu meiner großen Beruhigung, daß dies alles nicht mehr nötig ist. Das ermüdende Aufpassen und das Studieren Deines umic&Un Charakters hätte unterbleiben können,

als sicher angesehen werden. Ob das gleich bei der Novelle zum Servistarifgesetz der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Italien, deren Beginn schon für den 4. Januar in Aussicht genommen war, haben sich durch persönliche Dispositionen der Unterhändler ver­zögert und werden erst Ende dieser Woche in Rom ausgenommen werden. Wie derBerl. Börs.-Kour." hört, sind dieselben Herren, welche die Verhandlungen mit Rußland zu pflegen hatten, zu den Besprechungen in Rom entsandt worden. Es werden daher die Ver­handlungen Mit Rußland frühestens Anfangs Februar wieder ausgenommen werden können. Die Meldung jedoch, daß die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt seien und zunächst versucht werden soll, gewisse Schwierigkeiten auf diplomatischem Wege zu heben, sei durchaus unbegründet.

Die nordwestliche Gruppe der deutschen In­dustriellen beschloß, pro Kopf ihrer Arbeiter monatlich 50 Pfg. an die Crimmitschauer Industriellen zu senden.

Eine neue Mittelstands-Vereinigung ist unter dem Namen allgemeiner Verein der Gewerbetreibenden Deutschland ins Leben getreten. Die neue Organisation bezweckt den Zusammenschluß aller Gewerbetreibenden, um den Mittelstand zu erhalten und bekämpft neben den Konsum- und Sparvereinen auch die Waren­häuser.

Die vielfachen Klagen der Landlehrer wegen zu niedriger Bewertung der Dienstwohnungen haben dem Kultusminister Anlaß gegeben, die Bezirks­regierungen zu beauftragen, im Jahre 1904 eine Neueinschätzung derLehrerdienstwohnungen vorzunehmen.

DerMagdeb. Ztg." wird aus Berlin berichtet: Augenblicklich sind Verhandlungen im Gange, um einen großen, ganz Deutschland umfassenden Verband der Textilfabrikanten aller Branchen zu konstruieren, damit man in Zukunft ein für allemal den übertriebenen Forderungen sozialdemokratischer Arbeiter vollkommen gerüstet gegenüberstehen könne. Die Vorbereitungen sind dein Abschluß nahe.

Ausland.

Die Rekonvaleszenz des Königs von Dänemark schreitet, wie aus Gmunden berichtet wird, fort. Der König wird in Wiesbaden die Kur gebrauchen, nach deren Beendigung er der in Gmunden stattfindenden Vermählung der Prinzessin Alexandra vom Cumber- land beiwohnen wird.

Die Marine-Kommission unterbreitete infolge der vom Leutnant Peary in Deutschland und England angestellten Erhebungen den Vorschlag, Kasernen unweit Newyork und der Chesapeakebucht mit einem Kostenaufwande von je 6(0000 Doll. zu errichten. Die Kommission betont, daß bezüglich der inneren was ich aber daraus lernte, wird mir int Leben von großem Nutzen sein. Ich kenne nun Deine Familie und gestehe, daß selbst ich als Menschenkenner staune, denn wenig Familien können sich solch außerordent­licher Mitglieder, die sich alle auf ein Haar gleichen, rühmen."

Von wem redest Du?" fragte Sigmund.

Von Euch," entgegnete kurz und kalt Faustin und las weiter.

Wäre ich ein Schriftsteller, so würde ich ein prächtiges Bild der Familie Perzay entwerfen. Die Heldenrolle erteilte ich selbstverständlich Dir. Da ich aber nicht zu diesen Auserwählten gehöre, so sind nur diese wenigen Zeilen für Dich bestimmt und Du wirst sie wohl keinesfalls der Nachwelt tiberliefern wollen "

Laut lachend ließ er den Brief sinken und schaute Sigmund spöttig an. ^Dieser aus seiner Schweigsam­keit und Zersterstreutheit gerüttelt, begegnete zornig den Blicken seines Onkels.

Warum sollte ich dies zu Ende hören?" fragte er gereizt.

Weder ich, noch Bertalan haben Theodor's Be- lragen gerechtfertigt; warum geißelst Du uns alle? Und wenn Du uns schilderst, so dürftest Du von den Söhnen Deiner verstorbenen Schwester auch nicht in der Weise sprechen, sondern uns mit gutem Rat und weisen Lehren beistehen, wenn wir irrten."

Soll ich Euch die Lehre Christi verkünden, von welcher ich selbst nichts halte? Pon ewiger Strafe

55. Jahrgang, ©tnrtcfymn^

Vorzug vor dem englischen verdient.

Im _ fernen Osten schwankt die Wage weiter zwischen Krieg und Frieden und wenn man aus den vorliegenden Nachrichten überhaupt einen Schluß zu zu ziehen vermag, so hat sie sich weiter zu Gunsten des Krieges geneigt. Es ist -fein gntes Zeichen, daß die Antwort Rußlands so geheimnisvoll behandelt wird und man geht kaum fehl in der Annahme, daß sie so ausgefallen ist, daß ihr Bekanntwerden die kriegerische Stimmung des japanischen Volkes bis zu einem bedenklichen Grade steigern würde. Um sich nicht einem Drucke von dieser Seite auSzusetzen und freie Hand zu behalten, ist die Regierung aufs Aengst- lichste bemüht, nichts durchsickern zu lassen Inzwischen aber meldet ein Telegramm, daß 35000 Mann japanische Truppen nach Korea mobil gemacht sind.

Nach Meldungen aus Tokio hat Japan so gut wie beschlossen, die Verhandlungen mit Rußland fortzusetzen. Bevor es zur Gewalt schreitet, will Japan nochmals versuchen, eine Abänderung der Vorschläge Rußlands zu erwirken.

Die japanischen Agenten machen in Cincinnati Bestellungen auf Kavalleriepferde; mehrere Wagen­ladungen sind bereits gekauft Rußland bestellte in Cincinnati 10 Wagenladungen Rindfleisch in Büchsen welche schnellstens zu liefern sind.

Infolge des in Buenos Aires herrschenden Ausstandes ist das Geschäftsleben völlig lahmt gelegt. Die Getreidebörse ist geschlossen. 2 Regimenter Kavallerie wurden zum Schutze der Arbeitswilligen nach den Docks entsandt.

Mutes und Provinzielles.

Schlächtern, 12. Januar 1904.

* Sitzung der Stadtverordneten vom 11. Jan. 1) Die neugewühlten Stadtverordneten wurden einge­führt und verpflichtet. 2) Zum Bureau wurden wie­dergewählt Stadtverordnetenvorst. L. Schäfer, Stellv. Reis, Schriftf. Dr. Schneggelsberg, Stellv. J. H. Rotschild. 3) Die Vereinigung der Privatmädchen- schule mit der Lateinschule an dem Realunterricht in den 3 unteren Klassen wurde dem Magistratsantrag entsprechend beschlossen. 4) Zum Bau eines besseren Ver­bindungsweges zwischen Schlüchtern und Hohenzell wurden 40ÖU Mark zur Verfügung gestellt.

* Stenographie. Der Staatssekretär des Reichs­amts des Innern, Graf Posadowsky, der in den Ehrenausschuß für den Frankfurter Stenographen« Kongreß nach Stolze und Schrey eingetreten war, hat nach Neberreichung des gedrukten Berichts über den Kongreß sein lebhaftes Interesse sowohl für die Leist­ungen der Stenographen als auch für diejenigen der Maschinenschreiber bekundet. In unseeer Zeit, so äußerte nach den Mitteilungen des ^Deutschen Srcno-

sprechen, die es nicht gibt? Oder Euch den Erlöser zeigen, der ein Mensch, wie alle übrigens nur viel weiser und besser war? Nein, ich bin nicht einfältig genug, mich zur Zielscheibe Eures Spottes zu machen. Jeder soll so leben, wie es ihm M:d>t. Der Weise lacht über den Einfältigen und der Kluge hat die Macht, dem Dummen seine Fehler vorzuhalten und dies tat ich soeben Theodor gegenüber."

Aber Du mußtest, sie weinend schreiben, sdenn sie zerstören das Glück Deines Kindes."

Denkst Du?" fragte Tamerlan. Es scheint, Du hast den Anfang meines Briefes nicht gehört. Adrienne Hat Deinen Bruder erkannt und sich von ihm loSgesagt. Ich werde Dir gleich erzählen weshalb."

Sigmund hörte erschrocken diese Worte, er tränte Theodor alles Schlechte zu Faustin schilderte ihm nun in lebhaften Farben die Übergabe der Briefe und seine Flucht nach Pest.

Wo hast Du diese Briese?" fragte Sigmund erregt.

Der Alte zog eine Schublade heraus, aber staunend rief er :

Sie sind nicht mehr hier. Wo können sie fein?'

Sigmund sprang auf.Verschwunden?" fragte er bestürzt.

Es muß sie jemand hinweggenommen haben, aber wer?" brüllte Tamerlan wütend.Es kann doch niemand zu dieser Schublade gelangen, auch haben die Briefe nur für eine Person Vert." (Furts. folgt.)