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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 9. Januar 1904

Amtliches.

Diejenigen Herrn Bürgermeister des Kreises, welche n»$ mit der Erledigung meiner Verfügung vom 10. Dezember v. J. J.-N. 7611 betreffend die Einreichung einer Nachweisung über die im Laufe des Jahres 1903 geschlachteten und als mit Finnen behaftet befundenen Rinder und Kälber im Rückstände sind, werden hier­durch mit 3 Tagen Frist an die Erledigung erinnert.

Schlüchtern, den 2. Januar 1904.

Der Königliche Landrat: I. V.: Goerz.

Deutsches Kelch.

Zur Mittagstafel bei Ihren Majestäten war am Donnerstag Herr Geh. Oberregierungsrat Koser geladen. Später unternahm der Kaiser einen Spazier- gang jund arbeitete sodann allein. Anderntags nahm der Kaiser die Verträge des Kriegsministers, des General-Inspekteurs der Festungen, des Geueral- stabeS der Armee und des Chefs des Militärkabinetts entgegen.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Wortlaut der anläßlich der Brandkatastrophe in Chi- kago zwischen dem Kaiser und Präsident Roosevelt ge­wechselten Telegramme. Das des Kaisers ist bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt worden.. Die Ant­wort des Präsidenten Roosevelt lautet:

Washington, 2. Januar. An Ihre Majestäten den Deutschen Kaiser und die Deutsche Kaiserin, Berlin.

Ihre aus Herzensgrund und edlem Gemüt redende Depesche bezüglich des schmerzvollen Unglücks, das die Einwohner von Chikago betroffen, habe ich er­halten und den Behörden der Stadt Ihr tiefes Mit­gefühl ausgedrückt. Empfangen Sie meinen und des amerikanischen Volkes herzlichen Dank und beste Glückwünsche und möge ein gütiger Gott Sie und Ihr Volk, sowie das unsere vor ähnlichen schweren Unfällen möglichst bewahren.

Theodore Roosevelt."

Ein Besuch des Kaiserpaares in Schlesien steht nach derSchl. Ztg." am 11. bevor. Den Anlaß dazu bildet die Vermählung der Hofdame der Kaiserin Gräfin Armgard ßu Stolberg-Wernigerode auf Kreppel- Hof bei Landeshut, mit dem Korvettenkapitän Grasen Platen zu Hallermund, Adjutanten bei der Inspektion des Bildungswesens der Marine in Kiel, früheren Flügeladjutanten des Kaisers und Militärgouverneur der kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar vM Preußen. Die Trauung findet in der Gnaden kirche zu Landeshut statt.

Der König von Sachsen wird zum Geburtstage des Kaisers persönlich nach Berlin kommen.

Laut einer Kopenhagener Meldung zdeSBerl. Lok.-Anz." ist das Befinden des in Gmunden weilen-

Das Geheimnis des Schleiers.

Roman voN H. v. Beuitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Sabine erhob stolz das Haupt. Ich will ihin in diesem Leben nicht mehr begegnen," sagte sie ohne Erregung, aber so entschieden, daß Bertalan fühlte, es sei ihr letztes Wort,Aber lassen Sie Theodor Perzay wissen," fuhr sie jedes Wort betonend fort,daß er in allen Lebenslagen auf mich zählen kann. Mag er sich durch Sie oder Sigmund, oder brieflich an mich wenden, doch ihm selbst bleibt mein Haus verschlossen."

Eine dunkle Röte überzog Bertalans Angesicht bei diesen strengen Worten. Er verneigte sich und verließ nachdenklich den Palast. Wort für Wort hinterbrachte er Theodor sein Gespräch mit der Gräfin, welches diesen in unbeschreiblichen Zorn versetzte.

Sie will mich beschämen," rief er.Es ist ihre Rache, aber sie soll sich hüten. Ich habe ein Mittel gegen sie in Händen, dessen Wirkung sich nie mehr gut machen ließe."

Meinst Du ihre Briefe?" fragte Bertalan.Wenn Du dieser Handlung fähig wärest, so hörte zwischen uns jede Verbindung auf. Solcher Niedrigkeit darf sich ein Perzay nicht schuldig machen."

Ihre Liebe hat sich in Haß verwandelt. Sie, die mich einst liebte, kann das Geschehene nicht verzeihen und straft glich mit Ihrer Verachtung." Fast weinend

SS. Jahrgans.

den Königs von Dänemark unbefriedigend, der König fühle sich entkräftet und leide große Schmerzen.

Bei dem Minister des Innern fand eine Kon­ferenz sämtlicher Oberpräsidenten statt. Aus Anlaß der Konferenz der Oberpräsidenten fand beim Frh. v. Hammerstein ein Diner statt, woran der Kaiser, der Reichskanzler und der Finanzminister teilnahmen.

Die neue Berliner Handelshochschule soll auch den Leamten der Justizverwaltung dienen. Als gut­achtliches Organ wird ein großer Rat bestellt, der erste Rektor wird von bem letzteren ernannt. Das Reife­zeugnis wird von den Studierenden nicht verlangt. Der Studienplan ist aus vier Semester berechnet.

Ausland.

Am 7. d. traten die neuen Adjutanten des Königs von Serbien ihre Stellungen an. Die Entfernung der Hauptverschwörer Kostitsch und Antitsch macht einen günstigen Eindruck. Man glaubt, daß am serbischen Hofe binnen kurzem normale Verhältnisse eintreten werden.

In Burgas haben drei bulgarische Offiziere die Porträts des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland zerfetzt. Der dortige konsularische Ver­treter Griechenlands hat daraufhin Genugtuung verlangt.

Die bulgarisch-russische Lage hat sich in letzter Zeit augenscheinlich befestigt. Als ein neuer Beweis dafür möge der Umstand dienen, daß Fürst Ferdinand einen besonderen militärischen Agenten nach Petersburg schickte in der Person seines früheren Flügeladjutanten, des gegenwärtigen Oberstleutnants des Generalstabes Patadowo.

Am 12. November wurde die Filialstation auf der im Bismarck-Archipel liegenden Munduainsel von eingeborenen angegriffen. Der Händler Rouer erhielt zwei Speerwunden, ist aber mit seiner Familie nach Herbertshöhe entkommen. Das Gouvernement hat 50 Mann Schutztruppen nach dem Tatort entsandt, durch welche 25 Eingeborene getötet wurden. Als angebliche Ursache der Tat wird der Umstand bezeich­net, daß die Europäer Land, daß sie bereits bezahlt hatten, übernehmen wollten, worauf der Ueberfall er­folgte.

Der Windhoeker Korrespondent derKolonialen Zeitschrift" teilt durch Kabeltelegram mit, daß auch im Osten des südwestafrikanischen SämtzgebieteS Unruhen unter der eingeborenen Bevölkerung auSgebrochen sind. Der Stamm der Bandjerus ist aufsässig geworden und hat bereits drei Farmer ausgeplündert. Eine beschleunigte militärische Aktion zur Vermeidung weiterer Schädig­ungen der dortigen weißen Bevölkerung erscheint unauf­schiebbar. Am 4. Januar hat ein Ersatztransport für Die südwestafrikanische Schutztruppe in Stärke von fünf Offizieren und 230 Unteroffizieren und Mannschaften, welche sich auf 3 7a Jahren verpflichtet haben, die Ausreise nach Afrika angetreten. Transportführer ist stieß er die letzten Worte hervor. Sein Stolz und sein unbeständiges Her^ wären durch Sabines Benehmen aufs Aeußerste gereizt.

XXII.

Die Gerendyffche Erbschaftsangelegenheit war in einigen Tagen so weit geordnet, daß Sabine den Zeit­punkt ihrer Abreise bestimmen konnte. Mit Ungeduld erwartete sie die kalre Winterluft Ungarns mit der milden, süß duftenden Italiens zu vertauschen. Noch eine Nacht sollte sie in ihrem Palais zubringen. Ernste Gedanken beschäftigten Sabine; sie wollte Pest zwar verlassen, aber nicht mehr an den Commersee zurück­kehren. Nein, tief nach dem Süden gedachte sie zu gehen, niemand sollte um ihren Aufenthalt wissen, selbst der nicht, welcher sie von Stunde zu Stunde voll Sehn­sucht erwartete. Langsam vergingen die Stunden Am Kamin gelehnt erwartete sie ihren Anwalt, mit welchem sie vor der Abfahrt noch Verschiedenes zu besprechen hatte, da meldete der Diener den Grafen Balkanyi.

Sehr angenehm," sagte Sabine, welche wirklich froh war, ihre Einsamkeit mit jemanden teilen zu können. Balkanyi trat ein.

Sie wollen also Pest morgen bestimmt verlassen ?" sagte er ernst.

Ja, und auf recht lange Zeit."

Bindet Sie nichts Hier, Gräfin? Weder das An­denken an die Vergangenheit, noch Hoffnung auf die Zukunft?"

Die Erinnerungen haben für niich lyenig Wert

Oberleutnant von Winkler, der bereits sechs Jahre in Südwestafrika tätig ist. Die Fahrt erfolgt von Cux- Haven aus auf einem Dampfer der Woermann-Linie. Die Ankunft in Swakopmund wird am 3. oder 4. Februar erwartet. Dem Kemmandeur der südwesk- afrikanischen Schutztruppen wird bei den jetzigen Unruhe« diese Verstärkung gewiß sehr willkommen sein.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 8. Januar 1904.

* Alle Mitglieder des Landwirtschaftlichen Kreit- vereins Schlüchtern, welche uns mit Inserat-Aufträge« beehren, bitten wir, um fernerhin Irrtum zu vermei­den, stets auf das Inserat:Landwirtschaft!. Bereits zu bemerken.

* Aus Soden wird uns folgendes geschrieben mit der Bitte um Veröffen lichung: Jüngst teilte das Kreisblatt einen Neujahrsgrüß des Herrn von Reichenau an seine Mitbürger in Soden mit. Einem Nichtkenner der hiesigen Verhältnisse konnte nach Lesung wohl der Gedanke kommen, es gebe dahier sonst Niemand mehrt, der sich um die Gemeinde Soden Verdienste erworben habe. Wir stehen nicht an, unsern Herr Bürgermeister Berta als einen unserer verdienstvollen Bürgern zu bezeichnen. Seinen Bemühungen verdanken wir ei/ daß unsere Stadt sich zu dem emporgeschwungen hat, was sie jetzt ist, vor allen Dingen schuldenfrei, war sie vor seinem Eintritte in das Bürgermeisteramt nicht war. Alle Schöpfungen, die sich hier allmählig heraus gebildet haben, wären ohne sein eifriges und erfolg» reiches Mitwirken in ihren Anfängen erstickt worden. Alle, in bürgerlicher, wie kirchlicher Beziehung getrof» fenen Einrichtungen sind hauptsächlich dem entschie­denen Eingreifen des Herrn Bürgermeister Berta zu verdanken. Wie verdienstvoll Herr Berta auch i« weiteren Kreisen gewirkt hat, würde der KreisauSschuß wie auch die Kommunal-Verwaltung ihm sicherlich per zeugen können. Einen solchen Mann an der Spitze der Gemeinde zu sehen, darf die Gemeinde nicht nur mit gerechtem Stolz erfüllen, sondern muß dieselbe auch dringen, denselben sich zu erhalten. Nur blinde «utz

zugleich undankbare Menschen können sich solcher Empfindungen entschlagen. Wir wünschen alle von ganzer Seele, daß Herr Bürgermeister Berta uns als solcher noch recht viele Jahre erhalten bleibe und seinen weiteren Bemühungen

es gelingen möge, die begonnene» Pläne gfßf*

bei neuen Jahres. Des

zum Wohle der Stadt bereits lich durchzuführen.

* Eine Eigentümlichkeit neue Jahr 1904 zeigt eine

seltene Eigentümlichkeit.

Der Charsreitag fällt merkwürdigerweise auf den 1. April, Ostern ist somit am 3. April. Für alle die Städte, wo mit dem Wechsel des Quartals umg«z»M wird, dürfte dieser Umstand besondere Schwierigkeiten bringen. Nicht ganz so leicht zu merken ist der Tag und die Zukunft ist in dunkles Grau gehüllt."

Wenn es aber jemanden gäbe, dessen aufrichtige- Bestreben es wäre, Sie glücklich zu machen und für die verlorene Jugend zu entschädigen, würden Sie stch^ auch dann nicht zur Aufgabe der Reise entschließen

Nein," sagte Sabine leise, denn sie fürchtete dar Geständnis von Balkanyi's Lippen,auch dann nicht. Mein erstorbenes Herz ist solch warmer Gefühle nicht wert. Wenn die Lava das Feuer des Aetna verläßt und sich zerstreut, so bleibt sie kalt. Meine Gefühle, sind erstorben.'

Sie beurteilen sich ungerecht, Gräfin," entgegnete Balkanyi lebhaft, welcher auf seine Frage eine andere Antwort von Sabine e>wartet hatte.Wir sind oft mutlos und nur andere sind im Stande, uns wieder aufzurütteln. Entscheiden Sie heut noch nicht. Ich bin bereit zu warten, so lange Sie wollen, nur neuntes Sie mir nicht jede- Hoffnung."

Ich kann Ihnen weder jetzt noch für später Hoffnung machen."

Ist das Ihr letztes Wort?"

Nicht das letzte zu Ihnen; denn ich denkt, wir werden unsere Freundschaft aufrecht erhalten, aber das letzte Wort auf die Frage, welche Sie an niich richtete»."

Dann lieben Sie einen andern?"

Ich weiß es selbst nicht! Vielleicht entzündet sich der Funke in meinem Herzen nie wieder."

Balkanyi antwortete nicht, er war durch ihre Wort sehr enttäuscht. Obwohl er früher von dein Geruch