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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 6. Januar 1904.

55. Jahrgang.

Amtliches.

Diejenigen Herrn Bürgermeister des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 11. Februar 1903, J.-Nr. 828 betreffend die Ermit­telung der Hagelwetter usw. im Jahre 1903 im Ruck- stande sind, werden an die Erledigung mit 3 Tagen Frist erinnert.

Schlüchtern, den 2. Januar 1904.

Der Königliche Landrat: J. V.: Goerz.

Diejenigen Herrn Bürgermeister des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 16. Dezember v. I. J.-Nr. 7763 Kreisblatt Nr. 52 betreffend die Einreichung einer Tabelle über stattge- fundene Untersuchungen der Schweine auf Trichinen und Finnen im Rückstände sind, werden hierdurch an die Erledigung mit 3 Tagen Frist erinnert.

Schlüchtern, den 2. Januar 1904.

Der Königliche Landrat i. V: Goerz.

Deutsches Reich.

Bei der Paroleausgabe am 1. Januar richtete der Kaiser an die versammelten Offiziere eine Ansprache, in der er, ohne den Forbacher Fall zu erwähnen, das Offizierkorps ermähnte, die gute Tradition des Heeres auch durch eine würdige Lebenshaltung fortzusetzen, den Untergebenen und der Bevölkerung mit gutem Beispiel voranzugehen und die ernsteste Sorge zu tragen, daß die Soldatenmißhandlungen ausgerottet werden.

DerReichs- und Staatsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung wegen Einberufung der beiden Häuser des Landtages. Dieselbe lautet:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw., verordnen gemäß Artikel 81 der Verfassungsurkunde voni 31. Januar 1850 auf den Antrag des Staatsministeriums was folgt:

Die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, des Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, werden auf den 16. Januar 1904 in unserer Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen. Das Staatsministerium wird mit der Ausführung dieser Verordnung beauftragt

Urkundlich unter Unser höchsteigenhändigen Unter­schrift und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel.

Gegeben Neues Palais, den 30. Dezember 1903.

Wilhelm.

Graf Bülow, Schönstedt, Graf Posadowsky, v. Tirpitz, Studt, Frhr. v. Rheinbaben, v. Podbielski, Frhr. v.

Hammerstein, Möller, Budde, v. Einem.

Dem preußischen Landtage wird neben den in der Presse bereits angekündigten Vorlagen (Meliorations­vorlage, Kanalvorlage, Ausführungsgesetz zum Reichs- seuchengesetz, Entwurf über die Gebühren der Medizinal- beamten) auch ein Entwurf über die Regelung der Hilfe bei Feuersgefahr zugehen.

Geheimnis des Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Nach herzlichem Abschiede trennten sie sich. Sabine dankte ihrer jungen Gefährtin, welche ihr unbekannter Weise eine solche Wohltat erwiesen hatte und diese ent­fernte sich, tief verhüllt wie sie gekommen, und schwere Tränen rannen über ihre bleichen Wangen.

XXL

Endlich mußte sich Sabine zur Abreise entschließen, und sie verließ den nächsten Tag in Begleitung des Grafen Balkany den Commersee und langte nach 48- stündiger Fahrt in Pest an. Sie fand den Palast ver­lassen und alles stumm und ausgestorben. Finstere trübe Wolken ließen die Umgebung noch trauriger er­scheinen und Sabine fühlte sich nach den herrlichen sonnigen Tagen niedergedrückt und beengt. Sie bat Balkanyi und ihren Rechtsanwalt, die Geschäfte so schnell als möglich zu erledigen, um nur bald wieder das Trauerhaus, wo sie so betrübende Erinnerungen um­gaben, verlassen zu können.

Das wird so schnell nicht gehen," meinte Balkanyi, den ihre Eile unangenehm berührte; er wünschte sie noch recht lange in Pest und in ihrem Palast zu fesseln.

Sabine hörte ihn bestürzt an. Sie wandte sich nun bittend an ihren Anwalt, die Erbschaftsangelegenheit poch möglichst zu beschleunigen. Dieser kam ihren

Das Telegramm, welches Kaiser Wilhelm anläßlich des Chicagoer Brandunglück an Präsident Roosevelt gerichtet hat, ist vom 31, Dezember datiert, und lautet in der Uebersetzung wie folgt:Entsetzt über die Nachricht von dem schrecklichen Unglück, welches über die Bürger von Chicago hereingebrochen ist, drängt es die Kaiserin und mich, Ihnen mit zuteilen, ein wie tiefes Mitgefühl wir für das amerikanische Volk empfinden, welches in dieser Woche der Freude so grausam heimgesucht worden ist. Ich bitte Sie, der Stadt Chicago den Au-druck unserer aufrichtigsten Teilnahme zu übermitteln. Vielen Dank freundlichen Brief.^e in dem kommenden Jahre die Vor­sehung Sie und Amerika vor Leid und ähnlichen Unglücksfällen bewahren. Wilhelm I. R.

Aus Anlaß des schweren Brandunglücks in Chicago hat Prinz Heinrich von Preußen an den Bürgermeister von Chicago nachstehendes Telegramm gerichtet:Ich wünsche Ihnen das tiefe Mitgefühl auszudrücken anläßlich der furchtbaren Katastrophe im Jroquois-Theater, und bitte Sie, mir über die Ver­mißten Nachricht zukommen zu lassen, und darüber, ob Bekannte von mir sich darunter befinden. Welch entsetzlicher Beginn des neuen Jahres für so viele gute Bürger Chicagos!" Bürgermeister Harrison erwiderte:Ich habe Ihre Sympathietelegramm empfangen, und danke Ihnen im Namen der Be­völkerung. 600 Tote, ganz Chicago trauert."

Der Großherzog von Darmstadt reist demnächst nach England und darauf wahrscheinlich nach Aegypten.

Der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Eschwege-Schmalkalden, Fabrikant und Landwirt Leonhard Seyboth, Mitglied des bayerischen Landes­rats (Landtags), ist wegen Wechselfälschung und Be­truges zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Der Staats- anwalt beantragte 2 Jahre Gefängnis.

Eine große Anzahl Privatlehrer richtete an den preußischen Landtag eine Petition, in der sie um Einführung einer gesetzlich geregelten, Selbsthilfe in den Vordergrund stellenden, aber staatlich unterstützten Altersversorgung aller an privaten Erziehungs- und Unterrichtsanstalten Lehrenden bitten. Die Petenten begründen ihre Bitte mit dem Nachweis, daß die Privatschule zur Zeit eine Lücke ausfüllt, also not­wendig ist, mit dem Nachweis, daß der Staat durch die Einrichtung der Privatschulen erhebliche Geld­summe erspare, und mit dem Hinweise darauf, daß die an privaten Anstalten Lehrenden die gleiche Vor­bildung haben und ebenso staatliche Prüfungen ab­legen müssen, wie die an öffentlichen Schulen Be­schäftigten und schließlich in gleicher Weise wie diese der Aufsicht der Regierung unterstellt sind.

Den Schülern an Gymnasien ist es, laut ministerieller Verfügung in Zukunft nicht mehr ge­stattet, im Laufe des Schuljahres die Anstalt zu Wünschen nach und nach zwei Tagen verlas er ihr das Testament, welches Sabine, mit Ausnahme der Geren- dy'schen Familiengütern, zur Generalerbin machte. Ihr Gemahl hatte im Tode gut zu machen gesucht, was er im Leben an ihr verschuldet Sie war noch jung genug, um sich für die Jahre der Leiden zu entschädigen. Verschiedene Entschlüsse schwebten ihr vor, doch konnte sie sich zu nichts entscheiden. Sie gedachte der Ver­gangenheit und machte sich Vorwürfe, daß sie, anstatt ihr Schicksal mit Ruhe zu tragen, ihr Herz einem Menschen wie Theodor geschenkt hatte, denn nun war sie überzeugt, nicht Liebe, sondern Eitelkeit hatten ihn zu ihr gezogen. Es hatte ihm geschmeichelt, die viel- umschwärmte Gräfin zu gewinnen und schwach genug, hatte sie ihm geglaubt. Nun wollte sie alles, was sie in ihrer Unerfahrenheit und Gedankenlosigkeit verschuldet, wieder gut machen und berief Bertalan Perzay zu sich welcher sich auch zur bestimmten Stunde im Palast einfand. Er verneigte sich mit sichtlicher Unruhe und Verlegenheit vor der schönen Frau, deren Angesicht er jetzt in vollem Glänze erblickte.

Wir kennen einander schon," sagte Sabine, ihrem Gast einen Platz anbietend. Der Kaufmann stotterte etwas, das weder eine Verneinung, noch eine Bejaung bedeutete.

Ich ließ Sie heut wegen eben so wichtigen Ge­schäften zu mir bitten, als jene waren, welche mich einst in Ihr Haus führten."

Ich stehe zu Diensten."

wechseln. Demnach werden Schüler, die im Anfang des Schuljahres das Gymnasium besuchen, im Laufe des Jahres aus einer ähnlichen Anstalt nicht ange­nommen.

AuÄand

DieKöln. Atg." meldet aus Petersburg: Die Spannung zwischen Rußland und Japan hat unver­kennbar ein Schwächung erfahren. Wenn auch auf beiden Seiten die Rüstungen für die Eventualität eines Krieges fortgesetzt werden, so ist doch in den Verhand­lungen eine günstige Wendung eingetreten, welche die besten Ausfichten auf eine friedliche Lösung der Zwistig- keiten bietet.

In Paris ist die Prinzessin Mathilde Bona- parte gestorben. Sie war eine Tochter desKönigs Lustig", JeromeS von Westfalen, des jüngsten Bruders Napoleons I. und seiner zweiten Gemahlin, der Prin­zessin Katharine von Württemberg. Geboren am 27. Mai 1820 in Trieft, vermählte sie sich 1840 in Florenz mit Amatole Demidow, Fürsten von San Donato, der Anfang 1870 starb. Die greife Nichte des großen Korsen wohnte seitdem in Paris, wo sie der Tod ereilte.

Nach einer telegraphischen Meldung des kaiser­lichen Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea ist die Handelsstation in Peterhasen auf den französischen Inseln, die der Insel Neupommern nördlich vorge­lagert sind, von Eingeborenen überfallen sworden, wobei der Händler Reinhardt und der Maschinist Doell ihr Leben eingebüßt haben. Die Eingeborenen sind durch eine Expedition der Polizeitruppe, die inzw-schen nach Herbertshöhe zurückgekehrt ist, bestraft worden.

Lokales und provinzielles.

Schlüchtern, 5. Januar 1904.

* In der Zeit vom 4. bis zum 20. d. M. müssen diejenigen Steuerpflichtigen, die für 1903 mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. zur Einkommen­steuer veranlagt sind, auf Grund des § 24 des Ein­kommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 ihre Steuer­erklärung zur Steuerveranlagung für 1904 nach dem vom Finanzminister vorgeschriebenen Formular bxi dem Vorsitzenden der Veranlagungskommission schriftlich oder zu Protokoll abgeben unter der Versicherung, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind. Auch andere Steuerpflichtige sind nach § 25 des­selben Gesetzes zur Abgabe einer Steuererklärung ver­pflichtet, sobald eine besondere Aufforderung des Vor­sitzenden der Veranlagungskommission an dieselben er­geht. Hiernach ist die hier und da verbreitete Ansicht, Personen mit Einkommen von unter 3000 Mk. seien zur Abgabe einer Steuererklärung auf die an sie er« gangene Aufforderung nicht verpflichtet, irrig Auf Verlangen ist jeder, der zur Abgabe einer Steuer-

Einige Augenblicke zögerte sie, es schien ihr schwer anzukommen, sich auszusprechen.Vor einigen Wochen gab Ihnen eine verschleierte Dame einen Schmnckkasten, was ist mit ihm geschehen? '

Er stand so lange in meinem Schränk, bis ich ihn dem Besitzer, meinem Bruder übergeben konnte."

Ist Theodor Perzay in Pest?"

Er kam unerwartet zurück und bemüht sich, seine Praxis wieder aufzunehmen. was ihm aber wohl schwer­lich gelingen wird. Wäre er nur nie fortgegangen !"

Wissen Sie, daß er mit Adrienne Tamerlan ver­lobt war?"

Sigmund schrieb es mir, er selbst sprach nie davon. Er ist mit dem Ordnen seiner Verhältnisse sehr in Anspruch genommen, denn er steht am Rande des Ruins."

Er darf nicht zu Grunde gehen," sagte Sabine lebhaft.Es muß ihm aus der 9lot geholfen werden. Ich gebe Ihnen in dieser Hinsicht carte Manche. Die Summe, welche er nötig hat, schreiben Sie getrost auf."

Unter welchem Titel kann ich das annehmen?" fragte Bertalan zurückhaltend.

Theodor Perzay w^r viele Jahre der Anwalt meines Mannes, und er hat für den Fall, daß dieser zurückkehre, ihn bedacht. Ich füge dieser Summe von meinem Besitz sovielhinzu, als zu seiner Rettung nötig ist."

Dies anzunehmen oder dankend abzulehnen muß ich in Theodors eignes Ermessen stellen, wenn Sie er- erlauben, werde ich lhm Ihren Willen mitteilen."

Fortsetzung folgt.