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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 103.

Amtliches.

J.-Nr. 3601 K.-A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Wahlen zur Ergänzung der Gememdevertre- tung im Monat März 1904 stattzufinden haben.

Die dieser Wahl zu Grunde zu legende Wählerliste, welche nach § 27 der Landgemeindeordnung in der Zeit vom 15. bis einschl. 30. Januar 1904 in einem vorher zur öffentlichen Kenntnis zu bringenden Raum auszulegen ist, muß daher alsbald aufgestellt werden.

Vorher muß jedoch die Gemeindegliederliste genau berichtigt, oder neu aufgestellt werden.

Formulare werden tn der Hohmeiste r'schen Druckerei vorrätig gehalten.

Zur Behebung von Zweifeln wird bemerkt, daß in 1904 das letzte Drittel resp, der Rest der in 1898 gewählten Gemeindeverordnete« ausscheidet.

Bis zum 12. Januar 1904 erwarte ich Anzeige, daß die Auslegung der Wählerliste bekannt gemach ist.

Schlächtern, den 17. Dezember 1903.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

~ J^Nr^3Z97. Die Ortspolizeibehörden der Stadt und Landgemeinden ersuche ich bis zum 5. Januar 1904 anzuzeigen wieviel Stück Rindvieh, Kälber und Schweine im Jahre 1902 in ihren Gemeinden geschlachtet wor­den sind.

Schlichtern, den 18. Dezember 1903.

Der Königliche Landrat: Roth.

Das alle Jahr

schnürt sein Bündel und mit dem Geschäftsmanne machen sich auch tausend andere bereit, die Bilanz der nun bald verflossenen 12 Monate des Jahres 1903 zu ziehen. Ein solches tun auch wir und können uns hierbei ohne Ueberhebung sagen, daß wir auch im zu Ende gehenden Jahre nach bestem Wissen bemüht ge­wesen sind, allen billigen Ansprüchen auf ein Lokalblatt zu genügen. Daß uns dies in bester Weise geglückt ist, beweist die erfreuliche Tatsache des Zuganges vieler neuer Leser zu dem seitherigen Stamm treuer Abon- nenteu, wie wir andererseits auch manche schätzenswerte Mithülfe neuer Mitarbeiter zu verzeichnen , hatten, denen wir ebenso wie allen bisherigen für thre den Inhalt unseres Blattes interessant und vielseitig ge­staltenden Beiträge unsern verbindlichsten Dank ab- statten. Auch im neuen Jahre wird unsere Zettung bestrebt sein, sich die Anerkennung ihres Leserkreises zu erhalten, sie wird rüstig vorwärts schreiten auf der seitherigen Bahn, zufrieden des Erfolges an rhrem bescheidenen Teil. Alle werten Leser laden wir deshalb hierdurch zur Neubestellung der Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

D^s^SeheiinnLs des Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von 6." Langsch Nachdruck verboten

Ich muß bald nach Pest zurückkehren, Bertalan wünscht das Vermögen geteilt und geordnet, ehe td) bßitötc/7

Adrienne glühte vor Freude über die letzten weich und gefühlvoll gesprochenen Worte.Geh," sagte sie leise »aber kehre so bald als möglich wieder zurück."

^,Daran ist nicht zu zweifeln. Bertalan will das Vermözen nicht mehr in seinem Geschäft behalten und so bin ich gezwungen nachzugeben."

Wirst Du zurück zu mir eilen?"

Jeder Augenblick ohne Dich wird mir eine Ewigkeit sein."

Geht Sigmund mit Dir?"

Seine Gegenwart ist ja nicht nötig, er hat sich, als er noch Bräutigam war, auseinandergesetzt."

War!" sagte Adrienne traurig.Bräutigam war! trauriges Wort. Wer löste die Verlobung."

Beide hielten es für besser zurückzutreten, als die unglückseligen Folgen einer Convenienzehe auf sich zu nehmen."

Er hatte diese Worte unwillkürlich bitter gesprochen, so daß Adrienne erbleichend ihren Bräutigam auschaute.

Du. Haft Recht, besser eher, wie später."

Mittwoch, den 30. Dezember 1903 pro 1. Quartal 1904 freundlichst ein und bitten ganz besonders die auswärtigen Bezieher, dieselbe umgehend bei den Postämtern resp. Briefträgern zu veranlassen, damit in der Zustellung keine Unterbrechung eintritt. Für gütige Weiterempfehlung unserer Zeitung in Freundes- und Bekanntenkreisen sind wir stets dankbar und stellen zu diesem Zweck Probe-Nummern auf Wunsch in jeder beliebigen Anzahl gern kostenfrei zur Verfügung.

Auch zur Veröffentlichung aller amtlichen, geschäft­lichen, privaten und sonstigen Bekanntmachungen halten wir unsereSchlüchterner Zeitung" bestens empfohlen, die große Verbreitung derselben in allen Kreisen der Bewohnerschaft von Stadt und Land sichert den In­seraten in jeder Beziehung den gewünschten Erfolg. Redaktion und Expedition der »Schlüchterner Zeitung".

Deutsches Reich.

Die kaiserliche Familie hat das Weihnachtsfest in hergebrachter Weise im Neuen Palais bei Potsdam verlebt. Zu Anfang voriger Woche trafen aus Rominten ausgesucht schöne Tannen ein, die im Muschelsaale aufgestellt und reich geschmückt wurden. Für den Kaiser, die Kaiserin und jedes der kaiserlichen Kinder war ein Baum bestimmt, unter dessen Zweigen sich auf weißgedeckten Tafeln der Aufbau der Geschenke befand, welchem die Kaiserin als treusorgende Haus­frau besondere Aufmerksamkeit widmete. Die be­kannte Tatsache, daß der Kaiser am Vormittage des 24. Dezember einen Spaziergang im Park von San- souci unternommen und hierbei ihm begegnenden Per­sonen eine Weihnachtsfreude durch Ueberreichung eines Geschenkes bereitet, lockt alljährlich ein ziemlich zahl­reiches Publikum nach dem sonst um diese Zeit wenig besuchten Sanssouci. Diesmal begünstigte das herrliche klare Wetter einen Ausflug nach der Nachbarresidenz. Der Park lag in festlicher Ruhe; über dem Palais wölbte sich ein wolkenloser, blauer Himmel. An den Zugängen des Schlosses gingen die Wachtposten des Lehr-Jnfanterie-Bataillons mit Gewehr unterm Arm spazieren. Im freundlichen Sonnenschein leuchteten die dunkelroten, daß roßbraune Laub und die grün­goldenen Schäfte der Bäume, die weißen Birkenstämme mit ihrem zarten, violett schimmernden Geäst. Der Kaiser, welcher am Mittwoch mit seiner Gemahlin das Mausoleuin bei der Friedenskirche mit den Gräbern seiner Eltern besucht halte, unternahm auch Donners­tag mittag, kurz vor 12 Uhr, wie derB. L.-A." berichtet, eine längere Promenade im Park von Sans- souei in Begleitung der Flügeladjutanten Grafen v. Moltke und v. Lilienthal, gefolgt von drei munteren Teckeln. Der Monarch trug die Uniform des 1. Garde-Regiments z. F., Paletot und Mütze und sah sehr frisch aus. Um 7«1 Uhr kehrte er durch die Hauptallee nach dem Palais zurück. Unterwegs wurde

Theodor ihre Stimmung bemerkend, nahm schnell wieder einen weichen Ton an.

Wenn ich aus Ungarn zurückkehre," sagte er feiern wir unsere Hochzeit."

Adrienne lächelte traurig, aber sie faßte sich schnell, denn der alte Tamerlan näherte sich.

Ich komme aus den Bergen," sagte der Hausherr Platz nehmend,wo ich Sigmund begegnete, welcher die Alpen einige Tage bereist."

Theodor reist auch," sagte Adrienne.

Tamerlan erhob lebhaft sein Haupt und betrachtete seinen Neffen.

Ich will mich mit Bertalan auseinandersetzen."

Jetzt? Wozu? Das Perzay'sche Vermögen ist in großer Unordnung und wenn Ihr Euch trennt, geht das Geschäft zu Grunde."

Theodor bewahrte mit Anstrengung seine Ruhe, um das Märchen, welches er zum Vorwande seiner Heimreise ersann, wahrscheinlich erscheinen zu lassen.

Wann gehst Du?" fragte Tamerlan.

Vermutlich schon morgen früh. Man muß das Unangenehme so bald als möglich tun, es giebt für mich nicht Herberes, als fern von Adrienne zu sein."

Gräfin Gerendy, seit gestern Wittwe, verläßt ebenfalls morgen den Ort," sagte mit unterdrücktem Zorn der Alte.

Das wußte ich nicht."

Adrienne wendete halh ihren Kopf.

54. Jahrgang.

der Herrscher von den zahlreichen Passanten ehrerbietig begrüßt. Verschiedenen unbemittelten Personen über­reichte er je ein funkelnagelneues Zwanzigmarkstück mit seinem Bildnis.

Die Zunahme der Bevölkerung Berlins ist dem Vernehmen nach in diesem Jahre sehr beträchtlich gewesen. Die Bevölkerungszahl, die sich Anfang 1903 auf 1921432 beließ ist bis zur ersten Woche des Dezember nach den vorläufigen Berechnungen des Statistischen Amtes nahezu auf 1960000 gestiegen, wobei die Vororte außer Ansatz bleiben, deren Ein­wohnerzahl eine halbe Million weit übersteigt.

Der Landtag muß nach Art. 76 der preußischen Verfassung in dem Zeitraumvon dem Anfang des Monats November jeden Jahres bis zur Mitte des folgenden Januar einberufen werden". Der Landtag soll nun, wie derL.-A." wissen will, diesmal ebenso wie im Jahre 1899 auf den 16. Januar berufen werden, und zwar, weil von diesem Tage ab der Be­ginn der noch laufenden Legislaturperiode datiert und das neugewählte Abgeordnetenhaus sein Mandat erst von deren Ablauf am 16. Januar an rechtswirksam ausüben sann. Der 16. Januar fällt auf einen Sonnabend. Nach derNat.-Ztg." war weder im Bureau des Abgeordnetenhauses noch an anderen unterichteten Stellen bis Mittwoch mittag Authentisches über die bevorstehende Einberufung des Landtages zu erfahren.

Das am 18. Dezember abgeschlossene Verzeich­nis der Bevollmächtigten zum Bundesrat sowie der Reichstagsabgeordneten weist für letzteren einen Bestand von 394 Mandaten nach; von ihnen haben die Deutschkonservativen 51, die Reichspartei 20, die deutsche Reformpartei 5, die wirtschaftliche Vereinigung 13, oas Zentrum 100, die Polen 15, die National­liberalen 50, die freisinnige Vereinigung 10, die deutsche freisinnige Volkspartei 21, die deutsche Volks­partei 6, die Sozialdemokraten 80 Plätze im Besitz, 23 Mitglieder gehören keiner Fraktion an, erledigt sind die Mandaten der verstorbenen Abgeordneten Hofmanu (Sozialdemokrat, f 4.jNovember), v. Glembocki (Pole, f 27. November) und des Freiherr» von Schele-Schelenburg (f 4. Dezember).

Der Stab der 86. Jnfanteriebrigade ist zum 1. April 1904 von Metz nach St. Avold verlegt worden.

Der hohe Orden vom Schwarzen Adler, der höchste preußische Orden, ist im abgelaufenen Jahre sieben final verteilt worden und zwar an den früheren Präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses v. Koeller, an die Prinzen Karl und Harald von Däne­mark, an den Prinzen Ludwig von Italien, an den Prinzen Friedrich Karl von Preußen, an den Erb­prinzen von Hohenzollern und an den Erzherzog Salvator von Toskana. Von Rittern des Schwarzen

Faustin sümpfte einige Augenblicke mit der Ruhe, dann brach er los.

Theodor," begann er in ernstem, drohenden Tone, wenn Deine Reise mit der Entfernung der Gräfin zusammenhinge, wenn Du uns etwa jetzt so betrügen wolltest, wie einst sie, so schwöre ich feit, daß Du nicht länger unter den Lebenden weilst, ich ermorde Dich ohne Gnade."

Vater!" rief Adrienne erschrocken, während Theodor den wutzitternden Alten betroffen anschaute.

Das ist ein niedriger Argwohn, welchen ich von einem Anderen nicht dulden würde." zürnte Theodor, aber um Adriennens Willen nehme ich die Beleidigung ruhig hin. Was soll ich beginnen, um meine Reise als wahr und notwendig Dir zu beweisen?"

Vor allem mir Bertalans Brief zeigen, in welchem er Dich zur Teilung drängt.

Wenn ich ihn noch besitze, werde ich es mit der größten Freude tun; doch habe ich die schlechte Ge­wohnheit, meine Briefe bald nachdem ich sie gelesen, zu zerreißen. Ich werde danach suchen."

Faustins Angesicht drückte Spott und Schmerz zugleich aus. Diese Antwort überzeugte ihn, daß sein Argwohn nicht grundlos war.

Du wandelst keine guten Wege," sagte er ernst.

Adrienne kannte ihren Vater und zitterte, während Theodor nach einigem Nachsinnen sich lebhaft an den Alten wendete.

(Fortsetzung folgt.)