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^L 102.

Mittwoch, den 23. Dezember 1903.

Weihnachten!

Auf Engelsschwingen senkt die Heil'ge Nacht Nun bald sich auf die weite Erde nieder, Von Jubel und von Freude hallt es rings Dann und von hehren Lovgesängen wieder. Und vieler Millionen Lichter Schein, Die wir auf Tannenbäumen hell entzünden, Wird dann mit all der Glocken Feierklang Aufs neu der Menschheit schönstes Fest zu künden.

Drum rufenFrohe Weihnacht" allen wir Aufricht'gen Herzens zu von dieser Steile, Und wünschen, daß der Liebe warmer Strahl Den ird'schen Pfad von Arm und reich erhelle. Glückselig, wer in trauter Lieben Kreis Des Festes Stunden wieder kann begehen, Froh und gesund die Seinen allesamt Kann unterm duft'gen Weihnachtsbaume sehen.

Ja,Frohe Weihnacht" Euch, Ihr Eltern all, Die Ihr nur lebt in Arbeit, Müh'n u. Sorgen, Mög Euch, da Ihr die Kleinen nun beglückt, Erstehn der eignen Kindheit goldner Morgen! UndFrohe Weihnacht" Euch auch, die Ihr fern Vom trauten Heim vielleicht müßt einsam leben, Mög auch um Euch die Liebe licht und klar Und Weihnachtsfreude ihre Zauber wehen!

So seis bei Jenen auck, die arm und krank, Und die verlassen, stille Tränen weinen, O mög' zum fröhl'chen, seel'gen Fest auch Euch Des Friedens und der Freude Sonne scheinen! Die frohe Botschaft einst von Bethlehem, Aufs Neue wird sie wieder ja uns allen: Gott in der Höh' sei Ehr, und Frieden rings Und allen Menschen sei ein Wohlgefallen!"

Willkommen drum, du sel'ges, schönes Fest, So heiß ersehnt und endlich nun erschienen, Rings schweigt der Streit u. Haß und alle nur Glücksel'gen Herzens sich in Liebe dienen. Verlebt es sorgenfrei, in Freud und Lust, Das zu uns kommt aus lichten Engelsschwingen Und laßt drauf solchen Sinns von Herzen uns Den Gruß heut,Frohe Weihnacht!" Allen bringen!

Weihnachten!

Von dem Lärm des Tages, von der Last der Arbeit von dem Kampfe um irdische Güter ruft uns das Fest der Christenheit mit seiner frohen Boffchaft und den Klängen des Friedens dorthin, von wo der Segen für all unser irdisches Tun ausgeht und wohin unsere Hoffnung sich richtet. Wir feiern Weihnachten als das christliche Fest mit Allen gemeinsam, welche auf

2. Geschichtliches

aus Schlächter».

Schlemmer sagt darüber in seinem Bericht Dom Jahre 1674 (bei Rullmann S. 42):

Die Schulknaben waren teils einheimische, aber in Friedenszeiten fast der kleinste Teil, teils Fremde, Edel und Unedel. Ja es haben die junge Herrschaft (auch die Gräflein, wie man sagt, allhier studiert Die Vornehmsten vom fränkischen Adel pflegten hier zu sein, vornehmlich die von der Tann, Auerochs, Woyda, von Rhineck, von Hütten, von Thüngen, Hammerstein, Theichmänner, aus Westphalen, von Frankfurt, endlich der vornehmsten Herrn und reichsten Kaufleute Kinder von Hanau; am letzten waren noch da aus der Pfalz, von Landau, Mirbach, auch Herrn von Lautern, Herrn von Nürnberg, aus dem Darm- stüdtischen, Fuldaischen und Riedeselschen haben vor dem 60jährigen Krieg allhier gestudieret."

Von 1627 bis 1632 war das Kloster Schlüchtern in die Hände des Bischofs von Würzburg zurückge­fallen. Nach den Abzug der Mönche wurde aber das Gymnasium sofort wieder aufgerichtet. Als Lehrer finden wir Rektor Hopf, Konrektor Ziwmermann, Kolla­borator 2)lar$, Kantor Kappes und die beiden Prä- ceptoren Riccius und Denhard. Da das Kloster in­folge des Krieges keine eigene Oekonomie mehr hielt, wurde auch das Alumnat nicht wieder eingerichtet,

dem ganzen Erdenrund denselben Glauben empfangen haben, den Glauben an den Erlöser, der zugleich der Vermittler zwischen den himmlischen Vater und dem irdischen Geschlecht geworden und der durch seine Menschwerdung die Brücke geschlagen hat, welche dieses irdische Reich mit dem Reiche Gottes verbindet. Das Andenken an diese Gvttestat feiert die ganze Christen­heit alljährlich, um wieder von Neuem Zeugnis abzu- legen, daß sie festhält an diesem Grund und Anker, welcher sie mit dem Geist und der Macht Gottes ver­bindet und sichere Hoffnung auf ein Jenseits ist, um Zeugnis abzulegen, daß sie sich durchdrungen läßt von dem Geiste der göttlichen Liebe, welche alle irdischen Verhältnisse lenkt, alle irdische Liebe veredelt und alle irdische Not und Plage lindert.

Aus dieser christlichen Bedeutung des Festes ist die deutsche Sitte entstanden, welche zum Zeichen, daß durch den Gottessohn das Licht in die Welt gekommen ist, in der dunklen Winternacht Kerzen an dem Baume anzündet, den Schnee und Stürme nicht zu entblättern vermochten, der in jedes Haus, in jede Hütte seinen Glanz entsendet, überall den Sinn hinlenkt aus den Urquell alles Lichtes und auch in den gleichgültigsten und verstocktesten Gemütern einen Funken anzündet, der sie die Größe und Allmacht ihres himmlischen Vaters ahnen läßt. Und mit dem Lichterbaum ziehen die Gaben ein, mit denen Groß und Klein, Alt und Jung sich gegenseitig erfreuen und die der Reiche dem Armen spendet, ein Symbol der aufopfernden Liebe und Entsagung, welche das Christentum predigt und welches in deutschen Landen eine ganz besondere Pflege erhalten hat. Diese Art der Feier des Festes schlingt um alle Deutschen ein nationales Band, welches es daran erinnert, daß die Sinnes-, Denk- und Gemüts­art des deutschen Volkes ihren tiefsten Grund im Christentum findet und daß es deutsche Art ist und sein soll, die christlichen Tugenden des Wohltuns und Mitteilens zu pflegen und desjenigen Lichtes nicht zu vergessen, von dem aller wahre und echte Glanz ausgeht.

Das Weihnachtsfest ist aber auch bei uns ein echtes und rechtes Familienfest geworden. Jeder enb äußert sich heute seiner Lasten und Sorgen, die ihm das Leben und der Beruf auferlegt. Jeder entzieht sich den Kämpfen des politischen Lebens und der großen Welt nnd widmet sich den Seinen, um mit ihnen sich zu freuen und fröhlich zu sein und den Segen des Familienlebens auf sich einwirken und den Seinen zu teil werden zu lassen. Kein einziges Fest im Jahre ist im Stande, so wohltuend auf das Zu« sammenleben der Familienglieder einzuwirken, als das Weihnachisfest, welches die Familie nicht nur zu irdi- dischen Zwecken, sondern auch zu einem gemeinsamen christlichen Bekenntnis vereinigt.

vielmehr die Stipendiaten auf Kosten des Klosters bei den Lehrern und Bürgern der Stadt untergebracht.

Als das Bildungsideal des Adels sich vom Hu­manismus abgewandt hatte, diente das Gymnasium zu Schlüchtern als Vorbereitungsanstalt für die Uni­versität, um dem Lande einen genügenden Nachwuchs von Geistlichen, Lehrern und Beamten zu sichern. Es war das einzige Gymnasium der Grafschaft und spätern kurhessischen Provinz Hanau. Erst als im Jahre 1821 infolge des Organisationsediktes die hohe Landesschule zu Hanau mit ihren Fakultätsprofessoren in ein Konkurrenz-Gymnasium umgewandelt worden war, hielt man es für überflüssig und dachte (zugleich aus andern Gründen) an dessen Aufhebung. Rullmann

giebt für die Jahre

1760 bis 1829 folgende Frequenz-

ziffern:

Jahrzehnte Prrma

Sekunda

Tertia

Quarta

Summa

1761-17 70 67

107

152

113

439

1771-1780 69

92

122

97

380

1781-1790 69

96

112

107

384

17911800 19

40

51

188

294

18011810 20

46

97

320

491

18111820 22

37

133

321

513

1821-1829 10

24

101

312

447

276

442

768

1466

2952

In den niedern Besuchsziffern des letzten Jahr­zehnts tritt bereits die Konkurrenz des meuerrichten Hanauer Gymnasiums zu Tage. Während 1750 vor­handen gewesen waren in Prima 11, in Sekunda 16,

54. Jahrgang.

MBBBi

Auf dem Wege, welchen die Menschen in Erfüllung ihrer Pflichten gegen Gott und die Welt zurücklegen, bildet das Fest eine Station, auf der man rasten und aus der man neue"Kraft schöpfen kann für die Zukunft, wenn man es in den: richtigen Geiste gefeiert und sich dem Segen zugänglich erwiesen hat, welcher aus dem christlichen Charakter des Festes, aus der deutschen Sitte, es zu feiern, und aus dem so reichen Quell glücklichen Familienlebens entsprißt. Möge daS schöne Fest allenthalben in diesem Sinne gefeiert werden, damit ein Jeder davon den Segen auch an sich in seinem Berufe für die Folgezeit empfindet, und möge Jubel und Freude in allen Familien weit und breit herrschen!

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat genehmigt, daß versuchsweise bis zum Jahre 1911 einschließlich die regelmäßigen Musterungen der Truppen nicht in zweijähriger, sondern in dreijähriger Wiederkehr stattfinden. Nach Ablauf des Zeitraumes soll das Kriegsministerium dem Kaiser einen Bericht über die gemachten Erfahrungen erstatten. Die Generalkommandos, die Generalinspektion der Fußartillerie sowie des Ingenieur- und Pionier­korps und der Festungen, ferner die Inspektion der Verkehrstruppen sollen während der Versuchszeit befugt sein, auf gründ ungünstiger Musterungsergebnisse für einzelne Truppenteile die nächste Musterung bereits nach zwei Jahren anzuordnen. Das Kriegsministerium hat die Ermächtigung erhalten, die für eine Ver­einfachung des Musterungsgeschäfts während der Versuchsjahre nötigen Anordnungen zu treffen.

Der Großherzog von Sachsen-Weimar will, wie dies schon andere thüringische Fürsten tun, öffent­liche Audienztage abhalten, und zwar zum ersten Male am 22. Dezember. Jeder Landesangehörige kann dem Herzog vortragen, was er auf den Herzen hat, nachdem er sich drei Tage vor dem Audienztage beim Hofmarschallamt unter näherer Angabe seines An­liegens gemeldet hat.

Die Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg, Gemahlin des Stadthalters der Reichslande, ist in Straßburg schwer erkrankt.

Die Feier der silbernen Hochzeit des Herzogs von Cumberland, des einstigen Kronprinzen von Hannover, die dieser Tage in Gmunden stattfand hat die Welsen zu einer Kundgebung veranlaßt. Eine Deputation, bestehend aus dem Frhrn. v. Wangenheim für die Aristokratie, und dem Bürgermeister Sacke und dem Gutsbesitzer Böhmer für daS Hannoversche und braunschweigische Landvolk, überbrachte, laut Voss. Ztg." einen Tafelaufsatz, der aus Sammlungen beschafft war. Der Aufsatz stellt ein Schiff auf stürmischer See dar, an dessen Bug die Hoffnung" lehnt, während am Steuer dieGerechtigkeit" lehnt.

in Tertia 22, in Quarta 45 Schüler, tonten 1826 noch vorhanden Primaner 2, Sekundaner 5, Tertianer 15, Quartaner 38, Quintaner 93.

III. Umwandlung des Gymnasiums in eine Progymnasialklasse.

Hierbei sagt Rullmann S. 92 wie folgt:

Nachden das ganze Unterrichtswesen und alle unlden Stiftungen durch das sogenannte Organisations­edikt v. I. 1821 den einzelnen Provinzial-Regierungen in ihren Bezirken unterstellt war, nahm 1525 die Regierung zu Hanau die Frage in Erwägung, ob man nicht dem Gymnasium in Schlüchtern eine andere Be­stimmung geben und es in eine Bürgerschule und Lehrer-Seminar umwandest: solle. Es ist mir nicht zweifelhaft, daß dabei das unausgesprochene Motiv obwaltete, dein Gymnasium in Hanau eine Konkurrenz- anstalt vom Halse zu schaffen. Indem die Oberauf­sicht gewechselt, wurde, glaubte man wohl auch die Natur und Beschaffenheit des Objektes unigeändert zu haben und über geistliches Gut und bestimmte Stiftungs­zwecke beliebig verfügen zu können. Noch ehe die Ver­handlungen über obige Frage zum Schlüsse gekommen toarett, starb Rektor Hasselmanu 1829 in der Nacht vom 1. auf den 2. April in einem Alter von 57 Jahren.

Mit seinem Tode war das Haupthindernis der Auflösung des Gymnasiums aus dem Wege geräumt und die Entscheidung erfolgte noch vor Ende seines Todesjahres in folgender Weiff. (Forts, folgt.)