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Amtliches.
Die deutsche Flagge wird vielfach in unrichtiger Reihenfolge der Farben gebraucht. Die deutsche Nationalflagge bildet ein längliches Rechteck, bestehend aus drei gleich breiten horizontalen Streifen, von welchen der obere schwarz, der mittlere weiß und der untere rot ist; das Verhältnis der Höhe der Flagge zur Länge ist wie zwei zu drei.
Die schwarze Farbe ist daher an der Spitze der Flaggenstange zu führen.
Schlüchtern, den 28. November 1903.
Der Königliche Landrat: Roth.
Deutsches Reich.
— Se. Majestät der Kaiser unternahm am 7. Dezember einen Spaziergang. empfing tags darauf um 9'/a Uhr den Maler Professor Röchling und hörte von 10 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Militär- tabinetts, des Chefs des Admiralstabes und des Chefs des Marine-Kabinetts.
— Der Kaiser und die Kaiserin machten am 8. Dez. mit der Prinzessintochter einen Spaziergang über die Orangerie durch Sanssouci. Am 9. Dezbr. empfing der Kaiser den Admiral Hollmann, den Bildhauer Haverkamp und Professor Knackfuß und hörte den Vor- trag des Hausministers v. Wedel.
— Anläßlich seines Geburtstages haben der Kaiser und die Kaiserin dem Altmeister der Kunst Adolf von Menzel ihre gemeinsamen Wünsche in folgende» Telegramm ausgesprochen:
„Zum heutigen Tage senden Wir Ihnen unsere herzlichsten Glückwünsche. Möchte der Art im kommenden Jahre Sie ebenso wohl und frisch erhalten, wie bisher. Wilhelm 1. B. Viktoria."
Vorher war Flügeladjutant Baron v. Berg in der Wohnung des Jubilars erschienen, um ihm im Auftrage des Kaisers und der Kaiserin einen prächtigen Blumenkorb zu überbringen.
— Das Allgemeinbefinden des Kaisers hat sich in der letzten Zeit derart günstig gestaltet, daß der Monarch an den am 17. und 18. d. Mts. in der Göhrde stattsindenden Hofjagden bestimmt teilnehmen wird. Im Anschluß hieran wird er sich nach Hannover begeben zur Teilnahme an cher Jahrhundertfeier der dort garnisonierenden Regimenter. Von Hannover aus wird er direkt nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückkehren.
— (Deutscher Reichstag.) Bei der Beratung des Etats bedauert Sckatzsekretär v. Stengel, daß es ihm nicht vergönnt sei, mit einem erfreulichen Etat zu debütieren. Der Fehlbetrag für 1904 belauft sich auf 30 623 000 Mk. und habe seinen Grund mehr in dem Rückschag der Einnahmen, als in dem Mehrbedar^ der^ Ausgaben. Die Mebrausgaben betragen 874 Millionen, der Einnahmeausfall stellt sich auf 22
Dirs Geheimnis des Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten
„Und Ihre Braut? Das arme Mädchen, in dessen Herzen Sie falsche Hoffnungen erweckten? Sicherlich hat sie weniger Kraft als ich, die gewöhnt ist, den Stürmen des Lebens zu trotzen. Welches Schicksal bescheeren Sie ihr ? Indem Sie zu mir zurückkehren, übergeben Sie sie der Verzweiflung. Haben Sie dies bedacht? Erkennen Sie die Niedrigkeit Ihrer Handlungsweise?"
Theodor war bei diesen Worten wie vom Blitz getroffen. Er wußte nicht, daß Sabine von allem so gut unterrichtet war' und zähneknirschend fragte er:
„Wer hat Ihnen von einer Brau! gesagt?"
„Wollten Sie es verheimlichen?" entgegnete Sabine spötlisch.s
„Spaß, Scherz ist das, was Sie für eine Brautschaft ansehen. Sie ist meine Verwandte, ich verkehre sehr viel mit ihr, doch geht die Sache nicht tiefer." —
„Mag es so sein," entgegnete Sabine ruhig. „Ich habe nichts dagegen. Ob das junge Mädchen Ihre Verwandte oder Ihre Braut ist, gilt mir gleich. Unser Verhältnis ist für immer vorüber, Sie trennten es, und was zerrissen, kann weder ich noch Sie zusammen- fügen."
Theodor zitterte vor Zorn. Es war nicht Reue,
Samstag, den 12. Dezember 1903
Millionen hauptsächlich infolge des Ausfalls bei der Zuckersteuer. Das Jahr 1903 wird einem Fehlbetrag von über 29 Millionen abschließen. Der Seniorenkonvent des Reichstags machte sich am 9. Dez. über die Geschäfte des Hauses schlüssig. Es sollen vor Eintritt in die Weihnachtsferien, die vom 18. Dezember bis zum 12. Januar dauern sollen, die erste Lesung des Etats und das Handels Provisoriums mit England zur Beratung gelangen. Dem Reichstag ging ein Antrag Hehl zu, welcher die Regierung ersucht, in Erwägungen darüber einzutreten, inwieweit die Gewinnug einer ausreichenden Zahl Unteroffiziere für die Armee und Flotte durch die Ueberbürdung einzelner infolge ungleichmäßiger Verteilung der dienstlichen Obliegenheiten und durch unzulängliche Löhnungsverhältnisse erschwert ist, um tunlichst Verbesserungsvorschläge an den Reichstag gelangen zu lassen. Ferner ging dem Reichstage ein Antrag Paasche betr. Errichtung eines Reichsarbeitsamtes zu.
— Die Freikonservariven haben im Reichstag einen Antrag auf Einführung einer Wehrsteuer eingebracht. Er lautet: Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die zum Militärdienst nicht herangezogenen Wehrpflichtigen für die Zeitdauer, während welcher sie ihrer Dienstpflicht im stehenden Heere und in der Reserve hätten genügen müssen, zu einer nach t^rem Einkommen abgestuften Wehrsteuer heranzuziehen mit der Maßgabe, daß die Erträge dieser Steuer ausschließlich für die Versorgung der Invaliden und Veteranen bezw. für deren Hinterbliebene und zur Verstärkung des Reichs-Jnvaliden- fonds zu verwenden sind.
— Die deutsche Bevölkerung hat im Jahre 1902 um 902312 Menschen zugenommen. Der Geburtenüberschuß beträgt 15,63 pro Mille, 1901 war er 15,09, im Durchschnitt von 1893/02 14,43.
Ausland.
— lieber die Finanzen des heiligen Stuhles gehen nach einer Meldung des „Berl. Tgl." aus Rom allerlei Gerüchte um, die indessen nicht zu kontrollieren sind. Die Einkünfre aus dem in Wien und London (bei Rotschild) angelegten päpstlichen Vermögen sollen jährlich vier Millionen nicht übersteigen; nun sei aber infolge der französischen Vorgänge auch der Ertrag des Peterspfennigs im letzten Jahre auf etwa 2 Mill. gesunken. ,Da der Vatikan jährlich 6—7 Mill. Ausgaben hat, so sei leicht zu erkennen, mit welchen Schwierigkeiten die päpstliche Finanzverwaltung zu kämpfen habe. Wie es heißt, geht der Papst deshalb mit der Absicht um, einschneidende Reformen vorzu- nehmen. — Der „Köln. Volksztg." zufolge beabsichtigt Papst Pius, eine ganze Anzahl Stellen, die unter den heutigen Verhältnissen nahezu bedeutungslos geworden si nd, in der Weise abzuschaffen, daß ihre Titel nur mehr ehrenhalber verliehen werden sollen, ihr Gehalt
was er bei dieser Entscheidung fühlte, sondern Neid und Eifersucht. Er war überzeugt, daß er das Herz Sabinens verloren hatte, und daß sie sich einem Andern zuwendete. Und daß dieser andere Sigmund war, das zeigte ihm fein ganzes Betragen ain Morgen.
„Und wenn ich Ihren Behauptungen entschieden widerspreche. Wenn ich mich auf mein gutes Recht berufe, dessen Beweise noch in meiner Hand sind?" sagte er mit heiserer Stimme.
„Meine Briefe?" fragte Sabine verächtlich. „Also darum fand ich Sie nicht in jenem Kästchen, wie Sie mir vor Ihrer Abreise versprachen? Glauben Sie mir, dies ist weder männlich noch ritterlich, und wenn noch ein Funken der alten Gefühle in mir gelebt hätte, jetzt wäre er für immer erloschen, denn nun habe ich nur Verachtung für Sie."
„Gräfin."
„Beenden wir dieses peinliche Gespräch," fuhr Sabine schnellathmend fort. „Geben Sie mir die Briefe. Alle Gegenstände, welche Sie mir als Zeichen Ihrer Liebe widmeten, habe ich bei Ihrem Bruder Bertalan niedergelegt. Sie können sie jederzeit dort in Empfang nehmen, und nun ist nichts mehr zwischen uns zu ordnen, als jene Briefe, welche wertlose Dolmetscher der süßen Vergangenheit geworden sind, denn nun lügen Sie."
„Sie wollen also alles zerreißen?"
„Nicht ich, Sie taten es und kümmerten sich in Ihrer Grausamkeit wenig, wie ich diesen Schlag er
54. Jahrgang.
aufzuhören hat. Zu diesen Stellen würden die ker der apostolischen Kammer, die Votanten des Gerichtshofs der Signatur und die Uditoren der Rota zu zählen sein.
— Das britische Kriegsschiff „Mohaw" war nach Durba (Somaliland) gefahren, um eine Untersuchung über den Tod des italienischen Leutnants Grabau anzustellen. Der Kommandant Grant und 60 Mann gingen an Land. Der Sultan trat ihnen mit 400 Somalis entgegen. Nach längerer Verhandlung entspann sich ein Kampf, in welchem Grant am Oberschenkel verwundet und ein Marinesoldat getötet wurde. Die Engländer kehrten dann an Bord des Schiffes und mit diesem nach Aden zurück.
— In Spanien ist wieder einmal eine Ministerkrisis ausgebrochen. Nach Beendigung eines Ministerrats begab sich Ministerpräsident Villaverde in das Palais und überreichte dem Könige die Demission der Regierung. Der Grund des Rücktritts des Kabinetts bildet der Widerstand der Minderheit, namentlich der monarchistischen Minderheitspartien, gegen einen Antr«g Dominguez Pasqual, der die Budgetgenehmigung erleichtern sollte. Die Neubildung des spanischen Kabinetts hat Villaverde wieder übernommen, nachdem ihm der König nach einer Besprechung mit Maura hiermit beauftragt hat.
— Die amerikanische Flotten-Erweiterung geht mit Riesenschritten vorwärts. Seit dem spanischen Kriege wird mit Wort und Tat das Ziel verfolgt, eine Seemacht ersten Ranges zu werden. Anlage von Werften^ Befestigung von Seestützpunkten gehen Hand in Hand mit Schiffsbauten in größtem Maßstabe. Mit 19 Linienschiffen, 10 Küstenpanzern, 12 Panzer- KaNonenbooten, 15 großen Kreuzern, 39 kleinen Kreuzern und 20 Kanonenbooten nehmen sie schon jetzt einen hervorragenden Platz ein. — Nun wird aus Washington vom 4. Dezember gemeldet: Marinesekretär Moody hat dem Kongreß eine Vorlage unterbreitet, in welcher die Bildung eines Admiralstabes beantragt wird; ferner sieht die Vorlage eine Reihe von Befestigungen vor, u. a. auf der Insel Guam, auf den Philippinen und auf den Midway-Jnseln. Auch sollen alle Schiffe mit Apparaten für drahtlose Telegraphie ausgerüstet werden.
— Der Jahresbericht der Gesellschaft Süd-Kamerun teilt mit, daß die Gummigewinnung der Gesellschaft auf 83 Tonnen gegen 27 im vorigen Jahr gestiegen ist. Die Angaben über den Gummireichtum des Konzessionsgebiets werden durch die Berichte der Ko- lvnialbeamten bestätigt. Die Schwierigkeiten des Transportes werden allmählich überwunden.
— In Serbien scheint es mit dem Regiment Peters rapide berg ab zu gehen. Neberall zeigen sich Schwierigkeiten nach innen und außen, Deren der schwache Monarch nicht Herr zu werden vermag. Der
tragen würde. Sie reisten fort, logen, ließen sich krank und später tot sagen, um sich von mir zu befreien. Dies ist geschehen, freuen Sie sich. Nun bindet Sie nichts. Sie können neue Liebesbaude anknüpfen oder heiraten, ich kreuze nicht mehr Ihre Pfade."
Theovor war der Verzweiflung nahe. Hätte ihn Sabine mit Vorwürfen überbaust, würde sie nichts erreicht haben. Diese Kälte aber führte ihn zu ihr zurück. Seine Eitelkeit war beleidigt, er sah sich verachtet und verstoßen. Zwar liebte er weder die Gräfin, noch Adrienne aufrichtig, denn sein oberflächlicher Charakter war wahrer Liebe gar nicht fähig, aber da seine Braut ihn nur langweilte, blendete der Gräfin Schönheit ihn von neuem, und machte sie ihm wieder so begehrungswürdiger, daß er sich um keinen Preis von ihr lossagen wollte. Heißes Rachegefühl gegen seinen glücklichen Nebenbuhler Sigmund erfüllte sein Inneres.
„Ich gebe die Briefe nicht zurück!" sagte er.
„So behalten Sie dieselben. Fürchten Sie nicht, daß ich sie Ihnen mit Gewalt entreiße. Somit ist unser Gespräch beendet. Sie können sich entfernen und die Versicherung mitnehmen, daß ich Sie von Herzen verachte."
Theodor bebte. Niemals hätte er geglaubt, daß Sabine je dieses Wort aussprechen könnte; es traf ihn wie Dolchstiche.
Er nahm seinen Hut und verließ schwankenden Schrittes das Zimmer, das er voll Ueberzeugung und Hoffnung betreten hatte.