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finden in der „Schlüchterner Zeitung", da sie in jedem Orte des Kreises in beträchtlicher Anzahl verbreitet ist, den sichersten Erfolg. Die immer wiederkehrenden Annoncen zeugen am besten hierfür.
Nachweislich höchste Auflage der Ein Kreise Soisiüchtern erscheinenden
______ Zeätentgpn.
Deutsches Deich.
— Die Eröffnung des Reichstages im Weißen Saale des Schloffes vollzog sich in Abwesenheit des Kaffes ohne allen sonst üblichen Pomp in einfacher Feierlichkeit. Gegen 150 Abgeordnete hatten sich Ungesunden, cs waren Mitglieder aller Fraktionen mit alleiniger Ausnahme der sozialdemokratischen anwesend. Die natinalliberalen Herren aus Hannover waren besonders zahlreich zugegen. Sehr spärlich waren diesmal die Uniformen vertreten, man gewahrte nur 4 oder 5, darunter den unlängst vom Kaiser als Rittmeister a la suite der Dentzer Kürassiere gestellten Baron de Schmid aus Lothringen. In den Logen sah man außer den Vertretern der Presse nur einige Attachäs exotischer Gesandtschaften. Die Abgeordneten waren lange versammelt, aber das Erscheinen oes Bundesrats verzögerte sich wider Erwarten bis gWu 721 Uhr. Erst jetzt betraten die Minister, die Staatssekretäre und die übrigen Bundesratsmitglieder, die sämtlich kleine Uniform trugen, unter Führung des Reichskanzlers den Saal. Gras Bülow trat vor und verlas mit seiner klaren, volltönenden Stimme die Thronrede, welche von den Anwesenden schweigend, ohne irgend ein Zeichen des Beifalls angehört wurde. Dann trat der Zentrumsabgeordnete vor und brächte das übliche Hoch auf den Kaiser aus, womit die Feierlichkeit ihr Ende hatte.
Als.der Reichstag seinen Präsidenten wählte meldete der Draht den Tod des fünften Reichstagsabgeordneten der neuen Legislaturperiode. In Osnabrück starb ganz plötzlich infolge eines Herzschlages der Abgeordnete Freiherr v. Schele, der zwar als Welse gewählt, ober als Hospitant dem Zentrum beigetreten ist. Der Verstorbene hat ein Alter von 67 Jahren erreicht. Außer ihm hat der Reichstag durch den Tod verloren die Abgg Roesicke (fr. Vrg.), Hoffmann (Soz.), v. Sperber (kons.) und Glebocki (Pole.) Der Pfarrer Goehre hat sein Mandat niedergelegt, und infolge
Geschichtliches aus Schlüchtern.
I.
Hilfsmittel.
1. Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts. Leipzig 1885.
2. Dr. Bernstein, Geschichte der Stadt und des Klosters Schlüchtern. (Geschrieben 1828, veröffentlicht in Schneiders Buchonia).
3. Nullmann, Doktor der Theologie und Pfarrer zu Kesselstadt,
Geschichte des Gymnasiums zu Schlächtern. Abgedruckt in der Zeitschrift des Hessischen Geschichts- Vereins N. F. IV. Band (Kassel 1873) ® 48—94.
Nullmann war selbst von 1819—1826 L-chülcr des Gymnasiums zu Schlüchtern. Er sagt in der Einleitung seiner Arbeit: , ,
„Der nachfolgenden Darstellung einer. Geschichte des reformierten Gymnasiums des ehemaligen Beue- diktinerklosters zu Schlüchtern liegen nur amtliche Duellen zu Grunde. Jahre lang habe ich Kirchen■ bücher, Klosterkellerei, Rechnungen (an 360 Bände) Presbylerial, Protokolle, andere Aktenstücke u. Privat- Urkundcn gelesen und Auszüge daraus gemacht pp.
4. Das Album des Gymnasiums und andere noch vorhandene Aktenstücke aus älterer und, neuerer Zeit.
Mittwoch, den 9. Dezember 1903.
54. Jahrgang.
einer Doppelwahl wurde der Abg. Kulerski (Pole) neugewählt.
An Beratungsmaterial leibet der Reichstag schon jetzt keinen Mangel mehr. Außer dem Etat, dem Handelsprovisorium mit England und dem Gesetzentwurf über eine anderweitige Ordnung des Reichs- finanzwesens liegen ihm bereits mehrere Anträge und Interpellationen vor. Die Freisinnige Volkspartei fordert in einem Anträge wirksamere Bekänipfung der Soldatenunßhandlungen. Die Sozialdemokraten haben die Einbringung von zwei Interpellationen beschlossen, deren eine sich auf die Wurmkrankheit unter den Bergarbeitern, deren andere sich auf das gegen einen „Genossen" in Ostpreußen eingeleitete Strafverfal ren „wegen Beihilse zum Hochverrat gegen Rußland und zur Beleidigung des Zaren" bezieht."
Dem Reichstag ging ein Antrag Nißler zu auf Bereitstellung von Mitteln zur sofortigen Gewährung von Beihilfen an die Soldaten und Unteroffiziere aus den Jahren 1870/71 oder aus den Kriegen deutscher Staaten vor 1870, deren Erwerbsfähigkeit infolge Alters, Krankheit oder anderer Gebrechen dauernd aus weniger als ein Drittel herabgesetzt ist.
— Das neue Militärpensionsgesetz ist nunmehr, wie die „N. Pol. Korresp." imtteilt, im Staatsministerium durchberaten worden und hat die Unterschrift des Kaisers erhalten. Die Einbringung beim Bundesrate stehe unmittelbar bevor.
— Der neue Reichstag setzt sich zusammen aus 52 Konservativen, 19 Mitgliedern der Reichspartei, 50 Nationalliberalen, 107 Zentrumsmitgliedern, 20 von der Freisinnigen Volksparlei, 10 von der frei- finnigen Vereinigung, 15 Polen, 10 Elsaß Lothringen, Welses 11 Antisemiten, 8 vom Bunde der Landwirte, 3 vom bayerischen Bauernbund, 6 deutsche Volkspartei, 7 Fraktionslose und 81 Sozialdemokraten.
— Ein Denkmal für die in China gefallenen deutschen Soldaten. Während der chinesischen Wirren sind insgesamt 74 Angehörige der Marine-Infanterie gefallen oder an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben und zumeist auf dem deutschen Friedhof in Peking zur letzten Ruhe bestattet worden. Von der Kaiserlichen Marine wird nun die Errichtung eines Denkmals für die toten Soldaten geplant, und ein geeigneter Platz wurde schon auf dem Pekinger Fried- Hofe ausgewählt. Der Denkmalsfonds ist durch freiwillige Spenden stark gekräftigt worden, so daß in kurze Zeit an die Ausführung des pietätvollen Projekts gedacht werden kann.
— Zur Feier des 100jährigen Bestehens Bayerns als Königreich wird in Nürnberg im Jahre 1906 eine große Industrie-, Kunst- und Gewerbe-Ausstellnug des Landes veranstaltet werden, zu deren Garantiefonds von 155 Firmen und Privaten bis jetzt schon 1349000 Mk. gezeichnet worden sind.
Kurze Geschichte d e s. G y m n a s i um s und Pro gymuasiums zu Schlüchtern.
I Die Gründung.
Professor Paulsen giebt in seiner bekannten Geschichte des gelehrten Unterrichts über die Begründung eines protestantischen Gelehrtenschulwesens im Hessischen folgendes an:
Gleichzeitig mit dem Pädagoginm, das als Landesschule mit der Universität Marburg verbunden war, wurde das Cyriakkloster zu Eschwege in eine Schule umgewandelt (1527). Aus Betreiben des Landgrafen wurde 1539 in Cassel durch Zusammenlegung der drei alten Lateinschulen eine große Stadtschule eingerichtet. 1570 gründete der Abt von Hersfeld ein Pädagogium mit Alumnat für 20 Knaben. Die Benediktinerabtei Schlüchtern war schon früher in eine Klosterschule verwandelt worden.
Rullmann giebt in der oben angeführten Spezialgeschichte des Gymnasiums 1548 als Gründungsjahr an, weil um diese Zeit Abt Lotichius, der sich schon am 8. Juli 1543 feierlich von der katholischen Kirche losgesagt hatte, den Landesfürsten, Grafen Philipp III von Hanau, veranlaßt hatte, zum Protestantismus überzutreten und nunmehr die gesamte Landeskirche der Grafschaft Hanau amtlich dem reformierten Be- kenntnifse angehörte. Indes hatte der genannte Abt bereits kurz nach seinem Amtsantritte im Jahre lo34 den Plan gefaßt, zur Abhilfe der Seelsorgernot an
Ausland.
- ■ Die Hochzeit des Prinzen Alexander von Teck mit der Prinzessin Alice von Albany wird in der ersten Woche des Februars in der St. Georgs-Kapelle im Schlosse zu Windsor stattfinden. An der Feier werden die Mitglieder der königlichen Familie teil- nehmen.
— Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." aui London blickt man dort mit noch zunehmender Spannung dem Ausgang der russisch-japanischen Krise entgegen. Nach einer Meldung der „Daily Mail" «us Tokio war dort am Dienstag die Ungeduld so hoch gestiegen, daß das japanische Kabinett ernstlich die Absendung eines Ultimatums in Erwägung gezogen haben soll, die Ratschläge zur Mäßigung behielten aber schließlich die Oberhand, und am Mittwoch erhielt der japanische Gesandte in Petersburg Weisung, abermals beim Grasen Lamsdorff nach der schon eine ganze Weile vergeblich erwarteten russischen Antwort auf die „endgültigen" Vorschläge Japans nachzu- fragen. Es scheint fast, als ob bei dieser Gelegenheit der von Admiral Alexejew und dem russischen Gesandten in Japan, Baron Rosen, vorbereitete, und dem Grafen Lamsdorff, aber immer noch nicht dem Zaren vorgelegene Entwurf der Erwiderung zur Sprache gekommen sei. Auf ihn soll sich dann auch die von Petersburg snach Newyork übermittelte Meldung, die dort lebhafte Hoffnungen erweckte, bezogen haben. Inzwischen wird die Vertagung der Erörterung der japanischen Kammer von Ende dieser Woche auf nächsten Dienstag dort als ein wenigstens augenblicklich beruhigendes Zeichen gedeutet.
— Nach einer chinesischen Zeitungsmeldung ist in der P^z Nz Szetschwan ein Aufstand gegen die Christen ausgebrochen. — Wie die „Nowje Kai" meldet, ist der Versuch der chinesischen Behörden mißlungen, bei Schanghaikwan zwei reguläre mandschurische Kompagnien zu organisieren, jede etwa 150 bis 250 Mann. Die Uebungen der lokalen Truppen haben zwei Monate gedauert. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf das Schießen gerichtet. Die Truppen des Generals Mah, die ausgerückt sind, angeblich um die Räuber zu verfolgen, sind zurückgekehrt. Mah hat Befehl erhalten, nicht vorzurücken.____________________
Lokales und Provinzieller.
Schlüchtern, 8. Dezember 1903.
— r. Die am letzten Sonntag im „Hess. Hof" da- hier stattgefundene Handwerkerversammluug war von hier sowie auswärts äußerst zahlreich besucht. Es würde zu weit führen, wenn wir die Vorträge der einzelnen Herren ausführen wollten. Nachstehend geben wir einen kurzen Ueberblick der Versammlung:
Nachdem die Versammlung durch Herrn Leonh. Schäfer eröffnet war, erhielt der Beauftragte der Hand- Stelle der entschwundenen Mönche eine'"SchulU» gründen. Im Jahre 1544 ließ er 7 Zöglinge seiner Schule zur Universität Marburg abgehen und verwandte sie nach zweijähriger Abwesenheit im Dienste der Kirche. Die Ausbildung von Dienern der Kirche und Schule war ursprünglich der Hauptzweck der Schule, die ganze Einrichtung war eine" klösterliche und Beten und Singen nahm die meiste Zeit des Tages in Anspruch. Indes nahm bald der Humanismus seinen siegreichen Einzug in die stillen Klostermauern und aus den Sing- und Betstunden wurden Unterrichts- stunden, Im ganzen Umfreife von Fulda bis Frankfurt und von Marburg bis Aschaffenburg war keine gelehrte Schule vorhanven, aus Franken und der Wetterau strömten immer neue Schüler hinzu. Die Schulversaffung lehnte sich an die sächsischen Fürsten- schulen an. Die Schüler teilten sich in solche, die zahlten und Kostgänger genannt wurden, und in solche, die Wohnung, Unterricht und Kleidung unentgeltlich empfingen und Stipendiaten hießen; es waren dies meistens Söhne von Geistlichen und Lehrern. Sämtliche Schüler, die von hohem Adel ausgenommen, die ihre eigenen Zimmer hatten, schliefen in 2 Sälen, Tabulat und Dormitorim genannt, und in jedem dieser Säle oder unmittelbar daran schlief ein aufsichtführender Präceptor. Diese zwei Präceptoren mußten daher ledig sein, während die vier oberen Lehrer verheiratet waren.
(Fortsetzung folgt.)