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behält und dafür eine Summe von 40 Mill. Mark ratenmeise an Bolivien entrichtet. Außerdem ver­pflichtet sich Brasilien durch den Vertrag, eine Eisen­bahn nach Bolivien zu bauen und biefem ein drei Quadratkilonieter großes Gebiet abzutreten.

— Griechenland kaufte in Ungarn 4 000 Pferde, von denen 1 000 im Dezember über Fiume abgehen.

— Einem Telegramm aus Manila zufolge hat General Leonard Wood am 20. Novbr. die befestigte Stellung der Moros in den Bergen von Jolo ge­nommen und die Erdbefestigungen zerstört. Die Ver­luste Woods betragen einen Toten und zwei Ver­wundete. Die Aufständischen hatten 75 Tote.

— Der Thronfolger Prinz Ferdinand von Bul­garien ist zum Kommandanten des zweiten Korps ernannt worden. Er behält die Funktionen als Generalinspektor der Kavallerie bei.

— Mehrere Pariser Blätter bestätigen die Mit­teilung, daß ein Soldat des 1. Kolonial-Regiments naniens Diot, der bei der Rückreise des italienischen Königspaares zur Ueberwachung des Bahugeleises kommandiert war, fünf große flache Steine auf das Gleis gelegt hat, die man aber rechtzeitig entdeckte. Diot ist verhaftet und wird wahrscheinlich vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Mehrere Kameraden Diots bekunden, daß er nicht ganz zurechnungs- fähig ist._____

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 27. November 1903.

— * Nach einer getroffenen höheren Entscheidung ist es den Mitgliedern der Kriegervereine gestattet, bei den Kontrollversammlungen das Vereinsabzeichen an« zulegen.

—* Der Herr Oberpräsident hat dem Magistrate in Fulda die Genehmigung zu der am 23. März 1904 beabsichtigten Pserdemarkt-VeHsung erteilt und den Vertrieb der Lose auf die Kreise Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hünseld, Schlüchtern, Hersfeld, Rotenburg, Eschwege und Hanau (Stadt und Land) beschränkt.

—* Der November nimmt Abschied von uns. Es wird ihm keine Träne nachgeweint werden. Namentlich in den lebten Tagen hat er seinem Rufe als Wind- und Nebelmonat alle „Ehre' gemacht; rauhe Winde, Regen, Schnee und trübes Wetter, alles kam bunt durcheinander und für viele Teile Deutschlands brächte er verschiedenes Unheil durch orkanartige von elektri­schen Entladungen begleitete Stürme. Der Vegetation hat dieses Novemberwetter ja nichts geschadet, wohl aber der Menschheit in gesundheitlicher Beziehung. Möge das im Dezember besser werden und e.n nor­maler Winter bald zur Herrschaft gelangen. FüQdas Weihnachtsgeschäft wäre dies nur zu wünschen.

* Bedeutsam fällt mit dem Eintritt des Weihnachts- nwnats der Beginn der Adventszeit zusammen, ein neues Kirchenjahr nimmt am nächsten Sonntag seinen Altfang. Eine Zeit heiliger Stille, vom Geiste der Verheißungen durchdrungen, naht der Menschheit sich .mfs neue, für welche der Klang der Adventsglocken eine Mahnung ist, sich bereit zu machen zum Empfange des Gottessohnes, damit ihm aus Millionen christlicher Herzen heute so wie einst der Jubelruf entgegenklinge: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe!" Ja, daß wir uns auf die wahre Bedeutung des kirchlichen Neujahrs besinnen, daß wir uns erinnern lassen an die trostreiche Advents- .^offnung: „Siehe, Dein König kommt zu Dir sanft«

-iy." das tut uns allen not. Er ist freilich kein ..uug oon dieser Welt, der dem irdischen Sinne Be- s iedigung gewährte, aber desto mehr ein König und

Erlöser für diese Welt, der auch durch Zeiten eines äußeren Druckes, wie er eben im Leben verschieden- seitig sich geltend macht, uns antreibt zur Prüfung der tieferen Ursachen solchen Niederganges, die in uns selbst liegen und zu einer sittlichen Erhebung, damit es auch äußerlich besser werden könne. Es ist ein wahrer Friedefürst, indem er uns mit neuem Vertrauen erfüllt zu dem Allmächtigen, der in der Not bei uns anklopft und einem innerlich gedemütigten Volke seine heilsame Gnade erzeigt, indem er uns ferner jene christliche Teilnahme für einander lehrt, welche opfer­freudig mit den Notleidenden leidet und gerne sich selbst unnötiges versagt, um keinen am nötigsten mangeln zu lassen. So kann und will, der im Advent sich wieder ankündigt, die klaffenden Wunden unseres Volkslebens, die Schäden des vielfach sich auflösenden Familienlebens heilen, will die Verbitterten versöhne», die Irregeleiteten zurückbringen und allen Sorgenvollen den Mut des Glaubens einflößen, der am bösen Tage nicht verzagt, sondern seine Kräfte zusanimennimmt und mit Zuversicht auch einer dunklen Zukunft entgegen- geht, weil der rechte Herr noch im Regiment sitzt und alles wohl führet.

—* Jetzt und nicht erst 8 Tage vor dem Feste ist es für jeden einsichtigen Geschäftsmann die höchste Zeit, mit seiner Weihnachtsreklame zu beginnen, wenn dieselbe Erfolg haben soll. Das Publikum macht in seiner Mehrheit bereits von Anfang ab seine Einkäufe und das kann den Geschäftsleuten ja nur lieb sein, da sich auf diese Weise alles in Ruhe erledigen läßt, was in den letzten Tagen vor Weihnachten mit diesen nervösen Hasten und Treiben nicht mehr möglich ist. Deshalb will ein jeder Käufer aber auch wissen, was unsere Geschäfte des Guten und Schönen bieten und dergleichen Anpreisungen in seinem Lokalblatte lesen, um sich hierüber in Ruhe informieren zu können. Unsere Zeitung wird in allen Kreisen der Bevölkerung, von Beamten, Handwerkern und Arbeitern, von Städtern und Landleuten gelesen, alle in ihr enthalte­nen Weihuachts-Jnserate, ob klein oder groß, finden deshalb auch eine zweckentsprechende und wirksame Ver­breitung. Die großen, welche besonders auffällig ge­druckt werden sollen, wolle man uns jedoch immer 1 bis 2 Tage -vor der erstmaligen Aufnahme zusenden, kleinere Inserate bis jeden Dienstags und Freitags spätestens 10 Uhr vormittags.

—* Bauernregeln für Dezember. Auf kalten De­zember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbares Jahr mit reichlichem Klee. — Jst's zu Weihnacht warm und lind, kommt zu Ostern Schnee und Wind. — Donnerts im Dezember gar, bringt viel Wind das nächste Jahr. — Ist der Winter warm, wird der Bauer arm. - Wind in Sankt Sylvesters Nacht hat nie Wein und Korn gebrat. — Fließt jetzt noch gar der Birke Saft, dann kriegt der Winter keine Kraft. — Weihnachten naß, gibt leere Speicher und Faß. — Grüne Weih­nacht, weiße Ostern. — Steckt die Krähe zu Weihnacht im Klee, sitzt sie zu Ostern oft im Schnee. — Dezember veränderlich und lind, ist der ganze Winter ein Kind. — Ist die Christnacht hell und klar, folgt ein reich gesegnet Jahr.

—* In der Zeit vom 18. bis 24. Dezember gehen u. a. folgende Postsonderzüge zwischen Frankfurt und Berlin. Ab Frankfurt a. M., haltend auf allen größeren Stationen, 11.42 vorm., in Berlin über Eisenach 9.34 vorm.; ferner ab Frankfurt 11.07 abends, in Berlin 7.47 nachm.; ab Berlin 1 nachts, in Frankfurt 10 15 abends; ab Berlin 12 mittags, in Frankfurt 10.52 vorm.; ab Berlin 6.30 nachm., in Frankfurt 4.27 nachm.

* Die feierliche Eröffnung des „Beamten Kasinos"

in Wächtersbach fand am Montag abend statt. Auf Einladung waren ca. 70 Herren erschienen. Se. Durch­laucht der Fürst begrüßte die Erschienenen und hob in seiner einleitenden Rede besonders hervor, daß sich die Gründung eines Kassinos schon lange als ein Be­dürfnis erwiesen habe. Das Kasino soll den geselligen und zwangslosen Zusammenkünften der Beainten dienen und einen engeren Zusammenschluß derselben unter einander vermitteln. Die im Entwurf vorge­legten Statuten wurden eingehend beraten und mit einigen Abänderungen genehmigt. Protektor des Kasinos ist der hohe Gründer desselben, Se. Durch­laucht der Fürst; der Vorstand wurde durch ein­stimmige Wahl durch folgende Herrn gebildet: l. Vor­sitzender: Herr Amtsgerichtsrat Dr. Gäbler; 2. Vorsitzender: Herr Dr. med. Bauer; 1. Schriftführer: Gerichtssekretär Eicke; 2. Schriftführer: Kammersekretär Stein; Vereinsrechner: Rentmeister Otto; Vergnügungs­leiter: Assessor Wörner. Zu Ehrenmitgliedern des C»sinos wurden einstimmig gewählt: Herr Landrath von Gröning-Gelnhausen und Herr Amtsrichter Frei­herr von Stein-Birstein.

* In der letzten Sitzung des Kreistages in Gelnhausen wurde an Stelle des früheren Landrats, jetzigen Herrn Geh. Finanzrats v. Baumbach in Berlin, Herr Landrat V. Gröning einstimmig zum Mitgliede des Kommnnallandtages für den Regierungsbezirk Cassel gewählt.

* Einen verabscheuenswürdigen Roheitsakt verübte der „Hammerschmied" Leo Belscher aus Lichtenau, der kurze Zeit bei dem Landwirt Eckert in Albersbach be­dien stet war und in Hanau eines Tages einem Pferde ein Beil derart in die Rippen warf, daß die Scheide tief in den Körper des armen Tieres stecken blieb. Das gequälte Tier lief vor Angst und Schmerz im Hofe herum, wodurch erst das Beil wieder aus der tiefen Wunde herausfiel. Dann brächte der Mensch das Pferd in den Stall und furnierte Pferdemist in die Wunde, bamit diese nicht zu sehen war. Nach dieser Heldentat verschwand er aus dem Dienst, das Pferd mußte getötet werden. Bald darauf tauchte Belscher in Fechenheim bei Hanau auf und vermietete sich daselbst unter falschen Warnen. In Gemeinschaft mit einem italienischen Matrosen unternahm er dann einen Einbruchsdiebstahl, wurde erwischt und nun der rächenden Nemesis übergeben. Die Strafkammer zu Hanau verurteilte ihn unter Berücksichtigung seiner Vorstrafen zu 3 7, Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.

* Auf Bahnhof Scherfede ist in der Nacht zum Dienstag der Güterschuppen nebst einem Güterwagen und sämtlichen dort lagernden Gütern niedergebrannt.

* Der in Berlebmg verhaftete Vorschußrendant Riedesel, welcher 100000 Mk. veruntreute, hat sich im dortigen Gefängnis erhängt.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag den 29. November.

Evangelische Gemeinde: Morgengottesdienst: Herr Herr Pfarrer Kahl. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Orth. Wochendienst: Herr Pfarrer Kahl.

Katholische Gemeinde.

Gottesdienst um 10Uhr: Herr Pfarrer Richter-Herolz. Weihe der 3 neuen Glocken.

Hierzit eine Beilage. *^g

„Darum bin ich an Ihrer Seite, um Ihre Hand­lungen zu bewachen."

.Glauben Sie, daß es eine Macht auf Erden gäbe, welche im Stande wäre, mich zu beschränken?"

„Nicht beschränken, aber bewahren, wenn Gefahr- Sie um giebt, wenn die Leidenschaft Sie soweit führt, daß Ihnen die Hilfe eines ruhigen, nüchternen Ver­standes von Nöten ist. Für einen solchen Fall empsehle ich Ihnen mein Leben, Gut und Blut- Darum begleite lch Sie, und das ist es, was mich nicht zu Hause bleiben ließ."

„Jahre sind vergangen, seit ich das letzte Mal durch diese Gegend kam", nahm die Gräfin das Ge­spräch wieder auf, indem sie zum Fenster hinaus blickend die nahe Grenze erkannte, hinter welcher ihr Heimatland lag.

„Dasselbe Gefühl, das mich heut hierher treibt, hielt mich so lange fern. Der Italiener liebt und haßt gleich heiß. Das südliche Blut ist bei dem Gedanken an beide in gleichem Maße erregt."

Sigmund schwieg.

«Sie sind mit Ihrer Braut ausgesöhnt, oder boten Sie nicht die Hand zum Ausgleich, fragte Sabine, einem neuen Gedanken folgend.

„Es ist alles aus; diese Heirat hätte jedenfalls doch kein gutes Ende genommen."

„Erzwungenes fällt nie gut aus. Ich machte die Erfahrung in meiner Ehe."

„Wählten Sie Ihren Gatten nicht aus Liebe?"

„Hören Sie meine Geschichte: merken Sie wohl auf meine Worte. Ich wünsche, daß Sie meine Ver­gangenheit und meinen Charakter kennen lernen. Alles, was Sie jetzt von mir hörten, muß mich in zweifel­haftes Licht gesetzt haben, doch wird sich vielleicht Ihre Meinung ändern, wenn Sie mein Schicksal er­fahren haben."

Sigmund erwartete mit gespannter Aufmerksamkeit ihre Erzählung, denn er zweifelte immer noch an ihr. Sein Verstand verurteilte sie, aber sein Herz konnte sich nicht von ihr lossagen; zwischen diesen wechselnden Gesuhlen schwankte er hin und her.

„Mein Vater war ein kluger, aber armer Astro­nom", begann Sabine. „Die Bewohner der Stadt, welche, wie alle Südländer, lebhafte Phantasie besaßen, schrieben meinem Vater, der vergeblich dagegen kümpfte, Zauberkünste zu. Unser von Kastanien- und Oelbäumen umgebenes Häuschen war stets von Besuchern umlagert, die sich Rat holen oder die Zukunft zu erfahren kamen. So wuchs ich heran, arm und auf mich an­gewiesen, denn meine Mutter war kränklich, und ob­gleich ich der Liebling meines Vaters war, achtete niemand meiner. Ich wurde wohl in die Wissenschaft der Sternkunde eingeführtz lernte jedoch kaum etwas anderes, es kümmerte niemand, was in Zukunft aus mir werden solle. So ward ich 16 Jahre und man nannte mich in Bergamo „die schöne Sabine."

Eines Tages besuchte eine Gesellschaft junger Leute Bergamos einzige Berühmtheit, unsre Sternwarte.

Unter diesen befand sich auch Graf Gerendy."

Sigmund machte eine lebhafte Bewegung.

„Hier begann unsere Bekanntschaft. Die Fremden hielten sich wochenlang in unserer Stadt auf. Moritz war unser täglicher Gast und huldigte mir, ohne, wie ich später aus feinem eigenen Munde ersuhr, an eine Heirat gedacht zu haben. Er verunstaltete täglich Aus­flüge in die herrliche Gegend, an welcher ich mit dem Vater, der nicht nur Astronom, sondern auch Botmib ker war, oft teilnahm. Er verstand, sein Wissen so vorzutragen, daß selbst die leichtlebigen, oberflächlichen jungen Leute mit Interesse seinem Vertrage lauschten. Solche Ausflüge eudeten gewöhnlich mit einem reichen Mahl in einem der ersten Hotels der Stadt. Die Fenster waren geöffnet und die erregende Wirkung des Trunkes, wurde durch die würzige Seelust und den Duft der Orangen und Palmen erhöht.

Graf Moritz sprach dem Becher stets mäßiger wie seine Gefährten zu, und wir beobachteten öfter, wie diese ihn an zu starkem Trinken verhinderten, was er auch willig und ruhig geschehen ließ.

Kurz vor ihrer Abreise sollte ein Abschiedssouper stattfinden. Gewöhnlich waren mein Vater und ich die einzigen Gäste, doch diesen Abend fanden sich z»' fällig noch mehrere Bewohner der Stadt ein. Moritz faß neben mir und sprach gierig Speisen und Trank zu und hörte diesmal wenig auf die Ermahnungen seiner Freunde.

(Fortsetzung folgt.)