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Samstag, den 31. Oktober 1903.

54. Jahrgang.

Ortsstatut

betreffend die Gemeinde-Schafhute in der Stadt Schlüchtern

Auf Grund des § 13 der Städte-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 wird für den Umfang der Stadt Schlüchtern nachstehendes Statut erlassen.

§ 1.

Jeder Gemeindeangehörige, welcher in der Gemar­kung Schlüchtern mit Grundeigentum in der Größe von wenigstens 25 Ar angesessen ist, ist berechtigt, Schafvieh zur städtischen Herde beizutreiben und zwar je 2 Stück für jede volle 25 Ar seines Grundeigen­tums. Junge Lämmer (Säuglinge) werden erst vom 15. Oktober ab zur Stückzahl berechnet.

In der Zeit vom 15. Oktober des einen bis zum 1. April des folgenden Jahres ist jeder Schafhalter berechtigt, die doppelte Anzahl der sich nach Maßgabe seines Grundbesitzes ergebenden Stückzahl der Herde beizutreiben.

§ 2.

Das zur Herde getriebene Schasvieh muß Eigen­tum des betreffenden Gemeinde-Angehörigen sein, auch ist das Beitreibungsrecht nicht übertragbar.

§ 3.

Wer Schafvieh zur Herde betreiben will, hat dies dem Schafmeister unter Angabe der Stückzahl anzu- zeigen, welcher» über die Annahme vorläufig entscheidet und dem Magistrat jeden Ersten eines Monats eine Liste der Schafhalter unter Angabe der Stückzahl ein- zureichen hat.

Ueber die endgültige Annahme der Schafe in die Herde entscheidet der Magistrat.

§ 4.

Die Bestimmung über die Raffe und Zahl der zu haltenden Böcke steht dem Magistrat zu.

§ 5.

Die gesamten Kosten der Gemeinde-Schäferei werden von den Schafhaltern nach der Stückzahl des zur Herde getriebenen Schafviehes aufgebracht.

Die zu erstattenden Kosten sind Gebühren im Sinne des § 4 des Kommunalabgabengesetzes und unterliegen den Bestimmungen dieses Gesetzes.

§ 6.

Die Stadt Schlüchtern ist berechtigt die Gemeinde- Schäferei aufzuheben, wenn die Stückzahl des zur Herde getriebenen Schafviehes 2 Jahre lang unter 100 beträgt.

§ 7

Dieses Statut tritt am Tage seiner öffentlichen Bekanntmachung an Stelle des Statuts über das Hal­ten von Schafvieh in der Stadt Schlüchtern vom 30. September I08G in Kraft.

Schlüchtern, den 26. Oktober 1903,

_______________Der Magistrat: Salonion.

Das Gehernnüs des Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch Nachdruck verboten

Ich will das Betragen aber keinesfalls dulden", rief das Mädchen leidenschaftlich.Entweder wählst Du Gräfin Sabine oder mich. Verehrst Du sie, so lasse mich."

Das ist ja Wahnsinn", sagte Sigmund unwillig. »Wenn Du wüßtest, was ich für unangenehme Tage verbringe und was für eine lästige Aufgabe mir zu- f'ßt, würdest Du mir mein Los nicht noch erschweren. Ich schwöre Dir, daß ich Dich allein liebe und mich nach Gräfin Sabine nicht aus eigenem Interesse er­kundige."

Das heißblütige Mädchen beruhigte. sich einiger- waßen, als sie in ihres Bräutigams aufrichtige Augen schaute und den tiefen innigen Ton seiner Stimme hörte.

Bist Du mir wirklich treu?" fragte sie ihn unter Tränen.

Ich denke nur an Dich", versicherte er ihr noch­mals.

Der alte Hemberg, Rosas Vater, aber nahm die Sache weniger leicht. Auch er hatte von dem sonder­baren Benehmen seines Schwiegersohnes gehört und von der noch seltsameren Sache, daß Perzay Bertalan Schulden über Schulden zu bezahlen habe, daß zahl­

Vorstehendes Statut wird auf Grund des § 13 der Städte-Ordnung für die Provinz Hesfen Nassau vom 4. August 1897 mit der Maßgabe genehmigt, daß der § 3 des Statuts den Zusatz erhält:Ueber die endgültige Annahme der Schafe in die Herde ent­scheidet der Magistrat."

Cassel, den 9. Oktober 1903.

L. S.

Namens des Bezirks-Ausschusses: Der Vorsitzende:

B. A. 3564. 3. V.

Piutti.

Vorstehendes Statut wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Schlüchtern, den 26. Oktober 1903.

Der Magistrat: Salomon.

Reformationsfest.

Luther der größte deutsche Mann, und die Refor­mation das größte weltgeschichtliche Ereignis!" so hat unser Kaiser am 4. September zu festlicher Stunde in_ Merseburg bekannt. Dieses Bekenntnis ist mit Windeseile durch die deutschen Gaue getragen worden, und wo immer evangelische Herzen schlagen, da haben sie mit Dankbarkeit und Freude den Klang vernommen, den der edle Hohenzollernsproß angeschlagen.

In der engen Klosterzelle, in den heißen Gewissens­kämpfen einer Menschenbrust wurde das Neue geboren, was aller Menschenwitz, alle Gelehrsamkeit und Or­ganisation nicht zustande bringen konnte: die Freiheit des Geistes, des Gewissens, die Quelle aller wahren Freiheit, alles echten Fortschritts. Unsere Zeit lechzt nach Reformen, man macht Gesetze, man hält Partei­tage, Friedenskongresse, man ruft nach neuen Pro­pheten. Dies Verlangen ist berechtigt, diese Mittel sind vielleicht erfolgreich in Kleinigkeiten. Was- unsere kranke Zeit heilen kann ist immer das Eine und Gleiche, wie zu jener großen Zeit vor 400 Jahren, wie zu allen Zeiten: allein das Evangelium von Jesu Christo, das wieder eine Macht im Volksleben werden muß. Darum ist das unsere Losung: Zurück zur Reformation, zurück zum Evangelium, damit ein Neues daraus geboren werde.

Die Reformation die größte weltgeschichtliche Tat! Möchten sich alle Evangelischen dieses Kaiserwort, an dem man nicht deuteln und rütteln soll, tief ins Herz schreiben! Wir leben und zehren von den Segnungen dieser Tat in Haus und Familie, in Staat und Kirche. Heute, wo sich der 31. Oktober wieder jährt, da der größte deutscheMann den rechten Nibelungenhort, das lautere Wort Gottes, aus den Tiefen der Nacht ge holt, in die man ihn versenkt, da gilt es nicht blos dankbar rückwärts zu schvuen auf das, was geschehen ist, sondern in kämpfender Gegenwart sich selbst zu

lose Wechsel über Theodor an der Börse kursieren und daß die Firma nicht mehr das alte Ansehen besitze.

Dies Alles beunruhigte ihn, und er trug Bedenken, unter diesen Verhältnissen die Hand und die reiche Mitgift seiner Tochter dem dritten Perzay anzuver- trauen. Sobald aber der alte Kaufmann anfing, die Familie Perzah streng zu verurteilen, trat Rosa auf ihres Bräutigams Seite und erklärte, lieber ihrer Mit gift als Sigmund entsagen zu wollen. Sie würde die Seine werden, ob er arm oder reich sei, und sollte sie mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Der ernste strenge Hemberg hörte mit verächtlichem Lächeln ihren Gefühlsergüssen zu.

Du wirst gegen meinen Willen nicht heiraten", sagte er.Ich wundere mich, daß meine Tochter nicht mehr Stolz besitzt. Dein Bräutigam schwärmt Monate lang fern von Dir im Auslande umher, beträgt sich Deiner Liebe gar nicht würdig, frägt nie nach dem Hochzeitstag, und doch willst Du Dich von diesem Manne nicht lossagen."

Rosa schwieg in stummen Trotz, aber seine Worte drückten einen Stachel in ihr Herz.Der Vater hat Recht. Ich werde mich prüfen, und vermag ich ihn zu vergessen, so geb ich ihm sein Wort zurück. Er liebt mich nicht, und ob Gräfin Sabine oder eine andere seine Liebe besitzt, gilt gleich."

Sie eröffnete ihrer Mutter zu deren größtem Stau1 neu, daß sie diesen Fasching an allen Unterhaltungen und Bällen leilnehme» wollte.Da Sigmund doch

prüfen, ob wir Evangelischen noch auf dem Boden der Reformation stehen. Gedenke, daß du ein Evangelischer bist! das ist Mahnung, das ist heilige Verpflichtung.

Deutsches Reich.

Se. Majestät der Kaiser hat am Montag Nach­mittag den Bildhauer Prof. Wilhelm Haverkarp mit der Ausführung eines Denkmals für den verstorbenen Alfred Krupp beauftragt. Die überlebensgroße Bronze­statue soll auf einem Granitpostament vor demGebäude des kaiserlichen Jagdkubs in Kiel, dessen Mitglied auch Krupp war, errichtet werden.

Es wird bestätigt, daß in Wiesbaden in der nächsten Woche eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren stattfinden wird. Am 4. November werden dort eintreffen: der Kaiser und die Kaiserin, ferner das Zarenpaar, der Großherzog von Hesfen sowie voraussichtlich auch Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen. Nach der Galatafel im Schlosse findet eine Festvorstellung im Königlichen Hoftheate. statt, bei welcher WebersOberen" zur Aufführung gelangen wird. Unmittelbar nach Beendigung der Vorstellung werden die Fürstlichkeiten wieder abreisen. Aus Anlaß dieser Monarchenzusammenkunft werden Schloß und Theater in Wiesbaden entsprechende Ausschmückung erhalten. Herr von Hülsen hat dieser Tage den In­tendanten v. Mutzenbecher telegrap bisch von dem bevor- stehendenKaiserbesuch in Kenntnis gesetzt. Inzwischen ist bereits eine kriegsstarke Eskadron des Husaren­regiments Nr. 8 von Paderborn nach Wiesbaden abgerückt, um den Chef des Regimeltts>>den Kaiser Nikolaus von Rußland, dort zu^mrüßen-^Die Be­sichtigung der Eskadron durch detO Zaren" fiiwet am Vormittage des 4. November statt. Die Abreise des russischen Kaiserpaares nach Rußland ist für den 6. 7. November in Aussicht genommen.

Zu dem Besuch, den der Zar in Wiesbaden am 4. November dem deutschen Kaiser abstatten wird, nachdem dieser ihn am Tage zuvor in Darmstadt be­sucht hat, ist großer militärischer Empfang vorgesehen. Zu dem Zwecke werden die Regimenter, deren Chef der Zar Nikolaus ist, durch Abordnungen vertreten sein. Das Kaiser Alexander-Gardegrenadier-Regiment Nr. 1 von Berlin stellt die Ehrenkompagnie, und das Husarenregiment Kaiser Nikolaus 11. von Rußland Nr. 8 von Paderborn die Ehreueskorte. Beide Truppen­teile werden von ihren Musikkorps begleitet sein. Eine kriegsstarke Schwadron desHusarenregiments, 7 Offiziere, 20 Unteroffiziere und 114 Mann sind von Paderborn bereits nach Wiesbaden unterwegs. Auf dem Wege vom Bahnhof zum Schloß sind Vermessungen vorge­nommen worden, die darauf schließen lassen, daß der Weg, wie bei früheren Besuchen des Zaren, durch Militärspalier besetzt wird. Noch demRh. Kur." wird

nicht ans Heiraten denkt, so will ich Diesen Winter genießen, ob er es billigt oder nicht."

Hast Du auch die Folgen Deines Entschlusses überlegt?" Eine Braut tanzt in Abwesenheit des Bräutigams nicht, und Sigmund wird es nicht recht sein."

Er kann doch nichts dagegen einwenden, wenn ich mich zerstreuen will", sagte Rosa weinend.Am Tage geht er seiner Praxis nach und abends lauert er auf der Kreuzstraße dem Wagen der Gräfin nach. Warum soll ich zu Hause bleiben und vergeblich seines Kom­mens ha>reu. Vielleicht kehrt er eher zu mir zurück, wenn er sieht, daß mich sein Betragen gleichgillig läßt."

Ihre Mutter willigte ein, und bei dem nächsten Ball erschienen Hembergs, ohne Sigmund benachrich- rigt zu haben. Als er am andern Morgen erfuhr, daß seine Braut die ganze Nacht getanzt und zahl­reiche Verehrer um sich versammelt hatte, machte er ihr heftige Vorwürfe, doch von der Hochzeit sprach er nicht ein Wort.

Verlangst Du, daß ich mich den ganzen Winter allein langweilen soll?" fragte Rosa.

Ich habe nichts dagegen, daß Du Dich amüsierst, aber lch will dabei sein und werde Dich in Zukunft zu allen Unterhaltungen begleiten."

Am nächsten Ball nahm Rosa auch wirklich

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teil. Das Ehepaa. baue s.n i;;,; r.