SchlüchternerMung
Erschiint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
J2 85.
Deutsches Reich.
— Der Kronprinz hat ein Schreiben an den Vorstand des preußischen Landeskriegerverbandes und deutschen Kriegerbundes in Berlin gerichtet, in welchem er mit Dank anerkennt, daß die Kriegervereine sich mit ganz erheblichen Summen an der Unterstützung der durch die Ueberschwemmungen schwer Heimgesuchten beteiligt haben.
— Der Prälat Dr. Wilpert hat dem Kaiser ein Handschreiben des Papstes und ein prächtiges Werk überbracht. Der Kaiser ließ sich die verschiedenen Bildertafeln des Werkes erläutern und erklärte, das Handschreiben des Papstes beantworten zu wollen.
— Der Bundesrat hat über die Wahl des künftigen Reichsgerichtspräsidenten Beschluß gefaßt und dem Kaiser den Wirkt. Geh Rat Dr. Gutbrod, bisher Direktor im Reichsjustizamt, zur Ernennung vorgeschlagen.
— Die Staatszuschüsse für die öffentlichen Volksschulen betragen für das ganze Königreich Preußen etwas über 27 Prozent. Aber während der Staat in Berlin noch nicht 3, in den Provinzen Rheinland pnd Westfalen noch nicht 20 Prozent zuschickt, betragen die Zuschüsse in Posen 52'/4, in Ostpreußen 49 in Westpreußen und Pommern je 43 74 Prozent usw.
— Die lothringischen Infanterie-Regimenter, die bisher ihren Ersatz größtenteils aus Rheinland-Westfalen bezogen, stellen nach der „Rhein. Wests. Ztg " M diesem Herbste zum erstenmale lothringische Landeskinder ein, die bisher noch nach Norden geschickt wurden.
— Die geschiedene Großherzogin von Hessen sollte sich, nach einer Bukarester Meldung, mit dem zur Zeit in Coburg auf Besuch weilenden Großfürsten Eyrill, ältestem Sohne des Großfürsten Wladimir von Rußland verlobt haben. Nach einer an maßgebender Stelle eingezogenen Erkundigung ist die Coburger Zeitung ermächtigt worden, (daß eine Verlobung zwischen den genannten Fürstlichkeiten nicht stattge- funden hat.
Ausland.
— Das italienische Königspaar hat Frankreich wieder vxrlassen. Kurz vor seiner Abreise hat König Viktor Emanuel einen Trinkspruch ausgebracht, in welchem er an die Zeiten erinnerte, wo französische Soldaten ihr Blut neben den italienischen Soldaten vergossen haben und fuhr dann fort: Glücklich, daß die Ursachen, die sie zusammen auf die Schlachtfelder führten, aufgehört haben, zu existieren, und mit dem Wunsche, daß hinfort die militärischen Kräfte der Nationen allein der Sicherung des Friedens dienen, spreche ich Ihnen im Augenblicke des Scheiden» von Paris erneut meine volle Dankbarkeit für den der
Das GeheiMnis des Schleiers.
Roman von H. v. Bcnitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.
Nachdruck verboten.
Ihr Goldhaar umgab wie ein Schleier das feine Köpfchen, welches auf den Armen ruhte. Ein Sonnenstrahl huschte über ihre Gestalt und spiegelte sich in der an den dunklen Wimpern zurückgebliebenen Träne. „O, hätte ich Dich nie gesehen", dachte Theodor, den der Anblick des herrlichen Mädchens berauschte. Seiner Kraft mißtrauend, wollte er entfliehen. Doch Adrienne schlief nicht, beim Geräusch seiner Schritte öffnete sie die Augen und sprang freudig empor, Theodors Hond ergreifend.
„Kommst Du, um Abschied zu nehmen ?" fragte sie „Es ist umsonst, ich lasse Dich nicht fort."
„Adrienne!"
„Was soll aus mir werden ohne Dich!" rief das Mädchen leidenschaftlich. „Ich begreife nicht, wie ich bisher ohne Dich existieren konnte. Ich war wie ein unentwickeltes Gewächs ohne Sonne. Wie Dornröschen bin ich jetzt erst erwacht. Ich will nicht länger schla- M tvill mich nicht von Dir trennen."
, Theodor ließ sich neben dem Mädchen nieder, welches zlllernd vor Aufregung seiner Antwort harrte.
, „Ich muß reisen", sagte er traurig, „aber ich verspreche Dir, in Kurzem wieder zurück zu kommen,
Samstag, den 24. Oktober 1903.
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Königin und mir bereiteten Empfang aus. In der Antwort Loubets heißt es: Stolz auf sein Heer und überzeugt, unter seinem Schutze ruhig seine beharrliche und fruchtbare Arbeit fortsetzen zu können, wird Frankreich Eurer Majestät Dank dafür wissen, daß sie unsere gemeinsamen ruhmreichen Erinnerungen wachgerufen haben. ■ Das von italienischen und französischen Soldaten für dieselbe Sache vergossene Blut soll für den Frieden und die Einigung zwischen unseren beiden Nationen nicht verloren sein. Der König Hai für die Armen der Stadt 50000 Franks und für die in Paris lebenden bedürftigen Italiener 30009 Franks gespendet.
— Der Deputierte Destoürnelles erklärte einem Vertreter des „New. York. Herald," das französische- italienische Schiedsgerichtsabkommen sei nur ein erster Schritt. Vier andere gleichartige Abkommen mit Spanien, Holland, Schweden 'und Norwegen seien in Vorbereitung. Der französisch-italienische Vertrag werde noch vor der Reise des Präsidenten Loubet nach Rom veröffentlicht, die übrigen binnen kurzem unterzeichnet werden.
Der „Eclar" meldet aus 'Algier, daß nach einem Gerücht der marokkanische Stamm der Schürfa von Uzzam sich dem Prätendenten Bu-Hamara ange schlössen habe. . Falls sich das Gerücht bewahrheiten sollte, würde die Lage für den Sultan sehr schwierig sein, da die Schürfas einen großen Einfluß in Marokko besitzen.
— Der „Times" wird aus Tanger gemeldet: Die Regierungstruppen sind von den Insurgenten am 12. d. M. zurück geschlagen worden und erlitten ernsthafte Verluste auf dem Rückzüge zum Lager. Die Behörden benachrichtigten den belgischen und den englischen Gesandten amtlich von der Verschwörung mehrerer Stämme, sich der Person des belgischen Gesandten bei Gelegenheit eines Ausfluges zu bemächtigen, den beide Gesandte vor einigen Tagen nach einem vier Stunden von Tanger entfernten Orte unternehmen wollten. Die Verschwörung scheiterte infolge von Uneinigkeiten unter den Stämmen.
Die Ausbildung des Landwirtes und die landw. Willterschulen.
l. Ist notwendig, daß die Söhne der k l e i n e n L a n d w i r t e, d e r B a u e r n, sich eine besondere Fachbildung aneignen?
Noch vor wenigen Jahrzehnten war es fast allgemein üblich, daß der angehende Landwirt, nachdem er aus der Volksschule entlassen war, sich in der elterlichen Wirtschaft mit den praktischen Arbeiten und Handfertigkeiten seines Berufes vertraut machte. Eine weitere Ausbildung fand in der Regel nicht statt, war auch nicht notwendig. Diese Art der praktischen Ausbildung ist auch heute noch unbedingt notwendig, dann bleibe ich länger und wenn Du mich nicht fort schickst, vielleicht für ewig hier."
„Ist das wahr?"
„Warum zweifelst Du?"
„Eine Stimme sagt mir, daß Du Dich von mir befreien willst; daß Du eine andere liebtest, ehe Du mich sahst und nun zu ihr eilen willst."
„Soll ich Dir das Gegenteil schwören?"
„Wird Dich Dein Schwur binden, wenn Dein Herz Dich zu einer Andern zieht?"
„Wenigstens wird er Dich beruhigen, so lange ich fern bin."
„Ohne Dich giebt es für mich keine Ruhe."
Theodor zog sie näher an sich. „Ich kann Dir die Dinge, welche mich auf kurze Zeit von hier treiben, nicht mitteilen, denn Du würdest sie doch nicht verstehen. Du hast ja keinen Begriff von dein, was auf der weiten Welt geschieht."
„Versuche es doch/
„Gut, vielleicht kann ich es Dir erklären, vielleicht fassest Du, was ich Dir sagen werde. Jahrelang glühte ich für eine Frau, die mir alles war. Sie liebt mich noch heut, indessen meine Gefühle für sie er- storben sind; deshalb floh ich ihre Nähe und muß nun dahin wandern, wo sie denkt, daß ich Heilung suche. Von da aus will ich ihr schreiben, daß ich nach Afrika unter den heißesten Himmel gehe, um meine Gesundheit wieder zu finden. Auf diese Weise komme ich ihr aus den Augen und kehre nie mehr nach Hause zurück."
54. Jahrgang.
ja gar ein Haupterfordernis der Ausbildung des Landwirtes. Doch es genügt heutzutage eine derartige Ausbildung dem Landwirte nicht mehr; denn die Anforderungen, die heute an ihn gestellt werden, sind ganz andere, sind viel höhere, als das früher der Fall war.
Das Ausland, welches unter viel günstigeren Verhältnissen landw. Erzeugnisse produziert als Deutschland, tritt mit dem deutschen Landwirt auf dem deutschen Markt in Konkurrenz, wodurch die Preise der Produkte gedrückt werden. Dazu kommt, daß bei uns die Arbeitslöhne durch den Zug der Arbeiter nach den Städten, durch Auswanderung und Steigerung der Lebensansprüche bedeutend gestiegen sind. Noch verschiedene andere Umstände, auf die an dieser Stelle. nicht eingegangen werden kann, haben zur Erhöhung der Produktionskosten geführt. Durch all diese Umstände ist die Stellung des deutschen Landwirts eine schwierige geworden. Der Landwirt der Gegenwart und der Zukunft hat daher einen scharfen Kam^f gegen diese schwierigen Verhältnisse zu kämpfen. Dazu bedarf er schärferer Waffen. Die Wissenschaft in Verbindung mit der Praxis giebt ihm diese in die Hand. Die Wissenschaft zeigt dem Landwirt den Weg, den er einzuschlagen hat, um durch richtige Anwendung der künstlichen Düngemittel und Kraftfuttermittel, durch Züchtung und Auswahl besonders leistungsfähiger Haustiere, durch zweckmäßige Be- und Entwässerung, durch Drillsaat, Tiefkultur usw. möglichst viel produzieren, und dadurch noch Reinerträge aus seiner Wirtschaft erzielen kann. Es ist aber ganz unmöglich, daß derjenige Landwirt, der nicht eine bessere allgemeine und Fachbildung besitzt, sich diese Errungenschaften der Wissenschaft zu nutze machen kann.
Wie viel Geld wird heutzutage noch weggeschmissen für künstliche Düngemittel, die unrichtig angewandt werden und daher nutzlos sind! Oder für künstliche Düngemittel, die minderwertig oder ganz wertlos sind! Wer heute noch glaubt, nach der alten Schablone wirtschaften zu können, der ist unrettbar verloren, der geht zu Grunde.
(Fortsetzung folgt.)
Males und Provinzielles.
Schlächter», 23. Oktober 1903.
—* Das Publikum wird vor dem Verkehr mit der „Internationalen Vereinigungsbank in Amsterdam" gewarnt, und empfohlen, sich in keiner Weise mit derselben in geschäftlichen Verkehr (Ankauf von Prämien- Losen bur$ Ratenzahlung) einzulassen.
—* Nach einer Bekanntmachung der heutigen Nummer unserer Zeitung finden die Ergänzungswahlen für die Handelskammer noch vor Schluß des Kalenderjahres statt. Es scheiden aus die Herren Wilhelm Fues, Heinrich Bracker, Gustav
„Ich verstehe Dich nicht. Warum kannst Du nicht mit ihr in demselben Orte wohnen, ohne sie zu lieben? Warum sagst Du ihr nicht, daß Dein Herz nicht mehr für sie schlägt?"
„Das eben kann ich Dir nicht erklären. Du verstehst die Geheimnisse des Lebens noch nicht. Gieb Dich mit dem zufrieden, was ich Dir sagte. Glaube mir. Ich liebte Dich vom ersten Augenblick an, als ich Dich sah. Ich schwöre Dir, zurückzukommen. All mein Sehnen gilt Dir, warte auf mich."
Innig schmiegte sie sich an ihn an. Beide hielten sich lange umschlungen. Adrieunens göttliche Schönheit berauschte Theodor. Das feine weiche Goldhaar, welches die Wellenlinien des Busens umspielte, die schneeige Weiße ihres Nackens, entfachten ein solches Feuer in ihm, daß er des schwarzen Schattens, welcher noch zwischen ihnen schwebte, vergaß. Plötzlich machte sich Theodor von ihr los und sprang auf. Sigmund kam die Allee entlang und näherte sich ihnen.
„Verabschieden wir uns", sagte er mit finsterer Miene zu Theodor. „Onkel Faustin wird sogleich hier sein, in einer Stunde geht der Frühzug ab."
„Warum willst Du ihn mir entreißen?" fragte Adrienne mit schmerzlichem Vorwurse. „Was hat Theodor fern von mir zu suchen? Er liebt mich, und hat sich mir zu eigen gegeben."
„Wir kehren wieder, doch nun müssen wir fort. Den Grund unserer Abreise wirst Du später erfahren", entgegnen Sigmung, seinen, Bruder, dessen Leichisinn.