Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Jfa 84.
Amtliches.
J.-Nr. 2794 K.-A. Der Heinrich Merse aus Sterbfritz beabsichtigt zum Zwecke der Bewässerung seiner an der Kinzig in der Struth — Gemarkung Sterbfritz — belegenen Wiesen an Stelle des bisherigen verfallenen Wehres ein neues Wehr anzulegen.
Ich bringe dieses Vorhaben hiermit zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Montag, den 9. November d. Ss.
vormittags H Uhr
vor dein Unterzeichnetem an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreisaus- schusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 16. Oktober 1903.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
— Am 16. Oktober fand die Prüfung der beiden zu konfirmierenden Prinzen durch den Oderhofprediger Dryander im Beisein des Pastors Baumann aus Plön im Neuen Palais vor den Majestäten statt.
Am 17. Oktober vormittags um 11 Uhr fand in der Friedenskirche in Potsdam die Einsegnung der kaiserlichen Prinzen August Wilhelm und Oskar statt. Unter Orgelspiel betraten das Kaiserpaar in Begleitung der beiden Konfirmanden in der Uniform des ersten Garderegiments z. F. mit dem Band und Stern des Schwarzen Adlerordens das geschmückte Gotteshaus, gefolgt von den Mitgliedern des kaiserlichen Hauses und den geladenen Fürstlichkeiten, darunter der Kronprinz von Griechenland, ferner den Spitzen der Behörden und den sämtlichen Hofchargen. In Vertretung dcs Königs Oskar von Schweden, des Paten des Prinzen Oskar, war der schwedische Gesandte v. Taube erschienen. Nach dem Gesang des Domchors, welcher einen Choral vortrug, und dem Gemeindegesang hielt der Oberhofprediger Dr. Dryander die Kvnfirmations- rede. Die Prinzen sprachen laut und ausdrucksvoll ihr selbstverfaßtes Glaubensbekenntnis, worauf der Oberhofprediger die Prinzen einsegnete. Mit dem Gemeindegesang schloß die Feier. Das Kaiserpaar blieb in der Kirche mit den älteren Prinzen zur Abrndmahlsfeier zurück.
Das GehelM^is des Sehleievs.
Roman von H. v. Bmitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.
Nachdruck verboten.
„Gut, ich füge mich Deinem verständigen und ehrenhaften Vorschläge, gehen wir."
Aber trotz alledem blieb er. Tage und Wochen vergingen, und er verweilte immer noch zu Adrienneus und ihres Vaters Freude an den Usern des blauen Sees.
VII.
Die in griechischem Styl erbaute Villa des alten Tamerlan wurde von einem weiten, prächtigen Garten umgeben. Blühende Orangen nnd Oelbäume beschatteten die Wege. Herrliche Palmengruppen, Aloen und Feigen wechselten mit Myrten und Cypressenrondels ab. Süßer Duft der Rosen und Pommeranzen erfüllte die Luft. Die Fenster öffneten sich nach dem wogenden - See, dessen Wasser bald himmelblau, bald tief grün schimmerten. Von fern sah man die steilauf- steigenden Fellen, welche das Comertal im Halbkreise umgeben und zu dem lieblichen Bilde einen so dräuenden Hintergrund bilden, als wollten sie das unten ausgebreitete blühende Leben an den Untergang mahnen. Stumm, starr und ernst erheben sie sich zur Höhe, und Adriennens Herz zog sich zusammen, so oft sie imuend nach den hohen Bergen schaute.
Mittwoch, den 21. Oktober 1903.
Der Oberhofprediger Dryander erhielt den Kronen- orden erster Klasse.
Der König von Schweden und Norwegen hat dem Prinzen Oskar von Preußen aus Anlaß seiner Einsegnung einen silbernen Pokal, einen norwegischen Skiläufer darstellend, übersandt.
— In einer Ansprache bei der Abendtafel an die konfirmierten Prinzen August Wilhelm und Oskar sagte Se Majestät der Kaiser: Mit Recht hob der geistliche Lehrer in seiner herrlichen Ansprache hervor, Ihr sollt Persönlichkeiten werden. Das ist der Punkt, auf den nach meiner Ansicht es für den Christen im täglichen Leben am meisten ankommt. Menschenworte kommen keinem Worte des Heilands gleich. Niemals hat ein Menschenwort es fertig gebracht, Leute aller Rassen und aller Völker gleichmäßig zu begeistern, ja für den Heiland zu erklären, daß seine Worte Worre des ewigen Lebens sind. Der Angel- und Drehpunkt des menschlichen, namentlich eines verantwortungsvollen arbeitsreichen Lebens liegt einzig in der Stellung zum Heilande. Ich rate Euch von ganzem Herzen: Schafft, arbeitet ohne Unterlaß! Das ist der Kern des Christenlebens. Am schwersten wird bestraft, wer nichts tut. Möget Ihr trachten, das beste zu leisten, eine Persönlichkeit zu werden nach dem Beispiel des Heilands, dann habt ihr erfüllt, was von Euch erwartet wird.
— Am Sonntag vormittag trafen der Kaiser, die Kaiserin, die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, Prinz und Prinzessin Heinrich, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen im Mausoleum Kaiser Friedrich III. ein und legten zu Füßen des Sarkophags Kränze nieder.. Auch von verschiedenen Offiziersdeputationen wurden Kränze niedergelegt. Die allerhöchsten Herrschaften verweilten längere Zeit im Mausoleum und begaben sich dann nach dem Neuen Palais zurück.
— Die Einberufung des Reichstags ist nach der „Deutschen Tagesztg." vor anfang Dezember sicher nicht zu erwarten. Was den preußischen Landtag angeht, so gilt es, wie das Blatt weiter hört, für vollkommen ausgeschlossen, daß er eher einberufen werde als in der zweiten Januarwoche. Die Entschließung wirb damit begründet, daß weder die Hochwasservorlage noch früher fertiggestellt werden könnte, sodaß der Landtag kein oder doch kein genügendes Beratungsmaterial haben würde.
Ausland.
— Zwischen England und Frankreich ist ein für
5 Jahre giltiger Vertrag unterzeichnet worden, Wonadi geringere Streitigkeiten, die weder vitale Interessen noch die Unabhängigkeit oder die Ehre der beiden Vertragsmächte betreffen ober Interessen dritter Mächte berühren eventuell dein Haager Schiedsgericht unter-
Hier in dem lieblichen Tale, mitten im goldenen Sonnenschein, erhoben sich die finsteren Felsen, tiefe Schatten spendend. Sollten auch auf ihr blühendes Leben einst düstere Schatten fallen?
Seit ihre Verwandten hier weilten, hatte sie die finstern Felsen vergessen. Sie verbrachte ihre ganze Zeit mit Theodor. Bald durchwandelten sie die Alleen des Gartens, bald machten sie weite Ausflüge in die Citronenhaine oder an den goldsandigen Ufern des Sees, die Schönheiten ringsumher mit bei Elastizität und Lebhaftigkeit der Jugend in sich aufnehmend und kehrten sie von dem Duft der Gegend und den lächelnden warmen Strahlen erfüllt zurück. Die süße Hoffnung, welche sich leise in ihre Herzen stahl, verklärte ihnen Gegenwart und Zukunft.
„Wenn Du immer bei uns bliebest," begann Adrienne eines Tages, „so gäbe es keinen Winter mehr, ewiger Frühling würde herrschen, die Sonne stets leuchten und der Schnee die Berge fliehen."
Theodor zitterte vor Wonne, aber scineLippen schloß der Schwur, den er einer Andern, Fernen geleistet hatte.
„Meine Gesundheit verlangt, daß ich reise," ent» gegnete er leise und unsicher. Sigmund drängt täglich; er behauptet als Arzt, daß die Luft für mich gefährlich sei."
„Schau diese tiefblaue Färbung über unsern Häuptern," sagte Adrienne, den Einwurf nicht beachtend. „So lange diese den Raum erfüllt und sich zur Dämmerungszeit in flüssiges Gold verwandelt, so
54. Jahrgang
breitet werden sollen. — Die Pariser Blätter mache: ein großes Aufsehen von der Bedeutung dieses Ver träges, der im Grunde gar keine politische BedeiUun hat. Der „Matin" fühlt das auch und glaubt z wissen, daß dieses Abkommen nur ein erster Schrit sei und weitere Verhandlungen gepflogen werden sollen
— Der König von Italien ist in Paris eilige troffen. Die^Presse hat eifrig zu Gunsten des könig liehen Gastes Stimmung gemacht und zwar mit großen Erfolge. — Das italienische Königspaar ist in Pari- mit Enthusiasmus ausgenommen worden. In seinen Trinkspruche erklärte Präsident Loubet, Frankreich se sich der Bedeutung des Besuches bewußt, es sehe ü diesem Besuche eine glänzende Kundgebung des engei Einvernehmens, das zwischen den Regierungen Italiens und Frankreichs hergestellt sei, und das in gleiche: weise den Gefühlen und den Interessen des italienischer wie des französischen Volkes entspreche. Der Präsiden: leitet daraus die Gewißheit her, daß beide Lände: hinfort mit gegenseitigem Vertrauen und mit demselber guten Willen ihre nationalen Aufgaben Verfolger können. Der König von Italien erwiderte in seinen: Toaste: „Mit Recht sieht Frankreich meine Gegenwar: in Paris als ein natürliches Ergebnis des zwischen unseren beiden Ländern glücklich vollendeten Werkes der Annahrung an " Dann heißt e§ weiter: „Die Interessen Italiens gehen dahin, daß es mit allen seinen Kräften die Erhaltung des Friedens wünscht und seine Stellung in Europa setzt uns in die Lage, durch seine Haltung zur Verwirklichung dieses in hohem Grade der Zivilisation dienenden Ergebnisses beizutragen. Nach diesem Zwecke richten sich meine heißesten Bestrebungen, ebenso wie die beständigen Bemühungen meiner Regierung."
— Der „Standard" meldet aus Odessa: Bei einem Erdbeben in Chorasan (Persien) wurden 13 Dörfer zerstört. 250 Menschen sind getötet, 5 000 obdachlos.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 20. Oktober 1903.
—* Wie schon aus der vorigen Nummer bekannt findet nächsten Samstag und Sonntag das Jahxesfest des Hessen Cassellschen Hauptvereins des Ev. Bundes hier statt. Wir wollen nicht verfehlen auch an dieser Stelle daraus aufmerksam zu machen.
—* Die Reichsbank gibt wieder Talerstücke aus. Der Grund zu dieser Maßregel ist in den Bedürfnissen des Verkehrs zu suchen. Obwohl dem Reichsbankverkehr in diesem Jahre rund 10 Millionen Mark Silber- münzen mehr zugeführt worden sind, als ihm inzwischen an Talern entzogen wurde, besteht doch allenthalben empfindlicher Mangel an silbernen Umlaufsmitteln, besonders aber in den Jndustriebezirken Die Verfügung betreffend die Einziehung der Talerstücke ist daher bis auf weiteres außer Kraft gefem: gleichzeitig lange kannst Du bleiben. Hier in Früwma ohne des Sommers Hitze. Die Luft beginnt nur bann schädlich zu werden, wenn gleich noch Sonnenuntergang die kühle Nacht einbricht und bfc kalten Herbstwinde von den Bergen wehen."
„In Cannes geschieht dies nie; dort ist die Dämmerung immer warm, und der Tag geht fast unmerklich in Nacht über. Die Mittagshitze ermübet, aber der Abendwind belebt wieder. Dahin gehen die Kranken, und auch ich muß dahin."
„Du bist nicht krank."
„Seit ich bei Dir bin, nein," rief er mit hervor- brechender Heftigkeit.
„Nun. so bleibe, gehe nicht fort, und Du wirst in kurzer Zeit ganz genesen sein."
Schweigend schritten sie weiter, die Sonne umtoste sie mit ihren Strahlen, als wollte auch sie Adriennes Behauptung bewahrheiten und ihn von der Abreise zurückhalten. Er kämpfte einen schweren Kampf mit sich selbst, den alten Kampf des Verstandes und Herzens. Theodor haderte mit sich selbst, er schalt der Vergangenheit, welche ihn an diesen Abgrund gebracht, aus dem ein Entkommen unmöglich war.
„Es muß anders werden," rief er Sigmund zu, welcher mit Seelenruhe feine Qualen beobachtete' „Astes nimmt einmal ein Ende, warum nicht meine Pein? Soll ich ewig mein eigener Sklave sein? Ich zerreiße die Ketten oder sterbe. Ein Pistolenschuß, und Alles ist vorüber. Sprich, gieb einen Rat. Der erste