Einzelbild herunterladen
 

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg. ageHeee**.»««»^». -«««««^»,0«^ Ö>. .- - ^^»., ^ T1T, ,.,». , , ^^o,^^^ ^i^_~^-^"^^^ -,-,^^«»nm.-----------------

M 83 Samstag, den 17. Oktober 1903. 54. Jahrgang,

^j^y^^ ........................

Amtliches.

J.-Nr. 2695 K.-A. Dem bei dem Königl. Ober- amtniann Kaiser in Steinau in Dienst stehenden Dienst­knecht Amand Porg ist für langjährige treue Dienst- [ zeit eine Prämie von 30 Mk. aus Treibmitteln bewilligt worden.

Schlächtern, den 5. Oktober 1903.

| Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Deich.

Se. Maß der Kaiser hörte am 12. Oktober im Jagdschloß Hubertusstock die Vorträge des Stellver­treters des Chefs des Zivilkabinetts, des Staats­sekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts.

Zur Teilnahme an der feierlichen Enthüllung der Denkmäler des Kaisers und der Kaiserin Friedrich vor dem Brandenburger Tore in Berlin am Sonntag, den 18.d.M., werden von Fürstlichkeiten hier erwartet: die Groß- herzogin von Baden, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe, Kronprinz und Kronprinzessin von Griechenland und der Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Ferner nehmen an der Feier teil die Kaiserlichen Söhne und die Prinzessin, sowie die in Garde-Regimentern stehenden Prinzen. Außer den: Generaladjutanttn des Kaisers Friedrich, General der Infanterie v. Mischke, werden aus dem ehemaligen Hofstaat des dahingeschiedenen Kaiserpaares auch der kommandierende General des Gardekorps, General der Infanterie und Generaladjutant v. Kessel, der Ober- Hof- und Hausmarschall Graf Eulenburg, der Ober- Hofmeister Graf v. Seckendorff, der Hofmarschall Fahr. v. Reischach u. a. m. der Enthüllung b^i- wohnen.

' Reichskanzler Graf Bülow, der im Juli 1870

in das damalige Königs-Husaren-Regiment Nr. 7 als Fahnenjunker freiwillig eintrat und von Anfang Okt. ab an allen Schlachten und Gefechten seines Regiments teilnahm, hat die ihm vomVerbände der Kriegsfrei­willigen von 167U/71" angetragene Ehrenmitgliedschaft angenommen.

Vertreter der thüringischen Regierungen werden, wie dies schon wiederholt geschehen, wiederum, und zwar dieses mal am 18. Oktober, für einige Tage zusammentreten zur Beratung und Beschlußfassung über eine Reihe gemeinsamer Angelegenheiten der inneren Berwaltung. Die Konferenz findet in Oberhof statt.

Auf der fünften Jahresversammlung ches Ver­ein für Kinderforschung in Halle a. S. teilte Anstalts leitet Trüper-Jena mit, daß von 22 Millionen Kindern im Reiche 7 Millionen nicht verstanden würden, weil man ihre Seele nicht kenne. Gegen 50000 Kinder standen alljährlich vor dem Strafrichter, Grund genug, ich immer mehr dem Studium der Kinder hinzugeben.

DasGcl>eimnt# der Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch. Nachdruck verboten.

Er grüßte i.nb entfernte sich. Sigmund sah ihn mit spöttischem Lächeln nach, dann schritt er erregt im Zimmer auf und nieder.

Nicht lange nachdem ihm sein Gast verlassen, mel= tote ihm sein Diener, daß eine tiefverschleierte Dame ihn jedenfalls in ärztlicher Angelegenheit sprechen wollte. Eigmund sprang überraschtvon seinem Sessel auf. Im ersten Augenblick wollte er diL-Iame abweisen, doch bald besaun er sich eines andern, denn-er hatte ja täglich erwartet und winkte nun dem Diener, die Tür zu öffnen. Dieselbe hohe, verhüllte Gestalt l,n weiten Mantel und dichten Schleier, die von Ber­gan das Kästchen verlangt hatte, trat ein.

Sigmund ging ihr einige Schritte entgegen.

»Vor einigen Wochen suchte ich Ihren Bruder auf, damals waren Sie noch im Auslande", begann sie mit lhrer leisen klangvollen Stimme, teilte er Ihnen meinen besuch mit?"

»Er erzählte mir alles."

»Gut, so brauche ich mich Ihnen nicht noch ein« « zu erklären. Haben Sie die Briefe, welche ich in Kästchen mchte?"

»Nein."

In der letzten Sitzung des Finanzausschusses in München wurde beim Etat des königlichen Hauses an den Ministerpräsidenten die Frage nach dem Be­finden des Königs Otto gerichtet. Herr v. Podewils gab zur Antwort, daß eine Aenderung in dem Befinden des Kranken weder zum Schlimmeren noch zum Besseren eingetreten sei, worauf der Titel ohne weitere Er­örterung genehmig: wurde.

Ueber die Beteiligung an den letzten Reichs- tagswahlen gilt das dritte Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs Aufschluß. Die Beteiligung war in diesem Jahre ungleich stärker als 1898. Während sich 1898 von 11441094 Wahlberechtigten 7 786 714 oder 68,1 vom Hundert an der Hauptwahl beteiligten, war dies im Jahre 1903 bei 9 533 794 oder 76,1 v. H. der Wahlberechtigten der Fall. Diese Zunahme erstreckte sich auf sämtliche Staaten und größeren Ver­waltungsbezirke, nur in wenigen Wahlkreisen war die Beteilgung etwas schwächer. Auffällig ist es, daß fast alle Staaten, in denen die Beteiligung im Jahre 1898 besonders groß oder gering war, diese Eigentümlichkeit auch im Jahre 1903 zeigen. Am größten war die Walffbeteilung in Bremen mit 92,2 gegen 89,1 v. H. Ueber 80 v. H. Wahlbeteiligung hatten Anhalt, Ham­burg, Mecklenburg-Schwerin, Altenburg, Sachsen, Rudolstadt, Sondershausen und Koburg-Gotha. Am geringsten ist die Beteiligung in Lippe gewesen: 47,8 gegen 38. Dann folgen Oldenburg mit 63,4 (59), Bayern 71,5 (60,2), Weimar 73,1 (63,4), Preußen 75,5 gegen 68,4. Von den einzelnen preußischen Provinzen hatten die stärkste Wahlbeteiligung die öst­lichen, in denen der Kampf zwischen Deutschtum und Polentum tobt; in Posen betrug die Beteiligung 81,7 gegen 75, in Westpreußen 79,3, gegen 77 v. H.

Ausland.

DerAgenzia Stesani" wird aus Darmstadt' gemeldet, daß laut amtlicher Mitteilung der Kaiser von Rußland aus Gründen, die von seinem Willen unabhängig seien, seinen Besuch am italienischen Hofe verschieben müsse.

Einem Londoner Telegramm derKöln. Ztg." zufolge, steigert sich die Unruhe und Besorgnis wegen der Zuspitzung der Lage im fernen Osten. Neben ört­lichen Alarmgerüchten wirkten in dieser Richtung die Nachrichten über russische Kriegsvorbereitungen sowie die Kunde von der Aufschiebung des Zarenbesuchs in Rom und die Sprache der russischen Blätter. Auch das Fehlen mancher Auskünfte aus Japan beunruhigt, besonders aber wird bemerkt, daß der japanische Ge­sandte den sofortigen Ausbruch des Krieges noch als unwahrscheinlich hinstellt, den Krieg an sich aber als möglich auffaßt und für diesen Fall die Hoffnung ausspricht, daß England Japan seine Sympathien schenken werde,

Wie? Schickte Ihr Bruder Theodor dieselben nicht znrück?"

Er sprach kein Wort zu mir darüber."

Die Dame machte eine heftige Bewegung.Wo ist er?" fragte sie in einem Tone, wie unterdrücktes Grol­len vor Ausbruch des Sturmes.

In Egypten."

Wie lange bleibt er dort?"

Bis er geheilt oder tot ist."

Die Dame sann eine Weile nach.Schreiben Sie ihm in den nächsten Tagen?"

Erst wenn ich seine dortige Ankunft erfahren habe."

Wo trennten Sie sich?"

In Cannes."

Weshalb verbreiteten Sie seine Todesnachricht?"

Es war ein Mißverständnis."

Die Dame zuckte die Schultern zuni Zeichen, daß sie Sigmunds Worten wenig Glauben schenkte. Der Schleier bewegte sich und er erblickte, wie sein Bruder Bertalan, den wunderbaren Mund mit den Purpur­lippen.

Er brauchte nicht mehr zu sehen, er wußte mit wem er sprach. Ihn reizte das Geheimnis des Schleiers nicht.

Aber später werden Sie ihm doch schreiben?"

Gewiß." _

Kennen Sie mich?" fragte beklommen die Dame.

^Jch habe nicht das Vergnügen."

Aus Sofia wird demB. L.-A." telegraphiert: Botennachrichten aus Mazedonien bestätigen, daß in der vorigen Woche zwischen türkischen Truppen und Aufständischen wieder heftige Kämpfe stattgefunden haben. Nordwestlich von Monastir, im Biglagebirge, schlugen-die Aufständischen unter Boris Sarasow und Danian Grueff mit 800 Mann 12 türkische Bataillone mit Artillerie und Kavallerie. Die Aufständischen waren teilweise beritten. Bei dem Dorfe Salitzi am Drinfluß sollen drei Freischaren von 400 Türken und dann diese wieder von 600 Aufständischen unter Sara- fow umzingelt worden sein. Das Resultat ist bisher unbekannt.

Zur Landtagswahl.

Nachdem die Zentrumspartei beschlossen hat, einen eigenen Kandidaten und zwar in der Person des Reichstagsabgeordneten Herrn Richard Müller-Fulda aufzustellen, gewinnt der bevorstehende Wahlkampf an Interesse. Jedenfalls beweist die neue Kandidatur, daß Herr Bürgermeister Berta-Soden nicht unter dem Einflüsse der Zentrumspartei, wie dies im gegnerischen Lager seither angenommen zu sein scheint, aufgestellt worden ist. Unter den Verhältnissen, wie sie sich jetzt gestaltet haben, ist wohl eine Stichwahl nicht un­wahrscheinlich.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 16. Oktober 1903.

* Auf der großen Junggeflügel-Ansstellung in Casfel vom 3.-5. Oktober, erhielt Herr Hildebrand, hier, auf sein ausgestelltes Geflügel folgende Preise zuerkannt: Staatsehrenpreis, sowie 2 Privatehrenpreise, darunter Ehrenpreis für beste Leistung in Italiener und 1., 2. und 3. Klassenpreise.

s-* Kirchweih! Dieses Wort übt einen ganz eigen­artigen Reiz aus, leider aber nicht ganz den, den es nach des Wortes ursprünglicher Bedeutung ausüben sollte. Das Wort deutet, wie wir wohl alle wissen, auf einen hoch bedeutungsvollen Gedenktag der Kirche und so war es in früheren Zeiten, daß dieser Tag insbesondere der Kirche geweiht war, erst abends trat dann in der Regel eine kleine weltliche Feier ein. Aber wer Heutzutage das WortKirchweih" ausspricht, der denkt dabei mehr an Gänse- und Entenbraten, an Knack- und Bratwürste, an Kaffee und Kuchen, an den edlen Rebensaft, an Aepfelwein und Bier, an Tanz­vergnügen kurz und gut, die Kirchweih der jetzigen Zeit hat einen sehr irdischen Beigeschmack bekommen. Die Vergnügungen sollen ja zur Geltung kommen, Aber erst nach dem Ernste! Möchten daher alle nicht vergessen, woher das Wort Kirchweih seinen Ursprung genommen hat. Freilich hängt von der gegenwärtigen Kirchweih viel ab. Die Geschäftsleute freuen sich auf eine reiche Einnahme. Viele, die außerhalb ihres

Ihre Brust hob und seukte sich stürmisch, von neuem bewegte sich der Schleier. Sigmund sah unwillkürlich zur Seite.

Gut", sagte sie mit unterdrücktem Zorn.Ich sehe, Sie wollen mir keine Aufklärung geben. Ueber- morgen reife ich und werde Theodor Perzay zu finden wissen und wäre er am Ende der Welt."

Nach diesen Worten entfernte sie sich ohne noch den Arzt eines Blickeszu würdigen.

VI. .

An den Ufern des tiefblauen Comersees, im Schat­ten der Zitronen und Oelbäume erheben sich mehrere in verschiedenen Styl erbaute prächtige Villen. Die schönste aber war die des reichen Kaufmanns Faustin Tamerlan. Mit ihren säulengeschmückten Vorhallen und ihren von Meisterhand gefertigten Statuen war sie der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit der hrer zahlreich zusammenströmenden Fremden.

Der alte Tamerlan war ein Original. Jahrelang hatte er in Athen, Wien und Pest gewohnt. Nachdem seine einzige Schwester gut verheiratet war, verließ er aufs Vieue Budapest und das Land und siedelte sich am Lago di Cano an. Er hatte spät geheiratet und seine Frau bald nach der Geburt eines Töchterchens wieder verloren,

Als sich Faustin am Comersee niederließ, war Adrienne kaum sechs Jahre alt und ein schwaches kränkliches Kind, dem der Vater aus Furcht, daß sie ihm sterben könnte, keinerlei Unterricht zuteil werden